Siehe, ich mache alles neu

Die Jahreslosung trägt mich auch weiter ins Jahr hinein: 21ufos.de und meine Aktivitäten nehmen langsam wieder Fahrt auf. Nach meiner Neuauflage von „Der Koffer im Leuchtturm“ bin ich momentan schwer damit beschäftigt, alle Podcast-Episoden wieder live zu schalten. Die Arbeit habe ich etwas unterschätzt und ärgere mich nun, alle Folgen vom Netz genommen zu haben. War aber nötig, weil ich mich in 2025 komplett zurückgezogen habe. Nacheinander habe ich einen Kanal nach dem anderen eingestellt, eine Tätigkeit nach der anderen beendet, um mich besinnen zu können. Dass alles online war, bedeutete, dass ich mich damit beschäftigen und den Betrieb kontrollieren musste. Es hielt mich vom Denken ab, und das wollte ich.

Doch warum kam es überhaupt zu diesem Schneckenhaus-Jahr?

Wie so oft im Leben kam eins zum anderen: Krankheiten und Todesfälle in der Familie; zu viel Arbeit, zu wenig Urlaub; Tanzerei auf zu vielen Hochzeiten; und dann auch noch KI, die mein Berufsfeld – wie so viele andere – nachhaltig verändert. Ich stieg aus, zunächst als Pause, dann doch scheinbar auf Dauer. Ich fand eine Tätigkeit im pädagogischen Bereich, die mir rundum gefiel, in der ich mich und den Sinn in dieser immer technischer werdenden Welt wiederfand. Hatte ich sonst immer am Schreibtisch gesessen, ging ich nun raus, hielt mich viele Stunden am Tag sogar unter freiem Himmel auf. Es war herrlich. Ganz anders und auf eigene Art anstrengend, aber eben auch herrlich, nicht zuletzt wegen toller Kolleginnen. ♥

Im Sommer 2025 stand dann unser Umzug nach Emden an. (Ja, tatsächlich hat es uns wieder in die Heimat verschlagen! Dazu ein andermal mehr.) Wie nun also weiter? Meine Arbeitsstelle musste ich aufgrund des Umzugs aufgeben. Doch die Pädagogik hatte es mir angetan, und so begann ich ein Studium in diesem Bereich, zunächst sehr enthusiastisch, dann jedoch ernüchtert. Es war nicht das Richtige, vor allem in Form eines reinen Fernstudiums. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, dies ausschließlich über mehrere Jahre zu machen. Das deprimierte mich sehr. 🙁

Gleichzeitig vermisste ich meine ganzen vorherigen Aktivitäten, das Bloggen und Podcasten, die Buchbubble, Messen und Treffen – ach, ich war hin- und hergerissen, wie es weitergehen sollte. Ich schrieb erste Bewerbungen, wie Versuchsballons – kann ich nur empfehlen, dabei habe ich schon ganz tolle Berufsfelder kennengelernt! – und vereinbarte einen Beratungstermin, um mit einem Profi zu durchdenken, welche die nächsten Schritte sein könnten. Doch bis zum Termin musste ich mich noch in Geduld üben. 

Also igelte ich mich noch mehr ein.

Zwischen den Tagen sah ich kaum jemanden außer meiner Familie. Ich wollte mir die Zeit nehmen, um mir grundsätzliche Fragen zu stellen: Wo geht die Reise hin? Wie – und wie viel – will ich in Zukunft arbeiten? Wie – und ob überhaupt – möchte ich auch im Literaturbetrieb unter diesen neuen Bedingungen arbeiten? Oder wird es etwas ganz anderes?

Und so reifte der Entschluss, wieder in mein ursprüngliches Berufsfeld „Schreiben & Veröffentlichen“ zurückzukehren, aber mit einem Fokus auf pädagogischen Anteilen und den menschlichen Faktor, und gleichzeitig eine Tätigkeit außer Haus zu suchen, die mich unter Menschen bringt, in der ich hilfreich sein kann. Also: Das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Fazit

Hier kommen meine Learnings aus meinem Quasi-Sabbatical und was ich daraus für dich ableite:

  • Manchmal muss man wirklich raus. Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht; wenn man nicht mehr unterscheiden kann, was wichtig und sinnvoll und nützlich ist und was nicht, dann hilft ein Perspektivwechsel. Ich habe mich komplett zurückgezogen, um Klarheit zu gewinnen. Wenn du auch einmal an dem Punkt sein solltest, an dem du im Veröffentlichungsprozess nicht mehr weiterweißt, dann hustle nicht weiter und weiter, sondern STOPPE. Versuche, dich wirklich ganz aus der Situation rauszunehmen und von außen zu betrachten, was von innen zu konfus ist. Auch mit dem Risiko, dass sich jemand vor den Kopf gestoßen fühlen könnte. Wenn es für dich nicht mehr funktionierst, ist den anderen auch nicht geholfen, wenn du einfach weitermachst.
  • Idealerweise wartest du damit nicht zu lange, sondern erwischt zwischendurch immer wieder Punkte zur Besinnung. Ich war in 2024 so überlastet, dass ich das nicht mehr konnte. Ruhepausen sind wichtig. Freie Abende, Wochenenden, Urlaube: Ich habe deren Wert neu schätzen gelernt.
  • Manchmal hilft auch Technik: Mit einer App habe ich meinen Stresslevel gesenkt und vieles über mich und meinen Alltag herausgefunden. Meine Krankenkasse stellt diese App zur Verfügung. Deine vielleicht auch?
  • KI ist etwas, wovor wir nicht davonlaufen können. Sie wird unweigerlich Teil unseres Alltags werden, ob wir wollen oder nicht. Dies wird auch im Bereich „Schreiben & Veröffentlichen“ der Fall sein. Niemals wird eine KI meine Bücher schreiben – das wird sie tatsächlich niemals können! ♥ –, doch ich will verstehen, wie man sie im Büroalltag sinnvoll einsetzen kann. Auch im Bereich Marketing kann ich mir vorstellen, mit ihr zu arbeiten. Wo nutzt du KI schon?

Puh, war das eine schwere Geburt. Es hat über ein Jahr gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen und mit solcher Klarheit auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicken zu können. Also auch ein Learning: Geduld gewinnt.

Ich bin gespannt, was das Jahr für mich – und dich – bereithält.

Holl di munter

deine Kerstin


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#outnow: Der Koffer im Leuchtturm

Wie könnte man ein Comeback im Literaturbetrieb besser einleiten als mit einer Veröffentlichung? Meine Erzählung „Der Koffer im Leuchtturm“ ist ab sofort wieder als E-Book bei Amazon erhältlich. Das lag mir auf der Seele und ich freue mich riesig, dass sie wieder am Markt ist.

Zum Glück hatte ich bereits bei der ersten Auflage die Stilberatung und das Korrektorat bei Sandra von der Agentur Autorenträume in Anspruch genommen und musste am Text nichts ändern – oder nur sehr wenig: Du kennst mich, ich prökel immer mal wieder dran rum. 😉 Das Cover ist Marke Eigenbau, das reicht mir aktuell. Mal schauen, ob ich da noch mal nachlege, aber um schnell ins Handeln zu kommen, war das ideal. (Schreib mir gern, ob du das Cover gut oder doof findest. Grundsätzlich bin ich ja dafür, dass es keine „Pflicht“ zu Investitionen in die eigenen Bücher geben sollte.)

Doch warum habe ich diese Entscheidung als eine der ersten des neuen Jahres getroffen? Ganz einfach: Die Jahreslosung 2026 lautet „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) Als Christin ist dies nicht nur ein Mutmacher, sondern auch eine Aufforderung: Dieses Jahr steht im Zeichen des Neubeginns, des Aufbruchs, der Neuausrichtung. Ich habe im vergangenen Jahr so manche Feder gelassen, aber auch viele Erfahrungen gemacht und Kraft geschöpft, um Dinge anzugehen, die schon lange darauf warten. Begegnungen und Gespräche mit tollen Menschen, ein Umzug mit allen Vor- und Nachteilen, die dazugehören, eine neue Gemeinde, berufliche Experimente – all das hat mir neuen Input gegeben. Der muss jetzt raus und umgewandelt werden in kreatives Schaffen. Ich freu mich drauf!

Und damit auch du direkt zum Jahresbeginn ins Handeln kommst, habe ich eine kleine Denk- und Schreibübung für dich:

Wie startest du ins neue Jahr? Auch voller Energie und Lust auf Neues? Oder fällt es dir (noch) schwer, dich auf das, was vor dir an Herausforderungen liegen mag, einzulassen? Schreib deine Gedanken dazu auf und lege sie zum Beispiel zu deiner Ideensammlung.

Damit starten wir ins neue Jahr. Danke, dass du mich begleitest!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Der Koffer im Leuchtturm: Erzählung
Kessi van Jarssum
2. Aufl. 2026
Amazon E-Book – ASIN: B0GG3X36Q1
Preis: € 2,99
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Was wir von Paul Auster lernen können

Am 30. April 2024 ist der amerikanische Schriftsteller Paul Auster im Alter von 77 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Auch hier in Europa ist er sehr bekannt. Er gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren, weshalb mich sein Tod sehr traurig macht.

Aber du kennst mich und weißt, dass ich aus allem, was einem im Leben passiert, auch Hoffnung schöpfen kann. Was ich dir und mir mitgeben möchte, ist das, was Paul Auster uns hinterlassen hat. Ich möchte mir sein Leben und Werk anschauen und was wir als Autor:innen daraus für unsere Arbeit, unser Leben lernen können.

Wer war Paul Auster?

Vielleicht hast du noch nichts von ihm gehört oder gelesen. Deshalb möchte ich ihn dir erst einmal vorstellen:

Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er war der Sohn jüdischer Einwanderer und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Er hat in seinem Leben 16 Romane und etliche andere Texte veröffentlicht und hat sich auch immer wieder dem Film zugewandt. Seine Bücher sind seit 1989 im Rowohlt-Verlag erschienen. (Hier geht es zum Nachruf.) Fast alle Texte spielen in seiner Wahlheimat New York, in der Stadt, in der er mit seiner Frau Siri Hustvedt gelebt hat. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Mond über Manhatten“ und „4 3 2 1“, sein Opus magnum. Er hat sich aber auch mit biographischen Arbeiten beschäftigt. Sein zuletzt erschienener Roman ist „Baumgartner“.

Tipp: Mein persönliches Lieblingsbuch von Paul Auster ist „Nacht des Orakels“. Es beschäftigt mich immer wieder und ich habe es mehrfach gelesen. Wenn du in die Paul-Auster-Welt einsteigen möchtest, empfehle ich diesen Zugang.

Paul Auster hat also ein beeindruckendes Lebenswerk hinterlassen. Was können wir daraus lernen?

Über den Output entscheidest du

Paul Auster war kein Schriftsteller mit einem wahnsinnig hohen Output. Er hat keine sechs Bücher im Jahr veröffentlicht. Dieser sehr hohe Output ist etwas, was uns immer wieder suggeriert, immer wieder an uns herangetragen wird: dass man sehr viel produzieren soll oder muss, wenn man am Markt bestehen möchte.

Natürlich waren es andere Zeiten, in denen Auster angefangen hat, zu schreiben. Aber: Wenn es um das Thema Output geht, mache dir einmal bewusst, dass es Autor:innen gibt, die eine Seite am Tag schreiben.

Zu denen gehörte Paul Auster.

Er hat mit der Hand in ein Notizbuch seine Geschichte geschrieben. Er hat sich dafür zurückgezogen und sie erst später, wenn die Geschichte fertig war, mit einer Schreibmaschine abgetippt. Behalte das einmal im Hinterkopf oder rufe es dir in Erinnerung, wenn du mal wieder das Gefühl hast, für dein schriftstellerisches Arbeiten sei es notwendig, ganz viele Seiten zu produzieren.

Das ist es nicht.

Es ist nötig, dass du die Seiten schreibst, die für dich wichtig sind; dass du herausfindest, was der Output ist, der zu dir passt.

Und was wir uns auch in Erinnerung rufen dürfen, ist, dass man mit einer Seite am Tag ein Lebenswerk schaffen kann. Diese eine Seite am Tag ergibt – wenn du dich wirklich jeden Tag dran setzt – 365 Seiten im Jahr. Damit kann man ein Lebenswerk aufbauen. Insofern: Output ist nicht alles. Es ist das Entscheidende, dass du die Menge an Zeichen, Wörtern, Seiten findest, die zu dir und deinem Schreiben passt.

Hingabe ans Schreiben

Der nächste Punkt, den ich beleuchten möchte, ist die Hingabe, mit der Paul Auster sich dem Schreiben gewidmet hat. Er hat schon als Kind angefangen, Gedichte zu schreiben und das Schreiben für sich entdeckt und erobert. Er hat unter anderem Anglistik studiert und sich dem Schreiben „verschrieben“.

Das Schreiben ist aber auch Teil seines Werks, denn er hat schreibende Protagonisten und hat über das Schreiben geschrieben, über das Schriftsteller-Sein und was das Schreiben mit uns macht, psychisch und physisch; was es bedeutet, nicht schreiben zu können, und wie entscheidend ein schönes Notizbuch ist. 😉 Ich glaube, dass Paul Auster viel von dem hineingelegt hat, was ihn als Schriftsteller ausgemacht hat.

Zufall muss man können

Etwas, für das Auster auch bekannt ist, sind die Zufälle in seinen Geschichten. Zufälle sind üblicherweise schwer zu schreiben und nur dosiert einzusetzen, da sie – „deus ex machina“ – wie der Eingriff einer höheren Macht wirken können. Paul Auster wird auch als „Meister des Zufalls“ bezeichnet, weil er diese Zufälle und schicksalhaften Begegnungen so meisterhaft miteinander verknüpft hat, dass es technisch und stilistisch nicht aufstößt, einen rausreißt oder gekünstelt wirkt.

Tipp: Wenn du dich mit dem Thema Zufall – und wie man Zufälle vernünftig in eine Geschichte einfügen kann – beschäftigen möchtest, dann ist Paul Auster die erste Adresse.

Experimente wagen

Paul Auster hat auch ungewöhnliche Dinge gemacht: In „Nacht des Orakels“ hat er beispielsweise einen separaten Handlungsstrang bzw. einer separate Geschichte in die Fußnoten gepackt. Das finde ich an dieser Geschichte besonders reizvoll. Das ist schon eine ungewöhnliche Herangehensweise, die ich aber sehr gelungen fand. (Das Thema „Geschichte in der Geschichte“ findet sich bei Auster sowieso immer wieder und er beherrschte es kunstvoll.)

Die Geschichten liegen auf der Straße

Paul Auster Geschichten fanden vor der Haustür statt. Seine Geschichten spielen überwiegend in New York, in dem Umfeld, in dem er sich auskannte. (In dem Zusammenhang möchte ich auch auf Jane Austen hinweisen, die ja auch über das schrieb, was sie kannte.

Manchmal ist es nicht so leicht, den Blick auf das zu richten, was man vor der Nase hat. Aber genau dort findet das Leben statt. Es ist das Leben, das wir kennen, mit authentischen Figuren und Abläufen – und das ist es, was für Leser:innen interessant sein kann, weil sie es nicht kennen. Ich kenne New York nicht, war nie in Brooklyn. Ich kenne Paul Austers New York aus den Achtzigern und Neunziger nicht, aber er macht es in seinen Büchern lebendig, und damit ist es für mich eine exotische Welt.

Tipp: Man muss nicht bis ans Ende der Welt reisen, um gute Geschichten zu erzählen. Da, wo du lebst; das, was dir passiert, kann für einen anderen Menschen „exotisch“ sein, weil er oder sie es nicht kennt. Wenn du das Gefühl hast, dass in deinem Wohnort nichts passiert, dass es langweilig ist, dann schau dir trotzdem einmal an, wie es bei dir ist; was bei dir passiert; was das „normale Leben“ ausmacht. Es kann für jemand anderen etwas ganz Besonderes sein.

Zum Werk gehört alles

Zuletzt möchte ich dir ans Herz legen, auch das ernst zu nehmen, was du außerhalb der großen Romane, die du schreibst oder schreiben möchtest, so produzierst: deine Tagebücher, Notizen, Kalenderseiten, Klebezettel, Karteikarten, Szenenumbrüche, Exposés und so weiter. All das kann interessant sein; all das kann für Leser:innen, die dein Werk später entdecken, spannend sein. Behalte diese Dinge. Schmeiße sie nicht weg, wenn du ein Projekt beendet hast. Leg sie in eine Kiste, gib sie in eine Klarsichthülle, einen Ordner. Wer weiß, wofür du es später noch einmal verwenden kannst oder ob sich die Nachwelt, die Forscher:innen später einmal für dein Lebenswerk interessieren – so wie bei Paul Auster.

Fazit

Du siehst: Wenn man sich dem Lebenswerk eines Autors zuzuwenden möchte, den man vielleicht noch nicht kennt, bieten sich viele Zugangswege. Hoffentlich konnte ich dir heute einen meiner Lieblingsautoren näherbringen und dir etwas für dein Schreiben mitgeben.

Meine Leseempfehlungen:

  • Nacht des Orakels
  • Das Buch der Illusionen
  • Mond über Manhatten
  • Winter-Journal
  • Von der Hand in den Mund

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Der richtige Zeitpunkt ist jetzt!

Immer wieder kommen Menschen auf mich zu und stellen mir – so oder ähnlich – eine ganz bestimmte Frage: „Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Soll ich es wagen?“

Darauf gebe ich stets eine einsilbige Antwort: „Ja!“

Weil ich immer jede und jeden ermutige, zu schreiben. Punkt. 😉

Da diese Antwort aber kaum ausreicht, um der Tiefe zu entsprechen, die hinter diese Frage steht, füge ich immer ein paar weitere Sachen hinzu, unter anderem: „Beginne jetzt!“

Denn der richtige Zeitpunkt, um mit dem Schreiben zu beginnen, ist jetzt! Warte nicht auf mehr Zeit in deinem Leben, weniger Verpflichtungen oder mehr Muße. Warte nicht, bis die Kinder groß sind, der Job weniger stressig oder du in Rente. Fange an. Schritt für Schritt, in ganz kleinen Etappen, und wenn es zehn Minuten pro Tag sind, in denen du dich mit deinem neuen Projekt beschäftigst.

„Aber wie?“, ist dann oft die nächste Frage.

Meine Antwort richtet sich danach, an welchem Punkt die- oder derjenige gerade steht.

Da ist eine Idee …

Du denkst schon länger darüber nach, ein ganz bestimmtes Thema zu bearbeiten, eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Wabert eine konkrete Idee in deinem Kopf herum? Dann kaufe dir ein Notizbuch, sofern du keines herumliegen hast, und einen gut schreibenden Stift – und schreibe alles auf, was dir zu deiner Idee einfällt. Sammle deinen Stoff, trage zusammen, was dir dazu einfällt. Nimm dein Notizbuch überall hin mit. Du hast es gerade nicht zur Hand, aber eine Idee ploppt auf? Notiere sie auf einem Klebezettel, einem alten Briefumschlag, einer Serviette – egal. Und dann klebe diese Notiz bei nächster Gelegenheit in dein Projekt-Notizbuch. (Du kannst auch die Notizfunktion deines Handys nutzen, wenn du lieber digital arbeiten möchtest. Hier ist der Vorteil, dass heutzutage die meisten Leute ihr Handy bei sich tragen. Das liegt aber nicht jeder und jedem. Ich brauche zum Beispiel das Haptische, den Prozess mit Stift und Papier. Probiere es aus.)

Da liegt schon ein Stapel …

Gerade bei angehenden Sachbuchautor:innen nehme ich oft wahr, dass sich bereits einiges angesammelt hat: skizzierte Beobachtungen, Recherchekram, für Kurse produziertes Material zum Thema usw. Hier ist dann der nächste Schritt, alles an einem Ort zu sammeln, zum Beispiel in einer Kiste oder einem Ordner, auch digital. Gib deinem Projekt einen Namen, sofern noch nicht geschehen. Sichte, was sich angesammelt hat, und prüfe, wo noch Lücken sind: Welche Punkte hast du bei der Recherche noch nicht ausreichend berücksichtigt? Musst du eventuell Fachliteratur in der Bibliothek zu Rate ziehen oder mit einem anderen Experten sprechen? Diese Dinge kommen dann auf deine To-do, die du bei dieser Gelegenheit erstellen kannst, digital oder analog. Schließe die Lücken nach und nach und fülle die Kiste oder den Ordner mit allem, was zu deinem Projekt gehört.

Auch Belletristikautor:innen haben unter Umständen eine umfangreiche Materialsammlung, wenn sie bereits länger mit einer Idee schwanger gehen. Auch hier geht es in einem ersten Schritt darum, alles an einem Ort zusammenzutragen und um fehlende Puzzlestücke zu ergänzen:

  • Hast du über alle Figuren, die für deine Geschichte wichtig sind, nachgedacht? Sind sie dreidimensional und authentisch? Sind sie zu perfekt oder driften Ecken und Kanten in Klischees ab? Fehlt noch jemand im Personal?
  • Hat deine Geschichte einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss? Manche Autor:innen fangen erst mit dem Schreiben an, wenn alles durchdacht ist, andere wollen sich in verschiedenen Abstufungen vom Prozess überraschen lassen. Bei „Tasche mit Herz“ wusste ich das Ende zum Beispiel erst, als ich es geschrieben hatte. Ich habe meinen Figuren beim Aufräumen ihres Durcheinanders beobachtet und sie das Ende finden lassen, das sich organisch und „richtig“ anfühlte. Ich hätte es nicht vorher festlegen können. Kommt vor. 🙂
  • Weißt du schon, wohin du mit deinem Projekt willst? Möchtest du es nur für dich und deine Schublade schreiben, für deine Kinder oder das nähere Umfeld? Möchtest du veröffentlichen? Oder möchtest du verkaufen? Veröffentlichen und Verkaufen sind nämlich zwei paar Schuh, und aus deinen Erwägungen ergeben sich die nächsten Schritte. Möchtest du verkaufen, ist es zum Beispiel sinnvoll, bereits jetzt Kontakt zu Dienstleistern für eine professionelle Buchproduktion und -vermarktung aufzunehmen (Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Coverdesign, Marketing usw.), sofern du via Selfpublishing veröffentlichen möchtest, oder dich mit den Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit mit Agentur und Verlag zu beschäftigen. Möchtest du hier landen, muss sich dein Projekt den Bedingungen des Marktes anpassen, nicht umgekehrt, und zum Beispiel Konventionen eines bestimmten Genres bedienen. Selfpublishing ist hier keine Notlösung, „wenn kein Verlag anbeißt“, sondern eine bewusste Entscheidung für einen anderen Veröffentlichungsweg, bei dem du alles machen darfst, aber auch machen musst.

Ich gammle auf dem Startblock herum …

Du hast alles abgeklopft, was abzuklopfen war, und wartest auf ein „offizielles“ Startsignal, um ins Schreiben und Veröffentlichen zu kommen? Sorry, doch da muss ich dir leider sagen: Da kannste lange warten! Es wird keine:r kommen und dir sagen, dass die Zeit reif ist und du dein Buchprojekt nun umsetzen kannst. Im Gegenteil: Du wirst vielleicht sogar mir Gegenwind zu kämpfen habe. (Weiter unten gibt es Tipps zum Weiterlesen, falls du dich wappnen möchtest. ;-))

Nein, du musst jetzt die Entscheidung treffen, dein Buchprojekt in die Tat umzusetzen. Vielleicht ist der nächste Schritt für dich, eine Gliederung für dein Sachbuch zu erstellen, die geplanten Szenen in eine Reihenfolge zu bringen oder das erste Kapitel zu schreiben. Fange noch heute an und mache den nächsten Schritt. Je länger du nach der getroffenen Entscheidung wartest, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du sie umsetzen wirst. Nutze dieses kurze Zeitfenster. Wo befindest du dich gerade: Arbeitest du noch an der Grundidee, vervollständigst deinen Materialstapel oder befindest du dich auf dem Startblock und wartest auf das Signal, loszulegen?

Mache es jetzt. Beginne ein Notizbuch, trage alle Materialien zusammen oder sichte dein Material und erstelle eine Struktur für dein Sachbuch oder deine Geschichte. Schreibe den ersten Satz oder den letzten. Nimm Kontakt zu Dienstleistern auf. Komme ins Handeln. 

Folgende Blogbeiträge passen zum Thema und helfen dir weiter, falls du an einem bestimmten Punkt immer wieder scheiterst:

Ignoriere Kritik – und mach dein Ding!

Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte

15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst

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Schreiben ist ein Handwerk

(enthält Werbung)

Schon mal einen Handwerker bei der Arbeit beobachtet? Da sitzt jeder Handgriff. Nicht nur das Werkzeug hat Profiqualität, sondern auch die Bewegungsabläufe. Wenn ich als Laie ein Zimmer streiche, brauche ich gefühlt ewig, während eine gelernte Malerin ratzfatz fertig ist. Wenn ich versuche, eine Wand zu verputzen, landet mehr auf dem Boden als an der Wand. Ein Verputzer erledigt das nicht nur schnell, sondern auch so, dass hinterher keine Unebenheiten da sind. An Silikonfugen im Bad versuche ich mich gar nicht erst.

Es mag an meiner mangelnden handwerklichen Begabung liegen – die ich natürlich als Kind aus einer Handwerkerfamilie nicht zugebe. Ich liebe es sogar, mit den Händen zu arbeiten. Früher habe ich viel genäht und mich jahrelang gegrämt, nicht Schneiderin geworden zu sein. Vielleicht ist mir der handwerkliche Aspekt des Schreibens deshalb besonders bewusst. Ich schreibe und veröffentliche seit dreißig Jahren und habe dieses Handwerk von der Pike auf gelernt. Und ich kann sagen: Nein, es ist keine Frage der Begabung, sondern der Übung! Gute Handwerker:innen haben gelernt, was sie tun. Sie wurden angeleitet, und sie haben das, was sie heute gut können, immer und immer wieder ausgeführt, bis alles saß. Die Malerin hat eine Ausbildung gemacht, theoretische und praktische Fertigkeiten erlernt und geübt, geübt, geübt. Im Laufe der Jahre erarbeitete sie sich so eine Routine.

So ist es auch mit dem Schreiben: Was dir heute schwerfällt, wird dir in einigen Monaten leichtfallen, wenn du es immer wieder ausführst. Du hast heute Schwierigkeiten, spannende Dialoge zu schreiben oder deine Figuren dreidimensional zu gestalten? Es fällt dir schwer, deine Geschichte durch Absätze zu gliedern oder „Show, don’t tell“ zu beherzigen? Wenn du dich immer wieder mit diesen Aspekten beschäftigst und dich zu diesen Themen weiterbildest – und vor allem: regelmäßig schreibst! – wirst du irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem es „fließt“; an dem plötzlich leicht ist, was bislang unmöglich schien. Du hast das Schreiben trainiert und musst nicht mehr über jede Kleinigkeit nachdenken, sondern gerätst in den berühmten Schreibflow – bei dem dann tatsächlich auch was Brauchbares herauskommt.

Heute wollen wir uns also mit dem handwerklichen Aspekt des Schreibens beschäftigen und wie du ihn berücksichtigen kannst, und zwar dauerhaft – denn das Lernen hört dabei niemals auf. ♥ 

Üben, üben, üben

Ich wünschte, ich könnte dir einen einfacheren Weg nennen. Einen, der weniger zeit- und kräfteraubend ist. Wenn es ihn gäbe, würde ich dir jetzt einen Zaubertrank reichen, der – schwups – dafür sorgt, dass du alles Wissen und Können rund ums kreative Schreiben verinnerlicht hast.

Gibt es leider nicht.

Es gibt keine Abkürzung, keinen einfachen Weg und leider keinen Zaubertrank. Es gibt nur eines: Arbeit. Schreiben ist ein Handwerk, und gut wird man darin nur, wenn man sich immer wieder mit den theoretischen Grundlagen beschäftigt – und übt, übt, übt. Das kostet Zeit und Nerven und unter Umständen auch Geld.

Sorry.

Keine Begabung? Keine Ausrede!

Nachdem wir das geklärt haben, zum Positiven: Man kann das lernen. Wenn du dich tatsächlich fortlaufend mit den theoretischen Grundlagen beschäftigst, mal einen Schreibratgeber liest oder auch einen Kurs besuchst – wie zum Beispiel den von mir und der Agentur Autorenträume -, und das Gelernte regelmäßig anwendest, am besten täglich, dann wird deine Beharrlichkeit Früchte tragen. Hole dir hierzu Feedback ein und arbeite damit. Sieh es nicht als negative Kritik, sondern als Möglichkeit, dich weiter zu verbessern. Auch negative Rezensionen können dann sogar hilfreich sein, wenn sie Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten enthalten. Du kannst dir Hilfe bei Profis wie mir suchen, dir einen Schreibbuddy suchen oder dich einer Autorengruppe anschließen. Oder alles zusammen. Mach das, was Zeit, Lust und Geldbeutel zulassen und für dich passt.

Aber: Bleibe am Ball. Ich bin ein großer Freund davon, sich wirklich täglich mit dem Schreiben zu beschäftigen. Das bedeutet nicht, dass du jeden Tag zwei Stunden ins stille Kämmerlein verschwinden musst. Es kann auch bedeuten, einen Podcast zum Schreiben zu hören – zum Beispiel meinen, hehe -, beim Lesen auf den Spannungsbogen zu achten oder immer einen kleinen Block und Stift dabei zu haben, um Ideen sofort notieren zu können. Es gibt so viele Anlässe und Möglichkeiten, das Schreiben ins Leben zu integrieren. Diese kleinen Schritte machen aber den entscheidenden Unterschied. sie sind der Grund, warum manche besser werden und manche ewig auf dem gleichen Stand verharren.

Kein Bock auf Kritik? Doch!

Eine Voraussetzung ist dabei allerdings, dass du dich entscheidest, Kritik anzunehmen und dazulernen zu wollen. Wenn du auf dem Standpunkt stehst, bereits alles zu wissen, wird es schwierig. Wie gesagt: Auch ein Textprofi wie ich hat nie ausgelernt. Wär mir auch ehrlich gesagt zu langweilig. Wenn es so wäre, würde ich mir vermutlich einen neuen Beruf suchen. 😉

(Allerdings musst du Kritik nicht ungefiltert annehmen. Manchmal ist es sogar ganz klug, sie zu ignorieren. Warum, erfährst du hier.)

Und nochmal: Üben, üben, üben!

Kommen wir zur konkreten Umsetzung. Was kannst du tun, um das Schreibhandwerk zu lernen? Hier eine unvollständige Liste. Picke raus, was für dich passt.

  • Lies einen Schreibratgeber. Frage befreundete Autor:innen, welchen sie empfehlen können. Schau aber auch nach deinen konkreten Bedürfnissen.
  • Besuche einen Kurs in Präsenz, zum Beispiel an einer VHS. (Dort habe ich auch schon unterrichtet.) Der Vorteil ist, dass du dich an deinem Wohnort mit Gleichgesinnten vernetzen kannst.
  • Belege einen Onlinekurs. Die gibt es in jeder Preiskategorie und zu den unterschiedlichsten Themen. Der Vorteil ist, dass du zeitlich und örtlich unabhängig bist.
  • Nimm eine Schreibberatung in Anspruch, wenn du an einem konkreten „Problem“ arbeiten möchtest. (Bei mir kostet eine solche Beratung aktuell 35 Euro je halbe Stunde. Schreibe mir an kerstin@21ufos.de für weitere Infos.)
  • Suche dir einen Schreibbuddy und/oder schließe dich einer Autorengruppe an. Wenn du anfängst, dich auf einer Plattform deiner Wahl oder in freier Wildbahn zu vernetzen, wirst du auf Menschen treffen, die dir sympathisch sind, mit denen du auf einer Wellenlänge bist. Trau dich: Sprich sie an!
  • Lies analytisch. Nimm deine liebsten Romane oder Sachbücher aus dem Regal und lies mit den Augen eines Schriftstellers: Warum gefallen sie dir so gut? Was hat der Autor oder die Autorin besonders gut gemacht? Und: Was kannst du von ihm oder ihr lernen?
  • Schreibe täglich. Das muss nicht am Schreibtisch sein. Es bedeutet, dass du dich täglich mit deinem Projekt verbindest, gedanklich am Plot und deinen Figuren feilst, Notizen machst, auch als Sprachnotiz, oder dir vielleicht eine Zeichenzahl als Tagesziel setzt. (Meiner Erfahrung nach kann dies aber auch unter Druck setzen, und sofern du keine Deadline hast und merkst, dass das nichts für dich ist, lass es bleiben.) Finde deine Art zu schreiben, deinen Style. Das kann kein anderer. Nur du.
  • Und zu guter Letzt: Akzeptiere das Unvollkommene. Vielleicht ist deine Schreibe noch nicht so, wie du sie dir vorstellst. Vielleicht fließen die Wörter noch zäh aus dir heraus. Vielleicht prokrastinierst du mehr als du produzierst. Alles okay. Es wird nicht über Nacht gut werden. Aber es wird besser werden. Jeden Tag ein bisschen.

Hast du Fragen oder möchtest du mir etwas sagen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.

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