KI beim Schreiben nutzen?

Heute mal ein kleiner Beitrag aus dem Land der Weltuntergangsbeschwörer und Dystopie-Anhänger … 😉

Nein, Scherz beiseite: Im heutigen Blogpost widme ich mich dem Thema „KI im Schreib- und Veröffentlichungsalltag“, und zwar ohne Schwarzmalerei. Es ist verlockend, i know, und ich kann auch nicht behaupten, gänzlich angstfrei zu sein. Manches besorgt mich sogar und ich wünsche mir ein wachsames Auge aller Beteiligten – nicht nur bezogen auf möglicherweise gefährliche Entwicklungen, sondern auch hinsichtlich kreativer Arbeit und Urheberrecht.

Allerdings nehme ich auch die Chancen wahr und sehe jede und jeden von uns herausgefordert, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und einen Standpunkt zu finden. Meiner folgt hier, vielleicht kannst du dir etwas mitnehmen. 🙂

Am Anfang war die Angst

Die Entwicklung von ChatGPT und Konsorten habe ich anfangs nur am Rande verfolgt. Gelegentlich kam das Gespräch auf KI, aber mein Gehirn hat die rasante Entwicklung in 2023 weitgehend ausgeblendet. Wenn es um Text und KI ging, habe ich Bedenken großzügig beiseite gewischt. „Kann sie nicht, wird sie nie können“, sagte ich mir.

Erst in diesem Frühjahr dämmerte mir so langsam, dass da was Großes auf uns zukommt. Die Qualität der ausgespuckten Texte verbesserte sich, die Fehler wurden weniger. Aber erst, als KI-generierte Videos gezeigt wurden, setzte bei mir der Angstreflex ein. „In welcher neuen Realität bin ich heute Morgen aufgewacht?“, fragte ich mich. „Und was bedeutet das für meine berufliche Zukunft als Autorin und Lektorin?“

Hallo Schnappatmung, sag ich nur, zumal YouTube mir nun reihenweise Videos von Menschen ausspuckte, die dank KI ihre Jobs verloren hatten. Diese Menschen waren zuvor teils unabkömmlich gewesen, konnten kaum in Urlaub gehen, und waren innerhalb weniger Monate ersetzt worden.

Etwa eine Woche hielt mich der Algorithmus in seinem Klammergriff gefangen und meine Laune sank auf einen Tiefpunkt.

Wie immer: erst mal lernen

Einige Tafeln Schokolade und noch mehr Murmeltiervideos später wurde mir wieder angenehmer Content ausgespielt und ich beschloss, mich einmal ernsthaft mit KI auseinanderzusetzen. Kopf-in-den-Sand ist keine Lösung und passt auch nicht zu mir. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar: Erst mal eine Fortbildung besuchen, hihi. Genauer gesagt nahm ich an einem kollegialen Austausch innerhalb meines Berufsverbands, des VFLL, teil, den die Regionalgruppe Rhein/Ruhr online anbot. Es war ein sehr erhellender Abend mit einem wilden Ritt durch Tipps und Tools. Die Kolleg:innen teilten ihre Erfahrungen und ich hatte Ansatzpunkte zum Weiterdenken. Ich las außerdem Artikel zum Thema, sah mir Dokumentationen an, hörte Podcastepisoden und tauschte mich mit jemandem aus, der in der IT-Branche arbeitet. 

Fragen, die ich mir zu diesem Zeitpunkt stellte:

  • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Autorin haben?
  • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Lektorin haben?
  • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Autorin sinnvoll nutzen?
  • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Lektorin sinnvoll nutzen?
  • Wie kann ich in beiden Berufsfeldern sicherstellen, dass ich nicht ersetzbar bin?
  • Wie gehe ich mit Kolleg:innen und Kund:innen um, die KI verwenden?
  • Wird die KI uns unterjochen und das Leben auf diesem Planeten vernichten? (Okay, ich gebe es zu: So ganz ließ und lässt mich diese Frage nicht los, hihi. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar, ein Buch drüber schreiben. 😉 Dieses #ufo liegt bereits seit einigen Jahren angefangen in der Schublade und hat sogar schon ein tolles Cover. Nun packe ich es an, sobald der Relaunch all meiner Titel durch ist. Kleiner Tipp am Rande: Schreiben ist eine gute Möglichkeit, Ängste zu verarbeiten. 🙂 )

Grenzen ausloten

Apropos Relaunch: Wie du vielleicht mitbekommen hast, ist mein queerer Roman „Tasche mit Herz“ wieder erhältlich. Das E-Book gibt es aktuell exklusiv bei Amazon, Print folgt Ende August/Anfang September.

In diesem Zuge habe ich mich erneut mit dem Thema Coverdesign auseinandergesetzt. Ich mochte das alte Cover sehr gern, wollte aber im Zuge des Distributionswegswechsels – was für ein Wort – etwas Neues ausprobieren. Die wunderbare Laura Newman hat sich meines Titels angenommen und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Da habe ich allerdings etwa siebenunddrölfzig Schritte übersprungen, denn erst versuchte ich mich – mal wieder – wenig erfolgreich an der Covergestaltung für meine Titel. Es gab ja nun KI, und da sollte es doch möglich sein, mal grad was Passables zu basteln, dachte ich mir.

Pustekuchen. Es kamen zwar lustige Bilder raus und ich könnte nun eine Galerie mit siebenhundert Ansichten eines Leuchtturms in unterschiedlichen Techniken eröffnen, aber professionell war anders. Genauso selbstgebastelt wie eh und je.

Mein Fazit zum Cover-Selbstversuch: Wenn man weiß, wie es geht, könnte man eventuell KI verwenden. Ansonsten ist man gut beraten, einen Grafikdesign-Profi zu beauftragen, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen will. Ob der dann mit KI arbeitet oder nicht, ist mir letztlich wurscht, weil er oder sie die Arbeit trotzdem machen muss. (Laura unterscheidet beispielsweise bei ihren Premades und bietet separat KI-inspirierte an. Hier hat sie darüber berichtet.)

Das neue Cover von „Tasche mit Herz“ ist nicht KI-inspiriert, was möglich gewesen wäre. Es ist so oder so ein professionelles Cover, das meinem Text gerecht wird, und über das ich mich mit Laura austauschen konnte, bis alles perfekt war. Auch das Print-Cover und die Designs für Werbematerialien hat sie entsprechend gestaltet und für mich ist das immer noch die erste Wahl, auch wenn ich dafür Geld in die Hand nehmen muss. Wäre ich geschickter, was Gestaltungsfragen angeht, sähe ich das vielleicht anders, doch so bin ich happy damit und freue mich über das neue Kleid von „Tasche mit Herz“.

Mein Tipp: Probiere es aus. Lerne deine Grenzen kennen. Frage dich, was dir wirklich wichtig ist, wo du sparen möchtest und wo dein Geld gut investiert ist.

Schreiben mit künstlicher Intelligenz?

Zurück zum Text. Meine Mutter und ich haben uns während meines letzten Aufenthalts in Ostfriesland einen Spaß draus gemacht, mit der KI von ChatGPT die aktuelle weltpolitische Lage zu erörtern. Ich war überrascht, wie ausgewogen ihre Argumentation war, zumal sie ihre Ausführungen mit Quellen versah. Das eigene Wissen und Denken kann man damit zwar nicht ersetzen, denn Quark muss man von Nicht-Quark unterscheiden können, aber die Gedanken auf Trab zu bringen und sich einem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu nähern, kann auf diese Weise sicherlich durchaus erhellend sein.

Doch wie tief darf der Eingriff sein? Ja, es gibt Autor:innen, die hauen komplette KI-generierte Bücher auf den Markt. Andere suchen sich Unterstützung beim Plotten, bei der Figurenentwicklung oder der Fehlerkorrektur. Wo ist eine Grenze zu ziehen?

Die kann meiner Meinung nach nur die jeweilige Autorin, der jeweilige Autor – gegebenenfalls in Absprache mit Agentur und Verlag – ziehen. Wenn alle fein damit sind, bitte sehr.

Allerdings bin ich für eine Kennzeichnung. Mein Kinderbuch „Wimpel und die rote Koralle“ ist ohne den Einsatz von KI entstanden, und dies habe ich auch auf dem Umschlag vermerkt und kommuniziere es im Marketing. Es ist meine feste Überzeugung, dass es einen Markt für Bücher geben wird, die ohne KI entstanden sind. (Bei „Tasche mit Herz“ und „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“, welches kürzlich ebenfalls wieder als E-Book erschienen ist, habe ich den Vermerk schlichtweg vergessen, hihi. Muss ich bei Gelegenheit nachholen.)

Genauso wird es einen Markt für KI-generierte oder -unterstützte Inhalte geben. So wie Musik-Streaming und Schallplatten nebeneinander existieren, werden auch Bücher mit und ohne KI-Einfluss nebeneinander existieren.

Jedoch: Ich wünsche mir, dass dies kenntlich gemacht werden muss. Hier halte ich wenig von Selbstverpflichtungen und viel von gesetzlichen Vorgaben. Wo Mensch draufsteht, sollte auch Mensch drin sein – und umgekehrt.

Bis dahin habe ich mich für folgenden Weg entschieden: Sollte ich jemals ein Buch mit Unterstützung von KI verfassen, werde ich dies transparent machen und die Leserin, den Leser darauf hinweisen. So können meine Leser:innen selbst entscheiden, ob dies die Literatur ist, die sie lesen wollen.

Mein Tipp: Beschäftige dich mit den Tools, die Schreibenden heute die Arbeit erleichtern sollen. Sind sie etwas für dich? Oder erledigst du die Arbeit lieber weiterhin „zu Fuß“? Welche Anteile könntest du an KI auslagern? Bei welchen bereitete es dir Bauchschmerzen? Probiere es aus!

Transparenz im Lektorat

Diese Transparenz wünsche ich mir auch von meinen Kund:innen im Lektorat. Im Fragebogen, den ich obligatorisch vor dem Erstgespräch versende, ist nun eine Frage zum Thema KI zu finden, denn ich möchte wissen, ob und inwiefern künstliche Intelligenz am Prozess beteiligt ist. Ich schließe dies nicht aus, möchte es aber bei der Bewertung der Textqualität und des daraus resultierenden Arbeitsaufwands berücksichtigen können. Was ich jedoch weiß: Auch „meine“ Autor:innen kann keine KI ersetzen. Ihre Texte sind das Resultat ihrer Lebenserfahrung, ihrer Gedanken und Gefühle. Und das ist gut so! ♥

Von meiner Seite aus werden sicherlich im Laufe der Zeit Tools in meine tägliche Arbeit Einzug halten, weil man natürlich auf dem Laufenden bleiben muss. Ich werde in meinen Fortbildungen sicherlich Praktisches kennenlernen, und wo ich es zum Nutzen meiner Kund:innen einsetzen kann, werde ich dies tun – transparent und ehrlich.

Doch eines wird KI niemals ersetzen können: mich. Wer mit mir gearbeitet hat, weiß, dass mein Lektorat persönlich, dass es deep ist. Wir tauchen tief, mit Herz und Verstand. Meine Sprachnachrichten – wenn gewünscht – kommen aus meinem Mund. Meine Empfehlungen – auch wenn sie mit Arbeit verbunden sind – resultieren aus mehr als 30 Jahren Erfahrung im Schreiben und Veröffentlichen. Ich bin das Resultat meiner Lebenserfahrung und schenke meinen Kund:innen meine Lebenszeit, erkenne ihre Anliegen und Probleme und gehe wertschätzend darauf ein. Damit bin ich -und werde es bleiben – unersetzlich. 🙂

Fazit

KI wird uns weiter beschäftigen. Die Entwicklung ist exponentiell. Manches wird uns überraschen, anderes erschrecken. Drumrum kommt keine:r von uns.

Manche werden ihre Schreibarbeit von KI erledigen lassen und auf Textprofis zur Unterstützung verzichten. Vielleicht erzielen sie gute Resultate, vielleicht nicht.

Doch lasst uns optimistisch sein und uns unseren Geschichten, unseren Sachthemen widmen. Es wird immer Menschen geben, die sich dafür interessieren. Wir haben alle so viel zu sagen. Schreiben wir es auf!


Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de.

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Was wir von Paul Auster lernen können

Am 30. April 2024 ist der amerikanische Schriftsteller Paul Auster im Alter von 77 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Auch hier in Europa ist er sehr bekannt. Er gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren, weshalb mich sein Tod sehr traurig macht.

Aber du kennst mich und weißt, dass ich aus allem, was einem im Leben passiert, auch Hoffnung schöpfen kann. Was ich dir und mir mitgeben möchte, ist das, was Paul Auster uns hinterlassen hat. Ich möchte mir sein Leben und Werk anschauen und was wir als Autor:innen daraus für unsere Arbeit, unser Leben lernen können.

Wer war Paul Auster?

Vielleicht hast du noch nichts von ihm gehört oder gelesen. Deshalb möchte ich ihn dir erst einmal vorstellen:

Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er war der Sohn jüdischer Einwanderer und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Er hat in seinem Leben 16 Romane und etliche andere Texte veröffentlicht und hat sich auch immer wieder dem Film zugewandt. Seine Bücher sind seit 1989 im Rowohlt-Verlag erschienen. (Hier geht es zum Nachruf.) Fast alle Texte spielen in seiner Wahlheimat New York, in der Stadt, in der er mit seiner Frau Siri Hustvedt gelebt hat. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Mond über Manhatten“ und „4 3 2 1“, sein Opus magnum. Er hat sich aber auch mit biographischen Arbeiten beschäftigt. Sein zuletzt erschienener Roman ist „Baumgartner“.

Tipp: Mein persönliches Lieblingsbuch von Paul Auster ist „Nacht des Orakels“. Es beschäftigt mich immer wieder und ich habe es mehrfach gelesen. Wenn du in die Paul-Auster-Welt einsteigen möchtest, empfehle ich diesen Zugang.

Paul Auster hat also ein beeindruckendes Lebenswerk hinterlassen. Was können wir daraus lernen?

Über den Output entscheidest du

Paul Auster war kein Schriftsteller mit einem wahnsinnig hohen Output. Er hat keine sechs Bücher im Jahr veröffentlicht. Dieser sehr hohe Output ist etwas, was uns immer wieder suggeriert, immer wieder an uns herangetragen wird: dass man sehr viel produzieren soll oder muss, wenn man am Markt bestehen möchte.

Natürlich waren es andere Zeiten, in denen Auster angefangen hat, zu schreiben. Aber: Wenn es um das Thema Output geht, mache dir einmal bewusst, dass es Autor:innen gibt, die eine Seite am Tag schreiben.

Zu denen gehörte Paul Auster.

Er hat mit der Hand in ein Notizbuch seine Geschichte geschrieben. Er hat sich dafür zurückgezogen und sie erst später, wenn die Geschichte fertig war, mit einer Schreibmaschine abgetippt. Behalte das einmal im Hinterkopf oder rufe es dir in Erinnerung, wenn du mal wieder das Gefühl hast, für dein schriftstellerisches Arbeiten sei es notwendig, ganz viele Seiten zu produzieren.

Das ist es nicht.

Es ist nötig, dass du die Seiten schreibst, die für dich wichtig sind; dass du herausfindest, was der Output ist, der zu dir passt.

Und was wir uns auch in Erinnerung rufen dürfen, ist, dass man mit einer Seite am Tag ein Lebenswerk schaffen kann. Diese eine Seite am Tag ergibt – wenn du dich wirklich jeden Tag dran setzt – 365 Seiten im Jahr. Damit kann man ein Lebenswerk aufbauen. Insofern: Output ist nicht alles. Es ist das Entscheidende, dass du die Menge an Zeichen, Wörtern, Seiten findest, die zu dir und deinem Schreiben passt.

Hingabe ans Schreiben

Der nächste Punkt, den ich beleuchten möchte, ist die Hingabe, mit der Paul Auster sich dem Schreiben gewidmet hat. Er hat schon als Kind angefangen, Gedichte zu schreiben und das Schreiben für sich entdeckt und erobert. Er hat unter anderem Anglistik studiert und sich dem Schreiben „verschrieben“.

Das Schreiben ist aber auch Teil seines Werks, denn er hat schreibende Protagonisten und hat über das Schreiben geschrieben, über das Schriftsteller-Sein und was das Schreiben mit uns macht, psychisch und physisch; was es bedeutet, nicht schreiben zu können, und wie entscheidend ein schönes Notizbuch ist. 😉 Ich glaube, dass Paul Auster viel von dem hineingelegt hat, was ihn als Schriftsteller ausgemacht hat.

Zufall muss man können

Etwas, für das Auster auch bekannt ist, sind die Zufälle in seinen Geschichten. Zufälle sind üblicherweise schwer zu schreiben und nur dosiert einzusetzen, da sie – „deus ex machina“ – wie der Eingriff einer höheren Macht wirken können. Paul Auster wird auch als „Meister des Zufalls“ bezeichnet, weil er diese Zufälle und schicksalhaften Begegnungen so meisterhaft miteinander verknüpft hat, dass es technisch und stilistisch nicht aufstößt, einen rausreißt oder gekünstelt wirkt.

Tipp: Wenn du dich mit dem Thema Zufall – und wie man Zufälle vernünftig in eine Geschichte einfügen kann – beschäftigen möchtest, dann ist Paul Auster die erste Adresse.

Experimente wagen

Paul Auster hat auch ungewöhnliche Dinge gemacht: In „Nacht des Orakels“ hat er beispielsweise einen separaten Handlungsstrang bzw. einer separate Geschichte in die Fußnoten gepackt. Das finde ich an dieser Geschichte besonders reizvoll. Das ist schon eine ungewöhnliche Herangehensweise, die ich aber sehr gelungen fand. (Das Thema „Geschichte in der Geschichte“ findet sich bei Auster sowieso immer wieder und er beherrschte es kunstvoll.)

Die Geschichten liegen auf der Straße

Paul Auster Geschichten fanden vor der Haustür statt. Seine Geschichten spielen überwiegend in New York, in dem Umfeld, in dem er sich auskannte. (In dem Zusammenhang möchte ich auch auf Jane Austen hinweisen, die ja auch über das schrieb, was sie kannte.

Manchmal ist es nicht so leicht, den Blick auf das zu richten, was man vor der Nase hat. Aber genau dort findet das Leben statt. Es ist das Leben, das wir kennen, mit authentischen Figuren und Abläufen – und das ist es, was für Leser:innen interessant sein kann, weil sie es nicht kennen. Ich kenne New York nicht, war nie in Brooklyn. Ich kenne Paul Austers New York aus den Achtzigern und Neunziger nicht, aber er macht es in seinen Büchern lebendig, und damit ist es für mich eine exotische Welt.

Tipp: Man muss nicht bis ans Ende der Welt reisen, um gute Geschichten zu erzählen. Da, wo du lebst; das, was dir passiert, kann für einen anderen Menschen „exotisch“ sein, weil er oder sie es nicht kennt. Wenn du das Gefühl hast, dass in deinem Wohnort nichts passiert, dass es langweilig ist, dann schau dir trotzdem einmal an, wie es bei dir ist; was bei dir passiert; was das „normale Leben“ ausmacht. Es kann für jemand anderen etwas ganz Besonderes sein.

Zum Werk gehört alles

Zuletzt möchte ich dir ans Herz legen, auch das ernst zu nehmen, was du außerhalb der großen Romane, die du schreibst oder schreiben möchtest, so produzierst: deine Tagebücher, Notizen, Kalenderseiten, Klebezettel, Karteikarten, Szenenumbrüche, Exposés und so weiter. All das kann interessant sein; all das kann für Leser:innen, die dein Werk später entdecken, spannend sein. Behalte diese Dinge. Schmeiße sie nicht weg, wenn du ein Projekt beendet hast. Leg sie in eine Kiste, gib sie in eine Klarsichthülle, einen Ordner. Wer weiß, wofür du es später noch einmal verwenden kannst oder ob sich die Nachwelt, die Forscher:innen später einmal für dein Lebenswerk interessieren – so wie bei Paul Auster.

Fazit

Du siehst: Wenn man sich dem Lebenswerk eines Autors zuzuwenden möchte, den man vielleicht noch nicht kennt, bieten sich viele Zugangswege. Hoffentlich konnte ich dir heute einen meiner Lieblingsautoren näherbringen und dir etwas für dein Schreiben mitgeben.

Meine Leseempfehlungen:

  • Nacht des Orakels
  • Das Buch der Illusionen
  • Mond über Manhatten
  • Winter-Journal
  • Von der Hand in den Mund

Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an: kerstin@21ufos.de

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Der richtige Zeitpunkt ist jetzt!

Immer wieder kommen Menschen auf mich zu und stellen mir – so oder ähnlich – eine ganz bestimmte Frage: „Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Soll ich es wagen?“

Darauf gebe ich stets eine einsilbige Antwort: „Ja!“

Weil ich immer jede und jeden ermutige, zu schreiben. Punkt. 😉

Da diese Antwort aber kaum ausreicht, um der Tiefe zu entsprechen, die hinter diese Frage steht, füge ich immer ein paar weitere Sachen hinzu, unter anderem: „Beginne jetzt!“

Denn der richtige Zeitpunkt, um mit dem Schreiben zu beginnen, ist jetzt! Warte nicht auf mehr Zeit in deinem Leben, weniger Verpflichtungen oder mehr Muße. Warte nicht, bis die Kinder groß sind, der Job weniger stressig oder du in Rente. Fange an. Schritt für Schritt, in ganz kleinen Etappen, und wenn es zehn Minuten pro Tag sind, in denen du dich mit deinem neuen Projekt beschäftigst.

„Aber wie?“, ist dann oft die nächste Frage.

Meine Antwort richtet sich danach, an welchem Punkt die- oder derjenige gerade steht.

Da ist eine Idee …

Du denkst schon länger darüber nach, ein ganz bestimmtes Thema zu bearbeiten, eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Wabert eine konkrete Idee in deinem Kopf herum? Dann kaufe dir ein Notizbuch, sofern du keines herumliegen hast, und einen gut schreibenden Stift – und schreibe alles auf, was dir zu deiner Idee einfällt. Sammle deinen Stoff, trage zusammen, was dir dazu einfällt. Nimm dein Notizbuch überall hin mit. Du hast es gerade nicht zur Hand, aber eine Idee ploppt auf? Notiere sie auf einem Klebezettel, einem alten Briefumschlag, einer Serviette – egal. Und dann klebe diese Notiz bei nächster Gelegenheit in dein Projekt-Notizbuch. (Du kannst auch die Notizfunktion deines Handys nutzen, wenn du lieber digital arbeiten möchtest. Hier ist der Vorteil, dass heutzutage die meisten Leute ihr Handy bei sich tragen. Das liegt aber nicht jeder und jedem. Ich brauche zum Beispiel das Haptische, den Prozess mit Stift und Papier. Probiere es aus.)

Da liegt schon ein Stapel …

Gerade bei angehenden Sachbuchautor:innen nehme ich oft wahr, dass sich bereits einiges angesammelt hat: skizzierte Beobachtungen, Recherchekram, für Kurse produziertes Material zum Thema usw. Hier ist dann der nächste Schritt, alles an einem Ort zu sammeln, zum Beispiel in einer Kiste oder einem Ordner, auch digital. Gib deinem Projekt einen Namen, sofern noch nicht geschehen. Sichte, was sich angesammelt hat, und prüfe, wo noch Lücken sind: Welche Punkte hast du bei der Recherche noch nicht ausreichend berücksichtigt? Musst du eventuell Fachliteratur in der Bibliothek zu Rate ziehen oder mit einem anderen Experten sprechen? Diese Dinge kommen dann auf deine To-do, die du bei dieser Gelegenheit erstellen kannst, digital oder analog. Schließe die Lücken nach und nach und fülle die Kiste oder den Ordner mit allem, was zu deinem Projekt gehört.

Auch Belletristikautor:innen haben unter Umständen eine umfangreiche Materialsammlung, wenn sie bereits länger mit einer Idee schwanger gehen. Auch hier geht es in einem ersten Schritt darum, alles an einem Ort zusammenzutragen und um fehlende Puzzlestücke zu ergänzen:

  • Hast du über alle Figuren, die für deine Geschichte wichtig sind, nachgedacht? Sind sie dreidimensional und authentisch? Sind sie zu perfekt oder driften Ecken und Kanten in Klischees ab? Fehlt noch jemand im Personal?
  • Hat deine Geschichte einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss? Manche Autor:innen fangen erst mit dem Schreiben an, wenn alles durchdacht ist, andere wollen sich in verschiedenen Abstufungen vom Prozess überraschen lassen. Bei „Tasche mit Herz“ wusste ich das Ende zum Beispiel erst, als ich es geschrieben hatte. Ich habe meinen Figuren beim Aufräumen ihres Durcheinanders beobachtet und sie das Ende finden lassen, das sich organisch und „richtig“ anfühlte. Ich hätte es nicht vorher festlegen können. Kommt vor. 🙂
  • Weißt du schon, wohin du mit deinem Projekt willst? Möchtest du es nur für dich und deine Schublade schreiben, für deine Kinder oder das nähere Umfeld? Möchtest du veröffentlichen? Oder möchtest du verkaufen? Veröffentlichen und Verkaufen sind nämlich zwei paar Schuh, und aus deinen Erwägungen ergeben sich die nächsten Schritte. Möchtest du verkaufen, ist es zum Beispiel sinnvoll, bereits jetzt Kontakt zu Dienstleistern für eine professionelle Buchproduktion und -vermarktung aufzunehmen (Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Coverdesign, Marketing usw.), sofern du via Selfpublishing veröffentlichen möchtest, oder dich mit den Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit mit Agentur und Verlag zu beschäftigen. Möchtest du hier landen, muss sich dein Projekt den Bedingungen des Marktes anpassen, nicht umgekehrt, und zum Beispiel Konventionen eines bestimmten Genres bedienen. Selfpublishing ist hier keine Notlösung, „wenn kein Verlag anbeißt“, sondern eine bewusste Entscheidung für einen anderen Veröffentlichungsweg, bei dem du alles machen darfst, aber auch machen musst.

Ich gammle auf dem Startblock herum …

Du hast alles abgeklopft, was abzuklopfen war, und wartest auf ein „offizielles“ Startsignal, um ins Schreiben und Veröffentlichen zu kommen? Sorry, doch da muss ich dir leider sagen: Da kannste lange warten! Es wird keine:r kommen und dir sagen, dass die Zeit reif ist und du dein Buchprojekt nun umsetzen kannst. Im Gegenteil: Du wirst vielleicht sogar mir Gegenwind zu kämpfen habe. (Weiter unten gibt es Tipps zum Weiterlesen, falls du dich wappnen möchtest. ;-))

Nein, du musst jetzt die Entscheidung treffen, dein Buchprojekt in die Tat umzusetzen. Vielleicht ist der nächste Schritt für dich, eine Gliederung für dein Sachbuch zu erstellen, die geplanten Szenen in eine Reihenfolge zu bringen oder das erste Kapitel zu schreiben. Fange noch heute an und mache den nächsten Schritt. Je länger du nach der getroffenen Entscheidung wartest, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du sie umsetzen wirst. Nutze dieses kurze Zeitfenster. Wo befindest du dich gerade: Arbeitest du noch an der Grundidee, vervollständigst deinen Materialstapel oder befindest du dich auf dem Startblock und wartest auf das Signal, loszulegen?

Mache es jetzt. Beginne ein Notizbuch, trage alle Materialien zusammen oder sichte dein Material und erstelle eine Struktur für dein Sachbuch oder deine Geschichte. Schreibe den ersten Satz oder den letzten. Nimm Kontakt zu Dienstleistern auf. Komme ins Handeln. 

Folgende Blogbeiträge passen zum Thema und helfen dir weiter, falls du an einem bestimmten Punkt immer wieder scheiterst:

Ignoriere Kritik – und mach dein Ding!

Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte

15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst

Hast du Fragen oder möchtest du mir etwas sagen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.

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Goodies fürs Herz

Heute geht es um die Kleinigkeiten, um die sich viele Autor:innen rund um die Veröffentlichung ihres Buchs gerne kümmern: Goodies oder Gimmicks – kostenlose Zugaben oder Werbematerialien zum Buch also. Braucht man sie? Sind sie „Pflicht“? Was kosten sie? Und welche nutzt Kerstin? 🙂 Diesen Fragen wollen wir uns heute widmen.

Da ich nun kein ausgewiesener Marketingexperte bin *hüstel* und bei allen Fragen rund um verkaufsfördernde Maßnahmen an meine qualifizierteren Kolleg:innen verweisen möchte, geht es mir hier eher um die emotionale Komponente. Sprich: Brauchst du solche Werbematerialien – oder nicht? Sind sie für dich als Autor:in wichtig oder könnten sie es sein?

Sinn und Nutzen

Zuerst wollen wir einmal die Frage klären, ob solche Materialien überhaupt nötig sind. Ich kenne Autor:innen, die ganz klar sagen: „Nope, nicht mit mir!“ Sie veröffentlichen ihr Buch – und fertig.

Andere versorgen ihre Leser:innen nicht nur mit Postkarten und Lesezeichen, sondern lassen Tassen, Kerzen oder Kissen zum Buch produzieren und haben zum Veröffentlichungstag einen ganzen Fundus an Materialien angehäuft.

Unabhängig von der Frage, ob und wie sich mit solchen Materialien Verkäufe ankurbeln lassen, beobachte ich, dass gerade in einer Community wie Bookstagram, der buchbezogenen Bubble auf Instagram, angehende Autor:innen ganz schön unter Druck geraten können, wenn sie sehen, was andere so machen. Gerade wenn es um Buchblogger:innen geht, könnte man das Gefühl haben, dass es ohne kreative Buchbox inklusive Teebeutel und Süßigkeiten gar nicht mehr geht.

Aber: Weder sind Materialien zum Buch Pflicht noch werden sie von allen erwartet. Es liegt in deinem Ermessen, ob du dem Versand etwas beigeben möchtest. Und wenn du etwas beigeben möchtest, muss es nichts Anspruchsvolles sein. Bei meinem Kinderbuch „Wimpel und die rote Koralle“ habe ich mich beispielsweise für eine Postkarte mit Ausmalmotiv auf der Vorderseite entschieden. Ein paar persönliche Worte wollte ich sowieso mitsenden, und so habe ich das Praktische mit einer kleinen Aufmerksamkeit verbunden. Da ich positive Rückmeldungen erhalten habe, kann ich dieses Vorgehen also empfehlen. 🙂

Im persönlichen Kontakt mit Leser:innen ist es immer schön, ein paar Materialien bei der Hand zu haben. Diese kannst du mitgeben und dein Buch für einen eventuellen späteren Kauf in Erinnerung rufen. Hier setze ich – je nach Projekt – auf Postkarten und Lesezeichen, denn beides lässt sich gut verwenden und landet hoffentlich nicht so schnell im Papierkorb.

Auch auf Messen kommen Lesezeichen und Postkarten gut an. Wenn du Mitglied im Selfpublisher Verband bist, hast du die Möglichkeit, zur Frankfurter und Leipziger Buchmesse Werbematerialien zu deinem Buch mitzuschicken. Diese Möglichkeit nutze ich immer sehr gerne. (Achtung: Hier gibt es Vorgaben ans Format.) Wenn du selbst einen Stand auf einer Buchmesse hast, eventuell mit befreundeten Autor:innen zusammen, bieten sich solche Materialien ebenfalls an.

Und wie ist es mit dem Buchhandel? Als ich mit meinem queeren Liebesroman „Tasche mit Herz“ regionale Buchhandlungen in Ostfriesland besucht habe, hatte ich immer auch meine Werbematerialien dabei. Letztlich war hier aber vor allem das Buch entscheidend. Wenn du dich wohler fühlst, wenn du etwas „mehr“ dabei hast, dann mach das doch. (Tipp: Für den Buchhandel hatte ich außerdem einen Falzflyer mit meinen aktuell lieferbaren Titel, Bezugsinformationen und Infos zu mir angefertigt. Diesen konnte ich vor Ort abgeben oder versenden.)

Apropos mehr: Bei „Wimpel und die rote Koralle“ bin ich auf Grund meiner Zielgruppe(n) noch einmal kreativer geworden. Für die Kinder habe ich drei verschiedene, buchbezogene Sticker anfertigen lassen. Für Lehr- und Kitapersonal habe ich einen Flyer rund ums Buch gestaltet.

Kosten

Nun zum Thema Kosten: Wenn du Materialien zum Buch anfertigen lassen möchtest, dann kannst du einmal bei verschiedenen Anbietern die Preise vergleichen. Mit diesen Anbietern habe ich bislang zusammengearbeitet oder positive Berichte von Kolleg:innen erhalten:

  • Onlineprinters
  • FLYERALARM
  • WIRmachenDRUCK
  • VistaPrint
  • Canva

Canva war die bislang für mich teuerste Variante, wobei ich hier gerade am Anfang komfortabel fand, dass ich mit dem mir vertrauten Gestaltungsprogramm direkt in kleiner Auflage bestellen konnte. Später habe ich dann jeweils die Preise verglichen.

Kostengünstig waren für mich immer Lesezeichen und Postkarten, gefolgt von Flyern. Die Sticker waren schon nicht mehr ganz so günstig, wobei es große Unterschiede bei den Anbietern gibt.

Um Kugelschreiber und bedruckte Taschen – die sehr gut zu „Tasche mit Herz“ passen würden – schleiche ich noch herum. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

Kleine Warnung

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Warnung aussprechen: Das Verfallsdatum meiner Werbematerialien beträgt maximal zwei Jahre. Erfahrungsgemäß habe ich dann neue Flausen im Kopf, ziehe ein Projekt um, versuche einen neuen Distributionsweg, ändere das Cover oder überarbeite grundlegend – und all das verlangt nach einer neuen ISBN. Wenn du also eine ISBN auf dein Werbematerial drucken möchtest, dann sei dir bewusst, dass sie sich gegebenenfalls nach einiger Zeit ändern kann. Wenn du dein Material in großer Auflage hast drucken lassen, um Kosten zu sparen, ist es dann eventuell nur noch was für die Tonne.

Fazit

Materialien zum Buch sind eine tolle Möglichkeit, um Leser:innen, Buchblogger:innen und Buchhändler:innen für die eigenen Projekte zu begeistern. Mir macht es Spaß, mich damit zu beschäftigen und mir zu überlegen, was zum Buch und zu meinen Titeln insgesamt passen könnte und womit der oder die Adressat:in Freude haben könnte. Die Kosten sind dabei aber, je nach Art und Auflage, nicht unerheblich.

Mein Tipp: Fange mit einer für dich einfach zu bewältigen Art in kleiner Auflage an und probiere aus, wie es sich für dich anfühlt. Nachlegen kannst du immer noch. 🙂

Hast du Fragen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.

 

Jetzt erst recht: Diversity

Während ich diese Zeilen tippe, laufen im Hintergrund die Nachrichten. Tausende Menschen sind an diesem Wochenende auf die Straße gegangen, um gegen Rechtsextremismus und für Toleranz zu demonstrieren. Dies nehme ich zum Anlass, um über Diversität in unseren Büchern zu reflektieren und dir ein paar Impulse für dein Schreiben zu geben.

Worum gehts bei Diversity?

Diversity oder Diversität kann mit Vielfalt oder Vielfältigkeit übersetzt werden. Unsere Gesellschaft ist vielfältig. Es wird auch von „Dimensionen von Vielfalt“ gesprochen, als da wären:

  • Alter
  • ethnische Herkunft und Nationalität
  • Geschlecht und geschlechtliche Identität
  • körperliche und geistige Fähigkeiten
  • Religion und Weltanschauung
  • sexuelle Orientierung
  • soziale Herkunft (z.B. Bildungsgrad, Beruf, Einkommen …)

Was bedeutet das fürs Schreiben?

Wenn Autor:innen die Vielfalt unserer Lebensrealität abbilden möchten, wird es für manche schwierig: Wie können sie Diversity abbilden? Sollen/müssen sie es gar? Manch:e Autor:in fühlt sich durch die Forderungen eingeengt oder unter Druck gesetzt.

Zuerst einmal: Du musst gar nichts. Es ist dein Text, und den schreibst du so, wie du das möchtest. Aber sieh dir deine Geschichte einmal genau an: Es kann sein, dass mehr Diversität drinsteckt, als du auf den ersten Blick annimmst. Stammen deine Figuren aus unterschiedlichen Generationen? Dann hast du den Aspekt Alter berücksichtigt. Gibt es eine Person mit körperlichen Einschränkungen? Dann hast du hier Vielfalt eingebracht. Vielfalt abbilden bedeutet nicht, immer alles gleichzeitig abbilden zu müssen. Vielleicht aber kannst dir vorstellen, an der einen oder anderen Figur zu feilen, um mehr Diversität abzubilden – wenn es zu deiner Geschichte passt. Dabei kannst du gleichzeitig darauf achten, Stereotype und Klischees zu vermeiden, die oftmals als diskriminierend empfunden werden.

Ich binde Diversity beispielsweise in meinem Liebeskurzroman „Der Sturm brachte ihren Retter“ über das Alter der Figuren ein, indem ich Personen unterschiedlicher Generationen miteinander interagieren lasse. Auch das Verhältnis von Mann und Frau ist ein Thema, ebenso female empowerment und die soziale Herkunft. Und dies habe ich nicht bewusst getan, denn die Geschichte entstand bereits 2007. Damals habe ich mir über den Aspekt Diversity tatsächlich aktiv keine Gedanken gemacht. Es hat sich so ergeben, allein durchs Erzählen.

Queerness spielte im „Sturm“ keine Rolle, wohl aber in meinem Liebesroman „Tasche mit Herz“. Hier schildere ich die Geschichte einer Frau, die ihren Mann verlässt und sich in eine andere Frau verliebt. Aber auch hier habe ich unterschiedliche Generationen, die zusammenleben. Auch das Thema Gleichberechtigung und female empowerment sind wieder Themen. Anderes fließt hingegen nicht ein.

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, Diversity abzubilden – einfach, weil deine Figuren Teil dieser vielfältigen Welt sind. Du lebst darin, die bist umgeben von Vielfalt. Schaue dich in deinem Umfeld um, gehe mit offenen Augen durch die Welt, sieh dir dein eigenes Leben an: Wo ist da Diversity zu finden? Diese Dinge kannst du in deinen Text einbinden, ohne dass es gezwungen wirkt oder du dich gezwungen fühlst.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten, für Toleranz und eine vielfältige Gesellschaft einzutreten, sei es in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis oder auf der Arbeit. Du kannst zu Demonstrationen gehen und deine Stimme erheben. Und natürlich kannst du Vielfalt in deinen Büchern abbilden und so zu einem Klima beitragen, in dem sich jede:r gesehen fühlen darf. Mit deinen Büchern gestaltest du die Realität. Nutze diese Chance. 🙂

Der heutige Blog-Artikel war damit nicht nur ein Impuls für dein Schreiben, sondern auch mein Statement gegen rechts. Lass uns gemeinsam unsere Gesellschaft und die Demokratie beschützen, damit wir in Frieden leben können.

Was kannst du tun – da, wo du gerade bist?

Schreibe mir an kerstin@21ufos.de, wenn du mir zu dem Thema etwas sagen möchtest.