Muss eine Veröffentlichung Geld kosten?

(Zur Sicherheit: Dieser Beitrag enthält unbezahlte
Werbung für einen Selfpublishing-Dienstleister. 🙂 )

Selfpublishing ist eine tolle Möglichkeit, sein Buch hinaus in die Welt zu schicken. Es kann aber auch mit hohen Kosten verbunden sein.  Muss das sein? Hierzu habe ich mir einige Gedanken gemacht.

Raus aus der Krise

Ich habe früher selbst im Verlag veröffentlicht und konnte davon leben. Aus familiären Gründen kam das Veröffentlichen zum Erliegen, und tatsächlich folgte eine „Veröffentlichungskrise“, weil ich auch fertige Texte nicht mehr publizierte. Wie bin ich dieser Krise entkommen? Das Zauberwort hieß: Selfpublishing.

Ich gab kaum Geld aus

Das Selfpublishing auf sehr niedrigem finanziellen Niveau war 2019 für mich der erlösende Faktor, den ich brauchte, um den Kreislauf zu durchbrechen. Ein privater Druck nur für mein eigenes Bücherregal hatte mir nicht gereicht. Tatsächlich kostete es mich keine zwanzig Euro, mein Buch zu veröffentlichen, und bei einer reinen E-Book-Version wären nicht mal die fällig gewesen. Das Geld zahlte ich an den Distributor, alle anderen Ausgaben sparte ich mir.

Der Grund: Hätte ich mir auch noch hohe finanzielle Hürden auferlegt, hätte ich es nicht geschafft. Der Prozess hat mich so schon alle Kraft gekostet, auch ohne weiteren Druck. Denn das vergessen viele: Die Zusammenarbeit mit anderen am Buch kostet Kraft, Zeit, Nerven. Will und kann manche:r vielleicht in dem Moment gar nicht.

Eine Option, kein Muss

Ich brachte also einen kleinen Liebesroman heraus, ohne Lektorat, ohne gekauftes Cover, ohne alles. Danach folgte ein Drehbuch. Beide habe ich mittlerweile neu aufgelegt und vieles eingekauft, was der Markt so verlangt. Wollte ich so – hätte ich aber nicht müssen. Es war meine freie Entscheidung, diesen Weg zu gehen, weil ich meine Geschichten so und nicht anders veröffentlichen wollte. Das Geld hatte ich auch nicht herumliegen, sondern habe es geliehen. Ein Wagnis, das ich nicht bereue. 

Ich habe das Geld geliehen, aber es gibt viele Möglichkeiten, eine Veröffentlichung fit für den Buchmarkt zu machen. (Da das hier den Rahmen sprengen würde, verweise ich auf ein Video der Agentur Autorenträume, die hierzu einige Tipps und Hinweise liefert.) Denn eines möchte ich ganz klar sagen: Ein Text gewinnt durch ein gutes Lektorat. Ein:e Leser:in wird eventuell durch ein Cover animiert, sich ein Buch genauer anzusehen und dann zu kaufen. Ein guter Buchsatz sorgt für ungehinderten Lesegenuss. Und ein Korrektorat ist der Punkt, auf den Autor:innen meiner Meinung nach am allerwenigsten verzichten sollten, denn viele Rechtschreibfehler im Text sind das, was die Leser:innen wohl am meisten stört. Alle diese Dienstleistungen haben ihren Sinn und ihre Berechtigung, und wenn sie irgendwie gewollt und finanzierbar sind – wunderbar. Aus gutem Grund lasse ich sie meinen Geschichten ja auch (meist) angedeihen. Aber sie sind kein Muss! Sie sind eine Option.

Kein Entweder-oder

Kritik an unlektorierten etc. Büchern kann ich natürlich nicht ausblenden. Verderben „schlecht gemachte Bücher“ den Markt? Verprellen sie die Leserschaft? Werfen sie ein schlechtes Licht aufs Selfpublishing? Aus Sicht des professionellen Selfpublishings kann ich diese Gedankengänge verstehen. Auch ich möchte meine Bücher verkaufen und Leser:innen überzeugen, auch Bücher aus dem Selfpublishing zu lesen.

Dennoch finde ich niedrigschwellige Zugangswege auch im zu bezahlenden Bereich sehr, sehr wichtig. Ich bin gegen ein Entweder-oder, sondern plädiere für beide Möglichkeiten: eine friedliche Co-Existenz.

Die Stimmen aller

Ein anderer Aspekt ist mir in diesem Zusammenhang nämlich sehr wichtig: Selfpublishing ist Demokratie pur. Auch die Stimme einer alleinerziehenden Mama oder ungelernten Arbeiters, der mit kleiner Rente leben muss, sollte gehört werden können. Ich war selbst mal alleinerziehend und weiß, was es bedeutet, jeden Cent umdrehen zu müssen, und hatte ganz bestimmt kein Geld für Lektorat etc.

Aber: Alle Menschen sollten sich unabhängig vom Geldbeutel ihren Traum vom eigenen Buch erfüllen dürfen, ohne dass der Torhüter Verlagsvertrag oder hohe Veröffentlichungskosten im Selfpublishing dies verhindern. Auch kulturell betrachtet finde ich es enorm wichtig, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedankenwelt zugänglich zu machen. (Und nein, nicht jede:r ist mit Deutschlehrern befreundet, die sich dann „wenigstens mal die Rechtschreibung anschauen“ können.)

Den Torhüter Verlag als Zugangsverhinderer zum Buchmarkt gibt es nicht mehr, und das ist gut so. Ich finde es ganz schlimm, wenn innerhalb der Selfpublishing-Szene erneut hohe Hürden geschaffen werden, damit alle erscheinenden Bücher mit Verlagspublikationen „mithalten“ können. Vielleicht ist das ja gar nicht der Sinn dahinter! Vielleicht ist das auch gar nicht das Anliegen der jeweiligen Autor:in.

Standards für beide Seiten

Vielleicht schafft es die Selfpublishing-Szene ja zunehmend, objektive Standards festzusetzen, die den Leser:innen Orientierung bieten, was sie für ihr Geld bekommen.

  • Der oft mögliche „Blick ins Buch“ fällt mir da spontan ein: Hier hilft ein Studium des Impressums und der ersten Seiten, das Werk einzuordnen und zu wissen, was da auf einen zukommt – und ob man als Leser:in bereit ist, dafür einen Obulus zu entrichten.
  • Auch kann man als Autor:in offensiv hingehen und die Leser:innen direkt auf den ersten Seiten informieren, dass zum Beispiel ein Korrektorat aus finanziellen Gründen nicht möglich war, Hinweise aber gerne angenommen werden. Das wäre mutig und fair.
  • Preise für Bücher aus dem Selfpublishing sind eine Option für Orientierung, allerdings nur dann, wenn auch hier das Augenmerk nicht nur auf verlagsähnliche Publikationen gelegt wird. Sonst sind wir wieder beim Entweder-oder.

So mache ich es heute

Die Fragen, die ich mir heute beim Veröffentlichen stelle, sind: Was ist mir wichtig? Wo will ich eigentlich hin? Was und wen will ich mit genau diesem Text erreichen? Erst danach lege ich das Budget fest. Und wenn keins vorhanden ist, dann wird trotzdem veröffentlicht. Pimpen kann ich auch noch später.

Und diesen Tipp möchte ich auch dir mitgeben: Bevor du überhaupt nicht veröffentlichst, veröffentliche auf die minimalistische Art! Denn wenn du nicht veröffentlichst, kostet es ja auch etwas – nämlich deinen Traum vom eigenen Buch.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Lektorat, Teillektorat, Stilberatung – was bringt’s?

In meinem heutigen Blog-Artikel gehe ich der Frage nach, ob und wann sich ein Lektorat, Teillektorat oder aber eine Stilberatung lohnt – und wann nicht.

Eine Warnung vorweg

Die hier geschilderten Gedanken entspringen einem ganz persönlichen Eindruck, den ich nach Jahren in der Buchbubble, Veröffentlichungen im Verlag und im Selfpublishing gewonnen habe. Damit du ein rundes Bild bekommst und dir eine eigene Meinung bilden kannst, empfehle ich dir, unbedingt weitere Menschen zum Thema zu befragen beziehungsweise weiter zu recherchieren. Was für mich richtig oder falsch war, kann für dich genau umgekehrt falsch oder richtig sein. Manchmal hilft auch nur ein Ausprobieren. Trotzdem freue ich mich, wenn ich dir ein paar Hinweise geben kann für deinen weiteren Schreib-Weg.

Zu meinen grundsätzlichen Erfahrungen im Lektorat habe ich schon mal eine Podcast-Folge veröffentlicht, die du hier findest. Zwischenzeitlich habe ich weitere Erfahrungen gesammelt und dachte mir: Zeit für ein Update. 🙂

Meine Erfahrungen mit dem Lektorat

Sowohl „Tasche mit Herz“ als auch „Der Sturm brachte ihren Retter“ haben ein komplettes Lektorat durchlaufen. Dies ist ein intensiver Prozess, der meiner Meinung nach die umfassendste Wirkung auf die persönliche Entwicklung als Schriftsteller*in haben dürfte. Die Geschichte wird von A bis Z auseinandergenommen. Am Ende steht ein in sich stimmiger Text. Der Überarbeitungsprozess war für mich gleichzeitig ein Reifeprozess als Autorin. Ich bin definitiv daran gewachsen.

Es ist aber auch die kostspieligste Lösung, weshalb ich mich lange dagegen entschieden habe. Wenn du meine Podcast-Folge gehört hast, weißt du ja, dass ich Selfpublishing als wichtiges demokratisches Element betrachte und es wichtig finde, dass jede*r veröffentlichen darf und sollte, unabhängig vom eigenen Portemonnaie.

Letztlich war es bei mir eine sehr persönliche Entscheidung, meine beiden Geschichten ins komplette Lektorat zu geben und stand am Ende einer sehr langen Entwicklung – beim „Sturm“ ganze vierzehn Jahre.

Es ist nicht schlimm, sich dagegen zu entscheiden, aus welchen Gründen auch immer, denn neben der kostenlosen Möglichkeit, sich zum Beispiel mit anderen Autor*innen zusammenzutun und die Texte gegenseitig zu begutachten, gibt es auch weitere professionelle Möglichkeiten, die günstiger sind.

Das Teillektorat als Ansatzpunkt

Die Möglichkeit eines Probelektorats weniger Seiten besteht wohl bei den meisten Lektor*innen. Ein Teillektorat umfasst jedoch deutlich mehr Seiten. „Tasche mit Herz“ hat zunächst solch ein Teillektorat der ersten 50 Seiten durchlaufen. Dies war für mich ein guter Einstieg, um überhaupt einmal Grund in den Text zu kriegen und zu entscheiden, wie die Reise weitergehen soll. Vielleicht dienen die überarbeiteten Seiten als Leseprobe für eine Verlagsbewerbung? Go for it!

Ein Teillektorat ist auch dann sinnvoll, wenn ein komplettes Lektorat zu kostspielig ist. Dann kann man zumindest das nun Erlernte auf den Rest des Textes anwenden und hat schon viel gewonnen.

Um herauszufinden, ob die Zusammenarbeit mit einer Lektor*in funktioniert, wäre es mir aber wiederum zu umfangreich. Da tendiere ich eher zum Probelektorat von 3-5 Seiten.

Für mich neu: Die Stilberatung

Für mein bald in einer Neuauflage erscheinendes Drehbuch „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“ bin ich dann noch einmal neue Wege gegangen. Ich benötigte ein grundsätzliches Feedback zur Geschichte, dem Personal, der Handlung – ohne die insgesamte Tiefe eines kompletten Lektorats. Die Stilberatung hat mir hier sehr geholfen. Unstimmigkeiten wurden herausgefischt, ebenso Wortwiederholungen, und ich erhielt wertvolle Hinweise zu inhaltlichen Details. Ein unterstützendes Korrektorat hat das Übrige getan, um einen runden Text zu kreieren. Für mich war dies die kostengünstigste Möglichkeit, den Text einmal komplett begutachten zu lassen, ohne wahnsinnig tief in die Tasche greifen zu müssen. Denn: Auch das üppigste Budget ist endlich. 😉

Fazit

Wie auch immer du dich entscheidest: Viele Wege führen nach Rom, und wenn es mal mit einer Entscheidung nicht so gut geklappt hat, dann gib den Text vielleicht noch einmal woanders hin. „Tasche mit Herz“ hat erst im dritten Anlauf die richtige Lektorin gefunden. Manchmal soll es wohl so sein. Ich entscheide je nach Text und Budget, was ich mir leisten kann und möchte UND was sinnvoll für die Geschichte ist. Da spielt Erfahrung mit hinein und manchmal auch Experimentierfreude. Schau, was zu dir und deiner Geschichte passt! Ich hoffe, dass ich dir mit der Schilderung meiner Erfahrungen ein wenig weiterhelfen konnte.

Holl di munter!

Deine Kerstin