KI beim Schreiben nutzen?

Heute mal ein kleiner Beitrag aus dem Land der Weltuntergangsbeschwörer und Dystopie-Anhänger … 😉

Nein, Scherz beiseite: Im heutigen Blogpost widme ich mich dem Thema „KI im Schreib- und Veröffentlichungsalltag“, und zwar ohne Schwarzmalerei. Es ist verlockend, i know, und ich kann auch nicht behaupten, gänzlich angstfrei zu sein. Manches besorgt mich sogar und ich wünsche mir ein wachsames Auge aller Beteiligten – nicht nur bezogen auf möglicherweise gefährliche Entwicklungen, sondern auch hinsichtlich kreativer Arbeit und Urheberrecht.

Allerdings nehme ich auch die Chancen wahr und sehe jede und jeden von uns herausgefordert, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und einen Standpunkt zu finden. Meiner folgt hier, vielleicht kannst du dir etwas mitnehmen. 🙂

Am Anfang war die Angst

Die Entwicklung von ChatGPT und Konsorten habe ich anfangs nur am Rande verfolgt. Gelegentlich kam das Gespräch auf KI, aber mein Gehirn hat die rasante Entwicklung in 2023 weitgehend ausgeblendet. Wenn es um Text und KI ging, habe ich Bedenken großzügig beiseite gewischt. „Kann sie nicht, wird sie nie können“, sagte ich mir.

Erst in diesem Frühjahr dämmerte mir so langsam, dass da was Großes auf uns zukommt. Die Qualität der ausgespuckten Texte verbesserte sich, die Fehler wurden weniger. Aber erst, als KI-generierte Videos gezeigt wurden, setzte bei mir der Angstreflex ein. „In welcher neuen Realität bin ich heute Morgen aufgewacht?“, fragte ich mich. „Und was bedeutet das für meine berufliche Zukunft als Autorin und Lektorin?“

Hallo Schnappatmung, sag ich nur, zumal YouTube mir nun reihenweise Videos von Menschen ausspuckte, die dank KI ihre Jobs verloren hatten. Diese Menschen waren zuvor teils unabkömmlich gewesen, konnten kaum in Urlaub gehen, und waren innerhalb weniger Monate ersetzt worden.

Etwa eine Woche hielt mich der Algorithmus in seinem Klammergriff gefangen und meine Laune sank auf einen Tiefpunkt.

Wie immer: erst mal lernen

Einige Tafeln Schokolade und noch mehr Murmeltiervideos später wurde mir wieder angenehmer Content ausgespielt und ich beschloss, mich einmal ernsthaft mit KI auseinanderzusetzen. Kopf-in-den-Sand ist keine Lösung und passt auch nicht zu mir. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar: Erst mal eine Fortbildung besuchen, hihi. Genauer gesagt nahm ich an einem kollegialen Austausch innerhalb meines Berufsverbands, des VFLL, teil, den die Regionalgruppe Rhein/Ruhr online anbot. Es war ein sehr erhellender Abend mit einem wilden Ritt durch Tipps und Tools. Die Kolleg:innen teilten ihre Erfahrungen und ich hatte Ansatzpunkte zum Weiterdenken. Ich las außerdem Artikel zum Thema, sah mir Dokumentationen an, hörte Podcastepisoden und tauschte mich mit jemandem aus, der in der IT-Branche arbeitet. 

Fragen, die ich mir zu diesem Zeitpunkt stellte:

  • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Autorin haben?
  • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Lektorin haben?
  • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Autorin sinnvoll nutzen?
  • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Lektorin sinnvoll nutzen?
  • Wie kann ich in beiden Berufsfeldern sicherstellen, dass ich nicht ersetzbar bin?
  • Wie gehe ich mit Kolleg:innen und Kund:innen um, die KI verwenden?
  • Wird die KI uns unterjochen und das Leben auf diesem Planeten vernichten? (Okay, ich gebe es zu: So ganz ließ und lässt mich diese Frage nicht los, hihi. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar, ein Buch drüber schreiben. 😉 Dieses #ufo liegt bereits seit einigen Jahren angefangen in der Schublade und hat sogar schon ein tolles Cover. Nun packe ich es an, sobald der Relaunch all meiner Titel durch ist. Kleiner Tipp am Rande: Schreiben ist eine gute Möglichkeit, Ängste zu verarbeiten. 🙂 )

Grenzen ausloten

Apropos Relaunch: Wie du vielleicht mitbekommen hast, ist mein queerer Roman „Tasche mit Herz“ wieder erhältlich. Das E-Book gibt es aktuell exklusiv bei Amazon, Print folgt Ende August/Anfang September.

In diesem Zuge habe ich mich erneut mit dem Thema Coverdesign auseinandergesetzt. Ich mochte das alte Cover sehr gern, wollte aber im Zuge des Distributionswegswechsels – was für ein Wort – etwas Neues ausprobieren. Die wunderbare Laura Newman hat sich meines Titels angenommen und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Da habe ich allerdings etwa siebenunddrölfzig Schritte übersprungen, denn erst versuchte ich mich – mal wieder – wenig erfolgreich an der Covergestaltung für meine Titel. Es gab ja nun KI, und da sollte es doch möglich sein, mal grad was Passables zu basteln, dachte ich mir.

Pustekuchen. Es kamen zwar lustige Bilder raus und ich könnte nun eine Galerie mit siebenhundert Ansichten eines Leuchtturms in unterschiedlichen Techniken eröffnen, aber professionell war anders. Genauso selbstgebastelt wie eh und je.

Mein Fazit zum Cover-Selbstversuch: Wenn man weiß, wie es geht, könnte man eventuell KI verwenden. Ansonsten ist man gut beraten, einen Grafikdesign-Profi zu beauftragen, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen will. Ob der dann mit KI arbeitet oder nicht, ist mir letztlich wurscht, weil er oder sie die Arbeit trotzdem machen muss. (Laura unterscheidet beispielsweise bei ihren Premades und bietet separat KI-inspirierte an. Hier hat sie darüber berichtet.)

Das neue Cover von „Tasche mit Herz“ ist nicht KI-inspiriert, was möglich gewesen wäre. Es ist so oder so ein professionelles Cover, das meinem Text gerecht wird, und über das ich mich mit Laura austauschen konnte, bis alles perfekt war. Auch das Print-Cover und die Designs für Werbematerialien hat sie entsprechend gestaltet und für mich ist das immer noch die erste Wahl, auch wenn ich dafür Geld in die Hand nehmen muss. Wäre ich geschickter, was Gestaltungsfragen angeht, sähe ich das vielleicht anders, doch so bin ich happy damit und freue mich über das neue Kleid von „Tasche mit Herz“.

Mein Tipp: Probiere es aus. Lerne deine Grenzen kennen. Frage dich, was dir wirklich wichtig ist, wo du sparen möchtest und wo dein Geld gut investiert ist.

Schreiben mit künstlicher Intelligenz?

Zurück zum Text. Meine Mutter und ich haben uns während meines letzten Aufenthalts in Ostfriesland einen Spaß draus gemacht, mit der KI von ChatGPT die aktuelle weltpolitische Lage zu erörtern. Ich war überrascht, wie ausgewogen ihre Argumentation war, zumal sie ihre Ausführungen mit Quellen versah. Das eigene Wissen und Denken kann man damit zwar nicht ersetzen, denn Quark muss man von Nicht-Quark unterscheiden können, aber die Gedanken auf Trab zu bringen und sich einem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu nähern, kann auf diese Weise sicherlich durchaus erhellend sein.

Doch wie tief darf der Eingriff sein? Ja, es gibt Autor:innen, die hauen komplette KI-generierte Bücher auf den Markt. Andere suchen sich Unterstützung beim Plotten, bei der Figurenentwicklung oder der Fehlerkorrektur. Wo ist eine Grenze zu ziehen?

Die kann meiner Meinung nach nur die jeweilige Autorin, der jeweilige Autor – gegebenenfalls in Absprache mit Agentur und Verlag – ziehen. Wenn alle fein damit sind, bitte sehr.

Allerdings bin ich für eine Kennzeichnung. Mein Kinderbuch „Wimpel und die rote Koralle“ ist ohne den Einsatz von KI entstanden, und dies habe ich auch auf dem Umschlag vermerkt und kommuniziere es im Marketing. Es ist meine feste Überzeugung, dass es einen Markt für Bücher geben wird, die ohne KI entstanden sind. (Bei „Tasche mit Herz“ und „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“, welches kürzlich ebenfalls wieder als E-Book erschienen ist, habe ich den Vermerk schlichtweg vergessen, hihi. Muss ich bei Gelegenheit nachholen.)

Genauso wird es einen Markt für KI-generierte oder -unterstützte Inhalte geben. So wie Musik-Streaming und Schallplatten nebeneinander existieren, werden auch Bücher mit und ohne KI-Einfluss nebeneinander existieren.

Jedoch: Ich wünsche mir, dass dies kenntlich gemacht werden muss. Hier halte ich wenig von Selbstverpflichtungen und viel von gesetzlichen Vorgaben. Wo Mensch draufsteht, sollte auch Mensch drin sein – und umgekehrt.

Bis dahin habe ich mich für folgenden Weg entschieden: Sollte ich jemals ein Buch mit Unterstützung von KI verfassen, werde ich dies transparent machen und die Leserin, den Leser darauf hinweisen. So können meine Leser:innen selbst entscheiden, ob dies die Literatur ist, die sie lesen wollen.

Mein Tipp: Beschäftige dich mit den Tools, die Schreibenden heute die Arbeit erleichtern sollen. Sind sie etwas für dich? Oder erledigst du die Arbeit lieber weiterhin „zu Fuß“? Welche Anteile könntest du an KI auslagern? Bei welchen bereitete es dir Bauchschmerzen? Probiere es aus!

Transparenz im Lektorat

Diese Transparenz wünsche ich mir auch von meinen Kund:innen im Lektorat. Im Fragebogen, den ich obligatorisch vor dem Erstgespräch versende, ist nun eine Frage zum Thema KI zu finden, denn ich möchte wissen, ob und inwiefern künstliche Intelligenz am Prozess beteiligt ist. Ich schließe dies nicht aus, möchte es aber bei der Bewertung der Textqualität und des daraus resultierenden Arbeitsaufwands berücksichtigen können. Was ich jedoch weiß: Auch „meine“ Autor:innen kann keine KI ersetzen. Ihre Texte sind das Resultat ihrer Lebenserfahrung, ihrer Gedanken und Gefühle. Und das ist gut so! ♥

Von meiner Seite aus werden sicherlich im Laufe der Zeit Tools in meine tägliche Arbeit Einzug halten, weil man natürlich auf dem Laufenden bleiben muss. Ich werde in meinen Fortbildungen sicherlich Praktisches kennenlernen, und wo ich es zum Nutzen meiner Kund:innen einsetzen kann, werde ich dies tun – transparent und ehrlich.

Doch eines wird KI niemals ersetzen können: mich. Wer mit mir gearbeitet hat, weiß, dass mein Lektorat persönlich, dass es deep ist. Wir tauchen tief, mit Herz und Verstand. Meine Sprachnachrichten – wenn gewünscht – kommen aus meinem Mund. Meine Empfehlungen – auch wenn sie mit Arbeit verbunden sind – resultieren aus mehr als 30 Jahren Erfahrung im Schreiben und Veröffentlichen. Ich bin das Resultat meiner Lebenserfahrung und schenke meinen Kund:innen meine Lebenszeit, erkenne ihre Anliegen und Probleme und gehe wertschätzend darauf ein. Damit bin ich -und werde es bleiben – unersetzlich. 🙂

Fazit

KI wird uns weiter beschäftigen. Die Entwicklung ist exponentiell. Manches wird uns überraschen, anderes erschrecken. Drumrum kommt keine:r von uns.

Manche werden ihre Schreibarbeit von KI erledigen lassen und auf Textprofis zur Unterstützung verzichten. Vielleicht erzielen sie gute Resultate, vielleicht nicht.

Doch lasst uns optimistisch sein und uns unseren Geschichten, unseren Sachthemen widmen. Es wird immer Menschen geben, die sich dafür interessieren. Wir haben alle so viel zu sagen. Schreiben wir es auf!


Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de.

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3 Fragen an … Matthias Wailersbacher! Marketing als Autor

Foto Matthias: Studio Monbijou

In der aktuellen Podcast-Episode meines Schreib-Podcasts „Vom ersten Wort zum Lebenswerk“ stelle ich mal wieder „3 Fragen an …“! Zu Gast ist Matthias Wailersbacher, der mit seinem bald erscheinenden Buch „Nirgendwo und doch zu Hause“ bei mir im Lektorat war. Wir unterhalten uns über das spannende Thema Marketing.

Hier findest du Matthias auf Instagram.

Hier geht es zu seiner Homepage.

Einen Text überarbeiten

Heute gibt es Input von mir zu einem umfangreichen Thema: Wie überarbeite ich einen Text? Dabei ist es nicht relevant, ob es sich um Belletristik oder Sachbuch handelt. Beide Texte liegen erst einmal in einer Rohfassung vor und wollen bearbeitet werden. Gehen wir Schritt für Schritt vor:

1 – Überblick verschaffen

Wenn du zu den Bauchschreibern gehörst, erwartet dich nach Beendigung der Rohfassung eventuell ein ganz schönes Chaos. Wenn du nicht geradlinig von Anfang bis Ende geschrieben hast und im Buch gesprungen bist, stehst du möglicherweise vor einem Haufen Kapitel, denen die Struktur, der rote Faden fehlt. Aber auch als Plotter bist du vielleicht im Text gesprungen, hast mal hier geschrieben, mal dort. So entstehen Dopplungen, an anderer Stelle fehlt etwas.

Dann kannst du erst einmal hingehen und dir einen Überblick verschaffen, was du da eigentlich zu Papier gebracht hast. 😉 Heißt: In einem ersten Schritt wird gelesen. Dabei kannst du dir Notizen machen oder Kommentare anfügen, zum Beispiel, wenn du den Leser oder die Leserin am Anfang mit einem Infodump erschlägst oder dir Logikfehler auffallen, die du in der Überarbeitung ausbügeln musst. Ist der Spannungsbogen stimmig, auch in einer Nebenhandlung? Auch Hinweise für eine Nachrecherche kannst du in diesem Schritt vermerken. So geht nichts verloren, was dir beim Lesen ins Auge springt, es muss aber nicht sofort bearbeitet werden.

Denn: Hier liegt ein großes Risiko! Statt sich erst mal das Manuskript grundsätzlich anzuschauen, idealerweise nach einer Pause, fangen manche Autor:innen an, direkt drin zu arbeiten. Die „großen“ Probleme bekommen sie so aber nicht in den Griff, und die sollten zuerst angegangen werden – sonst erzeugt die Beseitigung des einen Logikfehlers womöglich einen neuen. Außerdem lässt die Motivation irgendwann nach, weil man arbeitet und arbeitet und das Gefühl hat, überhaupt nicht voranzukommen.

Ich habe einmal in einer Mischung aus Plotten und Bauchschreiben einen historischen Roman geschrieben, der allerdings noch in der Rohfassung in der Schublade schlummert. Als ich fertig war, habe ich mir einen Überblick verschafft, fehlende Szenen notiert, etwas nachgearbeitet; nun stünde eine Rechercherunde an. Da ich aktuell dafür keine Zeit habe, wird dieser Roman wohl noch eine Weile auf die Weiterbearbeitung warten müssen.

Ich muss ganz ehrlich zugeben: Mich hat das selbst angerichtete Chaos ziemlich gelähmt. Ich mag Unordnung grundsätzlich nicht gerne. Wenn es dir ähnlich geht, überlege dir vorab gut, auf welche Weise du dein Manuskript verfasst. Wenn es bereits geschrieben ist und du vor dem Chaos stehst, dann gehe es strategisch an: vom Großen ins Kleine. Fange nicht bei Kommafehlern an, wenn die Struktur des Textes insgesamt noch nicht stimmt. Eins nach dem anderen.

 2 – Vom Großen …

Womit wir beim zweiten Schritt wären. Zuerst werden die groben Sachen erledigt:

  • ggf. nachrecherchieren
  • Kapitel für Kapitel, Szene für Szene überarbeiten; fehlende Kapitel oder Szenen schreiben und an passender Stelle einfügen
  • Figuren ausarbeiten oder einfügen, die in der Rohfassung zu kurz gekommen sind
  • Dialoge prüfen
  • Beschreibungen einfügen, wenn du hier zu den Minimalisten gehörst
  • „Show, don’t tell“ beherzigen und erzählende Passagen so umwandeln, dass sie die Situation zeigen; hier auch auf stimmige Dialoge achten und ggf. einfügen.
  • Außerdem empfehle ich, noch einmal alle Kapitelenden zu prüfen und einen schönen Abschluss zu schreiben, sofern nicht vorhanden.

Unter Autor:innen könntest du jetzt auf eine:n Alphaleser:in zurückgreifen, die oder der diese immer noch ziemlich rohe Version lesen darf. Für Testleser ist sie in der Regel noch ungeeignet. Ein:e im Schreiben bewanderte Alphaleser:in wird dir hingegen wertvolles Feedback geben können. Dieses kannst du einarbeiten, bevor es an den nächsten Schritt geht. (Ganz Mutige können ihren Text auch schon nach Schritt 1 rausgeben, aber zumindest diese eine Überarbeitungsrunde würde ich dem Text doch gönnen.)

3 – … ins Kleine

Nun folgen diverse Überarbeitungsrunden, denen du jeweils ein Motto geben kannst, weil sie sich einem bestimmten Aspekt widmen:

  • Sprache prüfen, u.a. aktiv schreiben, Passivkonstruktionen vermeiden; Bandwurmsätze auflösen; Füllwörter jagen
  • Rechtsschreibung und Zeichensetzung prüfen
  • Formatierung prüfen
  • ggf. Inhaltsverzeichnis und tatsächliche Kapitelfolge prüfen
  • ggf. Fußnoten und Anhang prüfen

4 – Testleser

Nun kannst du deinen Text an Testleser geben, die am besten mit ihrer jeweiligen „Brille“ auf deinen Text schauen, mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten, Kenntnissen und Interessen und dir ein Feedback geben können, das über „Finde ich schön!“ hinausgeht. 😉 Du kannst ihnen vorab konkrete Fragen mitgeben, die ihnen helfen, sich darauf zu fokussieren, z. B. zu deinen Figuren und wie sie sich entwickeln. Dieses Feedback arbeitest du in einem weiteren Überarbeitungsschritt ein. Manches wird sich widersprechen und es ist an dir als Autor:in, eine Entscheidung zu treffen.

(Dieser Schritt ist auch parallel oder nach dem Lektorat möglich. Wäge für dich ab, wo für dich die Vor- und Nachteile liegen.) 

5 – Lektorat

Nun geht dein Text eventuell ins Lektorat. In ein oder zwei Runden wird dein Text bearbeitet. Ich arbeite immer in zwei Runden, wobei die Autorin / der Autor in einer Pause die Gelegenheit erhält, die Hinweise aus dem ersten Durchgang einzuarbeiten. Nach dem Inhaltslektorat folgt ein Stillektorat, in dem ich mir noch einmal jedes Wort ansehe. Auch danach folgt eine Überarbeitung durch den oder die Autor:in.

6 – Korrektorat

Nun sollte dein Text noch einmal abschließend auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung geprüft werden, denn Schludrigkeit in diesem Bereich verzeihen die wenigsten Leser:innen. Auch wenn niemals alle Fehler herausgefischt werden können, würde ich dem Text in jedem Fall ein weiteres Augenpaar wünschen, das drüberschaut.  Ob du deinen Text nun von jemandem aus deinem Umfeld gegenlesen lässt oder ihn in eine professionelles Korrektorat gibst: Auch danach folgt eine Überarbeitungsrunde durch dich.

Fazit

Mit einer einfachen Überarbeitung ist es nicht getan. Zehn bis fünfzehn Runden sind sicherlich keine Seltenheit, bis ein Manuskript final steht und in den Buchsatz gehen kann. Zu diesem Zeitpunkt sind kaum noch Änderungen möglich. Nimm dir die Zeit, deinen Text gut zu überarbeiten. Wenn du die Überarbeitung, die anfangs als überwältigende Aufgabe erscheinen mag, in kleine Schritte zerlegst, ist sie leichter zu bewältigen. Viel Spaß dabei!

Hast du Fragen oder Anmerkungen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de oder hinterlasse einen Kommentar.

Das Jahresende naht

(enthält Werbung]

In Rheinland-Pfalz enden dieses Wochenende die Sommerferien. Damit kehrt hier bald wieder eine Routine ein. Für mich ist dieser Zeitpunkt immer eine gute Gelegenheit, um mir meine Planung für die restlichen Monate des Jahres anzusehen. Mach gerne mit und plane auch für dich, was du von September bis Dezember schriftstellerisch noch anstellen willst. 🙂

Messebesuche

Deutlich markiert stehen sie in meinem Kalender: die anstehenden Messen, an denen ich teilnehmen möchte.

  • Zunächst ist da die BuchBerlin am 30. September und 1. Oktober 2023. Hier werde ich mit 21ufos.de am Stand der Agentur Autorenträume vertreten sein, unseren Kurs und meine Dienstleistungen rund ums Lektorat vorstellen. Im Gepäck habe ich dann außerdem meine Bücher und einen Probedruck von „Wimpel und die rote Koralle“. Meine Bücher kannst du auch am Stand des Bookerfly Clubs besuchen.
  • Danach folgt die Frankfurter Buchmesse vom 18. bis zum 22. Oktober 2023. Ich werde samstags vor Ort sein, um zu bummeln und meine Herzgespinste-Kolleginnen zu treffen. Darauf freue ich mich sehr! (Mit Glück kannst du „Wimpel und die rote Koralle“ dann bereits am Stand des Selfpublisher Verbands besuchen, doch das ist noch nicht sicher.)
  • Im Herbst steht außerdem die Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM an, und zwar vom 11. bis 21. November 2023. Hier wird „Wimpel“ ebenfalls ausgestellt. Ob ich persönlich vor Ort sein werde, weiß ich noch nicht.

Rund ums Lektorat

Das erste Modul des Zertifikatslehrgangs „Freies Lektorat“ der Akademie der Deutschen Medien habe ich erfolgreich im August absolviert (Freies Lektorat I – Sicher redigieren). Juchhu! Es war eine tolle Fortbildung, bei der ich viel gelernt und nette Kolleg:innen kennengelernt habe. 

Ob ich das zweite Modul in diesem Jahr belegen kann, weiß ich noch nicht, denn: Im November und Dezember folgt die Seminarreihe „Freies Lektorat“ im WILA Bonn. Damit bin ich im Bereich Fortbildungen gut ausgelastet, denn ich lektoriere bereits parallel, leite den Kurs „Lebe deinen Autorentraum“ gemeinsam mit Sandra von der Agentur Autorenträume und habe eigene Veröffentlichungen, die an den Start gebracht werden wollen.

Größere Texte für ein Lektorat nehme ich voraussichtlich erst wieder im Januar an. Kontaktiere mich frühzeitig, wenn du mit mir zusammenarbeiten willst. Schreibe am besten eine Nachricht an: kerstin@21ufos.de 

Herzgespinste on tour

Nach einer Sommerpause sind meine Herzgespinste-Kolleginnen und ich wieder aktiv. Wir produzieren fleißig neue Podcast-Episoden und planen ein Treffen auf der Frankfurter Buchmesse.

Hier geht es zur aktuellen Folge.

Bücher, Bücher, Bücher

Natürlich möchte ich weiterhin selbst veröffentlichen.

  • Im Oktober steht die Veröffentlichung der Print-Ausgabe von „Wimpel und die rote Koralle“ an, auf die ich mich sehr freue. Damit habe ich ein wichtiges Projekt meiner langen Liste abgeschlossen, ein Kinderbuch, das ich meinem Lebenswerk hinzufügen kann. Ein Kinderbuch zu veröffentlichen, ist ein sehr komplexer Vorgang, viel komplexer, als ich es mir vorgestellt hatte. Hier habe ich bereits darüber geschrieben. Nach der Veröffentlichung der Print-Ausgabe teile ich weitere Learnings mit dir.
  • Vor dem Jahresende soll „Der Koffer im Leuchtturm“ als Gesamtausgabe erscheinen. Die zweiteilige Erzählung gab es bereits als E-Book, doch nun soll alles noch mal „in schön“ erscheinen, mit tollem Cover und auch als Print-Ausgabe. Schauen wir mal, ob das klappt, denn:
  • Alle meine Bücher wechseln im November beziehungsweise Februar den Distributor. In diesem Zuge möchte ich alle noch mal „anfassen“, überarbeiten, an meinen jetzigen Wissensstand anpassen. Dafür muss ich mir im Oktober Zeit freischaufeln und nehme daher in diesem Monat nur kurze Texte für ein Lektorat an.
  • Außerdem plane ich gerade mein nächstes Buch, mein erstes Sachbuch. Neuland für mich und sehr spannend.

Puh! Wenn ich mir diese Aufstellung ansehe, wird mir ein wenig schwindelig. Aber Schritt für Schritt. Das kann ich nur immer und immer wieder betonen. Plane und arbeite dann eine Aufgabe nach der anderen ab. Hier habe ich dir aufgeschrieben, wie ich aktuell plane.

Bedenke: Eine gute Planung ist wichtig, und trotzdem wird immer etwas hintenüberfallen. Momentan drücke ich mich vor der Kontaktierung von Bloggern für die „Wimpel“-Veröffentlichung, obwohl sie in meiner Projektplanung steht und längst erledigt sein sollte. Wir können nicht immer und in allem gut sein. Sei milde mit dir. Ich bin es auch. 😉

Und jetzt du!

Wie sieht es bei dir aus? Was hast du bis zum Jahresende vor? Was möchtest du erledigt haben? Was sind deine Ziele? Frage dich realistisch(!), wie viel Zeit du für eine Aufgabe benötigst, teile sie in Schritte ein und trage sie in deinen Kalender ein, damit du sie im vorgegebenen Zeitrahmen erledigen oder deine Zeitplanung gegebenenfalls anpassen kannst. Aber wenn du bis zum Jahresende ein Buch geschrieben haben möchtest, was durchaus möglich ist, dann wirst du dich langsam hinsetzen und schreiben müssen. 🙂 Viel Spaß dabei!

Für regelmäßige Motivation und Inspiration lies gerne meine Blogartikel, höre meinen Podcast und folge mir auf Instagram, wo ich dich nahezu täglich mit einer Portion Input rund ums Kreative Schreiben versorge.

Holl di munter

deine Kerstin

Füllwörter jagen in 5 Schritten

Heute geht es um das leidige Thema „Füllwörter“.

„Leidig? Warum leidig?“, fragst du dich vielleicht.

Dann gehörst du zu den glücklichen Autorinnen und Autoren, die ihre Texte nicht mit überflüssigen Wörtern pflastern, die den Text unnötig aufblähen und den Lesefluss hemmen. Gratulation!

Soll ich dir ein Geheimnis verraten? Ich gehöre nicht zu diesen glücklichen Leuten. Ich weiß zwar mittlerweile, welche Wörter ich gerne verwende, tippe sie aber dennoch im Schreibflow in meine Texte. Passiert. Wenn du deine eigenen Texte also auf Füllwörter prüfst oder entsprechendes Feedback bekommst, ärgere dich nicht. Damit bist du nicht allein.

Heute geht es in 5 Schritten den Füllwörtern an den Kragen. Los geht’s!

Schritt 1: Informiere dich

Das machst du gerade, und damit hast du den wichtigsten Schritt getan. Wenn du nicht weißt, dass und welche Füllwörter es gibt, kannst du sie nicht vermeiden oder aus deinem Text herausfischen.

Was sind Füllwörter? Der Duden definiert ein Füllwort als „Wort mit geringem Aussagewert„. Sie tragen nichts zum Text bei und können gestrichen werden. Das zu wissen, ist wichtig, denn: Solche Wörter wollen wir in unseren Texten möglichst selten finden. Unsere Texte schleifen wir wie Edelsteine, bis nur noch das drin ist, was die Geschichte braucht.

Wir müssen aber keinen Kahlschlag betreiben, und an der ein oder anderen Stelle ist ein tatsächlich oder genau wichtig und richtig. Funktioniert aber nur, wenn diese Wörter mit Bedacht gewählt und eingesetzt werden und deinen Text nicht durchziehen. Das ist dann schlechter Stil. Und den wollen wir noch weniger als Füllwörter. 😉

Welche Füllwörter gibt es also? Wenn du in der Suchmaschine deiner Wahl „Füllwörter“ eingibst, gelangst du zu vielen Seiten mit diversen Listen. Recherche ist sinnvoll. Für einen ersten Überblick teile ich dir meine persönliche mit, die eine Zusammenstellung aus Wörtern ist, die ich selbst gerne als Füllwörter verwende oder im Rahmen von Lektoraten „jage“.

(Achtung: Manchmal haben diese Wörter eine Funktion innerhalb des Satzes, passen zum deinem Stil oder deinen Protagonisten, sind also keine Füllwörter und können nicht rausgenommen werden. Daher im Einzelfall genau prüfen!)

  • aber
  • aber doch
  • allerdings
  • also
  • auf jeden Fall
  • auch
  • auch dann noch – nur „noch“
  • beide
  • bereits
  • besonders
  • bestimmt
  • bis zum Ende
  • da
  • dadurch
  • damalige
  • damals
  • dann
  • dann aber
  • danach
  • danach direkt
  • daran
  • definitiv
  • denn
  • derzeit
  • darüber
  • doch
  • doch sonst
  • echt
  • eher
  • ehrlich gesagt
  • eigene(n)
  • eigenes
  • eigentlich
  • ein bisschen
  • einfach
  • einigermaßen
  • einmal
  • endlich
  • erst
  • erst mal
  • etwa
  • etwas
  • für den Moment
  • ganz
  • ganze
  • ganzen
  • gar
  • geistesgegenwärtig
  • gemeinsam
  • genau
  • gerade
  • gerne
  • gesamte
  • halt
  • heute
  • heutzutage
  • hier
  • hinter meinem Rücken
  • im Laufe der Jahre
  • im Moment
  • immerhin
  • im Nachhinein
  • im Übrigen
  • in den ganzen Jahren (= seit)
  • in der Folge
  • in der Zeit
  • in diesem Fall
  • in dieser Konstellation
  • in dieser Situation
  • in jedem Fall
  • irgendwann
  • irgendwie
  • irgendwo
  • ja
  • jetzt
  • mal
  • meines Wissens
  • mittlerweile
  • momentan
  • nach
  • nach einigem Nachdenken
  • nämlich
  • natürlich ebenfalls
  • noch einen Moment
  • noch einmal
  • nun
  • regelrecht
  • ruhig
  • schon
  • sehr
  • selbst
  • sicher
  • so
  • sozusagen
  • spontan
  • tatsächlich
  • total
  • um diese Uhrzeit
  • unbedingt
  • unterwegs
  • unweigerlich
  • vielleicht
  • völlig
  • vollkommen
  • weiter
  • wieder
  • wirklich
  • wohl
  • womöglich
  • wundersamerweise
  • zugegebenermaßen
  • zumeist
  • zunehmend

Schritt 2: Texte prüfen

Meine Liste kann nur ein erster Überblick über potentiell mögliche Füllwörter sein. Ja, die Liste ist lang! Viele dieser Wörter werden dich nicht betreffen. Als Schritt 2 empfehle ich dir daher, einen deiner eigenen Texte zu prüfen: Welche Füllwörter benutzt du gern? Hast du zu diesem Text schon mal Feedback bekommen? Von Testlesern, einer Lektorin oder einer Korrektorin? Hat sie Füllwörter markiert? Beobachte dich auch während des Schreibprozesses. Vielleicht fällt dir dabei auf, dass du versucht bist, immer wieder bestimmte Wörter zu verwenden. Das ist anfangs schwierig und auch nicht zu empfehlen, wenn du dadurch deinen Schreibflow blockierst. Dann lieber Kopf aus, schreiben und hinterher prüfen.

(Zur Info: Es gibt auch Schreibprogramme, die dir Füllwörter anzeigen, doch das kann nur ein Anhaltspunkt sein und den eigenen Grips nicht ersetzen. 😉 )  

Schritt 3: Liste anlegen

Du hast dich beobachtet und deine eigenen Texte geprüft? Super! Dann leg dir im nächsten Schritt eine Liste mit deinen ganz persönlichen Füllwörtern an. Ich habe eine Korrektur-Datei auf meinem Desktop, in der viele weitere Sachen stehen, auf die ich während einer Überarbeitung meiner Texte achte, aber auch meine beliebten Füllwörter. So eine Datei kann im Laufe der Zeit ganz schön wachsen. Fang mit den Füllwörtern an!

Schritt 4: Füllwörter jagen

Du hast einen Text fertiggestellt? Super! Wenn du an die Überarbeitung gehst, hast du nun eine Liste zur Hand, mit der du konkret deine Füllwörter „jagen“ und aus dem Manuskript entfernen kannst – wenn du das möchtest. Ich gehe dabei nie radikal vor. Diese Wörter können Füllwörter sein – oder Teil deines eigenen Stils. (Falls du unsicher bist, lasse dich von einem Text-Profi beraten.)

Schritt 5: Liste aktualisieren

Jetzt heißt es nur noch, deine Liste auf dem aktuellen Stand zu halten. Von Text zu Text wirst du als Autor, als Autorin wachsen und dich verbessern. Damit sich keine Füllwörter-Leichen in deiner Liste tummeln, die du gar nicht mehr verwendest und die deinen Überarbeitungsprozess unnötig verlängern, gehe sie regelmäßig durch und entferne die, die für dich keine Bedeutung mehr haben.

So, und jetzt gehe ich selbst ein paar Füllwörter jagen. 😉

Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreib mir an: kerstin@21ufos.de

Holl di munter,

Deine Kerstin