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Ignoriere Kritik – und mach dein Ding!

Diesen Beitrag gibt es auch als Podcast-Episode

Du fürchtest dich vor 1-Stern-Rezensionen? Dir graust es bei der Vorstellung, dich vor Kollegen und Nachbarn für deine Bücher rechtfertigen zu müssen? Du hast schlaflose Nächte aus Angst vor Kritik deiner Mit-Autoren? Ich sage:

Dir kann geholfen werden.

Und zwar mit einer Technik, die ich leider in Mini-Schritten und Maxi-Jahren erlernen musste. Ich hoffe, dass du mit meiner Hilfe etwas schneller vorankommst.

Die Technik besteht aus zwei Punkten: 1. Ignorieren. 2. Machen.

Pah, sagst du jetzt vielleicht. Das kann doch jeder!

In der Theorie mag das so sein. In der Praxis sieht es jedoch oft so aus, dass die schönsten Manuskripte in irgendeiner Schublade vor sich hingammeln, weil dem Autor der Mumm fehlt, das Ding zu veröffentlichen. Oft genug aus oben genannten Gründen. Und weißt du was? Mir ging es auch lange so. Angst vor Kritik und fehlender Mut waren bei mir nicht der einzige Hemmschuh, aber diese Aspekte spielten mit Sicherheit hinein. 

Kümmern wir uns um Punkt 1: Ignorieren

Wie heißt es so schön im Songtext der Band „Die Ärzte“: „Lass die Leute reden …“

Als Autoren sind wir doch sowieso schon oft unser schärfster Kritiker. Jeden Satz nehmen wir auseinander, jeder Plot wird argwöhnisch bekrittelt, und an vielen Tagen finden wir das, was wir geschrieben haben, einfach nur doof. (Solltest du zu den glücklichen Ausnahmen gehören, denen solches Verhalten fremd ist: Herzlichen Glückwunsch!)

Fakt ist: Du wirst vermutlich nie zu hundert Prozent mit dem zufrieden sein, was du zu Papier gebracht hast. Und es allen anderen da draußen recht machen geht schon mal gar nicht. Das musste auch ich lernen, als ich Heftromane schrieb. Vielen sind die sogenannten „Groschenromane“ ein literarischer Dorn im Auge. Es gibt etliche Vorurteile gegenüber Autoren dieser Sparte, wie zum Beispiel, dass das alles nur so hingeluscht wird, aus der Konserve stammt, nur mit Stereotypen gearbeitet wird, ein einfacher Job ist, um Kohle zu verdienen und so weiter.

Dazu möchte ich Folgendes sagen: Ein Autor, der eine Serie im Zwei-Wochen-Rhythmus schreibt, legt alle zwei Wochen einhundert druckfertige Normseiten vor. Noch mal zum Mitschreiben: 100. Alle zwei Wochen. Das macht 2.400 Seiten im Jahr. Und zwar so, dass die Leser die Serie nicht nach zwei Folgen abbrechen, sondern sie für längere Zeit laufen kann. Das geht nicht, wenn man Schwachsinn schreibt. Ich habe immer auf vernünftige und psychologisch dichte Plots geachtet. Nur so hältst du die Leser bei der Stange, denn alles andere kaufen sie dir nicht ab. Dazu haben sie nämlich zu viel Lebenserfahrung, oft deutlich mehr als der Autor.

Trotzdem bin ich vielen Menschen begegnet, die entweder nur ein müdes Lächeln für meine Tätigkeit übrig hatten oder sogar blanken Hohn. Ich kann diesen Menschen nur raten: Sprecht einmal mit den Leserinnen. Mit einer Tagesmutter, die nach einem langen Tag mit Kleinstkindern abends todmüde ins Bett fällt und sich über eine spannende Liebesgeschichte freut, die aber keine tausend Seiten lang ist. Geht in ein Altenheim und seht in die leuchtenden Augen von Seniorinnen, die vielleicht alles verloren haben, nicht aber ihre Lust am Lesen – und an der Liebe, (Diesen Besuch kann ich auch jedem Romance-Autor, der mit seiner Profession hadert, nur wärmstens ans Herz legen. Ihr bringt Freude ins Leben vieler Frauen. Das ist eine lohnende Aufgabe. Punkt.)

Und nebenbei: Heftromane zu schreiben halte ich für eine der besten Schreib-Schulen überhaupt, denn wie in Journalismus und Werbung lernt der Autor hier, auf den Punkt und geplant zu schreiben. Keine 95 Seiten, keine 105. Sondern 100. Mit Deadline. Mit festem und wechselndem Personal, Haupt- und Nebenhandlungen und Spannungsbögen, die sich über mehrere Monate hinziehen. Einfach ist anders.

Aber was soll ich sagen? Ich konnte die Welt nicht ändern. Ich konnte die Menschen, die mich für meine Texte belächelten, nicht ändern. Ich konnte nur eines: sie ignorieren. Und aufhören, mir mit meiner Selbstkritik das Veröffentlichen zu verhageln.

Und das solltest du auch tun.

Denn jetzt folgt Punkt 2: Machen

Die schönste Idee ist nichts wert, wenn kein fertiger Text draus wird.

Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, denn jeder Schriftsteller weiß, wie vergnüglich es sein kann, sich ausschließlich mit den Ideen im eigenen Kopf zu beschäftigen. Das kann ein tagesfüllendes Programm sein. Bringt dich aber leider auf dem Weg zum Veröffentlichen nicht weiter. Denn da zählt nur der fertige Text, und der entsteht ausschließlich, indem du ihn schreibst, überarbeitest und dann hochlädst – plus etwaige Zwischenschritte.

Es hilft also nichts: Wenn du es geschafft hast, die ollen Kritiker zu ignorieren, musst du es im nächsten Schritt schaffen, zu produzieren. Mir fällt es immer leichter, produktiv zu sein, wenn ich weiß, wofür genau. Wenn ich mir vorher die Frage beantwortet habe, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt, kann mich das nicht mehr vom Schreibprozess ablenken.

Frage dich daher ganz konkret: Was kann ich gewinnen? Was ist möglich? Was kann ich erreichen? Stelle es dir vor, male es auf, schreibe es auf – und hänge es an deine Pinnwand. Vielleicht bist du besonders mutig und erzählst einem vertrauten Menschen von deinen geheimen Träumen. (Nicht diese Träume. Es sollte schon ums Schreiben gehen …) Motiviere dich mit diesen inneren Bildern.

Und dann mach. Schreibe. Veröffentliche. Setze um, was getan werden muss. Träume nicht nur davon, sondern lasse deine Träume Wirklichkeit werden.

Wäre das nicht der beste Weg, um deine Kritiker Lügen zu strafen?

Und jetzt zusammen

Wieder fällt mir eine Liedzeile ein, diesmal von Udo Lindenberg: „Ich mach mein Ding, egal, was die anderen labern …“

Recht hat er – und vereint damit die beiden Schritte, die ich für essentiell beim Schreiben und Veröffentlichen halte und für dich heute verbunden habe: ignorieren und machen. Und das nicht nur ein Mal, sondern immer und immer wieder.

Wirklich?, stöhnst du jetzt vielleicht.

Ja, wieder und wieder – bis du diesen Prozess so verinnerlicht hast, dass es nicht mehr weh tut und du gar nicht mehr darüber nachdenken musst. Das kann dauern. Aber es lohnt sich. 🙂

Wie sind deine Erfahrungen mit Kritik? Erzähl es mir in einem Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

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