Werk für Werk zum Werkverzeichnis

Vor mir hängt eine große Pinnwand. Ich schaue auf meine Jahresziele, motivierende Sprüche, Checklisten für Podcast und Blog – und mein ausgedrucktes Werkverzeichnis. Da wir hier an unserem jeweiligen Lebenswerk arbeiten, schauen wir uns das Thema Werkverzeichnis heute einmal genauer an.

Ein Werkverzeichnis – was ist das eigentlich?

  • In ein Werkverzeichnis wird das Gesamtwerk einer Autorin, eines Autors aufgenommen.
  • Ein Verzeichnis kann noch zu Lebzeiten angelegt werden oder nach dem Tod.
  • So ein Verzeichnis ist nicht statisch, da weitere Veröffentlichungen oder neue Erkenntnisse eingepflegt werden.
  • Ein Werkverzeichnis kann Teil eines Exposés bei einer Verlagsbewerbung sein.

Ist so ein Verzeichnis nicht nur etwas für etablierte Autor:innen?

Ganz klare Antwort: Nein! Vom ersten Text, den du veröffentlichst, vom ersten Blog-Artikel, der ersten Kurzgeschichte an, kannst du solch ein Verzeichnis anlegen. Ich empfehle es sogar, denn es zeigt, dass du dich und deine Arbeit ernst nimmst. Du möchtest ein Lebenswerk aufbauen und die Seite(n) im Laufe der Jahre mit deinen Veröffentlichungen füllen. Und du fängst mit der ersten Veröffentlichung an. Wort für Wort zum Lebenswerk!

#funfact: Die ersten Veröffentlichungen in meinem Werkverzeichnis stammen aus meiner Teenagerzeit, in der ich in der Jugendredaktion einer Tageszeitung aktiv war.

Merke: Deine Anfänge sind wertvolle Erinnerungen und wichtige Stationen auf deinem Weg als Schriftsteller:in. Sie dokumentieren diesen Weg. Schreibe auch die Anfänge auf! (Ob du auch fertige, aber unveröffentlichte Texte aufnehmen möchtest, liegt ganz bei dir.)

Wie baut man ein Werkverzeichnis auf?

Zunächst einmal kommt es darauf an, dass das Verzeichnis dein Werk vollständig erfasst.

Mein eigenes Werkverzeichnis, das mittlerweile vier Seiten lang ist, habe ich mit meinen frühen Veröffentlichungen im Journalismus begonnen, gefolgt von einer ersten literarischen Veröffentlichung, einer Kurzgeschichte in einer Anthologie. Dann folgen mehrere Dutzend Heftromane im Verlag unter Pseudonym. Dann folgen meine neueren Veröffentlichungen, getrennt nach Pseudonym, jeweils chronologisch mit der neuesten Veröffentlichung ganz oben.

Ich nehme außerdem neue Auflagen und die unterschiedlichen Erscheinungstermine von E-Book, Softcover und Hardcover auf, so dass ich immer nachhalten kann, wann was erschienen ist. (Damit erleichtere ich außerdem dem Forscher die Arbeit, der sich in 200 Jahren mit meinem Gesamtwerk beschäftigt, hihi! 😉 )

Muss ich das Verzeichnis pflegen?

Ja! Du solltest immer dann aktualisieren, wenn eine Veröffentlichung, eine Neuauflage oder Ausgabe in einem anderen Format hinzukommt. Ich vermerke außerdem ganz oben das Aktualisierungsdatum. (Und wo ich das gerade schreibe und auf mein Werkverzeichnis schaue, fällt mir auf, dass ich die Softcover-Ausgabe von „Wimpel und die rote Koralle“ noch gar nicht aufgenommen habe. #shameonme Das werde ich gleich in Angriff nehmen!)

Wann und wo kann ich das Verzeichnis verwenden?

  • Du kannst das Verzeichnis erst einmal für dich selbst anlegen: Du brauchst selbst einen Überblick über deine Veröffentlichungen und siehst, was du wann getan hast.
  • Es zeugt von der Ernsthaftigkeit deines Unterfangens. Lege es griffbereit hin, ob nun als Ausdruck oder auf dem Desktop oder hänge es wie ich an die Pinnwand. So hast du es im Blick und es kann dich motivieren, am Ball zu bleiben.
  • Du kannst das Werkverzeichnis auf deiner Homepage zugänglich machen, um über deine Fortschritte zu informieren.
  • Du kannst dein Verzeichnis dem Exposé beifügen, wenn du dich bei einem Verlag bewirbst (ggf. als Auswahl). So ist gleich zu sehen, was du bereits auf die Beine gestellt hast.
  • Im Zuge des Marketings kannst du das Verzeichnis einem Pressepaket beifügen.

Du siehst: So ein Werkverzeichnis ist nicht nur etwas für arrivierte Autor:innen. Vielleicht interessiert sich posthum jemand für unsere Texte, vielleicht nicht. Aber dass du ernsthaft und fleißig an deinem Lebenswerk gearbeitet hast, dokumentierst du nicht nur mit den Veröffentlichungen selbst, sondern auch mit deinem Werkverzeichnis. Ich möchte dich ermutigen, jetzt direkt eines anzulegen. 🙂

Hast du weitere Ideen für die Verwendung des Verzeichnisses? Dann hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.

Ziele im Blick behalten

 

Heute gibt es einen kleinen Bonus zum letzten Blog-Artikel. Darin ging es um unsere Ziele für das Jahr 2024. Ich habe dir eine kleine Checkliste an die Hand gegeben, mit deren du deine Ziele festlegen kannst. (Den Artikel und die verlinkte – längere – Podcast-Episode findest du hier.) Heute geht es darum, diese Ziele im Laufe des Jahres im Blick zu behalten. Wir wollen sie visualisieren.

Warum überhaupt?

„Reicht es nicht, die Ziele am Jahresanfang aufzuschreiben?“, fragst du dich vielleicht. Kannst du machen, und damit hast du schon mal einen wichtigen Step gemacht, den viele nicht machen: Du hast sie aufgeschrieben. Viele denken nur über ihre Vorsätze nach und beschließen sie. Das ist nicht sehr konkret, man hat nichts in der Hand, der Vorsatz gerät in Vergessenheit – und das war’s. Wenn du deine Ziele aufschreibst, werden sie gleich viel realer. Du musst sie dadurch in Worte fassen, dir genau überlegen, was du aufschreiben willst – und kommst dir unter Umständen auf die Schliche. „Ich möchte dieses Jahr eine 13-teilige Fantasy-Saga zu je 600 Seiten veröffentlichen“ erscheint gleich viel unrealistischer, als wenn die Idee bloß in deinem Kopf herumwabert, oder? 😉 Also:

Step 1: aufschreiben

Ob du deine Ziele nun in deinen Kalender, dein Tagebuch, auf einen Zettel fürs Portemonnaie oder wo auch immer aufschreibst – deine Sache. Formuliere sie nur möglichst konkret: Was genau möchtest du bis wann geschafft haben?

Wohin damit?

Ich kenne es selbst: Man schreibst seine Ziele irgendwo auf – und dann vergisst man sie im Laufe des Jahres. Vielleicht blättert man durch Zufall noch mal durch den Kalender etc., aber so richtig präsent sind sie nicht. Und am Ende des Jahres wundert man sich, warum man vielleicht viel geschafft hat, aber nicht das, was man sich zu Beginn des Jahres vorgenommen hat. Ging mir früher auch so.

Mein Trick: Ich schreibe meine Ziele nicht nur in meinen Kalender, sondern auch auf eine große Karteikarte, die ich an meine Pinnwand hänge. Hier habe ich sie nicht nur immer im Blick, sondern kann auch wegstreichen bzw. abhaken, wenn ich ein Ziel oder auch Teil-Ziel erreicht habe. So bleiben die Ziele nicht nur insgesamt präsent, sondern ich bekomme auch zwischendurch einen Motivationsschub, weil ich etwas erreicht habe und es von meiner Liste streichen konnte. Ja, ich bin ein Listen- und Abhak-Fan. 😉

Step 2: sichtbar machen

Finde für dich eine Möglichkeit, deine Ziele im Blick zu behalten. Es gibt ganz viele kreative Möglichkeiten, die du ausprobieren und für dich die richtige herausfinden kannst. Ein paar Beispiele, wie du deine Ziele in den Alltag integrieren kannst:

  • als Karteikarte wie bei mir
  • als Hintergrund auf Handy oder Desktop
  • als Teil eines Vision- oder Dreamboards, mit dem du deine Zukunftspläne und Träume visualisierst
  • als Reminder in deinem Kalender, der regelmäßig auf einem Kalenderblatt auftaucht
  • als Post-it an Kühlschrank oder Badezimmer-Spiegel
  • als schön gestaltete Karte, Aufsteller oder Leinwand – vor allem für Ästheten geeignet
  • als Wecker, der dich gelegentlich an ein bestimmtes Ziel erinnert

Check-up

Du kannst dir außerdem Termine in den Kalender schreiben, an denen du deine Ziele überprüfen möchtest. Manche machen so etwas vierteljährlich; ich schaue spätestens nach einem halben Jahr genau hin: Was hat bis jetzt funktioniert, was nicht? Bin ich noch auf Kurs? Hier erfährst du mehr zum Thema Halbjahres-Check.

Unser nächster Schritt lautet also:

Step 3: prüfen

Es kann auch helfen, andere über die eigenen Ziele zu informieren. Ihr könnt euch gegenseitig unterstützen und gelegentlich nachfragen: „Hey, wie sieht’s bei dir aus? Was machen deine Ziele? Brauchst du Unterstützung?“

Wenn du ganz mutig bist, kannst du es auch an die große Glocke hängen und auf Social Media posten. Fühle dich aber nicht schlecht, wenn du das nicht machen möchtest. Man muss damit nicht hausieren gehen. Stilles Kämmerlein ist völlig okay.

Fazit

Wie auch immer du mit deinen Zielen umgehst: Finde eine kreative und zu dir passende Möglichkeit, sie im Blick zu behalten. Was für mich passt, muss nicht für dich passen und umgekehrt. Ausprobieren hilft.

Hier noch mal die 3 Steps:

Step 1: aufschreiben

Step 2: sichtbar machen

Step 3: prüfen

Hast du weitere Tipps? Dann schreibe mir gerne eine E-Mail an kerstin@21ufos.de oder hinterlasse einen Kommentar.

Vom ersten Wort zum Lebenswerk

(enthält Werbung)

Wenn dieser Blog-Artikel online geht, befinde ich mich gerade als Mitausstellerin auf der BuchBerlin. Das ist ein richtig großer Schritt für mich – und das Resultat jahrelanger Arbeit an meinen Projekten und an 21ufos.de. Wo stehe ich gerade mit meinen Texten? Und welche Learnings kann ich daraus für dich ableiten? Darum geht es heute.

Daran arbeiten wir

Mit 21ufos.de begleite ich dich vom ersten Wort zum Lebenswerk. Ich arbeite an meinen Texten und unterstütze dich mit meinen unterschiedlichen Angeboten dabei, deine fertigzustellen und zu veröffentlichen. Indem ich immer wieder mit dir teile, wie es um meine eigenen Projekte bestellt ist – meine 21ufos -, motiviere ich dich, selbst am Ball zu bleiben und an deinem Lebenswerk zu arbeiten.

21ufos? Das sind meine 21 unfertigen Objekte. Den Begriff habe ich aus der Hobbyschneiderei entnommen, wo er für angefangene, aber nicht beendete Nähprojekte steht. Da ich früher selbst viel genäht und einige Projekte nicht beendet habe, fiel mir irgendwann auch in Bezug auf meine Texte auf, dass ich sie zwar nicht wie Stoffstücke staple, wohl aber in der Schublade sammle, in Ordnern und auf meiner Festplatte. Da lagen sie, als Idee, als Fragment, als Rohfassung. Unfertig und unveröffentlicht fristeten sie ein trauriges Dasein.

Dieses Dasein wollte ich beenden. Ich hätte alles in die Tonne kloppen können – habe ich aber nicht. Ich habe damals beschlossen, meine Geschichten zu veröffentlichen – egal, wie. Und das habe ich dann auch gemacht.

Der aktuelle Stand

Als es mir 2019 endlich gelang, wieder ins Veröffentlichen zu kommen, habe ich mir nicht vorstellen können, wie sich alles entwickeln würde: Mittlerweile habe ich sechs ufos „abgearbeitet“ – und bin weiterhin dabei, denn wie ich feststellen durfte, ist es mit einer einfachen Veröffentlichung für mich nicht getan. Tatsächlich habe ich anfangs gedacht, dass ich sie veröffentliche und dann – zack! – von der Liste streichen kann.

Doch so einfach ist es nicht: Zwei Titel erhielten eine professionelle Neuauflage; wo ein E-Book ist, will auch eine Print-Ausgabe her; Hörbuch-Ausgaben sind in Planung. Und bald ziehen drei meiner Titel zu einem anderen Distributor um, wodurch ich sie alle noch mal „anfassen“ darf. Sie beschäftigen mich also weiterhin.

Folgende ufos sind mittlerweile erschienen (Reihenfolge nach Erscheinungstermin, die Links führen zu Shops):

Ein neues ufo muss her

Mittlerweile bin ich also bei ufo#7 angelangt. Wie du oben siehst, bin ich weder auf ein Genre noch eine Erzählform festgelegt, und da ich Experimente liebe, habe ich mir als Nächstes wieder etwas Neues ausgesucht: ein Sachbuch. Hatte ich noch nicht, brennt mir schon länger unter den Nägeln, ist eine Challenge für mich. Wer könnte dazu Nein sagen? 😉

In den kommenden Monaten werde ich locker am Projekt arbeiten. Da ich erst einmal die Neuauflagen der anderen Titel durchziehen und Marketing für „Wimpel“ machen darf, peile ich eine Veröffentlichung im Frühjahr oder Sommer 2024 an. Da immer etwas dazwischenkommen kann, kann es aber auch später werden, also nagle mich bitte nicht drauf fest. 🙂

Was ich gelernt habe

Meine bislang 6 ufos sind nicht nur deshalb in die Veröffentlichung gegangen, weil ich sie geschrieben habe. Sie überhaupt zu schreiben, war der Knackpunkt – und dann den ganzen Veröffentlichungsprozess zu meistern, der nächste. Folgende Punkte möchte ich dir ans Herz legen, wenn du ins Schreiben und Veröffentlichen kommen möchtest:

  • Komme raus aus deiner privaten Bubble. Vernetze dich mit Autorenkolleg:innen, tausche dich aus. Suche dir Mitstreiter:innen, die dich im Guten wie im Schlechten begleiten. Für mich war dieser Schritt ein Gamechanger. Hier findest du einen Blog-Artikel zum Netzwerken.
  • Suche dir professionelle Unterstützung. Wie du meiner Vita entnehmen kannst, habe ich seit 2021 diverse Kurse belegt, und das war für mich ein weiterer Gamechanger. Die Inhalte haben mich auf einen neuen Level katapultiert, und plötzlich waren Dinge möglich, die ich jahrelang für mich ausgeschlossen hatte – wie zum Beispiel Fotos und Videos auf Insta zu posten. Heute schüttle ich sie aus dem Ärmel. Aber das war ein langer Weg! (Hier geht es zu einem Artikel über Social Media für Autor:innen.)
  • Es muss nicht direkt perfekt sein. Du siehst ja, dass meine Veröffentlichungen auch nach Jahren noch wachsen und gedeihen, sich verändern, in anderen Ausgaben erscheinen und so weiter. Warte nicht darauf, dass alles an deinem Text oder im Veröffentlichungsprozess zu hundert Prozent deinen Vorstellungen entspricht. Allein schon dein Budget wird dich begrenzen, egal, wie klein oder groß es sein mag. Fang trotzdem an!
  • Womit wir bei meinem Lieblingsthema wären: dem Experimentieren! Du kommst mit einer Geschichte nicht weiter? Hängst im Plotten, Schreiben oder Überarbeiten fest? Natürlich kannst du dir nun professionelle Unterstützung suchen. Außerdem kannst du prüfen, ob es an der Form liegt. Vielleicht ist dein Roman einfach kein Roman, sondern eine Kurzgeschichte oder Erzählung. Oder die Perspektive, die du gewählt hast, blockiert deinen Schreibflow. Oder dein Ensemble ist nicht vollständig oder unausgewogen. Schaue dir deine Geschichte noch einmal ganz genau an und prüfe diese Punkte. Probiere verschiedene Ansätze aus, schreibe mal ein Kapitel aus einer anderen Perspektive, entwirf mit dem Kern deiner Geschichte einen Plot für eine Erzählung statt eines Romans. Experimentiere! (Hier geht es zum Blog-Artikel über die Form von Geschichten.)
  • Natürlich ist es schön, das große Ganze im Blick zu behalten. Meine 21ufos sollen mein Lebenswerk werden, und jeder Baustein zählt. Aber letztlich sind es „nur“ Bausteine. Und jeder Text besteht aus weiteren Bausteinen. Lass dich von der schieren Größe deines Unterfangens nicht abschrecken. Gehe mutig und selbstbewusst an die Sache heran, denn diesen Text kannst nur du schreiben – niemand sonst. Setze deine Geschichte und dein Lebenswerk Stück für Stück, Baustein für Baustein zusammen. Irgendwann bist du fertig. Und kannst stolz auf dich sein.

Wie ich dich begleite

Welche Angebote habe ich, die dir im Schreib- und Veröffentlichungsprozess – beim Bau an deinem Lebenswerk – helfen können?

Wenn du Fragen oder Unterstützung brauchst, schreibe mir eine Nachricht an: kerstin@21ufos.de

Holl di munter

deine Kerstin

Auf Reisen schreiben

Ostern steht vor der Tür, und viele von euch werden die Ferien oder Feiertage nutzen, um unterwegs zu sein. Auch bei uns stehen ein paar Verwandtenversuche auf dem Programm. Früher hat mir das immer etwas Magenschmerzen verursacht, weil ich eine kreative Durststrecke befürchtete. Wenige Tage genügten mir schon, um mich aus meinem aktuellen Projekt hinaus zu katapultieren. Zum Glück habe ich Techniken entwickelt, die immer und überall dafür sorgen, dass ich am Ball bleibe. Vielleicht ist auch etwas für dich dabei?

Mein aktuelles Autorenfoto für Kinderbuchprojekte, aufgenommen im Emden-Urlaub von meinem Mann. 🙂

Schreiben müssen – egal wie

Wenn einer Autorin die Deadline im Nacken sitzt und dann eine Reise ansteht, ob geplant oder ungeplant, gewollt oder nicht, kann das schon mal zu einem erhöhten Puls führen. Der Text muss fertig werden, komme, was wolle. So habe ich es in meiner Heftroman-Zeit oft genug erlebt. Ich habe überall geschrieben: bei meinen Eltern am Schreibtisch, bei Schwiegereltern am Esstisch, im Gästezimmer, in einem Apartment auf Teneriffa, im Zug und sogar im Auto, als ich nach einem Unfall vor mir stundenlang im Stau stand. Hut ab, was man schaffen kann, wenn man muss!

Nur nicht lockerlassen

Aber auch bei literarischen Projekten, die keine Deadline haben oder wo du sie selbst nach Belieben setzt, kann es sinnvoll sein, während der Reise nicht zu pausieren. Dann fällt der Wiedereinstieg nach der Unterbrechung nicht so schwer, und vielleicht macht es sogar Spaß oder ist besonders inspirierend, in einer anderen Umgebung zu schreiben. Auch hier sind bei mir wieder einige ungewöhnliche Schreib-Orte zusammengekommen: im Zelt, im Hotelzimmer in den Alpen, auf einer Wiese, im Wald auf Wandertouren… (Hier war tatsächlich ein wasserfester Block sinnvoll, den mein Mann mir einmal geschenkt hat. 😉 )

Ansonsten versuche ich bei längeren, stationären Aufenthalten immer, ein Notebook mitzunehmen, sofern ich gerade in der Textarbeit bin. Mit dabei sind neben dem Notebook dann ein Stick mit den aktuell benötigten Unterlagen, meine Karteikarten mit dem Szenenumbruch, Stifte und ein Notizbuch natürlich. Ansonsten kann man unterwegs auch überarbeiten, indem man die ausgedruckten Seiten mitnimmt und schon mal durchkorrigiert.

Viele Nicht-Schreib-Möglichkeiten

Es muss aber nicht unbedingt direkte Textarbeit sein, um mit deinem Projekt verbunden zu bleiben. Wenn man mit dem Rucksack unterwegs ist, kann man natürlich auch nicht so viel mitschleppen und muss ökonomisch an die Sache herangehen.

Schreibst du über die Region, die du bereist? Dann kannst du die Zeit auch zur Recherche für ein zukünftiges Projekt nutzen oder ein Reisetagebuch führen, in dem du alles Interessante zu Land und Leuten, Sehenswürdigkeiten, Museen und so weiter einträgst, das du später einmal gebrauchen kannst. Deine Geschichte wird viel Lokalkolorit brauchen, und so schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe. (Im Onlinekurs, den ich ab Ende Mai gemeinsam mit Sandra Andrés von Autorenträume anbiete, wird es neben vielem anderen auch um dieses Thema gehen. Ich freu mich schon sehr darauf und halte dich auf dem Laufenden.)

Die Zeit in Ostfriesland nutze ich beispielsweise immer, um meinen Instagram-Followern meine Heimatregion näher zu bringen und auch viele Fotos für die Zeit zwischen meinen Aufenthalten zu machen – dann habe ich nämlich immer was zu posten. Funfact: Meine Follower lieben Bilder und Videos vom Deich. 😉

In diesem Artikel habe ich dir erklärt, wie eine Handlungsorte-Tour funktioniert.

Und hier geht es zu meinem Instagram-Kanal.

Marketing geht immer

Reisen kannst du auch immer wunderbar für’s Marketing nutzen – wenn du dich etwas vorbereitest! Besuche beispielsweise die örtlichen Buchhandlungen, stelle dich vor und lasse ihnen zumindest Informationsmaterial zu deinem Buch oder deinen Büchern da, falls du schon veröffentlicht hast. Du wirst dein Buch nicht überall mit hinschleppen können, aber ein sogenannter Waschzettel, der alle wichtigen Informationen enthält, Postkarten und Lesezeichen zum Buch oder auch eine Leseprobe passen in jede Handtasche. Ich habe immer etwas dabei, denn so bin ich vorbereitet, wenn ich auf Interesse stoße. Es dauert vielleicht eine Weile, bis du diesen Marketing-Trick verinnerlicht hast, aber es lohnt sich! Anfangs hatte ich auch wirklich Bammel, bevor ich eine Buchhandlung betrat, um mich vorzustellen, aber das hat sich schnell gelegt. Und gerade vor ein paar Tagen konnte ich einer Gruppe Frauen, die Interesse an meiner Autorentätigkeit zeigten, nicht nur von meinen Büchern erzählen, sondern ihnen auch Postkarten und Lesezeichen in die Hände drücken. Das kam überraschend und ungeplant. Ein tolles Gefühl!

Knips, Knips, Knips

Und nun noch ein letzter Tipp, den du allerdings nur umsetzen kannst, wenn du in Begleitung reist: Lass ein paar schöne Fotos von dir machen! Ich bin zum Glück mit einem Mann gesegnet, der gut fotografieren kann, und meine Autorenfotos gefallen mir sehr gut. Professionelle Autorenfotos kannst du natürlich auch durch einen Fotografen vor Ort umsetzen lassen, den du vorab buchst. Fotos von dir im Freien, vielleicht sogar an einem außergewöhnlichen Ort, sind nämlich etwas Wunderbares. 

Fazit

Ein Urlaub, eine Reise, auch aus beruflichen Gründen, muss dich nicht unbedingt aus dem Schreiben kicken. Es gibt viele Möglichkeiten, dich zu connecten und kreativ zu bleiben. Hast du weitere Tipps oder Fragen? Dann schreib mir gerne an kerstin[@]21ufos.de.

Hab eine schöne Osterzeit, ob auf Reisen oder daheim!

Holl di munter

deine Kerstin

Theorie? Geht auch spannend

Von Schreibtheorien sind viele Autor:innen gelangweilt oder sogar genervt. Ein Teil will sich lieber direkt in den Text stürzen, ganz nach Gefühl schreiben und sich nicht durch Vorgaben maßregeln lassen; ein anderer Teil erinnert sich noch dunkel an die sich hinziehenden Schulstunden, in denen es um Erzählperspektive und so weiter ging, und hat keine Lust, sich damit den Autor:innenalltag zu verhageln. Einem weiteren Teil sind die Theorien egal oder die Autor:in hat sogar Angst vor all den Theorien, weil sie unverständlich sind oder als „must have“ verkauft werden, ohne die kein Text gelingen kann. Und dann gibt es noch den Teil, der sich gerne mit den theoretischen Grundlagen des Schreibhandwerks beschäftigt. (Du wirst dir vorstellen können, dass ich zu letzterer Gruppe gehöre. 😉 ) Für sie alle ist dieser Blog-Artikel, der sich damit beschäftigt, wie wir auf spannende Art und Weise Neues für unser Schreiben lernen können. Ganz ohne Langeweile und Zwang.

Von Menschen lernen

Als Schriftstellerin habe ich mich seit jeher viel mit Schreibtheorie beschäftigt – einfach, weil es mir Spaß macht und ich es als unerlässlich empfinde, um immer besser zu werden, bessere Texte zu schreiben. Mit 14 Jahren habe ich in der Jugendredaktion einer Tageszeitung angefangen, mit 19 nach dem Abi an einer anderen Tageszeitung volontiert, also eine journalistische Ausbildung absolviert. Während dieser zwei Jahre habe ich auch viele Fortbildungen neben dem normalen Zeitungsgeschäft absolvieren dürfen, unter anderem einen vierwöchigen Aufenthalt an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Hier lernte ich vor allem von Menschen, Vortragenden, Lehrenden im direkten Kontakt. Vieles von dem, das ich in dieser Zeit bezogen auf den Journalismus gelernt habe, kommt mir auch heute noch zugute.

Auch während des Studiums in Bonn durfte und musste ich mich immer wieder mit dem Schreiben beschäftigen, dieses Mal mit dem wissenschaftlichen Schreiben. Auch hier lernte ich in Tutorien und durch die Korrekturen meiner Dozenten in meinen Hausarbeiten, worauf es ankommt. Nach dem Abschluss fing ich bald an, Heftromane für einen Verlag zu schreiben, und bekam hier durch die zuständige Lektorin erstmals Feedback zu meinen literarischen Texten. Auch heute noch sauge ich die Informationen, die mir Lektoren und Korrektoren geben, wie ein Schwamm auf, denn wer könnte einen noch genaueren, fachlich fundierten, wohlwollenden und doch auch kritischen Blick auf meine Texte werfen?

Mein erster Tipp ist daher: Wenn du die Gelegenheit hast, lerne von Menschen! Sei es nun im Kontakt mit einem Verlag oder einer Agentur, einer freiberuflichen Lektorin, einem Coaching oder auch in einem Kurs, on- wie offline. Ich habe früher ein paar VHS-Kurse für Kreatives Schreiben gegeben und weiß, wie wohltuend es für viele Autor:innen ist, vielleicht erstmals in einer Gruppe am eigenen Text zu arbeiten. Nach meiner langen Durststrecke, in der ich jahrelang alleine an meinen Texten gearbeitet hatte, war es für mich Anfang 2021 der Gamechanger, wieder mit anderen zusammenzuarbeiten und Kurse zu besuchen.

Derzeit arbeite ich mit meiner lieben lieben Kollegin und Herzgespinste-Schwester Sandra Andrés von der Agentur Autorenträume selbst an einem Online-Kurs für Autor:innen und halte dich hier und auf Instagram auf dem Laufenden. Ende Mai geht es los, und ich freue mich, wenn du dabei bist! 🙂

Ratgeber lesen

Wie habe ich mich selbst mit den Grundlagen literarischen Schreibens und Veröffentlichens vertraut gemacht? Ich habe viele Ratgeber gelesen! Es waren sehr gute darunter und auch weniger gute, doch immer konnte ich etwas für meine Arbeit mitnehmen. Hier habe ich ein paar der Ratgeber vorgestellt.

Auch heute noch ist es mir sehr wichtig, mich mit Theorien zu beschäftigen und mein eigenes Wissen weiterzugeben, vor allem durch mein Projekt 21ufos.de mit diesem Blog und meinem zugehörigen Podcast. Einen Ratgeber zum Kreativen Schreiben zu verfassen – das steht ganz fest auf meiner ToDo. Bis dahin möchte ich dich an Sandra verweisen, die einen solchen Ratgeber bereits verfasst hat.

Von den Großen lernen

Wir haben wohl alle unsere Lieblingsautor:innen, die wir bewundern, denen wir vielleicht auch nacheifern, denn letztlich sind auch die Großen der literarischen Welt für uns vor allem eines: Kolleginnen und Kollegen! Natürlich können wir durch ihre Werke selbst lernen, sie analysieren und so herausfinden, was funktioniert und warum. Alle meine Lieblingsautoren haben aber zum Glück auch über das Schreiben gesprochen und geschrieben beziehungsweise tun es auch heute noch. Ich recherchiere teils gezielt, manches begegnet mir aber auch durch Zufall. Finde doch einmal heraus, ob auch „deine“ Autor:innen etwas abseits des Weges hinterlassen haben. 

  • Von Paul Auster gibt es Bücher, in denen er seinen Schreiballtag und seinen Weg als Schriftsteller beleuchtet. Keine Ratgeber im eigentlichen Sinne, aber Bücher mit hohem Lerneffekt – und Suchtpotential: Ich habe sie verschlungen. 😉
  • Im Netz finden sich immer wieder Interviews mit bekannten Autor:innen, die sich nicht immer „nur“ mit ihren Geschichten beschäftigen, sondern auch mit dem Dahinter. Eine Recherche hierzu lohnt sich. Ich erinnere mich an sehr spannende Interviews mit der Nobelpreis-Trägerin Alice Munroe, die ich für ihre grandiosen Erzählungen liebe.
  • Einer meiner liebsten Autoren ist Kazuo Ishiguro, der ebenfalls den Nobelpreis erhalten hat. Seine Rede anlässlich der Verleihung ist als kleines Taschenbuch erhältlich, und als Fan und Lernende steht es auch in meinem Regal.
  • Ishiguro durfte ich auch einmal live bei einer Lesung erleben, wenn auch unter Corona-Bedingungen nur online. Solche Gelegenheiten würde ich immer ergreifen, wenn sie sich bieten!
  • Ein weiterer meiner Lieblingsautoren ist Haruki Murakami. Auch er schreibt über das Schreiben, so in seinem Kurzgeschichten-Band „Erste Person Singular“ aus dem vergangenen Jahr. Durch Zufall stieß ich einmal auf einen spannenden, großformatigen Zeitungsartikel, der nun ebenfalls in meinem Regal steht. Hier diente die japanische Metropole Tokio als Hintergrund für eine Beschäftigung mit dem Schriftsteller und hat mir viele spannende Informationen geliefert. Solche Artikel sind oft auch online erhältlich.
  • Klassische Biografien sind natürlich eine gute Möglichkeit, um aus dem Leben auf das Werk und die Arbeitsweise zu schließen. Von Jane Austen gibt es gleich mehrere in meinem Regal, zu denen ich immer wieder mal greife. Leider wurden viele Briefe der Autorin von ihren Nachfahren zerstört, doch einiges ist erhalten geblieben, und darin geht sie auch immer wieder auf ihr Schreiben und ihre Ansichten dazu ein. Eine wahre Goldgrube für einen Jane-Austen-Fan wie mich! (Kennst du schon unsere Herzgespinste-Folge zu Jane Austen?)

Dies war eine kleine Auswahl dessen, was ich rund ums Thema Schreibtheorie lese, höre, sehe und selbst verfasse. Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir gerne an kerstin[@]21ufos.de

Holl di munter

deine Kerstin