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15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst

Diesen Beitrag gibt es auch in Podcast-Episoden:
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Viele Menschen haben ein (fast) fertiges Manuskript in der Schublade liegen, veröffentlichen es aber nicht. Natürlich gibt es Schriftsteller, die tatsächlich nur für sich und ihre Schublade schreiben, vielleicht noch für die Familie, und damit zufrieden sind. Es gibt aber auch diejenigen, die unzufrieden mit diesem Zustand sind, und auch ich gehörte lange dazu. Dabei geht es nicht einmal darum, einen Bestseller zu landen, sondern um den Wunsch, das eigene Buch im Regal stehen zu sehen – sei es nun zu Hause oder in der Buchhandlung. Vielen reicht die virtuelle Variante und sie möchten ein E-Book herausbringen.

Auch du hast ein Buch, das auf die Veröffentlichung wartet, aber es gelingt dir einfach nicht?

Dann kommen hier 15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst – und dazu ein paar Lösungsideen.

1. Ich weiß nicht, wie das technisch geht.

Die Sorge, die Veröffentlichung technisch nicht gewuppt zu bekommen. ist verständlich. Wenn du klassisch über einen Verlag veröffentlichen möchtest, wendest du dich am besten an eine Literaturagentur, da dies heutzutage der übliche Weg ist, um eine Tür ins Verlagshaus zu öffnen. Die technische Seite wird ab diesem Zeitpunkt für dich keine große Rolle mehr spielen, da du kaum in die Bredouille kommen wirst, dich mit ihr zu beschäftigen, von normalen Textverarbeitungskenntnissen einmal abgesehen.

Hast du dich allerdings für Selfpublishing entschieden, sieht die Sache etwas anders aus. Dem technischen Problem ist aber mit einer Methode abzuhelfen, die dir vermutlich liegen wird: lesen. Das Internet ist voll von How-to-Anleitungen, die dich durch den gesamten Prozess dirigieren. Auch ich habe mir Etliches anlesen müssen. Einige Links zu guten Seiten, die mir selbst weitergeholfen haben, findest du unten. Ich kann nur sagen: Es ist zu bewältigen, auch wenn du heute noch nicht weißt, was epub ist und wie man ein Buch setzt. Völlig wurscht. Du kannst das lernen!

2. Ich will, dass es perfekt ist.

Hach ja, der ewige Perfektionismus … Was meinst du, wie viele Bücher es auf dieser Welt gäbe, wenn nur die perfekten erscheinen dürften? Meine Schätzung: 0,0 Prozent. In jedem Buch wirst du Fehler finden, sei es nun in puncto Rechtschreibung, Grammatik, Buchsatz oder oder oder. Auch texthandwerklich finden sich haarsträubende Fehler. Erst kürzlich las ich ein Buch, bei dem es kurz vor Schluss zu einem Perspektivwechsel kam, der mich für einen Moment aus dem Tritt brachte. Na und? Das Buch war trotzdem gut.

Insofern kann ich dir nur Mut zusprechen: Du musst auf dieser Welt nicht perfekt sein, und dein Buch auch nicht. Gib einfach dein Bestes, aber auch das geht nur mit dem, was du bis zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gelernt hast. Das ist okay. Du wirst vieles dazulernen, und das gerade beim Veröffentlichen. Ich spreche aus Erfahrung, denn mein erster Heftroman schrieb sich auch anders als der vierzigste. So what?! Entspann dich – und beglücke die Welt mit deinem unperfekten, aber mit viel Elan und gutem Willen geschriebenen Buch.

3. Ich habe kein Geld.

Das war früher mal eine Ausrede, heute aber nicht mehr. Ich weiß, überall wird gerade dazu geraten, sich alles einzukaufen, was nötig ist, um Verlagspublikationen Konkurrenz machen zu können: Lektorat, Cover, Korrektorat, Buchsatz, Marketing … Das hat auch alles seine Berechtigung, wenn du dein Buch gut am Markt platzieren willst.

Wenn du aber bereit bist, dich von diesem Ziel – das vielleicht ein Fernziel bleiben kann, mehr aber nicht! – zu verabschieden, und erst einmal damit leben kannst, kleine Brötchen zu backen, dann kostet dich deine Veröffentlichung gar nichts. Es gibt Anbieter, die dein E-Book für 0 Euro herausbringen. Voraussetzung ist, dass du einen Computer mit Internetanschluss nutzen kannst. Das war’s schon. Leg los!

4. Ich habe zu viel Geld und stecke immer mehr in mein Projekt.

Deine Sorgen möchte ich haben … Scherz beiseite: Natürlich ist man versucht, sein „Baby“ so gut zu füttern, wie es irgend geht. Und wenn es einem wirklich wichtig ist, ist man vielleicht bereit, auf den nächsten Sommerurlaub zu verzichten und sich stattdessen ein Lektorat einzukaufen. (Mit der Familie muss das dann jemand anderes klären …)

Es muss aber alles seine Grenzen haben. Der Markt rund ums selbst veröffentlichte Buch wird immer unübersichtlicher, auch wenn vieles davon wunderbar und hilfreich ist, und man muss aufpassen, seine Scheinchen beieinander zu halten. Setze dir am besten vorab eine Grenze. So wie jede Firma ein Budget für ihre Projekte hat, wirst auch du dir eines geben müssen – denn du brauchst ja auch noch ein paar Euros fürs nächste Buch, oder?

5. Ich bin schüchtern, introvertiert oder publikumsscheu.

Bei diesen „Problemen“, hinter denen sich oft große Stärke verbirgt, lohnt es sich, zu einem sehr frühen Zeitpunkt darüber nachzudenken, wie viel du von dir zeigen möchtest beziehungsweise zu welchen Zugeständnissen du bereit bist. Kommst du für dich zu dem Schluss, dass du dich der Öffentlichkeit nicht aussetzen möchtest, kannst du unter einem Pseudonym veröffentlichen. Das entlastet dich – und dein Buch ist trotzdem draußen. Die Entscheidung, ob du das Pseudonym aufdecken möchtest oder nicht, verschiebst du auch später.

6. Was werden die Nachbarn sagen?

Mit Sicherheit alles Mögliche. Wie immer.

Ganz ehrlich: Die Nachbarn reden doch sowieso, das wussten schon „Die Ärzte“. Wenn du peinliche Folgen fürchtest, weil du einen knackigen BDSM-Roman oder einen Thriller mit einem Kettensägen schwingenden Serienkiller geschrieben hast und das nicht mit Hinz und Kunz aus Haus Nummer 8 diskutieren möchtest – dann schau dir noch mal Punkt 5 dieser Liste an. Auch in diesem Fall solltest du dich fragen: Bin ich bereit, das auszuhalten? Oder veröffentliche ich lieber unter einem Pseudonym? Und dann los!

7. Ich habe Angst vor rechtlichen Folgen.

Natürlich solltest du dich schlaugemacht haben, was du darfst und was nicht. Dazu gibt es viele Internetseiten. Im Zweifelsfall kannst du über den Abschluss einer Media-Haftpflichtversicherung nachdenken. (Ich bin Mitglied im Selfpublisher-Verband, in den man auch eintreten kann, wenn man noch vor der ersten Veröffentlichung steht. Über den Verband gibt es die Möglichkeit, eine Media-Haftpflicht zu günstigen Konditionen abzuschließen. Auch hier gibt es aber diverse Anbieter und du kannst die Preise und Konditionen vergleichen.)

Die Media-Haftpflicht lässt mich persönlich besser schlafen, obwohl ich natürlich alles tue, um meine Texte einwandfrei zu veröffentlichen. Aber wir sind alle nur Menschen, und auch mir – und dir – können ungewollt Fehler unterlaufen. In vielen Fällen springt hier die Versicherung ein. Dieses Wissen nimmt dir unter Umständen die Angst – und deiner Buch-Veröffentlichung steht nichts mehr im Wege.

8. Alle anderen sind besser als ich.

Stell dein Licht mal nicht unter den Scheffel. Wer genau sind denn „alle“? Sind das die „alle“ aus der Schule, die meine Tochter zitiert, wenn sie das neue Handy haben will? Oder die „alle“, die mein Sohn bemüht, wenn es um die neue Spielkonsole geht, die angeblich „alle“ zu Weihnachten bekommen?

„Alle“ ist ein sehr großer Begriff, und wo es bei oben genannten Beispielen faktisch um maximal zwei Personen geht, denen entsprechender Besitz nachzuweisen ist, halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass du dich an zu wenigen übergroßen Vorbildern orientierst. Du solltest dich da maximal mit Leuten deiner eigenen Liga vergleichen. Kreismeisterschaft, nicht Olympia. Alles klar?

Also finde heraus, wer in deiner Liga spielt, und ordne dich da mal ein. Dann wirst du schon sehen, dass du zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gar nicht so schlecht dastehst, und was du jetzt nicht kannst, das kannste lernen. Was dann die Zukunft bringt, hast du ein Stück weit in der Hand, je nachdem, wie viel Zeit und Energie du in dein Projekt steckst. Und die anderen, die angeblich alle besser sind, können ein guter Motivator für bessere Texte sein – und vor allem Kollegen, mit denen du dich vernetzen kannst!

9. Wenn ich keinen Verlag finde, will ich gar nicht veröffentlichen.

Yoah. Bisschen deprimierend, die Einstellung, aber wenn du damit glücklich wirst … Wirste nicht? Dann solltest du vielleicht mal an deiner Einstellung arbeiten. Der Selfpublisher-Markt ist für Autoren zurzeit schwierig, was das Einkommen angeht, das gilt aber auch für Verlagsautoren (siehe den entsprechenden Artikel in der aktuellen „Federwelt“ Nr. 136). Zählt also nicht. Und du willst ja momentan kleine Brötchen backen (siehe oben) und erst mal „nur“ veröffentlichen. Warum dann nicht als Selfpublisher?

Schiefe Seitenblicke hat man kaum noch zu befürchten, dafür hat sich die Branche in den letzten Jahren zu stark konsolidiert und viele gute Bücher auf den Markt gebracht. Immer mehr Leser wenden sich gerade Selfpublishern zu. Und das Ganze hat den Vorteil, dass du absolut selbstbestimmt arbeiten kannst und auf alle Schritte den Daumen drauf hast – für mich das relevante Kriterium für einen Wechsel. Ich mag unabhängiges Arbeiten und kaufe mir im Zweifelsfall Leistungen ein, die ich benötige. Wenn dich das auch reizt, leg los und veröffentliche dein Buch selbst. Der Wechsel in einen Verlag ist danach immer noch möglich, du bist nicht „verbrannt“. Vielleicht willst du dann aber gar nicht mehr wechseln, weil Selfpublishing dir mehr liegt. Das kannst du nur durch Ausprobieren herausfinden.

10. Ich habe keine Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Du leidest nicht an Zeitmangel, sondern setzt keine Priorität aufs Veröffentlichen. Das ist ein Unterschied. Du hast es ja auch geschafft, das Buch zu schreiben, hast also die Priorität darauf gesetzt und anderes dafür bleiben lassen. Genauso läuft es mit dem Veröffentlichen. Natürlich, die Arbeitsschritte sind andere, oft technischer Natur, für dich vielleicht nicht so spannend oder sogar nervtötend. Hilft aber nix. Wenn du wirklich veröffentlichen willst, muss das deine Priorität sein. Sonst wird dat nix. Punkt.

11. Was habe ich der Welt schon zu sagen?

Boah. Das ist ja noch schlimmer als Punkt 8. Geht’s noch?

Du bist einzigartig. Eine*n wie dich gibt’s nicht noch mal auf diesem Planeten. Nur du hast diese Gene, nur du hast die Dinge erlebt, die Schicksalsschläge und großartigen Ereignisse. Nur du bist all diesen Menschen begegnet, die dich geprägt haben. Und nur du kannst diese Geschichten erzählen, mit deiner einzigartigen Stimme – weil es dich nur EIN MAL gibt. Noch Fragen?

12. Mein Rohentwurf ist fertig, aber die Überarbeitung schreckt mich ab.

Ja, Arbeit ist echt ätzend. Kenn ich. Drück ich mich auch gern vor.

Also hast du – wie ich – zwei Alternativen: Die Erstfassung in einem sehr, sehr guten ersten Guss zu schreiben, der kaum der Überarbeitung bedarf. Das erreichst du (vielleicht) mit viel Übung. Doch sobald du dich einer neuen Herausforderung stellst, zum Beispiel das Genre wechselst, dich an eine neue Perspektive herantraust oder ein größeres Ensemble, ist es vorbei damit.

Dann bleibt nur eines: Setz dich auf deinen Hintern und arbeite das Ding durch. Und das leider mehrfach.

Kürzlich habe ich ein langes Wochenende genutzt, die Familie ausquartiert und mich durch meinen nächsten Roman geackert. Das war fürchterlich anstrengend, aber auch sehr ergiebig. Das Schlimme daran ist: Es wird nicht die letzte Überarbeitung sein. Ich arbeite so, dass ich den Text zunächst an zwei Testleser gebe – in diesem Fall an meinen Mann und meinen Ex-Mann. Lustig, wo ich gerade drüber nachdenke …

Was die beiden eint? Der eine ist gemein und nimmt meinen Text gnadenlos auseinander, was in dieser Phase für mich sehr wichtig ist. Der andere findet alles toll und krittelt bloß an ein paar Rechtschreibfehlern rum, was in dieser Phase ebenfalls sehr wichtig für mich ist, weil ich mein „Baby“ das erste Mal jemandem zeige. (Nein, ich sage jetzt nicht, wer welchen Part übernimmt …)

Die Anmerkungen der beiden setze ich um. Dann geht der wieder überarbeitete Text an die nächsten Testleser. Und wieder überarbeiten. Dann kommt eventuell ein Lektorat. Wieder überarbeiten. Puh …

Was bedeutet das?

Antwort: Wenn du schon aufs erste Überarbeiten keinen Bock hast, dann kannst du’s mal grad vergessen. Denn du wirst dich dem mehrfach stellen müssen.

Aaaaber: Es gibt Hilfe. Die nennt sich B-e-l-o-h-n-u-n-g.

Die Überarbeitung eines Textes gleicht einer Challenge, die für mich manchmal viel anstrengender ist als das Schreiben der Rohfassung. Und eine Challenge schreit nach Belohnung, möglichst nach jeder genommenen Etappe. Überleg dir einmal in einer stillen Minute, was dir gut tun würde, und dann belohne dich auch wirklich damit. Dein Gehirn wird nach ein wenig Training checken, dass es was Gutes gibt, wenn es die Arbeit einfach erledigt – und sich irgendwann nicht mehr so dagegen sperren.

13. Mit meiner Überarbeitung bin ich nicht zufrieden. Das wird nie was. Weg damit!

Siehe zunächst die Punkte 8 und 11, die da bestimmt mitschwingen. Hinzu kommt aber noch Folgendes: Kurz vorm Ende hat schon so mancher aufgegeben. Da kommen noch mal alle Skrupel hoch, alle Steine, die dir dein Gehirn schon vorher in den Weg gelegt hat und die du erfolgreich zur Seite geräumt glaubtest. Zack, da sind sie wieder!

Aber jetzt nicht verzweifeln. Entweder schaffst du es selbst, gut zu dir zu sein, dich wieder auf Spur zu bringen und das Ding einzutüten, bevor du es zerstörst. Oder du suchst dir Hilfe, zum Beispiel bei einer Schreibgruppe, bei befreundeten Autoren-Kollegen oder einem Coach, den du dann natürlich bezahlen musst. Oft hilft die Sicht von außen, um die positiven Aspekte deiner Geschichte wieder in den Vordergrund zu rücken und dir Selbstvertrauen zu geben – damit du wieder an dich und deinen Text glauben kannst. Jetzt bloß nicht aufgeben!

14. Ich werde einfach nicht fertig.

Weil du vielleicht nicht fertig werden willst? Weil du dann groß und erwachsen sein und die Konsequenzen ziehen musst? Weil du dein „Baby“ loslassen und es hinaus in die Welt schicken musst?

Komm schon! Du schaffst das! Du bist schon so weit gekommen. Hör auf, dir selbst im Weg zu stehen und hau rein! Die letzten Meter ziehst du auch noch durch. Ich glaub an dich – und an dein Projekt.

15. Ich trau mich nicht, den Knopf zu drücken und das Ding hochzuladen.

Das erste Mal ist immer aufregend. Immer. Und rückblickend betrachtet wirst du es als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten. Daher ruf dir in diesem Moment all die ersten Male, die du in deinem langen Leben „durchlitten“ hast, in Erinnerung: Ist es nicht großartig, dass du das alles erleben durftest?

Und jetzt auch noch das. Und DU hast es gemacht. Phantastisch, großartig, unglaublich! Mit diesem Knopfdruck beginnt der nächste Abschnitt in deinem Leben als Autor*in, Schriftsteller*in oder wie auch immer du dich siehst. Und jetzt drück!

Da bist du ja! Du hast es geschafft, hast dich überwunden und alles durchgezogen, was an Herausforderungen auf dich gewartet hat. Ich beglückwünsche dich zu deinem Mut und deiner Stärke.

Und zu deinem ersten Buch!

E n d e

Hast du dich in dieser langen Liste irgendwo wiedergefunden? Ich kann sogar bei fast allen Punkten ein Häkchen machen. Je nach Gemütslage (und Kontostand) traf mal das eine, mal das andere auf mich zu. Trotzdem habe ich den Widerstand überwunden – und veröffentlicht. Und was ich kann, das kannst du auch!

Hast du noch mehr Tipps und Anregungen, um aus der Nicht-Veröffentlichen-Falle herauszukommen? Oder hast du Fragen? Dann schreib mir einen Kommentar.

Holl di munter!

Deine Kerstin

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