Sommerlektüre für Autor:innen

Im Sommer bin ich ein bisschen lesefaul. Erst wenn das Wetter kühler wird, setzt bei mir die Leselust wieder ein. Geht es dir auch so? Dann habe ich ein paar Lesetipps für die Sommermonate, die dich als Autorin weiterbringen und nicht „beschweren“. (Natürlich auch für alle geeignet, die auch im Sommer gerne lesen. 😉 Nimm mit, was du gebrauchen kannst.)

Lesetipp 1: „Emma“ von Jane Austen

„Emma“ gehört zu Jane Austens späteren Werken. Von der Atmosphäre her empfinde ich diesen Roman als ihren hellsten, lichtesten. Was könnte besser zum Sommer passen? Im Laufe der Geschichte wird auch mal Weihnachten gefeiert, aber sei’s drum. Der Frühling kommt und mit ihm ein Ende der Irrungen und Wirrungen. 

Was du als Autorin von „Emma“ lernen kannst: Beschränke dich! „Emma“ spielt im kleinen Örtchen Highbury mit einem begrenzten Personal. Doch die Begrenzung ist Jane Austens Spezialität. Zu Lebzeiten und kurz danach wurde sie für ihre „drei, vier Familien auf dem Lande“ belächelt. Heute wissen wir: Das ist ganz große Kunst. Sie schrieb nicht nur über das, was sie kannte, sondern beschränkte sich hier auf ein ganz klar abgestecktes Umfeld. Es muss nicht immer um die Welt gehen. Ein Dorf kann reichen, um ein reiches Personal zu entwickeln.

Zusatztipp: Meine liebste Verfilmung ist die von 1996 mit Gwyneth Paltrow. Nach der Lektüre sehr zu empfehlen.

Lesetipp 2: Fachliteratur deines Themengebiets

Wenn du das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden willst, dann nutze die Zeit im Liegestuhl oder auf der Picknickdecke, um dich mit deinem Themengebiet zu beschäftigen. Ich weiß nicht, in welchem Genre du schreibst und welche Literatur sinnvoll wäre. Was ich weiß: Es muss kein sperriger Wälzer sein. Zu vielen Themengebieten gibt es gute populärwissenschaftliche Literatur, die sich der Leserin leicht erschließt. Oder schau mal nach Fachzeitschriften in deinem Bereich. Im Sommer lese ich manchmal lieber eine Zeitschrift zur Altertumskunde als einen historischen Roman. So hast du die Zeit sinnvoll genutzt, eine Leseflaute überbrückt und etwas für dein Hintergrundwissen getan.

Zusatztipp: Bewegst du dich im Mittelalter? Dann möchte ich dir das Buch „Frauen im Mittelalter“ von Edith Ennen ans Herz legen.

Lesetipp 3: Ratgeber zum Kreativen Schreiben

Auch ein klassischer Schreibratgeber darf heute nicht fehlen, und zwar die „50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ von Roy Peter Clark. Dieser Ratgeber ist im positiven Sinne kleinteilig angelegt und durch Übungen zusätzlich kurzweilig. Ich arbeite immer wieder mit ihm und picke mir die Passagen heraus, die gerade zu meinem „Problem“ passen, habe ihn aber auch schon komplett gelesen. Mittlerweile vermutlich mehrfach. 😉 Für mich ist dieses Buch ein bisschen die eierlegende Wollmilchsau auf dem Creative-Writing-Markt: Von Mindset-Fragen über die Konstruktion langer Sätze bis zum Finden der eigenen Stimme gibt es hier alles mögliche zu lernen. Die Lektüre tut nicht weh, und wenn man im Schatten zur Siesta einschläft, fällt der Anschluss danach leicht.

Zusatztipp: #werbung

Du möchtest mehr über diese ominöse „Stimme“ erfahren, warum sie wichtig für dein Schreiben und das Marketing ist und wie du sie finden kannst? Dann komm in den Kurs Lebe deinen Autorentraum von der Agentur Autorenträume und mir. 🙂 )

Lesetipp 4: der selfpublisher

Kennst du die Zeitschrift „der selfpublisher“? Die Zeitschrift für Autor:innen, die in Eigenregie veröffentlichen, beleuchtet aktuelle Themen des Marktes, beschäftigt sich mit Buchsatz und Bloggern, interviewt erfolgreiche Selfpublisher, berichtet aus der Buchbranche, gibt Tipps zur Covergestaltung et cetera.

Zusatztipp: Mitglieder des Selfpublisher Verbands e.V. erhalten die Zeitschrift automatisch im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Ansonsten findest du sie im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder online zum Bestellen auf autorenwelt.de.

Lesetipp 5: Kurzgeschichten und Erzählungen

Ich bin bekennender Fan der kurzen Form. Meine erste literarische Veröffentlichung war eine Kurzgeschichte in der Anthologie „ReiseLust“ des Storia Verlags. In der Spenden-Anthologie „Traumfabrik-Geschichten“ ist ein Theaterstück von mir erschienen. Ich lese die kurze Form auch sehr, sehr gerne. Auf meinem Nachttisch liegt gerade „Bei Anbruch der Nacht“ von Kazuo Ishiguro. Sehr empfehlen kann ich auch die Erzählungen einer meiner Lieblingsautorinnen, Alice Munroe, Nobelpreisträgerin von 2013.

Welchen Kurzgeschichtenband du auch immer liest: Lasse dich von der Form inspirieren! Sieh dir den formalen Aufbau an, die inhaltliche Gestaltung, die Figurenentwicklung. In einem kurzen Text muss jedes Wort sitzen, fliegt alles „Überflüssige“ raus. Das ist spannend, und du kannst deine Erkenntnisse auf eigene Texte übertragen.

Zusatztipp: Die Agentur Autorenträume veranstaltet auch in diesem Jahr eine Ausschreibung für eine Spenden-Anthologie, dieses Mal zum Thema „Visionär“. Vielleicht möchtest du teilnehmen? Dann hast du noch bis zum 31.7.2023 Zeit. Du hast nicht mehr viel Zeit für’s Schreiben, aber das muss nicht unbedingt schlecht sein. Unter Zeitdruck ist schon so manch guter Text entstanden. Hier geht’s zur Ausschreibung.

Fazit

Ob du nun im Sommer gern oder weniger gern liest, es gibt viele Möglichkeiten, die warmen Monate sinnvoll mit deiner Schreibleidenschaft zu verbinden. Ich hoffe, dass bei meinen Tipps etwas für dich dabei war. Wenn du weitere Fragen oder Anregungen hast, schreibe mit gerne an: kerstin@21ufos.de

Holl di munter

deine Kerstin

Podcasten für Autor:innen

Mit meinem heutigen Beitrag wende ich mich an dich, wenn du Autor:in bist und darüber nachdenkst, einen eigenen Podcast zu gründen. Vielleicht interessiert dich das Thema Podcasts aber auch grundsätzlich, dann habe ich weiter unten etwas für dich, das sich als Einstieg eignet. Los geht’s!

Podcast for beginners

Was ist eigentlich ein Podcast? Wikipedia definiert einen Podcast als „eine Serie von abonnierbaren Audiodateien (seltener Videodateien) im Internet“. Das klingt sehr technisch, deshalb übertrage ich es mal auf folgende Weise: Ein einzelner Podcaster oder eine Gruppe, bezeichnet als Host oder Hosts, bietet eine Art „Radioprogramm“ an, das du abonnieren kannst. Das Besondere: Du rufst die Sendung nach Bedarf ab, kannst nach Belieben stoppen und wieder einsteigen. Podcasts werden immer beliebter, und auch die angebotenen Themen sind immer breiter gefächert. Ich habe schon Podcasts zur Aquaristik, zum Japanisch lernen und zu Finanzthemen abonniert. Die einzelnen Folgen werden als Episoden bezeichnet. Manche erscheinen täglich neu, andere wöchentlich oder unregelmäßig. Es gibt verschiedene Anbieter, die die Podcasts zugänglich machen. Meine findest du hier.

Meine ersten Schritte

Bevor ich meinen Podcast 21ufos.de ins Leben rief, bloggte ich hier schon lange und spielte auch schon seeeehr lange mit dem Gedanken an einen eigenen Podcast. Doch wie funktionierte das? Vor allem die technische Frage schreckte mich ab. Ich surfte durchs Netz, sah mir Lehrvideos an, abonnierte einen Podcast, der mir alles wichtige beibringen sollte. Ins Handeln kam ich aber nicht.

Erst mein Sohn brachte mich dann dazu, an das Thema lockerer heranzugehen, und zeigte mir eine App, die keine großen Kenntnisse voraussetze. Ich konnte einfach mit meinem Handy aufnehmen, benötigte nicht einmal Headset oder Mikrofon, und auch die Bedienung der App überforderte mich nicht. Und so fing ich an, meine bereits veröffentlichten Blog-Artikel zu vertonen. (Da ich hier keine Werbung für eine bestimmte App machen möchte, nenne ich sie an dieser Stelle nicht.)

Die ersten Versuche waren holprig, und auch meine allererste Folge würde ich heute anders einsprechen. Aber wie sagt man so schön: Aller Anfang ist schwer! Immerhin habe ich irgendwann angefangen, und das zählt.

Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Recherche schadet nie, und so könntest du die ersten Schritte gehen, indem du dich eingehend über das Podcast machen informierst. Schaue dir Videos an, lies Blog-Artikel, beschäftige dich mit den verschiedenen Anbietern. (Aber recherchiere dich nicht tot, auch ich musste irgendwann ins Umsetzen kommen. 😉 )

Überlege dir, welches Format dein Podcast haben soll: Möchtest du alleine sprechen? Dann bist du ein sogenannter „Solospeaker“. Du kannst aber auch Interviews führen oder Talkrunden veranstalten – so wie bei Herzgespinste, meiner Autorengruppe, die den gleichnamigen Podcast betreibt. Aber auch hier haben wir in unserem Kurzformat „Herzgespinste-Quickie“ Episoden mit nur einem Speaker, so wie hier in meiner Folge zum Thema „Wie finde ich einen guten Coach?“.

Womit würdest du dich am wohlsten fühlen? Für mich war es am einfachsten, erst einmal alleine zu starten. Zeitlich ließ sich dieser Beginn für mich auch besser regeln. Ich genieße mittlerweile aber beides. Die Gruppe hat den Vorteil, dass die Reichweite größer ist und auch Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden können.

Mehrwert, Mehrwert, Mehrwert

Worum soll es in deinem Podcast gehen? Klar, du bist Autor:in, vermutlich also um deine Bücher. 😉 Jetzt musst du aber noch den Dreh finden, um deinen Hörer:innen einen Mehrwert zu bieten – und diesen auch klar herauszuarbeiten. Worum geht es in deinen Büchern? Kannst du daraus etwas ableiten? Ein paar Beispiele:

  • „Herzgespinste“ wurde von Sandra Andrés gegründet, und sie hat sich nach und nach Eve, Mia, Claudia und mich als Mitstreiterinnen gesucht, weil uns alle ein Thema vereint: Wir schreiben über reale Beziehungen!
  • In 21ufos.de gebe ich mein Wissen, das ich mir in drei Jahrzehnten des Schreibens und Veröffentlichens angeeignet habe, weiter, überwiegend als Solospeaker.
  • Sandra Andrés betreibt auch einen eigenen Podcast: Rilkes Töchter. Hier interviewt sie spannende Gäste zu unterschiedlichen Themen rund ums Schreiben.

Bist du Expertin für ein bestimmtes Thema, das sich auch in deinen Büchern wiederfindet? Als (angehende) Autorin von Sachbüchern erschließt sich der Zusammenhang vielleicht schnell. Doch auch für Belletristik-Autoren lassen sich interessante Themen ableiten: Schreibst du historisch? Oder im Genre Science-Fiction? Geht es bei dir immer wieder um Natur und Umwelt? Oder kriminalistische Rätsel? Der rote Faden in deinen Geschichten ist ein super Aufhänger für deinen eigenen Podcast. Du bist Expert:in für das Gebiet, liebst es offensichtlich und kannst es dann vermutlich auch mit Leidenschaft vermitteln.

Freies … ähm … Sprechen

Vielleicht verursacht dir die Vorstellung, frei in ein Mikro zu sprechen, anfangs Unbehagen. Das möchte ich dir mit ein paar Hinweisen nehmen:

  1. Du brauchst anfangs gar kein Mikro, sondern nur dein Handy, und kannst die Technik nach und nach erweitern. Fange möglichst niedrigschwellig an, um überhaupt anzufangen.
  2. Was du kannst, ist schreiben. Also verfasse zunächst einen Text, den du einsprichst, wenn dir das freie Sprechen noch schwerfällt. Nach und nach wirst du vielleicht zur Notiz von Stichpunkten übergehen. Das musst du aber nicht gleich zu Beginn.
  3. Du kannst deine erste Folge einsprechen – und niemand wird sie jemals hören, wenn du sie nicht veröffentlichst. Mache sie tippitoppi fertig, mit Musik am Anfang und Ende, die dir die App in der Regel auch mitliefert. Schneide sie mit einem zugehörigen Programm oder installiere eines, wenn du dir das schon zutraust. Das Ganze hochladen und veröffentlichen musst du erst, wenn du auch wirklich starten möchtest.
  4. Du könntest dir auch überlegen, einige Folgen vorzuproduzieren, um in einem festen Rhythmus zu bleiben. Dann stehst du weniger unter Zeitdruck. Manchmal klappt das bei mir, oft aber auch nicht. Ich habe damit zu leben gelernt. Meine Hörer:innen hoffentlich auch. 😀
  5. Falls du dir unsicher bist, kannst du die Episode auch jemanden deines Vertrauens vorab hören lassen, wie du es mit deiner Geschichte vielleicht auch machen würdest. Lasse dich von negativem Feedback aber nicht entmutigen. Bleib dran!

Alternative

Falls du (noch) keinen eigenen Podcast gründen möchtest, könntest du auch einfach in einem bereits bestehenden Podcast zu Gast sein. Viele Podcaster freuen sich über Gäste. Ich habe zum Beispiel das Format „3 Fragen an…“ und quatsche mit meinen Gästen über ein Thema, das ihnen besonders liegt und einen Mehrwert für meine Hörer:innen bietet:

Der rote Faden in deinen Geschichten, das Thema, das dich begleitet, ist dabei dein Aushängeschild und auch ein möglicher Grund für eine tatsächliche Einladung in einen Podcast. Du kannst dem Host für eine Weile folgen, kommentieren etc. und so auf dich und deine Inhalte aufmerksam machen, oder auch von dir aus einen Besuch vorschlagen. Dann solltest du das Format aber sehr genau kennen und nicht mit irgendwas anklopfen, sondern dein Thema und dein Angebot auf den Podcast abstimmen: Warum bist du interessant? Worüber möchtest du sprechen? Der Host wird sich vermutlich nicht die Zeit nehmen, dich erst mal zu recherchieren. Im Grunde ist es ein bisschen wie bei einer Verlagsbewerbung: Du schreibst Liebesromane? Dann bewirb dich nicht bei einem Reisebuchverlag! 😉

In der Regel benötigst du für eine Aufnahme als Gast lediglich dein Handy plus eventuell Kopfhörer, doch wird sich vermutlich jede:r Host über ein professionelles Mikro freuen. Meines war mit unter 100 Euro noch erschwinglich. Vielleicht kannst du auch eines leihen. Kopfhörer sind ebenfalls gut. Aber lass dich auch hier nicht von der Technik abschrecken.

Mit diesem Blog-Artikel konnte ich dir hoffentlich ein paar Tipps und Tricks zum Thema Podcasten mitgeben. Falls du Fragen oder Anregungen hast, schreibe mir gerne an kerstin[@]21ufos.de.

Holl di munter

deine Kerstin

Mia M. Hope und das Genre Liebesroman

Mit meiner lieben Herzgespinste-Kollegin Michaela Metzner alias Mia M. Hope habe ich zum Thema Liebesromane geplaudert. Michaela ist Selfpublisherin und hat gerade den zweiten Teil einer Dilogie mit dem Titel TRÜMMERMÄRCHEN veröffentlicht. In der aktuellen Podcast-Episode vom Freitag haben wir uns einem der beliebtesten Genres im Selfpublishing gewidmet – und warum es so einfach nicht ist! Das Genre hat nämlich etliche Sub-Genres, und warum es sinnvoll ist, sich frühzeitig festzulegen, verrät Michaela in dieser Folge. Hör doch mal rein!

[Alle Podcast-Episoden in der Übersicht und einige Anbieter, über die du den Podcast noch hören kannst, findest du hier.]

Ostf_ckland

Ich freue mich riesig, denn heute ist ein Theaterstück von mir erschienen. In der Geschichte geht es um eine Familie, die sich zum Abendessen trifft und sich mit geplanten, geplatzten und neuen Träumen auseinandersetzen muss.

Hier alle Informationen:

OSTF_CKLAND

Theaterstück in der Anthologie

Traumfabrik-Geschichten

herausgegeben von Sandra Andrés und Christiane Spooren

»Träume mussten schnell realisierbar und massentauglich sein, ein Endorphin-Kick. Hatte man den einen erreicht, ging es gleich zum nächsten. Während die harten Träume, für die man bluten, kämpfen und weinen musste, hier im Keller einstaubten.«

Was wäre es doch schön, eine Fabrik zu haben, in der Träume maßgeschneidert werden! Einen Träume-Laden, in dem wir unsere Lebensträume finden. Eine Glaskugel, in der unsere Träume für später aufbewahrt werden. Unendlich Zeit, unseren Träumen zu folgen. Sich einfach aus dem Alltag wegzuträumen. Oder jemanden, der an uns glaubt und uns beim Verwirklichen unterstützt.

Genau das soll diese Anthologie sein: Eine Erinnerung daran, dass Träume keinesfalls nur Schäume sind. Eine Traumfabrik, erschaffen von 40 Autor:innen für einen schreibfreudigen jungen Menschen, der das Handwerk des Träumeschnitzens erlernen … äh seinen Buchtraum verwirklichen möchte –  mit einem Stipendium bei Autorenträume, finanziert durch die Einnahmen der Buchverkäufe.

Träumen wir gemeinsam davon, dass alles möglich ist.

Cover: DeinCoverdesign

– überall als E-Book und Taschenbuch erhältlich –

oder als Taschenbuch direkt in Sandras Shop

 

Muss eine Veröffentlichung Geld kosten?

(Zur Sicherheit: Dieser Beitrag enthält unbezahlte
Werbung für einen Selfpublishing-Dienstleister. 🙂 )

Selfpublishing ist eine tolle Möglichkeit, sein Buch hinaus in die Welt zu schicken. Es kann aber auch mit hohen Kosten verbunden sein.  Muss das sein? Hierzu habe ich mir einige Gedanken gemacht.

Raus aus der Krise

Ich habe früher selbst im Verlag veröffentlicht und konnte davon leben. Aus familiären Gründen kam das Veröffentlichen zum Erliegen, und tatsächlich folgte eine „Veröffentlichungskrise“, weil ich auch fertige Texte nicht mehr publizierte. Wie bin ich dieser Krise entkommen? Das Zauberwort hieß: Selfpublishing.

Ich gab kaum Geld aus

Das Selfpublishing auf sehr niedrigem finanziellen Niveau war 2019 für mich der erlösende Faktor, den ich brauchte, um den Kreislauf zu durchbrechen. Ein privater Druck nur für mein eigenes Bücherregal hatte mir nicht gereicht. Tatsächlich kostete es mich keine zwanzig Euro, mein Buch zu veröffentlichen, und bei einer reinen E-Book-Version wären nicht mal die fällig gewesen. Das Geld zahlte ich an den Distributor, alle anderen Ausgaben sparte ich mir.

Der Grund: Hätte ich mir auch noch hohe finanzielle Hürden auferlegt, hätte ich es nicht geschafft. Der Prozess hat mich so schon alle Kraft gekostet, auch ohne weiteren Druck. Denn das vergessen viele: Die Zusammenarbeit mit anderen am Buch kostet Kraft, Zeit, Nerven. Will und kann manche:r vielleicht in dem Moment gar nicht.

Eine Option, kein Muss

Ich brachte also einen kleinen Liebesroman heraus, ohne Lektorat, ohne gekauftes Cover, ohne alles. Danach folgte ein Drehbuch. Beide habe ich mittlerweile neu aufgelegt und vieles eingekauft, was der Markt so verlangt. Wollte ich so – hätte ich aber nicht müssen. Es war meine freie Entscheidung, diesen Weg zu gehen, weil ich meine Geschichten so und nicht anders veröffentlichen wollte. Das Geld hatte ich auch nicht herumliegen, sondern habe es geliehen. Ein Wagnis, das ich nicht bereue. 

Ich habe das Geld geliehen, aber es gibt viele Möglichkeiten, eine Veröffentlichung fit für den Buchmarkt zu machen. (Da das hier den Rahmen sprengen würde, verweise ich auf ein Video der Agentur Autorenträume, die hierzu einige Tipps und Hinweise liefert.) Denn eines möchte ich ganz klar sagen: Ein Text gewinnt durch ein gutes Lektorat. Ein:e Leser:in wird eventuell durch ein Cover animiert, sich ein Buch genauer anzusehen und dann zu kaufen. Ein guter Buchsatz sorgt für ungehinderten Lesegenuss. Und ein Korrektorat ist der Punkt, auf den Autor:innen meiner Meinung nach am allerwenigsten verzichten sollten, denn viele Rechtschreibfehler im Text sind das, was die Leser:innen wohl am meisten stört. Alle diese Dienstleistungen haben ihren Sinn und ihre Berechtigung, und wenn sie irgendwie gewollt und finanzierbar sind – wunderbar. Aus gutem Grund lasse ich sie meinen Geschichten ja auch (meist) angedeihen. Aber sie sind kein Muss! Sie sind eine Option.

Kein Entweder-oder

Kritik an unlektorierten etc. Büchern kann ich natürlich nicht ausblenden. Verderben „schlecht gemachte Bücher“ den Markt? Verprellen sie die Leserschaft? Werfen sie ein schlechtes Licht aufs Selfpublishing? Aus Sicht des professionellen Selfpublishings kann ich diese Gedankengänge verstehen. Auch ich möchte meine Bücher verkaufen und Leser:innen überzeugen, auch Bücher aus dem Selfpublishing zu lesen.

Dennoch finde ich niedrigschwellige Zugangswege auch im zu bezahlenden Bereich sehr, sehr wichtig. Ich bin gegen ein Entweder-oder, sondern plädiere für beide Möglichkeiten: eine friedliche Co-Existenz.

Die Stimmen aller

Ein anderer Aspekt ist mir in diesem Zusammenhang nämlich sehr wichtig: Selfpublishing ist Demokratie pur. Auch die Stimme einer alleinerziehenden Mama oder ungelernten Arbeiters, der mit kleiner Rente leben muss, sollte gehört werden können. Ich war selbst mal alleinerziehend und weiß, was es bedeutet, jeden Cent umdrehen zu müssen, und hatte ganz bestimmt kein Geld für Lektorat etc.

Aber: Alle Menschen sollten sich unabhängig vom Geldbeutel ihren Traum vom eigenen Buch erfüllen dürfen, ohne dass der Torhüter Verlagsvertrag oder hohe Veröffentlichungskosten im Selfpublishing dies verhindern. Auch kulturell betrachtet finde ich es enorm wichtig, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedankenwelt zugänglich zu machen. (Und nein, nicht jede:r ist mit Deutschlehrern befreundet, die sich dann „wenigstens mal die Rechtschreibung anschauen“ können.)

Den Torhüter Verlag als Zugangsverhinderer zum Buchmarkt gibt es nicht mehr, und das ist gut so. Ich finde es ganz schlimm, wenn innerhalb der Selfpublishing-Szene erneut hohe Hürden geschaffen werden, damit alle erscheinenden Bücher mit Verlagspublikationen „mithalten“ können. Vielleicht ist das ja gar nicht der Sinn dahinter! Vielleicht ist das auch gar nicht das Anliegen der jeweiligen Autor:in.

Standards für beide Seiten

Vielleicht schafft es die Selfpublishing-Szene ja zunehmend, objektive Standards festzusetzen, die den Leser:innen Orientierung bieten, was sie für ihr Geld bekommen.

  • Der oft mögliche „Blick ins Buch“ fällt mir da spontan ein: Hier hilft ein Studium des Impressums und der ersten Seiten, das Werk einzuordnen und zu wissen, was da auf einen zukommt – und ob man als Leser:in bereit ist, dafür einen Obulus zu entrichten.
  • Auch kann man als Autor:in offensiv hingehen und die Leser:innen direkt auf den ersten Seiten informieren, dass zum Beispiel ein Korrektorat aus finanziellen Gründen nicht möglich war, Hinweise aber gerne angenommen werden. Das wäre mutig und fair.
  • Preise für Bücher aus dem Selfpublishing sind eine Option für Orientierung, allerdings nur dann, wenn auch hier das Augenmerk nicht nur auf verlagsähnliche Publikationen gelegt wird. Sonst sind wir wieder beim Entweder-oder.

So mache ich es heute

Die Fragen, die ich mir heute beim Veröffentlichen stelle, sind: Was ist mir wichtig? Wo will ich eigentlich hin? Was und wen will ich mit genau diesem Text erreichen? Erst danach lege ich das Budget fest. Und wenn keins vorhanden ist, dann wird trotzdem veröffentlicht. Pimpen kann ich auch noch später.

Und diesen Tipp möchte ich auch dir mitgeben: Bevor du überhaupt nicht veröffentlichst, veröffentliche auf die minimalistische Art! Denn wenn du nicht veröffentlichst, kostet es ja auch etwas – nämlich deinen Traum vom eigenen Buch.

Holl di munter!

Deine Kerstin