Schreiben ist ein Handwerk

(enthält Werbung)

Schon mal einen Handwerker bei der Arbeit beobachtet? Da sitzt jeder Handgriff. Nicht nur das Werkzeug hat Profiqualität, sondern auch die Bewegungsabläufe. Wenn ich als Laie ein Zimmer streiche, brauche ich gefühlt ewig, während eine gelernte Malerin ratzfatz fertig ist. Wenn ich versuche, eine Wand zu verputzen, landet mehr auf dem Boden als an der Wand. Ein Verputzer erledigt das nicht nur schnell, sondern auch so, dass hinterher keine Unebenheiten da sind. An Silikonfugen im Bad versuche ich mich gar nicht erst.

Es mag an meiner mangelnden handwerklichen Begabung liegen – die ich natürlich als Kind aus einer Handwerkerfamilie nicht zugebe. Ich liebe es sogar, mit den Händen zu arbeiten. Früher habe ich viel genäht und mich jahrelang gegrämt, nicht Schneiderin geworden zu sein. Vielleicht ist mir der handwerkliche Aspekt des Schreibens deshalb besonders bewusst. Ich schreibe und veröffentliche seit dreißig Jahren und habe dieses Handwerk von der Pike auf gelernt. Und ich kann sagen: Nein, es ist keine Frage der Begabung, sondern der Übung! Gute Handwerker:innen haben gelernt, was sie tun. Sie wurden angeleitet, und sie haben das, was sie heute gut können, immer und immer wieder ausgeführt, bis alles saß. Die Malerin hat eine Ausbildung gemacht, theoretische und praktische Fertigkeiten erlernt und geübt, geübt, geübt. Im Laufe der Jahre erarbeitete sie sich so eine Routine.

So ist es auch mit dem Schreiben: Was dir heute schwerfällt, wird dir in einigen Monaten leichtfallen, wenn du es immer wieder ausführst. Du hast heute Schwierigkeiten, spannende Dialoge zu schreiben oder deine Figuren dreidimensional zu gestalten? Es fällt dir schwer, deine Geschichte durch Absätze zu gliedern oder „Show, don’t tell“ zu beherzigen? Wenn du dich immer wieder mit diesen Aspekten beschäftigst und dich zu diesen Themen weiterbildest – und vor allem: regelmäßig schreibst! – wirst du irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem es „fließt“; an dem plötzlich leicht ist, was bislang unmöglich schien. Du hast das Schreiben trainiert und musst nicht mehr über jede Kleinigkeit nachdenken, sondern gerätst in den berühmten Schreibflow – bei dem dann tatsächlich auch was Brauchbares herauskommt.

Heute wollen wir uns also mit dem handwerklichen Aspekt des Schreibens beschäftigen und wie du ihn berücksichtigen kannst, und zwar dauerhaft – denn das Lernen hört dabei niemals auf. ♥ 

Üben, üben, üben

Ich wünschte, ich könnte dir einen einfacheren Weg nennen. Einen, der weniger zeit- und kräfteraubend ist. Wenn es ihn gäbe, würde ich dir jetzt einen Zaubertrank reichen, der – schwups – dafür sorgt, dass du alles Wissen und Können rund ums kreative Schreiben verinnerlicht hast.

Gibt es leider nicht.

Es gibt keine Abkürzung, keinen einfachen Weg und leider keinen Zaubertrank. Es gibt nur eines: Arbeit. Schreiben ist ein Handwerk, und gut wird man darin nur, wenn man sich immer wieder mit den theoretischen Grundlagen beschäftigt – und übt, übt, übt. Das kostet Zeit und Nerven und unter Umständen auch Geld.

Sorry.

Keine Begabung? Keine Ausrede!

Nachdem wir das geklärt haben, zum Positiven: Man kann das lernen. Wenn du dich tatsächlich fortlaufend mit den theoretischen Grundlagen beschäftigst, mal einen Schreibratgeber liest oder auch einen Kurs besuchst – wie zum Beispiel den von mir und der Agentur Autorenträume -, und das Gelernte regelmäßig anwendest, am besten täglich, dann wird deine Beharrlichkeit Früchte tragen. Hole dir hierzu Feedback ein und arbeite damit. Sieh es nicht als negative Kritik, sondern als Möglichkeit, dich weiter zu verbessern. Auch negative Rezensionen können dann sogar hilfreich sein, wenn sie Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten enthalten. Du kannst dir Hilfe bei Profis wie mir suchen, dir einen Schreibbuddy suchen oder dich einer Autorengruppe anschließen. Oder alles zusammen. Mach das, was Zeit, Lust und Geldbeutel zulassen und für dich passt.

Aber: Bleibe am Ball. Ich bin ein großer Freund davon, sich wirklich täglich mit dem Schreiben zu beschäftigen. Das bedeutet nicht, dass du jeden Tag zwei Stunden ins stille Kämmerlein verschwinden musst. Es kann auch bedeuten, einen Podcast zum Schreiben zu hören – zum Beispiel meinen, hehe -, beim Lesen auf den Spannungsbogen zu achten oder immer einen kleinen Block und Stift dabei zu haben, um Ideen sofort notieren zu können. Es gibt so viele Anlässe und Möglichkeiten, das Schreiben ins Leben zu integrieren. Diese kleinen Schritte machen aber den entscheidenden Unterschied. sie sind der Grund, warum manche besser werden und manche ewig auf dem gleichen Stand verharren.

Kein Bock auf Kritik? Doch!

Eine Voraussetzung ist dabei allerdings, dass du dich entscheidest, Kritik anzunehmen und dazulernen zu wollen. Wenn du auf dem Standpunkt stehst, bereits alles zu wissen, wird es schwierig. Wie gesagt: Auch ein Textprofi wie ich hat nie ausgelernt. Wär mir auch ehrlich gesagt zu langweilig. Wenn es so wäre, würde ich mir vermutlich einen neuen Beruf suchen. 😉

(Allerdings musst du Kritik nicht ungefiltert annehmen. Manchmal ist es sogar ganz klug, sie zu ignorieren. Warum, erfährst du hier.)

Und nochmal: Üben, üben, üben!

Kommen wir zur konkreten Umsetzung. Was kannst du tun, um das Schreibhandwerk zu lernen? Hier eine unvollständige Liste. Picke raus, was für dich passt.

  • Lies einen Schreibratgeber. Frage befreundete Autor:innen, welchen sie empfehlen können. Schau aber auch nach deinen konkreten Bedürfnissen.
  • Besuche einen Kurs in Präsenz, zum Beispiel an einer VHS. (Dort habe ich auch schon unterrichtet.) Der Vorteil ist, dass du dich an deinem Wohnort mit Gleichgesinnten vernetzen kannst.
  • Belege einen Onlinekurs. Die gibt es in jeder Preiskategorie und zu den unterschiedlichsten Themen. Der Vorteil ist, dass du zeitlich und örtlich unabhängig bist.
  • Nimm eine Schreibberatung in Anspruch, wenn du an einem konkreten „Problem“ arbeiten möchtest. (Bei mir kostet eine solche Beratung aktuell 35 Euro je halbe Stunde. Schreibe mir an kerstin@21ufos.de für weitere Infos.)
  • Suche dir einen Schreibbuddy und/oder schließe dich einer Autorengruppe an. Wenn du anfängst, dich auf einer Plattform deiner Wahl oder in freier Wildbahn zu vernetzen, wirst du auf Menschen treffen, die dir sympathisch sind, mit denen du auf einer Wellenlänge bist. Trau dich: Sprich sie an!
  • Lies analytisch. Nimm deine liebsten Romane oder Sachbücher aus dem Regal und lies mit den Augen eines Schriftstellers: Warum gefallen sie dir so gut? Was hat der Autor oder die Autorin besonders gut gemacht? Und: Was kannst du von ihm oder ihr lernen?
  • Schreibe täglich. Das muss nicht am Schreibtisch sein. Es bedeutet, dass du dich täglich mit deinem Projekt verbindest, gedanklich am Plot und deinen Figuren feilst, Notizen machst, auch als Sprachnotiz, oder dir vielleicht eine Zeichenzahl als Tagesziel setzt. (Meiner Erfahrung nach kann dies aber auch unter Druck setzen, und sofern du keine Deadline hast und merkst, dass das nichts für dich ist, lass es bleiben.) Finde deine Art zu schreiben, deinen Style. Das kann kein anderer. Nur du.
  • Und zu guter Letzt: Akzeptiere das Unvollkommene. Vielleicht ist deine Schreibe noch nicht so, wie du sie dir vorstellst. Vielleicht fließen die Wörter noch zäh aus dir heraus. Vielleicht prokrastinierst du mehr als du produzierst. Alles okay. Es wird nicht über Nacht gut werden. Aber es wird besser werden. Jeden Tag ein bisschen.

Hast du Fragen oder möchtest du mir etwas sagen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.

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Alles eine Frage der Stimmung?

Kennst du das? In kuscheliger Winterstimmung beginnst du, gehüllt in eine Kuscheldecke, ein neues Manuskript, nippst zwischendurch an einem Glühwein oder Früchtetee und genießt bei Kerzenschein die ruhigen Schreibzeiten. Dann wird es plötzlich Frühling, die Vögel zwitschern, alle zieht es hinaus an die frische Luft … Blöderweise auch dich, obwohl du doch am Schreibtisch sitzen und fleißig tippen solltest – schließlich soll dein Text in diesem Leben noch fertig werden. Aber plötzlich bist du nicht mehr in der richtigen Stimmung.

Darum soll es heute gehen: Die Stimmung, in der wir schreiben, wie sie sich im Lauf des Projekts ändern kann wie die Jahreszeit und was wir tun können, wenn das Ganze negative Auswirkungen hat.

Nicht mehr in Stimmung

Vielleicht gehörst du zu den „Sonnenschreibern“, die am Strand ihr Manuskript begonnen haben und sich im tiefsten Winter fragen, wohin denn die lockere Sommerlaune verschwunden ist – sowohl im eigenen Körper als auch in der Geschichte.

Oder deine Lebensumstände haben sich derart geändert, dass deine aktuellen Gefühle sich im Gegensatz zu dem befinden, was dein Text vermittelt beziehungsweise vermitteln soll. Ein krasses Beispiel: Eine Autorin beginnt im Freudentaumel der Verliebtheit ihr Manuskript, eine locker-flockige Lovestory. Die Beziehung geht in die Brüche – und damit auch die Lust oder Fähigkeit, diese Geschichte im gleichen Ton zu beenden

Oder du musstest deine Geschichte, warum auch immer, unterbrechen und setzt die Arbeit daran erst nach langer Zeit fort. Naturgemäß hat sich in der Zwischenzeit in dir und deinem Umfeld einiges verändert, was sich auf den späteren Textteil auswirkt.

Schreiben en bloc

Wenn du kontinuierlich an deinem Texte arbeitest und von der ersten Idee bis zum letzten getippten Wort im Fluss bleibst, hast du einen entscheidenden Vorteil: Du bleibst immer am „Puls“ deines Texts. Du verlierst das Projekt nicht aus den Augen; weißt, warum du bestimmte Entscheidungen getroffen hast; kennst dein Personal. Wenn du langsam schreibst, wird sich maximal die Jahreszeit ändern – doch für manche kann schon das ausreichend sein. Wie oben beschrieben nehmen dann die Frühlingsgefühle überhand, wo zuvor graue Tristesse herrschte.

Gut, die Frühlingsgefühle kann man in Text gießen und eine romantische Szene draus ableiten. 😉 Dennoch ändert sich möglicherweise ab diesem Zeitpunkt der Ton deines Texts, oder du hast plötzlich keine Lust mehr, daran weiterzuarbeiten. Jetzt zu unterbrechen, birgt das Risiko, das Projekt aus den Augen zu verlieren. Es landet in der Schublade – und bleibt dort möglicherweise auch.

Dennoch bin ich kein großer Freund davon, gegen die Gefühle anzuschreiben. Als ich viel für einen Verlag produziert habe, konnte ich mir nicht aussuchen, ob und wann der Text fertig werden durfte. Ich hatte einen Abgabetermin, der zu halten war. Wenn du keine Deadline hast und vertraglich verpflichtet bist, zu liefern, bietet sich eine Unterbrechung an. In dieser Zeit kannst du dich anderen Projekten widmen, mit denen du dich wohler fühlst, denn: Schreiben sollte in erster Linie Spaß machen. Dauerfrust führt garantiert in die Sackgasse. (Isso.)

Tricks für den Flow

Wenn das nicht dein Ding sein sollte oder du den Text unbedingt in diesem Zustand beenden möchtest, kannst du ein paar Tricks ausprobieren:

  • Plane in den Gesamtablauf deines Projekts die sich verändernden Jahreszeiten ein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Probleme weitaus weniger problematisch sind, wenn ich sie auf mich zukommen sehe, hihi. (Plotter haben den Vorteil, dass sie genau wissen, wann welche Szene drankommt und können das Schreiben entsprechend planen.)
  • Wenn du einen Roman schreibst, der das Weihnachtsgeschäft mitnehmen soll und winterliche Stimmung verbreitet, aber im Sommer schreiben musst, versetze dich durch Dekoration, Musik und passende Lebensmittel in Weihnachtsstimmung. Und nein, das ist kein Gag: Auf Instagram kannst du jedes Jahr live im Hochsommer verfolgen, wie manche Autor:innen genau das machen (müssen). Andersrum geht’s natürlich auch: Schreibst du im Winter eine Geschichte für das Frühjahrs-/Sommergeschäft, tut es vielleicht der Liegestuhl, eine alkoholfreie Piña Colada und – für die ganz Krassen – der Bikini oder die Badehose. Vielleicht helfen aber auch Vogelgezwitscher, Meeresrauschen und die Sommerhits von 1990. Du wirst wissen, was du mit Sommer verbindest. 😉
  • Arbeite mit einem Moodboard, mit dem du eine bestimmte Stimmung visualisierst. Du kannst es digital oder als Collage gestalten, die einen Platz in deinem Schreibumfeld bekommt. Ein Blick darauf vermittelt dir die Stimmung deiner Geschichte. Fotos eines Sandstrands unter Palmen oder schneebedeckter Berge? Kaminfeuer und Puschen oder Cafészene auf einer Piazza? Dunkle Töne oder helle? Du gestaltest das Moodboard, wie es für dich und zu deiner Geschichte passt. (Netter Nebeneffekt: Die entstandene Farbpalette kannst du für’s Marketing verwenden. 😉 )
  • Nach einem Konzertbesuch bist du richtig gut gelaunt? Es geht nichts über eine Frühstücksverabredung mit einer guten Freundin? Ein Stadtbummel mit Besuch in deiner Lieblingsbuchhandlung versetzt dich eine angenehm prickelnde und motivierte Stimmung? Wenn es das ist, was du gerade für deinen Text brauchst, dann los! Schreiben bedeutet immer auch, sich selbst kennenzulernen. Wenn du über diese Aspekte einmal nachdenkst, wirst du vielleicht herausfinden, dass du nach einem Museumsbesuch tiefenentspannt und konzentriert arbeiten kannst, nicht aber nach einem Shoppingmarathon zwecks Schuhkauf, obwohl du danach immer echt gut drauf bist. Da kannst du vielleicht Ideen sammeln oder plotten, aber keine zusammenhängende Szene schreiben. Finde es heraus.
  • Manche Menschen – wie die Freundin oben – lösen positive Gefühle in uns aus, manche leider weniger gute. Je besser du dich und dein Schreiben kennenlernst, desto klarer wird dir dieser Aspekt und die Auswirkung auf deine Kreativität werden. Das kann dann dazu führen, dass manche Menschen dein Leben verlassen werden. Du wirst sie gehen. Oder so. Mit manchen wirst du den Kontakt stattdessen intensivieren. Und wenn du weißt, dass die Mitarbeiterin der örtlichen Postannahmestelle Aggressionen in dir auslöst – die du natürlich niemals ausleben würdest – hilft ein dortiger Besuch vielleicht beim Schreiben des anstehenden Streitgesprächs …

Fazit

Aber, und das ist mir wichtig: Du musst das alles nicht machen. Wenn du keine vertragliche Vereinbarung eingegangen bist, musst du dich zu nichts zwingen. Wenn es dir gerade nicht gut geht und du keinen Kopf für Liebesschwüre und Himmel voller Geigen hast, sondern dir der Sinn eher nach Thriller oder Endzeitszenario steht – go for it. Du wirst dieses Projekt fortsetzen, wenn du wieder in der richtigen Stimmung bist. Speichere es gut ab, drucke es aus und packe das Fragment in einen Ordner, mache dir ein paar zusätzliche Notizen. Und dann trage dir im Kalender einen Termin ein, wann du es mal wieder anfassen möchtest. Vielleicht bist du dann wieder in der richtigen Stimmung, vielleicht nicht. Es ist okay.

  • Schreibe mit an kerstin@21ufos.de, wenn du weitere Tipps oder Fragen hast oder mir etwas sagen möchtest.
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Goodies fürs Herz

Heute geht es um die Kleinigkeiten, um die sich viele Autor:innen rund um die Veröffentlichung ihres Buchs gerne kümmern: Goodies oder Gimmicks – kostenlose Zugaben oder Werbematerialien zum Buch also. Braucht man sie? Sind sie „Pflicht“? Was kosten sie? Und welche nutzt Kerstin? 🙂 Diesen Fragen wollen wir uns heute widmen.

Da ich nun kein ausgewiesener Marketingexperte bin *hüstel* und bei allen Fragen rund um verkaufsfördernde Maßnahmen an meine qualifizierteren Kolleg:innen verweisen möchte, geht es mir hier eher um die emotionale Komponente. Sprich: Brauchst du solche Werbematerialien – oder nicht? Sind sie für dich als Autor:in wichtig oder könnten sie es sein?

Sinn und Nutzen

Zuerst wollen wir einmal die Frage klären, ob solche Materialien überhaupt nötig sind. Ich kenne Autor:innen, die ganz klar sagen: „Nope, nicht mit mir!“ Sie veröffentlichen ihr Buch – und fertig.

Andere versorgen ihre Leser:innen nicht nur mit Postkarten und Lesezeichen, sondern lassen Tassen, Kerzen oder Kissen zum Buch produzieren und haben zum Veröffentlichungstag einen ganzen Fundus an Materialien angehäuft.

Unabhängig von der Frage, ob und wie sich mit solchen Materialien Verkäufe ankurbeln lassen, beobachte ich, dass gerade in einer Community wie Bookstagram, der buchbezogenen Bubble auf Instagram, angehende Autor:innen ganz schön unter Druck geraten können, wenn sie sehen, was andere so machen. Gerade wenn es um Buchblogger:innen geht, könnte man das Gefühl haben, dass es ohne kreative Buchbox inklusive Teebeutel und Süßigkeiten gar nicht mehr geht.

Aber: Weder sind Materialien zum Buch Pflicht noch werden sie von allen erwartet. Es liegt in deinem Ermessen, ob du dem Versand etwas beigeben möchtest. Und wenn du etwas beigeben möchtest, muss es nichts Anspruchsvolles sein. Bei meinem Kinderbuch „Wimpel und die rote Koralle“ habe ich mich beispielsweise für eine Postkarte mit Ausmalmotiv auf der Vorderseite entschieden. Ein paar persönliche Worte wollte ich sowieso mitsenden, und so habe ich das Praktische mit einer kleinen Aufmerksamkeit verbunden. Da ich positive Rückmeldungen erhalten habe, kann ich dieses Vorgehen also empfehlen. 🙂

Im persönlichen Kontakt mit Leser:innen ist es immer schön, ein paar Materialien bei der Hand zu haben. Diese kannst du mitgeben und dein Buch für einen eventuellen späteren Kauf in Erinnerung rufen. Hier setze ich – je nach Projekt – auf Postkarten und Lesezeichen, denn beides lässt sich gut verwenden und landet hoffentlich nicht so schnell im Papierkorb.

Auch auf Messen kommen Lesezeichen und Postkarten gut an. Wenn du Mitglied im Selfpublisher Verband bist, hast du die Möglichkeit, zur Frankfurter und Leipziger Buchmesse Werbematerialien zu deinem Buch mitzuschicken. Diese Möglichkeit nutze ich immer sehr gerne. (Achtung: Hier gibt es Vorgaben ans Format.) Wenn du selbst einen Stand auf einer Buchmesse hast, eventuell mit befreundeten Autor:innen zusammen, bieten sich solche Materialien ebenfalls an.

Und wie ist es mit dem Buchhandel? Als ich mit meinem queeren Liebesroman „Tasche mit Herz“ regionale Buchhandlungen in Ostfriesland besucht habe, hatte ich immer auch meine Werbematerialien dabei. Letztlich war hier aber vor allem das Buch entscheidend. Wenn du dich wohler fühlst, wenn du etwas „mehr“ dabei hast, dann mach das doch. (Tipp: Für den Buchhandel hatte ich außerdem einen Falzflyer mit meinen aktuell lieferbaren Titel, Bezugsinformationen und Infos zu mir angefertigt. Diesen konnte ich vor Ort abgeben oder versenden.)

Apropos mehr: Bei „Wimpel und die rote Koralle“ bin ich auf Grund meiner Zielgruppe(n) noch einmal kreativer geworden. Für die Kinder habe ich drei verschiedene, buchbezogene Sticker anfertigen lassen. Für Lehr- und Kitapersonal habe ich einen Flyer rund ums Buch gestaltet.

Kosten

Nun zum Thema Kosten: Wenn du Materialien zum Buch anfertigen lassen möchtest, dann kannst du einmal bei verschiedenen Anbietern die Preise vergleichen. Mit diesen Anbietern habe ich bislang zusammengearbeitet oder positive Berichte von Kolleg:innen erhalten:

  • Onlineprinters
  • FLYERALARM
  • WIRmachenDRUCK
  • VistaPrint
  • Canva

Canva war die bislang für mich teuerste Variante, wobei ich hier gerade am Anfang komfortabel fand, dass ich mit dem mir vertrauten Gestaltungsprogramm direkt in kleiner Auflage bestellen konnte. Später habe ich dann jeweils die Preise verglichen.

Kostengünstig waren für mich immer Lesezeichen und Postkarten, gefolgt von Flyern. Die Sticker waren schon nicht mehr ganz so günstig, wobei es große Unterschiede bei den Anbietern gibt.

Um Kugelschreiber und bedruckte Taschen – die sehr gut zu „Tasche mit Herz“ passen würden – schleiche ich noch herum. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

Kleine Warnung

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Warnung aussprechen: Das Verfallsdatum meiner Werbematerialien beträgt maximal zwei Jahre. Erfahrungsgemäß habe ich dann neue Flausen im Kopf, ziehe ein Projekt um, versuche einen neuen Distributionsweg, ändere das Cover oder überarbeite grundlegend – und all das verlangt nach einer neuen ISBN. Wenn du also eine ISBN auf dein Werbematerial drucken möchtest, dann sei dir bewusst, dass sie sich gegebenenfalls nach einiger Zeit ändern kann. Wenn du dein Material in großer Auflage hast drucken lassen, um Kosten zu sparen, ist es dann eventuell nur noch was für die Tonne.

Fazit

Materialien zum Buch sind eine tolle Möglichkeit, um Leser:innen, Buchblogger:innen und Buchhändler:innen für die eigenen Projekte zu begeistern. Mir macht es Spaß, mich damit zu beschäftigen und mir zu überlegen, was zum Buch und zu meinen Titeln insgesamt passen könnte und womit der oder die Adressat:in Freude haben könnte. Die Kosten sind dabei aber, je nach Art und Auflage, nicht unerheblich.

Mein Tipp: Fange mit einer für dich einfach zu bewältigen Art in kleiner Auflage an und probiere aus, wie es sich für dich anfühlt. Nachlegen kannst du immer noch. 🙂

Hast du Fragen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.

 

Bürobedarf und mehr für Schreibende

Einer meiner meistkommentierten Posts auf Instagram zeigt meinen Schreibtisch. Beiträge zu meiner Schreibumgebung und von mir verwendeten Materialien sind ebenfalls gut angekommen. Auch aus Gesprächen und Beobachtungen kann ich ableiten, dass sich die Gedanken von angehenden und arrivierten Autor:innen immer mal wieder um das Thema drehen: Wo schreibe ich? Womit schreibe ich? Wie gestalte ich mein Umfeld? (In einem älteren Blogartikel habe ich mich schon mal mit dem Schreibort beschäftigt.)

Im heutigen Artikel soll es noch etwas tiefer gehen, nämlich ganz konkret um die vielen Helferlein, die uns das Leben als Schreibende erleichtern können. Ob du als Autor:in nun aus einer Notebooktasche lebst, deinen Bürokram griffbereit in einem Küchenwagen sammelst oder einen Schreibtisch dein Eigen nennen kannst: Nimm dir aus diesem Artikel, was du brauchst und umsetzen kannst. Nicht alles wird zu deiner Situation passen, doch das liegt in der Natur der Sache. Wir alle schaffen uns unsere kreative Umgebung, wie es sich für uns gut anfühlt und umsetzen lässt.

Kalender

In meiner näheren Umgebung tummeln sich diverse Kalender:

  • Ein klassischer Kalender in Buchform, der mich durch das Jahr begleitet, und ohne den ich komplett aufgeschmissen wäre. Ich wäre „lost“, wie meine Kinder gerne sagen, und würde einen Termin nach dem anderen verpassen, wenn ich ihn nicht hätte. Dieser Kalender ist die Grundlage für meine gesamte Planung, denn ich muss meine Tätigkeit als Lektorin und Autorin mit dem Familienleben in Einklang bringen und alle Termine im Blick behalten. Manche machen das digital, doch das holt mich bislang nicht ab: zu unübersichtlich. Außerdem brauche ich den Akt des Aufschreibens mit Stift, damit sich mein Gehirn die Dinge merkt. Und ja: Ich liebe es, erledigte Punkte wegzustreichen. Daher wird ein klassischer Kalender mich wohl weiterhin begleiten.

  • Auf meinem Schreibtisch liegt außerdem ein Wochenplaner, und zu meinen sonntäglichen Ritualen gehört es, die kommende Woche zu planen, mir Aufgaben aus meiner digitalen To-do-Liste und der Monatsplanung rauszusuchen, Wochenziele zu setzen und jedem Tage drei zu erledigende Aufgaben zuzuweisen. Hier trage ich auch schon anstehende Termine ein, damit ich sie im Blick behalte und weiß, dass ich mir den entsprechenden Tag nicht zu voll packen darf.

    Natürlich klappt es nicht immer, diese Planung umzusetzen. Manches dauert länger als gedacht und schiebt sich in den nächsten Tag, anderes fällt weg. Daher trage ich nur die bereits feststehenden Aufgaben ein und halte den Rest frei, um weitere Aufgaben flexibel eintragen zu können und einen Puffer für Unerwartetes zu haben. Auch Ideen und in der Zukunft anstehende To-dos wandern im Laufe der Woche in diesen Planer, in dem es eine eigene Rubrik für Notizen gibt. Diese übertrage ich in der nächsten sonntäglichen Sitzung in den nächsten Planer oder meine To-do-Liste. Das System hat sich für mich bewährt, da so nichts aus dem Blick gerät.

    Im Handel gibt es verschiedene Planer. Schaue sie dir an und überlege, was für dich wichtig ist. Probiere einen aus und wechsle gegebenenfalls, wenn er nicht zu deinen Bedürfnissen passt.

  • Ein beschreibbarer Wandkalender hilft mir, das ganze Jahr im Blick zu behalten. Auf diesem landen die Termine für anstehende Lektorate, Schreibphasen, in denen ich intensiv an einem Projekt arbeiten möchte, Veröffentlichungs- und Messetermine – und natürlich mein Urlaub, denn der sollte auch seinen Platz finden.

Habit-Tracker

Auf meinem Wochenplaner ist auch ein sogenannter Habit-Tracker abgedruckt: Damit sich positive Gewohnheiten etablieren können, wollen sie regelmäßig ausgeführt werden. In diesen Tracker kann ich eintragen, was ich regelmäßig ausführen möchte, und dann tageweise abkreuzen. So sehe ich automatisch, was zu kurz gekommen oder in der Woche gut gelaufen ist. Solche Tracker gibt es in verschiedener Form, auch digital, oder du malst dir einfach einen auf einen leeren Block.

Ein Beispiel: Du hast dir vorgenommen, jeden Tag ein paar Sätze zu schreiben, doch in deinem Habit-Tracker findet sich kein entsprechendes Kreuz? Dann kannst du Ursachenforschung betreiben und in der kommenden Woche einen neuen Versuch starten.

Wiedervorlageordner

Während einer Bürotätigkeit lernte ich dieses für mich weltverändernde Utensil kennen. Ein Wiedervorlage- oder auch Pultordner ist eine stabile Mappe mit den 12 Monats- und/oder 31 Tagesfächern. Hier wandern Unterlagen zu den zu erledigenden To-dos hinein, damit sie stets griffbereit sind. Ein Wiedervorlageordner ist allerdings nur so gut wie der Mensch, der ihn benutzt, heißt: regelmäßiges Reinschauen und Ausmisten nicht vergessen!

Ordner mit aktuellen Projekten

In einem Ordner sammle ich Infos zu meinen aktuellen Projekten, die noch kein Stadium erreicht haben, in dem sie einen eigenen Ordner verdienten, hihi. Auch hier: Regelmäßiges Reinschauen, Bearbeiten und Ausmisten ist das Mittel der Wahl.

Stapel mit Literatur zur Weiterbildung

Dich machen Bücherstapel in deiner Nähe nervös? Dann ist dieser Tipp nichts für dich. An alle anderen: Ich habe einen (kleinen) Stapel Literatur auf meinem Schreibtisch liegen. Dabei handelt es sich nicht um Belletristik. (Der Stapel ist ungleich größer. 😉 ) Hier habe ich eine Auswahl an Literatur zusammengetragen, mit der ich mich weiterbilden möchte, auch Zeitschriften gehören dazu. Nach Lust und Laune greife ich zu, arbeite Bücher ab, tausche aus. (Der Punkt „Weiterbildung“ findet sich übrigens auch in meinem Habit-Tracker, denn dies ist eine Sache, die ich wirklich nicht schleifen lassen möchte.)

Stifteköcher und Notizbücher

Ein alter Hut, und dennoch kann man es gar nicht oft genug erwähnen: Wenn du zu den Menschen gehörst, die nicht rein digital arbeiten oder zumindest während der Stoffentwicklung noch auf Stift und Zettel setzt, dann halte einen Köcher, eine Mappe oder ein Fach mit deinen Lieblingsstiften und Notizbücher bereit. Wer weiß, wann dich die Kreativität für ein neues Projekt packt? Dann bist du startklar und musst die anfängliche Euphorie nicht durch fehlendes oder unpassendes Schreibwerkzeug ausbremsen.

Schredder

Dass dieser Punkt direkt im Anschluss kommt, war nicht geplant, hat aber eine gewisse Komik: Was uns nach anfänglicher Euphorie nicht gefällt, können wir direkt schreddern.

Nein! Natürlich nicht. Wir sammeln ALLES – auch das, was wir gerade für den größten Mist des Universums halten. Wer weiß, wann uns dieses Fragment noch mal nützt.

Dennoch möchte ich zur Anschaffung eines Schredders raten. Ich nutze ihn natürlich aus Datenschutzgründen, aber auch, um mich von Dingen zu befreien, die aus meinem Leben ziehen dürfen. Schreddern befriedigt und ist bei diesem Prozess ungemein hilfreich.

Pinnwand

Eine Pinnwand oder Magnettafel ist aus vielerlei Gründen sinnvoll.

  • Sie muss nicht unbedingt an der Wand hängen, wenn das nicht geht, sondern kann auch neben einem Schrank, einer Kommode oder unter dem Bett verstaut werden, wenn du sie gerade nicht benötigst.
  • Wenn du keine andere Möglichkeit hast, ist auch eine Tür oder der Kühlschrank eine Option.
  • Du kannst den Plot deiner Geschichte oder den Inhalt deines Sachbuchs durch Karteikarten gliedern und sie hinhängen, um einen Überblick zu bekommen und zu prüfen, ob alles passt.
  • Motivierende Sprüche, Fotos deiner Erfolge und eine Karte mit deinen Jahreszielen lassen dich am Ball bleiben.
  • Wichtiges bleibt im Blick, zum Beispiel die Tastenkombinationen für den Kleinkram im Hintergrund deines Texts.
  • Hier kannst du auch einen Habit-Tracker anbringen.

Adressstempel

Ein Adressstempel nimmt dir die lästige Arbeit ab, die Absenderadresse auf jeden Brief, jedes Paket und Päckchen schreiben zu müssen. Da kommen im Laufe eines Jahres ganz schön viele Minuten zusammen, die ich persönlich lieber mit Spannenderem verbringe. Bei mir seit Jahren in Gebrauch!

Laminiergerät

Auch auf mein Laminiergerät schwöre ich, auch wenn ich es aus Gründen des Umweltschutzes nicht mehr so häufig wie früher benutze. Ich überlege mir gut, was ich mit einer beschreibbaren Folie versehen möchte, doch diese nutze ich dann auch nahezu täglich. Meine Liste mit allen wiederkehrenden Bürotätigkeiten möchte ich nicht missen, denn manches vergesse ich sonst leider einfach. Stichwort: Datensicherung. 😉 Auch die Kleinigkeiten wollen im Blick behalten werden.

Taschenrechner

Der liegt nicht immer auf dem Tisch, sondern in einer Schublade, weil ich ihn nicht ständig brauche, doch zur Kalkulation von Zeichenzahl, Normseiten und so weiter nutze ich ihn oft. (Ja, auch das Handy bietet diese Option, doch da ich mein Handy aus Gründen der Konzentration meist nicht am Schreibtisch habe, fällt für mich diese Möglichkeit weg.)

Goodie-Sammelmappe

Du bist gerne auf Messen unterwegs? Du füllst deine Tasche oder deinen Beutel mit Lesezeichen, Postkarten und Leseproben? Dann richte dir doch einen „Sammelpunkt“ für all diese Mitbringsel ein. Eine Mappe bietet sich an, ich selbst habe ein Ablagefach dafür. Ich schaue mir die Materialien der Kolleg:innen gerne an und lasse mich inspirieren. (Bitte nicht einfach kopieren!) Und so manches Buch wandert auch auf die Wishlist.

Versandstraße

Dein Buch ist bereits in die Veröffentlichung gegangen oder kurz davor? Dann richte dir an passender Stelle eine kleine „Versandstraße“ ein. Hier hältst du dein Buch oder deine Bücher bereit und auch alle Materialien, die du für den Versand benötigst: Umschläge, Kartons, Briefmarken, Klebeband, Lesezeichen oder Postkarten als Beilage, anderes Werbematerial und so weiter. Alles griffbereit zu haben, erleichtert das Leben ungemein, wenn zahlreiche Bestellungen gleichzeitig eintrudeln!

Tassenwärmer

Und nun noch mein ultimativer Geheimtipp für alle, die ihren Kaffee oder Tee vor lauter kreativer Arbeit regelmäßig kalt werden lassen: ein elektrischer Tassenwärmer für den Schreibtisch. Mein Mann hat mir meinen geschenkt, und ich freue mich jeden Tag darüber, weil ich endlich meinen Tee während des Schreibens warm genießen kann. 🙂

Fazit

Es gibt viele Tools, die das Leben von Schreibenden einfacher machen können. Probiere etwas aus und verwerfe es, wenn es nicht zu dir passt. Manches darf vielleicht bleiben. Viel Spaß dabei!

Du hast weitere Tipps fürs Büro? Dann hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.

Ein Kapitel beenden

Nein, im heutigen Blogpost geht es nicht darum, einen Lebensabschnitt zu beenden, die Türen zu schließen und von dannen zu ziehen. Wir wollen heute nichts hinter uns lassen, sondern etwas so gut wie möglich abschließen: ein Kapitel im Roman.

Ich teile dabei sowohl meine persönlichen Erfahrungen mit dir als auch solche, die ich beim Lektorieren gewonnen habe. Denn dies ist eine Sache, die mir immer mal wieder begegnet: Ein Kapitel ist wunderbar geschrieben, doch am Ende fehlt ein schöner Ausklang, ein Abschluss oder eine Überleitung zum nächsten Kapitel. Der oder die Leser:in „hängt in der Luft“. Das ist nicht schlimm, denn dafür ist das Lektorat ja da. 😉 Du kannst aber auch selbst aktiv werden und während des Schreibprozesses oder der Überarbeitung auf die Enden der Kapitel achten.

Was macht eigentlich ein gutes Kapitelende aus?

Ein Buch ist nicht nur insgesamt in Anfang, Mitte und Schluss unterteilt, sondern auch jedes Kapitel und sogar jede Szene. Wir steigen ein, etwas passiert, wir steigen aus. Damit der Ausstieg gelingt, kannst du den Spannungsbogen, der im Laufe der Geschichte ansteigt und am Ende wieder unten ankommt, auch auf ein Kapitel übertragen – fast! Denn: Wenn du wieder ganz unten ankommst, steigert sich die Spannung im Laufe des Buches nicht. Sie sollte ein wenig gehalten werden, vergleichbar einer Sportübung, bei der du auch nicht ganz loslässt.

Gleichzeitig darf die Spannung auch nicht zu stark gehalten werden, denn deine Leser:innen müssen erst wieder runterkommen können, bevor sie wieder abheben dürfen. Es ist ein Rhythmus aus sich steigernder Anspannung und (nicht totaler) Entspannung – sonst bewegen sie sich irgendwann auf einem Level, der keine Steigerung mehr erlaubt, und spannungsvolle Atemlosigkeit wird durch Schnappatmung abgelöst. Das wollen wir nicht.

Tipp: Stelle dir deine gesamte Geschichte wie eine Wellenbewegung vor, wobei die Welle sich immer weiter auftürmt, bis sie bricht – und dann sanft am Strand ausläuft.

Wer plant, ist im Vorteil

Das ist ein bisschen tricky, benötigt Fingerspitzengefühl – und ja, auch Übung! Die Plotter sind hier meiner Meinung nach im Vorteil, da sie bereits vor dem eigentlichen Schreiben alle Szenen- und Kapitelenden prüfen und auf diese Punkte hin kontrollieren können: Habe ich einen guten Abschluss, eine gute Auflösung gefunden? Wird die Spannung gehalten? Aber nicht zu stark? Animiert das Kapitelende zum Umblättern und Weiterlesen? Sowohl Plotter als auch Bauchschreiber können sich die Kapitelenden während eines Überarbeitungsgangs noch mal vorknöpfen und auf diese Fragen hin abklopfen. (Da ich Plotter bin, bin ich aber vielleicht voreingenommen. 😉 Du hast auch als Bauchschreiber deine Kapitelenden gut im Blick? Hinterlasse gerne einen Kommentar bezüglich deiner Erfahrungen.)

Wenn du oder dein:e Lektor:in dann feststellt, dass mit einem Kapitelende tatsächlich etwas nicht stimmt, erfordert die Änderung oft kein Umschreiben ganzer Absätze. Meiner Erfahrung nach reichen oft zwei bis drei Sätze, um deine Leser:innen positiv aus dem Kapitel zu verabschieden. „Und jetzt?“, ist zum Beispiel eine Frage, die ich dann an den Rand schreibe. Manchmal muss sich nur noch jemand verabschieden und gehen. Welche Bedeutung hat das gesamte Kapitel für die Geschichte? Die Schlussfolgerung eignet sich auch als Abschluss, ebenso eine Frage oder ein Hinweis auf die Entwicklung des Charakters in diesem Kapitel. (Achtung! Hier nicht Ausschweifen und ins Erzählen geraten.)

Auch ein Cliffhanger ist möglich. Dies hängt von deiner Geschichte, deinem Plot ab und ob solche Cliffhanger zu deine Story passen. Dies ist nicht immer der Fall. Es kann gewollt wirken, auch mögen nicht alle Leser:innen diese Form der Spannungserzeugung. Es hängt dann von deiner Zielgruppe an. Und außerdem hilft hier wie so oft: ausprobieren! (Und sich selbst kennen: Ich habe eine Tendenz, Kapitel mit  Auslassungspunkten zu beenden … Auch das sollte man nicht überstrapazieren, hihi. 😉 )

Wie sieht das konkret aus?

Zum Abschluss ein paar Beispiele, um das Ganze zu illustrieren, und zwar aus meinem Liebesroman „Tasche mit Herz“, den es in Kürze wieder als E-Book geben wird.

Beispiel: jemand geht, Frage

Ich hole tief Luft, drehe mich wortlos um und marschiere zurück, verfolgt vom Klatschen und den Anfeuerungsrufen meiner Freundinnen. Wie alt sind wir eigentlich?

Beispiel: Figur wendet sich vom Gespräch ab und wieder sich selbst zu

Doch weiter komme ich nicht mit meinen Gedanken, denn da kommt der Kellner mit meiner Paella, und wenn Essen auf dem Tisch steht, dann gibt es für mich nichts anderes. Mit Hingabe wende ich mich der Köstlichkeit zu, die tatsächlich genauso schmeckt wie zwanzig Jahre zuvor, und vergesse die Begegnung mit der Vergangenheit.

Beispiel: Äußeres zeigt den Abschluss, das Ende an; hier: Sonnenuntergang

Heike knufft mich in die Seite, dann sehen wir zu, wie auch der letzte Rest Tageslicht im Wasser versinkt.

Beispiel: Cliffhanger, wird im nächsten Kapitel aufgelöst, verleitet zum Weiterblättern

„Aber das mit dieser Frau“, sagt sie und räuspert sich, „das musst du mir noch mal erklären.“
„Oh Gott.“ Ich verziehe gequält das Gesicht. „Du hast echt alles mitbekommen, oder?“

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