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Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte

Diesen Beitrag gibt es auch als Podcast-Episode

Manchmal wäre ich gerne ein entdeckender Schreiber. Ich stelle mir vor, wie ich mich eines Tages mit einer grandiosen Idee an den Schreibtisch setze, meiner Figur, die sich von Zauberhand selbst erschafft, quer durchs Manuskript folge, und am Ende eine phantastische Geschichte ausdrucke, völlig von der aus mir heraussprudelnden Kreativität überwältigt.

Schön wär’s.

Tatsache ist, dass solch ein Erlebnis mir wohl für immer verwehrt bleiben wird – denn ich bin kein „discovery writer“, wie es im Englischen heißt, sondern ein „outliner“ – ein planender Schreiber. Und als solcher liebe ich das Plotten.

Plotten?, fragst du. Nie gehört. Was’n das?

Vom Plotten zum Plot

Wenn ich plotte, lege ich den Plot – also die Handlung beziehungsweise den Handlungsablauf meiner Geschichte – fest. Dabei gehe ich so vor: Meist denke ich über eine Grundidee eine ganze Weile nach, spinne die Geschichte weiter, spiele verschiedene Szenarien durch. Insofern bin ich in dieser Phase entdeckend: Ich lasse mich von meiner Grundidee inspirieren und spiele so lange herum, bis ich das Gefühl habe, etwas in der Hand zu haben.

Das ist meist eine kurze Zusammenfassung der Geschichte. In wenigen Sätzen könnte ich dir dann erzählen, was am Anfang, in der Mitte und am Ende passiert und wer die wichtigsten Personen sind.

Mehr nicht.

Das ist ja schon mal was, sagst du. Dann kannste ja anfangen zu schreiben.

Nö, leider nicht. Ich würde mich nämlich vollkommen in der Geschichte verlieren. Es gäbe für mich zu viele offene Fragen, die ich während des Schreibens beantworten müsste. Das würde entweder dazu führen, dass ich ohne Ende tippe und tippe oder – viel schlimmer! – in eine Blockade gerate. Die schiere Menge an Möglichkeiten, die sich mir in diesem Moment aufdrängen, würde zu Stillstand führen.

Um solch einer frustrierenden Situation vorzubeugen, brauche ich ein Gerüst. Dieses Gerüst heißt Szenenumbruch.

Szene für Szene

Bevor ich mich daran setzen kann, muss ich aber noch etwas anderes erledigen: Wenn ich meine Geschichte in Grundzügen kenne, gehe ich hin und beschäftige mich mit den Figuren: Wie heißen sie, wie alt sind sie, was ist ihr Beruf und so weiter. (Und ich beantworte in diesem Stadium auch die wichtigste Frage: Ist es dir größte Krise im Leben meiner Heldin, meines Helden? Wenn nicht, muss ich noch mal zurück auf Anfang.)

Mit diesem Wissen über meine Figuren setze ich mich an den Szenenumbruch, (Manche Autoren schieben gerne ein Exposé und ein Treatment dazwischen. Da ich damit nicht (mehr) arbeite, lasse ich beides an dieser Stelle weg.) Nun schreibe ich auf kleine Karteikärtchen alle Szenen, die für meine Geschichte wichtig sind, und teile sie auf die drei Akte auf. Wenn ich die wichtigsten Szenen, von denen ich bereits weiß, dass sie relevant sein werden, verteilt habe, schreibe ich alle weiteren auf Kärtchen, die ich mir vielleicht im Lauf der Zeit notiert habe oder die mir in diesem Moment einfallen. Hier lasse ich tatsächlich meiner Kreativität freien Lauf.

An dieser Stelle ist das für mich auch angebracht, denn hier blockiert mich die Menge an Möglichkeiten nicht. Sofern mein Vorrat an Karteikarten mir keinen Strich durch die Rechnung macht (alles schon erlebt!), schreibe ich alles auf, was mein Gehirn ausspuckt und schiebe es auf einem großen Tisch hin und her. Ich muss mich wirklich bemühen, an diesem Punkt alle Fragen zu beantworten und irgendeine Antwort auf alle großen Punkte der Geschichte zu finden – auch wenn sie doof ist. Selbst wenn ich meine Idee für den Höhepunkt hanebüchen, an den Haaren herbeigezogen oder peinlich finde – ich schreibe sie erst mal auf, wenn mir nichts Besseres einfällt. Denn wenn da nichts steht, brauche ich gar nicht erst mit dem Schreiben anfangen, das weiß ich aus Erfahrung.

Von der Karte zum Text

Wenn ich das Gefühl habe, erst einmal zu einem Ende gelangt zu sein, höre ich – meist ziemlich erschöpft, aber glücklich – auf und hefte alles an meine Pinnwand. Obendrüber kommt eine größere Karteikarte mit dem Arbeitstitel. Da hängt das Ganze eine Weile – mindestens mehrere Tage, eher Wochen. Immer wieder gehe ich hin und meditiere über diesen Kärtchen. Ich stelle mir folgende Fragen:

  • Passt das noch für mich?
  • Bin ich zufrieden mit der Abfolge der Szenen?
  • Könnte ich noch mehr Spannung hineinbringen?
  • Ist alles logisch?
  • Habe ich an alles gedacht? Oder fehlt etwas?

Weitere Kärtchen wandern dazu: Ergänzungen, die Nebenhandlung, Beschreibungen der Figuren, wichtige Infos. Diese hefte ich über und neben meine Szenenabfolge, um nichts durcheinanderzubringen und mich optisch zu verwirren.

Wenn ich dann das Gefühl habe, beginnen zu können, nehme ich alles von der Pinnwand – und fange an zu schreiben. Ich lasse die Karten bewusst nicht an der Pinnwand hängen, weil ich den Stapel so nämlich mitnehmen kann. Und ich ziehe nur das Kärtchen heraus, das für mich gerade relevant ist. Das beugt der Verzettelung vor.

Ich arbeite mich quer durch meine Geschichte. Meist fange ich am Anfang an und schreibe vor mich hin. Wenn ich an einem Tag das Gefühl habe, nicht direkt dort wieder ansetzen zu können, wo ich aufgehört habe, suche ich mir ein anderes Kärtchen heraus und setze damit meine Arbeit fort. Ich lasse mich intuitiv durch die Geschichte treiben, und so hat es doch etwas „Entdeckendes“ – ohne mich zu stressen oder das Schreiben zu verhindern,

Ich kann sogar entscheiden, alles anders zu machen, wenn ich während des Schreibens doch feststellen sollte, dass mein Plot nicht funktioniert. (Doof, aber alles schon dagewesen …) Dann nehme ich einen Stapel neue Kärtchen und gehe zurück zum Szenenumbruch. (Ich höre nicht frustriert mit dem Schreiben auf! Wichtig!)

Dann schreibe ich weiter. Und irgendwann nehme ich das Kärtchen mit der letzten Szene – und bin mit der Rohfassung fertig.

Klingt langweilig?

Mag sein – ist aber sehr effektiv! Mehr als vierzig veröffentlichte Heftromane dürften mir recht geben. Für mich habe ich damit die ideale Methode gefunden.

Wie arbeitest du? Bist du ein entdeckender Schreiber oder ein planender? Gehst du ähnlich vor wie ich – oder ganz anders? Deine Erfahrungen interessieren mich. Schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Eine Antwort auf „Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte“

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