Siehe, ich mache alles neu

Die Jahreslosung trägt mich auch weiter ins Jahr hinein: 21ufos.de und meine Aktivitäten nehmen langsam wieder Fahrt auf. Nach meiner Neuauflage von „Der Koffer im Leuchtturm“ bin ich momentan schwer damit beschäftigt, alle Podcast-Episoden wieder live zu schalten. Die Arbeit habe ich etwas unterschätzt und ärgere mich nun, alle Folgen vom Netz genommen zu haben. War aber nötig, weil ich mich in 2025 komplett zurückgezogen habe. Nacheinander habe ich einen Kanal nach dem anderen eingestellt, eine Tätigkeit nach der anderen beendet, um mich besinnen zu können. Dass alles online war, bedeutete, dass ich mich damit beschäftigen und den Betrieb kontrollieren musste. Es hielt mich vom Denken ab, und das wollte ich.

Doch warum kam es überhaupt zu diesem Schneckenhaus-Jahr?

Wie so oft im Leben kam eins zum anderen: Krankheiten und Todesfälle in der Familie; zu viel Arbeit, zu wenig Urlaub; Tanzerei auf zu vielen Hochzeiten; und dann auch noch KI, die mein Berufsfeld – wie so viele andere – nachhaltig verändert. Ich stieg aus, zunächst als Pause, dann doch scheinbar auf Dauer. Ich fand eine Tätigkeit im pädagogischen Bereich, die mir rundum gefiel, in der ich mich und den Sinn in dieser immer technischer werdenden Welt wiederfand. Hatte ich sonst immer am Schreibtisch gesessen, ging ich nun raus, hielt mich viele Stunden am Tag sogar unter freiem Himmel auf. Es war herrlich. Ganz anders und auf eigene Art anstrengend, aber eben auch herrlich, nicht zuletzt wegen toller Kolleginnen. ♥

Im Sommer 2025 stand dann unser Umzug nach Emden an. (Ja, tatsächlich hat es uns wieder in die Heimat verschlagen! Dazu ein andermal mehr.) Wie nun also weiter? Meine Arbeitsstelle musste ich aufgrund des Umzugs aufgeben. Doch die Pädagogik hatte es mir angetan, und so begann ich ein Studium in diesem Bereich, zunächst sehr enthusiastisch, dann jedoch ernüchtert. Es war nicht das Richtige, vor allem in Form eines reinen Fernstudiums. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, dies ausschließlich über mehrere Jahre zu machen. Das deprimierte mich sehr. 🙁

Gleichzeitig vermisste ich meine ganzen vorherigen Aktivitäten, das Bloggen und Podcasten, die Buchbubble, Messen und Treffen – ach, ich war hin- und hergerissen, wie es weitergehen sollte. Ich schrieb erste Bewerbungen, wie Versuchsballons – kann ich nur empfehlen, dabei habe ich schon ganz tolle Berufsfelder kennengelernt! – und vereinbarte einen Beratungstermin, um mit einem Profi zu durchdenken, welche die nächsten Schritte sein könnten. Doch bis zum Termin musste ich mich noch in Geduld üben. 

Also igelte ich mich noch mehr ein.

Zwischen den Tagen sah ich kaum jemanden außer meiner Familie. Ich wollte mir die Zeit nehmen, um mir grundsätzliche Fragen zu stellen: Wo geht die Reise hin? Wie – und wie viel – will ich in Zukunft arbeiten? Wie – und ob überhaupt – möchte ich auch im Literaturbetrieb unter diesen neuen Bedingungen arbeiten? Oder wird es etwas ganz anderes?

Und so reifte der Entschluss, wieder in mein ursprüngliches Berufsfeld „Schreiben & Veröffentlichen“ zurückzukehren, aber mit einem Fokus auf pädagogischen Anteilen und den menschlichen Faktor, und gleichzeitig eine Tätigkeit außer Haus zu suchen, die mich unter Menschen bringt, in der ich hilfreich sein kann. Also: Das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Fazit

Hier kommen meine Learnings aus meinem Quasi-Sabbatical und was ich daraus für dich ableite:

  • Manchmal muss man wirklich raus. Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht; wenn man nicht mehr unterscheiden kann, was wichtig und sinnvoll und nützlich ist und was nicht, dann hilft ein Perspektivwechsel. Ich habe mich komplett zurückgezogen, um Klarheit zu gewinnen. Wenn du auch einmal an dem Punkt sein solltest, an dem du im Veröffentlichungsprozess nicht mehr weiterweißt, dann hustle nicht weiter und weiter, sondern STOPPE. Versuche, dich wirklich ganz aus der Situation rauszunehmen und von außen zu betrachten, was von innen zu konfus ist. Auch mit dem Risiko, dass sich jemand vor den Kopf gestoßen fühlen könnte. Wenn es für dich nicht mehr funktionierst, ist den anderen auch nicht geholfen, wenn du einfach weitermachst.
  • Idealerweise wartest du damit nicht zu lange, sondern erwischt zwischendurch immer wieder Punkte zur Besinnung. Ich war in 2024 so überlastet, dass ich das nicht mehr konnte. Ruhepausen sind wichtig. Freie Abende, Wochenenden, Urlaube: Ich habe deren Wert neu schätzen gelernt.
  • Manchmal hilft auch Technik: Mit einer App habe ich meinen Stresslevel gesenkt und vieles über mich und meinen Alltag herausgefunden. Meine Krankenkasse stellt diese App zur Verfügung. Deine vielleicht auch?
  • KI ist etwas, wovor wir nicht davonlaufen können. Sie wird unweigerlich Teil unseres Alltags werden, ob wir wollen oder nicht. Dies wird auch im Bereich „Schreiben & Veröffentlichen“ der Fall sein. Niemals wird eine KI meine Bücher schreiben – das wird sie tatsächlich niemals können! ♥ –, doch ich will verstehen, wie man sie im Büroalltag sinnvoll einsetzen kann. Auch im Bereich Marketing kann ich mir vorstellen, mit ihr zu arbeiten. Wo nutzt du KI schon?

Puh, war das eine schwere Geburt. Es hat über ein Jahr gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen und mit solcher Klarheit auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicken zu können. Also auch ein Learning: Geduld gewinnt.

Ich bin gespannt, was das Jahr für mich – und dich – bereithält.

Holl di munter

deine Kerstin


Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de.

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#outnow: Der Koffer im Leuchtturm

Wie könnte man ein Comeback im Literaturbetrieb besser einleiten als mit einer Veröffentlichung? Meine Erzählung „Der Koffer im Leuchtturm“ ist ab sofort wieder als E-Book bei Amazon erhältlich. Das lag mir auf der Seele und ich freue mich riesig, dass sie wieder am Markt ist.

Zum Glück hatte ich bereits bei der ersten Auflage die Stilberatung und das Korrektorat bei Sandra von der Agentur Autorenträume in Anspruch genommen und musste am Text nichts ändern – oder nur sehr wenig: Du kennst mich, ich prökel immer mal wieder dran rum. 😉 Das Cover ist Marke Eigenbau, das reicht mir aktuell. Mal schauen, ob ich da noch mal nachlege, aber um schnell ins Handeln zu kommen, war das ideal. (Schreib mir gern, ob du das Cover gut oder doof findest. Grundsätzlich bin ich ja dafür, dass es keine „Pflicht“ zu Investitionen in die eigenen Bücher geben sollte.)

Doch warum habe ich diese Entscheidung als eine der ersten des neuen Jahres getroffen? Ganz einfach: Die Jahreslosung 2026 lautet „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) Als Christin ist dies nicht nur ein Mutmacher, sondern auch eine Aufforderung: Dieses Jahr steht im Zeichen des Neubeginns, des Aufbruchs, der Neuausrichtung. Ich habe im vergangenen Jahr so manche Feder gelassen, aber auch viele Erfahrungen gemacht und Kraft geschöpft, um Dinge anzugehen, die schon lange darauf warten. Begegnungen und Gespräche mit tollen Menschen, ein Umzug mit allen Vor- und Nachteilen, die dazugehören, eine neue Gemeinde, berufliche Experimente – all das hat mir neuen Input gegeben. Der muss jetzt raus und umgewandelt werden in kreatives Schaffen. Ich freu mich drauf!

Und damit auch du direkt zum Jahresbeginn ins Handeln kommst, habe ich eine kleine Denk- und Schreibübung für dich:

Wie startest du ins neue Jahr? Auch voller Energie und Lust auf Neues? Oder fällt es dir (noch) schwer, dich auf das, was vor dir an Herausforderungen liegen mag, einzulassen? Schreib deine Gedanken dazu auf und lege sie zum Beispiel zu deiner Ideensammlung.

Damit starten wir ins neue Jahr. Danke, dass du mich begleitest!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Der Koffer im Leuchtturm: Erzählung
Kessi van Jarssum
2. Aufl. 2026
Amazon E-Book – ASIN: B0GG3X36Q1
Preis: € 2,99
Hier kaufen

 


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I’m back!

Vielleicht hast du meinen Blog zum Thema „Schreiben und Veröffentlichen“ gelesen oder meinen Podcast „Vom ersten Wort zum Lebenswerk“ gehört. Vielleicht bist du mir auf Instagram gefolgt oder hast eines meiner Bücher gelesen. Vielleicht durfte ich dich in den vergangenen Jahren in einem Kurs oder im Bereich Lektorat begleiten. Dann möchte ich dir sagen: Vielen Dank für deine Treue. Ich hoffe, dass ich dich motivieren und dir die ein oder andere Anregung mitgeben konnte.

In 2025 habe ich eine Pause eingelegt und mich anderen Dingen gewidmet. Diese Pause kam für dich vielleicht überraschend, doch sie war nötig. Manchmal ist es wichtig, allem dem Rücken zu kehren, um kreative Batterien wieder aufzuladen, auch wenn es schmerzlich ist. Für mich war es wichtig, erst einmal alle Kanäle einzustellen, um mich wirklich besinnen zu können. Jetzt kehre ich so langsam zurück. In welcher Form dies geschehen wird, das weiß ich noch nicht. Gerade Social Media war doch sehr kräftezehrend. Folge meinem Blog, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wie auch immer: Ich freue mich darauf, dich wieder begleiten zu dürfen. Arbeiten wir gemeinsam an unseren Lebenswerken. ♥

Herzliche Grüße

Deine Kerstin

KI beim Schreiben nutzen?

Heute mal ein kleiner Beitrag aus dem Land der Weltuntergangsbeschwörer und Dystopie-Anhänger … 😉

Nein, Scherz beiseite: Im heutigen Blogpost widme ich mich dem Thema „KI im Schreib- und Veröffentlichungsalltag“, und zwar ohne Schwarzmalerei. Es ist verlockend, i know, und ich kann auch nicht behaupten, gänzlich angstfrei zu sein. Manches besorgt mich sogar und ich wünsche mir ein wachsames Auge aller Beteiligten – nicht nur bezogen auf möglicherweise gefährliche Entwicklungen, sondern auch hinsichtlich kreativer Arbeit und Urheberrecht.

Allerdings nehme ich auch die Chancen wahr und sehe jede und jeden von uns herausgefordert, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und einen Standpunkt zu finden. Meiner folgt hier, vielleicht kannst du dir etwas mitnehmen. 🙂

Am Anfang war die Angst

Die Entwicklung von ChatGPT und Konsorten habe ich anfangs nur am Rande verfolgt. Gelegentlich kam das Gespräch auf KI, aber mein Gehirn hat die rasante Entwicklung in 2023 weitgehend ausgeblendet. Wenn es um Text und KI ging, habe ich Bedenken großzügig beiseite gewischt. „Kann sie nicht, wird sie nie können“, sagte ich mir.

Erst in diesem Frühjahr dämmerte mir so langsam, dass da was Großes auf uns zukommt. Die Qualität der ausgespuckten Texte verbesserte sich, die Fehler wurden weniger. Aber erst, als KI-generierte Videos gezeigt wurden, setzte bei mir der Angstreflex ein. „In welcher neuen Realität bin ich heute Morgen aufgewacht?“, fragte ich mich. „Und was bedeutet das für meine berufliche Zukunft als Autorin und Lektorin?“

Hallo Schnappatmung, sag ich nur, zumal YouTube mir nun reihenweise Videos von Menschen ausspuckte, die dank KI ihre Jobs verloren hatten. Diese Menschen waren zuvor teils unabkömmlich gewesen, konnten kaum in Urlaub gehen, und waren innerhalb weniger Monate ersetzt worden.

Etwa eine Woche hielt mich der Algorithmus in seinem Klammergriff gefangen und meine Laune sank auf einen Tiefpunkt.

Wie immer: erst mal lernen

Einige Tafeln Schokolade und noch mehr Murmeltiervideos später wurde mir wieder angenehmer Content ausgespielt und ich beschloss, mich einmal ernsthaft mit KI auseinanderzusetzen. Kopf-in-den-Sand ist keine Lösung und passt auch nicht zu mir. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar: Erst mal eine Fortbildung besuchen, hihi. Genauer gesagt nahm ich an einem kollegialen Austausch innerhalb meines Berufsverbands, des VFLL, teil, den die Regionalgruppe Rhein/Ruhr online anbot. Es war ein sehr erhellender Abend mit einem wilden Ritt durch Tipps und Tools. Die Kolleg:innen teilten ihre Erfahrungen und ich hatte Ansatzpunkte zum Weiterdenken. Ich las außerdem Artikel zum Thema, sah mir Dokumentationen an, hörte Podcastepisoden und tauschte mich mit jemandem aus, der in der IT-Branche arbeitet. 

Fragen, die ich mir zu diesem Zeitpunkt stellte:

  • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Autorin haben?
  • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Lektorin haben?
  • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Autorin sinnvoll nutzen?
  • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Lektorin sinnvoll nutzen?
  • Wie kann ich in beiden Berufsfeldern sicherstellen, dass ich nicht ersetzbar bin?
  • Wie gehe ich mit Kolleg:innen und Kund:innen um, die KI verwenden?
  • Wird die KI uns unterjochen und das Leben auf diesem Planeten vernichten? (Okay, ich gebe es zu: So ganz ließ und lässt mich diese Frage nicht los, hihi. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar, ein Buch drüber schreiben. 😉 Dieses #ufo liegt bereits seit einigen Jahren angefangen in der Schublade und hat sogar schon ein tolles Cover. Nun packe ich es an, sobald der Relaunch all meiner Titel durch ist. Kleiner Tipp am Rande: Schreiben ist eine gute Möglichkeit, Ängste zu verarbeiten. 🙂 )

Grenzen ausloten

Apropos Relaunch: Wie du vielleicht mitbekommen hast, ist mein queerer Roman „Tasche mit Herz“ wieder erhältlich. Das E-Book gibt es aktuell exklusiv bei Amazon, Print folgt Ende August/Anfang September.

In diesem Zuge habe ich mich erneut mit dem Thema Coverdesign auseinandergesetzt. Ich mochte das alte Cover sehr gern, wollte aber im Zuge des Distributionswegswechsels – was für ein Wort – etwas Neues ausprobieren. Die wunderbare Laura Newman hat sich meines Titels angenommen und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Da habe ich allerdings etwa siebenunddrölfzig Schritte übersprungen, denn erst versuchte ich mich – mal wieder – wenig erfolgreich an der Covergestaltung für meine Titel. Es gab ja nun KI, und da sollte es doch möglich sein, mal grad was Passables zu basteln, dachte ich mir.

Pustekuchen. Es kamen zwar lustige Bilder raus und ich könnte nun eine Galerie mit siebenhundert Ansichten eines Leuchtturms in unterschiedlichen Techniken eröffnen, aber professionell war anders. Genauso selbstgebastelt wie eh und je.

Mein Fazit zum Cover-Selbstversuch: Wenn man weiß, wie es geht, könnte man eventuell KI verwenden. Ansonsten ist man gut beraten, einen Grafikdesign-Profi zu beauftragen, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen will. Ob der dann mit KI arbeitet oder nicht, ist mir letztlich wurscht, weil er oder sie die Arbeit trotzdem machen muss. (Laura unterscheidet beispielsweise bei ihren Premades und bietet separat KI-inspirierte an. Hier hat sie darüber berichtet.)

Das neue Cover von „Tasche mit Herz“ ist nicht KI-inspiriert, was möglich gewesen wäre. Es ist so oder so ein professionelles Cover, das meinem Text gerecht wird, und über das ich mich mit Laura austauschen konnte, bis alles perfekt war. Auch das Print-Cover und die Designs für Werbematerialien hat sie entsprechend gestaltet und für mich ist das immer noch die erste Wahl, auch wenn ich dafür Geld in die Hand nehmen muss. Wäre ich geschickter, was Gestaltungsfragen angeht, sähe ich das vielleicht anders, doch so bin ich happy damit und freue mich über das neue Kleid von „Tasche mit Herz“.

Mein Tipp: Probiere es aus. Lerne deine Grenzen kennen. Frage dich, was dir wirklich wichtig ist, wo du sparen möchtest und wo dein Geld gut investiert ist.

Schreiben mit künstlicher Intelligenz?

Zurück zum Text. Meine Mutter und ich haben uns während meines letzten Aufenthalts in Ostfriesland einen Spaß draus gemacht, mit der KI von ChatGPT die aktuelle weltpolitische Lage zu erörtern. Ich war überrascht, wie ausgewogen ihre Argumentation war, zumal sie ihre Ausführungen mit Quellen versah. Das eigene Wissen und Denken kann man damit zwar nicht ersetzen, denn Quark muss man von Nicht-Quark unterscheiden können, aber die Gedanken auf Trab zu bringen und sich einem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu nähern, kann auf diese Weise sicherlich durchaus erhellend sein.

Doch wie tief darf der Eingriff sein? Ja, es gibt Autor:innen, die hauen komplette KI-generierte Bücher auf den Markt. Andere suchen sich Unterstützung beim Plotten, bei der Figurenentwicklung oder der Fehlerkorrektur. Wo ist eine Grenze zu ziehen?

Die kann meiner Meinung nach nur die jeweilige Autorin, der jeweilige Autor – gegebenenfalls in Absprache mit Agentur und Verlag – ziehen. Wenn alle fein damit sind, bitte sehr.

Allerdings bin ich für eine Kennzeichnung. Mein Kinderbuch „Wimpel und die rote Koralle“ ist ohne den Einsatz von KI entstanden, und dies habe ich auch auf dem Umschlag vermerkt und kommuniziere es im Marketing. Es ist meine feste Überzeugung, dass es einen Markt für Bücher geben wird, die ohne KI entstanden sind. (Bei „Tasche mit Herz“ und „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“, welches kürzlich ebenfalls wieder als E-Book erschienen ist, habe ich den Vermerk schlichtweg vergessen, hihi. Muss ich bei Gelegenheit nachholen.)

Genauso wird es einen Markt für KI-generierte oder -unterstützte Inhalte geben. So wie Musik-Streaming und Schallplatten nebeneinander existieren, werden auch Bücher mit und ohne KI-Einfluss nebeneinander existieren.

Jedoch: Ich wünsche mir, dass dies kenntlich gemacht werden muss. Hier halte ich wenig von Selbstverpflichtungen und viel von gesetzlichen Vorgaben. Wo Mensch draufsteht, sollte auch Mensch drin sein – und umgekehrt.

Bis dahin habe ich mich für folgenden Weg entschieden: Sollte ich jemals ein Buch mit Unterstützung von KI verfassen, werde ich dies transparent machen und die Leserin, den Leser darauf hinweisen. So können meine Leser:innen selbst entscheiden, ob dies die Literatur ist, die sie lesen wollen.

Mein Tipp: Beschäftige dich mit den Tools, die Schreibenden heute die Arbeit erleichtern sollen. Sind sie etwas für dich? Oder erledigst du die Arbeit lieber weiterhin „zu Fuß“? Welche Anteile könntest du an KI auslagern? Bei welchen bereitete es dir Bauchschmerzen? Probiere es aus!

Transparenz im Lektorat

Diese Transparenz wünsche ich mir auch von meinen Kund:innen im Lektorat. Im Fragebogen, den ich obligatorisch vor dem Erstgespräch versende, ist nun eine Frage zum Thema KI zu finden, denn ich möchte wissen, ob und inwiefern künstliche Intelligenz am Prozess beteiligt ist. Ich schließe dies nicht aus, möchte es aber bei der Bewertung der Textqualität und des daraus resultierenden Arbeitsaufwands berücksichtigen können. Was ich jedoch weiß: Auch „meine“ Autor:innen kann keine KI ersetzen. Ihre Texte sind das Resultat ihrer Lebenserfahrung, ihrer Gedanken und Gefühle. Und das ist gut so! ♥

Von meiner Seite aus werden sicherlich im Laufe der Zeit Tools in meine tägliche Arbeit Einzug halten, weil man natürlich auf dem Laufenden bleiben muss. Ich werde in meinen Fortbildungen sicherlich Praktisches kennenlernen, und wo ich es zum Nutzen meiner Kund:innen einsetzen kann, werde ich dies tun – transparent und ehrlich.

Doch eines wird KI niemals ersetzen können: mich. Wer mit mir gearbeitet hat, weiß, dass mein Lektorat persönlich, dass es deep ist. Wir tauchen tief, mit Herz und Verstand. Meine Sprachnachrichten – wenn gewünscht – kommen aus meinem Mund. Meine Empfehlungen – auch wenn sie mit Arbeit verbunden sind – resultieren aus mehr als 30 Jahren Erfahrung im Schreiben und Veröffentlichen. Ich bin das Resultat meiner Lebenserfahrung und schenke meinen Kund:innen meine Lebenszeit, erkenne ihre Anliegen und Probleme und gehe wertschätzend darauf ein. Damit bin ich -und werde es bleiben – unersetzlich. 🙂

Fazit

KI wird uns weiter beschäftigen. Die Entwicklung ist exponentiell. Manches wird uns überraschen, anderes erschrecken. Drumrum kommt keine:r von uns.

Manche werden ihre Schreibarbeit von KI erledigen lassen und auf Textprofis zur Unterstützung verzichten. Vielleicht erzielen sie gute Resultate, vielleicht nicht.

Doch lasst uns optimistisch sein und uns unseren Geschichten, unseren Sachthemen widmen. Es wird immer Menschen geben, die sich dafür interessieren. Wir haben alle so viel zu sagen. Schreiben wir es auf!


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Konzentriert schreiben und was Murmeltiere damit zu tun haben

Kürzlich hörte ich ein für mich sehr spannendes Buch, das mir einige erhellende Momente bescherte: „Deep Work“ von Cal Newport. Er befasst sich hierin mit den Umständen, die eine von tiefer  Konzentration geprägte Arbeitsweise begünstigen – oder hemmen. Der Untertitel der deutschen Ausgabe lautet bezeichnenderweise: „Regeln für eine Welt voller Ablenkungen“. Heute möchte ich meine Learnings mit dir teilen und sie auf unser gemeinsames Anliegen – das Schreiben von Texten – übertragen.

Nur noch ein Video …

Vorgestern dachte ich darüber nach, YouTube von meinem Handy zu löschen, weil ich geschlagene zwanzig Minuten lang einem Murmeltier dabei zugesehen hatte, wie es Möhren fraß. Ich habe diese Zeit als ungemein entspannend erlebt – immerhin. Allerdings hat dieses Video meine übliche Zubettgehzeit nach hinten verlagert, was einerseits meine Routinen stört und mich andererseits dringend benötigten Schlaf kostet, denn der Wecker klingelt so oder so um 5 Uhr.

Ich ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mehr Zeit mit solchen Dingen „verschwende“, als ich mir vorgenommen habe. Damit will ich nicht sagen, dass der Konsum lustiger, lehrreicher oder ermutigender Videos überflüssig ist. Im Gegenteil: Ich lerne Spannendes aus aller Welt und bekomme Anregungen, die mir sonst verwehrt geblieben wären. Mich stört allerdings der „Suchtfaktor“, den diese Videos auf mich ausüben. Insofern kenne auch ich diese „Welt voller Ablenkungen“, denn die Videos lenken mich bisweilen von dem ab, was eigentlich anstünde, in dem Fall: schlafen.

Versenkung ade

Parallel erkannte ich, dass es mir auf Grund familiärer und beruflicher Umstände immer schwerer fiel, den Zustand der Versenkung zu erreichen, den konzentriertes Arbeiten erfordert. Darin bin ich normalerweise recht gut, habe diese Versenkung von klein auf genossen und sie so trainiert, dass sie zu einem Magisterabschluss mit der Note 1,0 und zahlreichen Veröffentlichungen geführt hat. Das dürfte beweisen, dass ich grundsätzlich in der Lage bin, mich gut zu konzentrieren und entsprechende Resultate zu erzielen.

Jetzt kommt das Aber: Ich musste immer mehr Energie dafür aufwenden. Wir alle kennen die Ablenkungen des Alltags, die unsere Aufmerksamkeit erfordern. Du wirst vermutlich selbst rasch eine Liste an Dingen und Umständen erstellen können, die dich von dem abhalten, was dein Ziel ist, in unserem Fall: ein Buch schreiben. Damit fallen diese ablenkenden Umstände in die Kategorie „Schreibflow-Verhinderer“.

Die Sache mit dem Flow

Der Schreibflow ist der Zustand, der Autor:innen eine befriedigende und produktive Zeit verschafft. Wenn du im Flow bist, fließen die Wörter nur so aus dir heraus. Du konzentrierst dich auf deine Geschichte oder fachlichen Sachverhalte, bist ganz beim Thema und nimmst nichts anderes wahr. Es geht rasch voran und du musst nicht um jedes Wort ringen, was dich wiederum optimistisch an die nächste Schreibsession denken lässt.

Doch auch andere – bisweilen ungeliebte – Aufgaben rund ums Schreiben und Veröffentlichen kannst du in einem Flow erledigen, zum Beispiel mehrere Posts für Instagram vorbereiten, die Buchhaltung und andere organisatorische Tasks erledigen, einen Newsletter oder die nächsten vier Blogartikel schreiben und terminieren.

Marketing ist etwas, was viele Autor:innen gerne vor sich herschieben. Meiner Erfahrung nach wird es leichter, wenn sich Erfolgserlebnisse einstellen. Und nein, damit meine ich keine Buchverkäufe, sondern das Gefühl, das sich einstellt, wenn man die Aufgabe in einem Rutsch – im Flow – zu Ende gebracht hat.

Mindset und so

Ein Beispiel: Im Februar ist mein Vertrag mit einem Distributor für mein Drehbuch „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“ ausgelaufen. In der Konsequenz war das Buch seitdem nicht mehr am Markt erhältlich, zumindest als E-Book. (Print liegt hier und da und bei mir noch auf Lager.) Ich hätte den Umzug zu einem anderen Distributor bereits im Vorfeld anleiern oder aber zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb der vergangenen Monate erledigen müssen. Habe ich aber nicht. Warum? Weil ich den komplexen und zeitaufwändigen Vorgang scheute.

Vor allen den Satz des E-Books schob ich vor mir her, vermutlich deshalb, weil der Satz von „Tasche mit Herz“ so nervenraubend war und sich über Wochen hinzog. Mir lag nur eine PDF-Datei vor und ich musste händisch alle Absätze durchgehen. Und da ich den Text sowieso vor mir hatte, wollte ich ihn noch einmal komplett überarbeiten. Jetzt bin ich happy damit und habe den überarbeiteten Text für den Print-Buchsatz wieder an die Agentur Autorenträume gegeben.

Diese E-Book-Erfahrung hemmte jedoch meine Motivation, das nächste  Buch umzuziehen. Dabei war klar, dass ich inhaltlich nichts ändern müsste. Glücklicherweise lag mir auch eine freundlicheres Dateiformat vor, und als ich schließlich eines Abends die Energie fand, mich an den Satz zu machen, war die ganze Angelegenheit inklusive Upload und Veröffentlichung innerhalb von 75 Minuten erledigt.

Verrückt, oder? Wovor hatte ich mich wochenlang gefürchtet? Ich war wieder happy, und nicht nur das: Ich hatte einen Flow erlebt. Hochkonzentriert hatte ich mich dieser Aufgabe gewidmet, nachdem unsere jüngste Tochter ins Bett gegangen war, und hatte durchgezogen, obwohl ich platt von Arbeit, Haushalt und Familienzeit war. Doch nun war ich im positiven Sinne erschöpft, euphorisch und habe die erneute Veröffentlichung sogar spontan ein wenig mit meinem Mann gefeiert.

So geht Flow.

Was verhindert den Flow?

An meinem kleinen Beispiel siehst du zweierlei: Dass äußere Umstände UND das Denken den Flow-Zustand verhindern können, dass es aber unglaublich befriedigend ist, wenn der Zustand dann doch endlich eintritt.

Wenn es dir so geht wie mir, dann scheitert der Flow oft an unzusammenhängenden Zeitblöcken, die es erfordern, sich immer wieder aufs Neue in die Aufgabe eindenken zu müssen. Hereinprasselnde Anliegen anderer Menschen, das Aufbringen enormer Willenskraft bei nervigen Sachen – ich sage nur: Verpackungsregisterjahresendmeldung, hihi – und die Verlockungen moderner Medien tun ihr Übriges. (Gegen das Grundbedürfnis, die Wäsche erledigen oder das Bad noch grad putzen zu müssen, habe ich jahrelang angekämpft und widerstehe hier mittlerweile erfolgreich. Der Haushalt wird erledigt, wenn er dran ist, und das ist nicht während meiner Arbeits- oder Schreibzeit. Aber ich kann nachvollziehen, wenn das für dich noch schwierig ist.)

Mein Tipp: Identifiziere deine Flow-Verhinderer, ob nun aufs Schreiben oder andere Tasks bezogen. Und dann prüfe, was du unternehmen kannst, damit sie in Zukunft nicht mehr dazwischenfunken.

In meinem Fall ist das Löschen von YouTube keine Option, da ich mich über die Plattform über das Weltgeschehen informiere – also die Nachrichten unterschiedlicher Sender und Nachrichtenagenturen anschaue – und mich zu unterschiedlichen Themen weiterbilde. Allerdings habe ich ein festes Zeitfenster für „Daddelei“ eingeführt – und die Shorts meide ich komplett, da sie eine geradezu hypnotisierende Wirkung auf mich haben und ich eins nach dem anderen schauen kann, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht. Dann lieber 20 Minuten geplant „Murmeltier beim fressen“ gucken und dabei bewusst entspannen. 🙂

Und dann schaffe ganz bewusst zusammenhängende Phasen konzentrierten Arbeitens. „Deep Work“ geht detailliert auf das Thema ein und ich kann es hier in der Kürze nicht wiedergeben, weshalb ich dir die Lektüre wärmstens empfehlen möchte. Durch Phasen konzentrierten Arbeitens wirst du aber sehen, dass sich mit der Zeit immer mehr Inseln der Ruhe ergeben werden und es mit deinem Buchprojekt oder anderen anstehenden Aufgaben endlich vorangeht – wo wie bei mir mit dem Drehbuch.

Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de

Literaturhinweis:

Cal Newport, „Deep Work“ (erschienen bei Redline unter dem Titel „Konzentriert arbeiten. Regeln für eine Welt voller Ablenkungen“ – auch als Hörbuch)

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