Vor mir hängt eine große Pinnwand. Ich schaue auf meine Jahresziele, motivierende Sprüche, Checklisten für Podcast und Blog – und mein ausgedrucktes Werkverzeichnis. Da wir hier an unserem jeweiligen Lebenswerk arbeiten, schauen wir uns das Thema Werkverzeichnis heute einmal genauer an.
Ein Werkverzeichnis – was ist das eigentlich?
In ein Werkverzeichnis wird das Gesamtwerk einer Autorin, eines Autors aufgenommen.
Ein Verzeichnis kann noch zu Lebzeiten angelegt werden oder nach dem Tod.
So ein Verzeichnis ist nicht statisch, da weitere Veröffentlichungen oder neue Erkenntnisse eingepflegt werden.
Ein Werkverzeichnis kann Teil eines Exposés bei einer Verlagsbewerbung sein.
Ist so ein Verzeichnis nicht nur etwas für etablierte Autor:innen?
Ganz klare Antwort: Nein! Vom ersten Text, den du veröffentlichst, vom ersten Blog-Artikel, der ersten Kurzgeschichte an, kannst du solch ein Verzeichnis anlegen. Ich empfehle es sogar, denn es zeigt, dass du dich und deine Arbeit ernst nimmst. Du möchtest ein Lebenswerk aufbauen und die Seite(n) im Laufe der Jahre mit deinen Veröffentlichungen füllen. Und du fängst mit der ersten Veröffentlichung an. Wort für Wort zum Lebenswerk!
#funfact: Die ersten Veröffentlichungen in meinem Werkverzeichnis stammen aus meiner Teenagerzeit, in der ich in der Jugendredaktion einer Tageszeitung aktiv war.
Merke: Deine Anfänge sind wertvolle Erinnerungen und wichtige Stationen auf deinem Weg als Schriftsteller:in. Sie dokumentieren diesen Weg. Schreibe auch die Anfänge auf! (Ob du auch fertige, aber unveröffentlichte Texte aufnehmen möchtest, liegt ganz bei dir.)
Wie baut man ein Werkverzeichnis auf?
Zunächst einmal kommt es darauf an, dass das Verzeichnis dein Werk vollständig erfasst.
Mein eigenes Werkverzeichnis, das mittlerweile vier Seiten lang ist, habe ich mit meinen frühen Veröffentlichungen im Journalismus begonnen, gefolgt von einer ersten literarischen Veröffentlichung, einer Kurzgeschichte in einer Anthologie. Dann folgen mehrere Dutzend Heftromane im Verlag unter Pseudonym. Dann folgen meine neueren Veröffentlichungen, getrennt nach Pseudonym, jeweils chronologisch mit der neuesten Veröffentlichung ganz oben.
Ich nehme außerdem neue Auflagen und die unterschiedlichen Erscheinungstermine von E-Book, Softcover und Hardcover auf, so dass ich immer nachhalten kann, wann was erschienen ist. (Damit erleichtere ich außerdem dem Forscher die Arbeit, der sich in 200 Jahren mit meinem Gesamtwerk beschäftigt, hihi! 😉 )
Muss ich das Verzeichnis pflegen?
Ja! Du solltest immer dann aktualisieren, wenn eine Veröffentlichung, eine Neuauflage oder Ausgabe in einem anderen Format hinzukommt. Ich vermerke außerdem ganz oben das Aktualisierungsdatum. (Und wo ich das gerade schreibe und auf mein Werkverzeichnis schaue, fällt mir auf, dass ich die Softcover-Ausgabe von „Wimpel und die rote Koralle“ noch gar nicht aufgenommen habe. #shameonme Das werde ich gleich in Angriff nehmen!)
Wann und wo kann ich das Verzeichnis verwenden?
Du kannst das Verzeichnis erst einmal für dich selbst anlegen: Du brauchst selbst einen Überblick über deine Veröffentlichungen und siehst, was du wann getan hast.
Es zeugt von der Ernsthaftigkeit deines Unterfangens. Lege es griffbereit hin, ob nun als Ausdruck oder auf dem Desktop oder hänge es wie ich an die Pinnwand. So hast du es im Blick und es kann dich motivieren, am Ball zu bleiben.
Du kannst das Werkverzeichnis auf deiner Homepage zugänglich machen, um über deine Fortschritte zu informieren.
Du kannst dein Verzeichnis dem Exposé beifügen, wenn du dich bei einem Verlag bewirbst (ggf. als Auswahl). So ist gleich zu sehen, was du bereits auf die Beine gestellt hast.
Im Zuge des Marketings kannst du das Verzeichnis einem Pressepaket beifügen.
Du siehst: So ein Werkverzeichnis ist nicht nur etwas für arrivierte Autor:innen. Vielleicht interessiert sich posthum jemand für unsere Texte, vielleicht nicht. Aber dass du ernsthaft und fleißig an deinem Lebenswerk gearbeitet hast, dokumentierst du nicht nur mit den Veröffentlichungen selbst, sondern auch mit deinem Werkverzeichnis. Ich möchte dich ermutigen, jetzt direkt eines anzulegen. 🙂
Hast du weitere Ideen für die Verwendung des Verzeichnisses? Dann hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail.
Heute gibt es einen kleinen Bonus zum letzten Blog-Artikel. Darin ging es um unsere Ziele für das Jahr 2024. Ich habe dir eine kleine Checkliste an die Hand gegeben, mit deren du deine Ziele festlegen kannst. (Den Artikel und die verlinkte – längere – Podcast-Episode findest du hier.) Heute geht es darum, diese Ziele im Laufe des Jahres im Blick zu behalten. Wir wollen sie visualisieren.
Warum überhaupt?
„Reicht es nicht, die Ziele am Jahresanfang aufzuschreiben?“, fragst du dich vielleicht. Kannst du machen, und damit hast du schon mal einen wichtigen Step gemacht, den viele nicht machen: Du hast sie aufgeschrieben. Viele denken nur über ihre Vorsätze nach und beschließen sie. Das ist nicht sehr konkret, man hat nichts in der Hand, der Vorsatz gerät in Vergessenheit – und das war’s. Wenn du deine Ziele aufschreibst, werden sie gleich viel realer. Du musst sie dadurch in Worte fassen, dir genau überlegen, was du aufschreiben willst – und kommst dir unter Umständen auf die Schliche. „Ich möchte dieses Jahr eine 13-teilige Fantasy-Saga zu je 600 Seiten veröffentlichen“ erscheint gleich viel unrealistischer, als wenn die Idee bloß in deinem Kopf herumwabert, oder? 😉 Also:
Step 1: aufschreiben
Ob du deine Ziele nun in deinen Kalender, dein Tagebuch, auf einen Zettel fürs Portemonnaie oder wo auch immer aufschreibst – deine Sache. Formuliere sie nur möglichst konkret: Was genau möchtest du bis wann geschafft haben?
Wohin damit?
Ich kenne es selbst: Man schreibst seine Ziele irgendwo auf – und dann vergisst man sie im Laufe des Jahres. Vielleicht blättert man durch Zufall noch mal durch den Kalender etc., aber so richtig präsent sind sie nicht. Und am Ende des Jahres wundert man sich, warum man vielleicht viel geschafft hat, aber nicht das, was man sich zu Beginn des Jahres vorgenommen hat. Ging mir früher auch so.
Mein Trick: Ich schreibe meine Ziele nicht nur in meinen Kalender, sondern auch auf eine große Karteikarte, die ich an meine Pinnwand hänge. Hier habe ich sie nicht nur immer im Blick, sondern kann auch wegstreichen bzw. abhaken, wenn ich ein Ziel oder auch Teil-Ziel erreicht habe. So bleiben die Ziele nicht nur insgesamt präsent, sondern ich bekomme auch zwischendurch einen Motivationsschub, weil ich etwas erreicht habe und es von meiner Liste streichen konnte. Ja, ich bin ein Listen- und Abhak-Fan. 😉
Step 2: sichtbar machen
Finde für dich eine Möglichkeit, deine Ziele im Blick zu behalten. Es gibt ganz viele kreative Möglichkeiten, die du ausprobieren und für dich die richtige herausfinden kannst. Ein paar Beispiele, wie du deine Ziele in den Alltag integrieren kannst:
als Karteikarte wie bei mir
als Hintergrund auf Handy oder Desktop
als Teil eines Vision- oder Dreamboards, mit dem du deine Zukunftspläne und Träume visualisierst
als Reminder in deinem Kalender, der regelmäßig auf einem Kalenderblatt auftaucht
als Post-it an Kühlschrank oder Badezimmer-Spiegel
als schön gestaltete Karte, Aufsteller oder Leinwand – vor allem für Ästheten geeignet
als Wecker, der dich gelegentlich an ein bestimmtes Ziel erinnert
Check-up
Du kannst dir außerdem Termine in den Kalender schreiben, an denen du deine Ziele überprüfen möchtest. Manche machen so etwas vierteljährlich; ich schaue spätestens nach einem halben Jahr genau hin: Was hat bis jetzt funktioniert, was nicht? Bin ich noch auf Kurs? Hier erfährst du mehr zum Thema Halbjahres-Check.
Unser nächster Schritt lautet also:
Step 3: prüfen
Es kann auch helfen, andere über die eigenen Ziele zu informieren. Ihr könnt euch gegenseitig unterstützen und gelegentlich nachfragen: „Hey, wie sieht’s bei dir aus? Was machen deine Ziele? Brauchst du Unterstützung?“
Wenn du ganz mutig bist, kannst du es auch an die große Glocke hängen und auf Social Media posten. Fühle dich aber nicht schlecht, wenn du das nicht machen möchtest. Man muss damit nicht hausieren gehen. Stilles Kämmerlein ist völlig okay.
Fazit
Wie auch immer du mit deinen Zielen umgehst: Finde eine kreative und zu dir passende Möglichkeit, sie im Blick zu behalten. Was für mich passt, muss nicht für dich passen und umgekehrt. Ausprobieren hilft.
Hier noch mal die 3 Steps:
Step 1: aufschreiben
Step 2: sichtbar machen
Step 3: prüfen
Hast du weitere Tipps? Dann schreibe mir gerne eine E-Mail an kerstin@21ufos.de oder hinterlasse einen Kommentar.
Zum Jahresende gibt es von mir eine Podcast-Episode mit einem Rückblick – und Fragen an dich! Hier gibt es sie noch mal als Liste zum Nachlesen und Abhaken. (Erwähnte ich, dass ich Listen liebe? 😉 )
Wie war dein Jahr?
Hattest du Ziele?
Hast du sie erreicht?
Was hat nicht funktioniert?
Woran könnte es gelegen haben?
Was hat sich überraschenderweise ergeben?
Was ist besonders gut gelaufen?
Was hat dir besonders viel Spaß gemacht?
Was gar keinen?
Deine Planung des Jahres 2024
Folgende Aspekte kannst du berücksichtigen:
Welche sind deine langfristigen Ziele? Fixiere sie schriftlich.
Habe Mut, etwas aufzugeben, das nicht mehr zu dir oder deiner Strategieplanung passt.
Kannst du deine langfristigen Ziele mit den Methoden dieses Jahres erreichen? Sonst ändere sie für das kommende.
Lege Ziele für das kommende Jahr fest.
Habe dabei Mut zum Experiment. Begib dich auch mal raus aus deiner Komfortzone. Probiere etwas aus.
Schreibe mir an kerstin@21ufos.de eine E-Mail, wenn du Fragen hast.
Wenn dieser Blog-Artikel online geht, befinde ich mich gerade als Mitausstellerin auf der BuchBerlin. Das ist ein richtig großer Schritt für mich – und das Resultat jahrelanger Arbeit an meinen Projekten und an 21ufos.de. Wo stehe ich gerade mit meinen Texten? Und welche Learnings kann ich daraus für dich ableiten? Darum geht es heute.
Daran arbeiten wir
Mit 21ufos.de begleite ich dich vom ersten Wort zum Lebenswerk. Ich arbeite an meinen Texten und unterstütze dich mit meinen unterschiedlichen Angeboten dabei, deine fertigzustellen und zu veröffentlichen. Indem ich immer wieder mit dir teile, wie es um meine eigenen Projekte bestellt ist – meine 21ufos -, motiviere ich dich, selbst am Ball zu bleiben und an deinem Lebenswerk zu arbeiten.
21ufos? Das sind meine 21 unfertigen Objekte. Den Begriff habe ich aus der Hobbyschneiderei entnommen, wo er für angefangene, aber nicht beendete Nähprojekte steht. Da ich früher selbst viel genäht und einige Projekte nicht beendet habe, fiel mir irgendwann auch in Bezug auf meine Texte auf, dass ich sie zwar nicht wie Stoffstücke staple, wohl aber in der Schublade sammle, in Ordnern und auf meiner Festplatte. Da lagen sie, als Idee, als Fragment, als Rohfassung. Unfertig und unveröffentlicht fristeten sie ein trauriges Dasein.
Dieses Dasein wollte ich beenden. Ich hätte alles in die Tonne kloppen können – habe ich aber nicht. Ich habe damals beschlossen, meine Geschichten zu veröffentlichen – egal, wie. Und das habe ich dann auch gemacht.
Der aktuelle Stand
Als es mir 2019 endlich gelang, wieder ins Veröffentlichen zu kommen, habe ich mir nicht vorstellen können, wie sich alles entwickeln würde: Mittlerweile habe ich sechs ufos „abgearbeitet“ – und bin weiterhin dabei, denn wie ich feststellen durfte, ist es mit einer einfachen Veröffentlichung für mich nicht getan. Tatsächlich habe ich anfangs gedacht, dass ich sie veröffentliche und dann – zack! – von der Liste streichen kann.
Doch so einfach ist es nicht: Zwei Titel erhielten eine professionelle Neuauflage; wo ein E-Book ist, will auch eine Print-Ausgabe her; Hörbuch-Ausgaben sind in Planung. Und bald ziehen drei meiner Titel zu einem anderen Distributor um, wodurch ich sie alle noch mal „anfassen“ darf. Sie beschäftigen mich also weiterhin.
Folgende ufos sind mittlerweile erschienen (Reihenfolge nach Erscheinungstermin, die Links führen zu Shops):
ufo#5: Der Koffer im Leuchtturm, zweiteilige Erzählung – aktuell nicht erhältlich, da sie bald als Komplettausgabe erscheinen wird.
ufo#6: Wimpel und die rote Koralle, ein Kinderbuch für 5- bis 8-Jährige – ganz aktuell als Hardcover-Ausgabe, juchhu!
Ein neues ufo muss her
Mittlerweile bin ich also bei ufo#7 angelangt. Wie du oben siehst, bin ich weder auf ein Genre noch eine Erzählform festgelegt, und da ich Experimente liebe, habe ich mir als Nächstes wieder etwas Neues ausgesucht: ein Sachbuch. Hatte ich noch nicht, brennt mir schon länger unter den Nägeln, ist eine Challenge für mich. Wer könnte dazu Nein sagen? 😉
In den kommenden Monaten werde ich locker am Projekt arbeiten. Da ich erst einmal die Neuauflagen der anderen Titel durchziehen und Marketing für „Wimpel“ machen darf, peile ich eine Veröffentlichung im Frühjahr oder Sommer 2024 an. Da immer etwas dazwischenkommen kann, kann es aber auch später werden, also nagle mich bitte nicht drauf fest. 🙂
Was ich gelernt habe
Meine bislang 6 ufos sind nicht nur deshalb in die Veröffentlichung gegangen, weil ich sie geschrieben habe. Sie überhaupt zu schreiben, war der Knackpunkt – und dann den ganzen Veröffentlichungsprozess zu meistern, der nächste. Folgende Punkte möchte ich dir ans Herz legen, wenn du ins Schreiben und Veröffentlichen kommen möchtest:
Komme raus aus deiner privaten Bubble. Vernetze dich mit Autorenkolleg:innen, tausche dich aus. Suche dir Mitstreiter:innen, die dich im Guten wie im Schlechten begleiten. Für mich war dieser Schritt ein Gamechanger. Hier findest du einen Blog-Artikel zum Netzwerken.
Suche dir professionelle Unterstützung. Wie du meiner Vita entnehmen kannst, habe ich seit 2021 diverse Kurse belegt, und das war für mich ein weiterer Gamechanger. Die Inhalte haben mich auf einen neuen Level katapultiert, und plötzlich waren Dinge möglich, die ich jahrelang für mich ausgeschlossen hatte – wie zum Beispiel Fotos und Videos auf Insta zu posten. Heute schüttle ich sie aus dem Ärmel. Aber das war ein langer Weg! (Hier geht es zu einem Artikel über Social Media für Autor:innen.)
Es muss nicht direkt perfekt sein. Du siehst ja, dass meine Veröffentlichungen auch nach Jahren noch wachsen und gedeihen, sich verändern, in anderen Ausgaben erscheinen und so weiter. Warte nicht darauf, dass alles an deinem Text oder im Veröffentlichungsprozess zu hundert Prozent deinen Vorstellungen entspricht. Allein schon dein Budget wird dich begrenzen, egal, wie klein oder groß es sein mag. Fang trotzdem an!
Womit wir bei meinem Lieblingsthema wären: dem Experimentieren! Du kommst mit einer Geschichte nicht weiter? Hängst im Plotten, Schreiben oder Überarbeiten fest? Natürlich kannst du dir nun professionelle Unterstützung suchen. Außerdem kannst du prüfen, ob es an der Form liegt. Vielleicht ist dein Roman einfach kein Roman, sondern eine Kurzgeschichte oder Erzählung. Oder die Perspektive, die du gewählt hast, blockiert deinen Schreibflow. Oder dein Ensemble ist nicht vollständig oder unausgewogen. Schaue dir deine Geschichte noch einmal ganz genau an und prüfe diese Punkte. Probiere verschiedene Ansätze aus, schreibe mal ein Kapitel aus einer anderen Perspektive, entwirf mit dem Kern deiner Geschichte einen Plot für eine Erzählung statt eines Romans. Experimentiere! (Hier geht es zum Blog-Artikel über die Form von Geschichten.)
Natürlich ist es schön, das große Ganze im Blick zu behalten. Meine 21ufos sollen mein Lebenswerk werden, und jeder Baustein zählt. Aber letztlich sind es „nur“ Bausteine. Und jeder Text besteht aus weiteren Bausteinen. Lass dich von der schieren Größe deines Unterfangens nicht abschrecken. Gehe mutig und selbstbewusst an die Sache heran, denn diesen Text kannst nur du schreiben – niemand sonst. Setze deine Geschichte und dein Lebenswerk Stück für Stück, Baustein für Baustein zusammen. Irgendwann bist du fertig. Und kannst stolz auf dich sein.
Wie ich dich begleite
Welche Angebote habe ich, die dir im Schreib- und Veröffentlichungsprozess – beim Bau an deinem Lebenswerk – helfen können?
Heute möchte ich mich einem Thema widmen, bei dem du denken könntest: „Hach, da lehne ich mich zurück und lasse mich berieseln.“ Wer plaudert nicht gerne über Bücher? Und dann auch noch Klassiker! Aber wir wären hier nicht bei 21ufos.de, wenn ich daraus nicht etwas für dein Dasein als Autor:in ableiten wollen würde. 😉 Es wird heute nicht in Arbeit ausarten, aber vielleicht deinen Blick aufs Lesen von Klassikern verändern.
Warum Jane Austen?
In meinem Schreibtipp in dieser Woche ging es um das Thema Klassiker. Lustigerweise habe ich einen Stapel Bücher gefilmt, deren Autoren alle männlich waren. Reiner Zufall? Tatsächlich haben meine Recherchen ergeben, dass die Wahrnehmung von Frauen in der Weltliteratur tatsächlich erst seit einiger Zeit verstärkt in den Fokus gerät. Als ich mir einige von Frauen geschriebene Bücher in der Abteilung „Klassiker“ bei meinem bevorzugten Onlineshop bestellen wollte, musste ich ganz schön lange scrollen, bis ich auf solch ein Exemplar stieß, und dann waren in der Auflistung in der Summe doch deutlich mehr männliche Autoren als weibliche zu finden. Auch aus Gesprächen weiß ich, dass überwiegend männliche Autoren als Klassiker wahrgenommen werden.
Um das Gleichgewicht zumindest meinerseits wiederherzustellen, gibt es heute daher eine geballte Ladung Wissen zu – Jane Austen! Ich gehe mal davon aus, dass du ihr in irgendeiner Weise schon mal begegnet bist, sei es, dass du eines ihrer Bücher gelesen hast, eine Verfilmung – auch als moderne Adaption, zum Beispiel „Clueless“ – gesehen oder Zitate von ihr gelesen hast. Um Jane Austen kommt man kaum herum, wenn man sich mit Literatur beschäftigt, und das ist auch gut so. Immerhin ist sie meine Lieblingsautorin. 😉 Scherz beiseite: Jane Austen ist nicht nur nach wie vor aktuell und wird weiterhin gelesen, wir können auch als Autor:innen sehr viel von ihr lernen. Wie du ihre Bücher mit der „Autor:innenbrille“ lesen kannst – darum geht es jetzt!
1 – Zeitlose Themen
Jane Austen ist vor über zweihundert Jahren gestorben. Warum wird sie auch heute noch gelesen, und zwar nicht als Pflichtübung, „weil man sie mal gelesen haben sollte“, sondern aus Leidenschaft? Wenn du mit Kennern ihres Werks sprichst, wirst du unterschiedliche Antworten erhalten. Meiner Meinung nach ist einer der Gründe, dass sie zeitlose Themen gewählt hat. Und damit meine ich nicht bloß die Liebe, denn wenn es ohne Zweifel immer um Liebe und Beziehungen geht, so kommen auch andere Themen vor, die Menschen aller Generationen seit ihrem Wirken auf dieser Welt beschäftigen: Freundschaft, familiäre Bande, gesellschaftliche Ungleichheit, persönliche Freiheit in Lebensentscheidungen – all das findet sich in ihrem Werk. Sie hat sich getraut, die Welt um sich herum so zu beschreiben, wie sie war, und die war oft einfach: aufwühlend, kompliziert und manchmal ungerecht. Auch wenn wir heute Autos fahren und Smartphones benutzen, keine Gehröcke und Korsetts mehr tragen, fühlen wir uns abgeholt. Jane Austen versteht, was uns bewegt, weil es auch sie bewegt hat.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Nutze zeitlose Themen, die alle Menschen beschäftigen. Das heißt nicht, dass du alle erreichen sollst oder auch nur im Blick haben musst. Aber das sind die Themen, die jede:n von uns abholen, in denen wir uns wiederfinden. Sieh dir dein eigenes Manuskript an: Mit welchen „großen“, universellen Themen beschäftigst du dich? (Netter Nebeneffekt: Deine Erkenntnisse kannst du fürs Marketing nutzen. 😉 )
2 – Kleiner Umkreis
Damit wären wir bei einem Punkt, den ich gar nicht oft genug erwähnen kann: Jane Austen reiste in ihren Romanen und Romanfragmenten nicht um die Welt. Sie schrieb über das, was sie kannte: das Leben der englischen Gentry. Sie blieb vor der eigenen Haustür und betrachtete alles durch eine Lupe, durch die wir auch heute noch sehen dürfen und dadurch live vor Ort sind. Sie schafft es auch nach so langer Zeit, die Gegend, die Umstände, die Herrenhäuser und Pfarren, in denen ihre Protagonistinnen ein und aus gehen, für uns lebendig werden zu lassen. Besonders fällt es mir immer auf, wenn ich „Emma“ lese, das nahezu vollständig im kleinen Örtchen Highbury spielt. (Hier habe ich schon mal über „Emma“ geschrieben.) [Grawe, S. 117]
Solltest du dich in deinen Geschichten auf der ganzen Welt oder sogar außerhalb davon herumtreiben wollen und dich von dieser Konzentration auf eine Gegend nicht angesprochen fühlen, möchte ich dir dennoch ans Herz legen, dir einmal anzusehen, wie sauber Jane Austen ihr Setting gestaltet hat. Es ist bekannt, dass sie auch Zeitabläufe, Jahreszeiten und so weiter genau durchgeplant hat. Sie überließ nichts dem Zufall. Dadurch sind wir – auch heute noch – da, vor Ort, dabei.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Egal, wo auf diesem Planeten oder außerhalb davon du dich schriftstellerisch herumtreibst: Benutze die Lupe. Sieh genau hin. Schildere so, dass dein:e Leser:in live vor Ort ist – ob sie dein Buch nun übermorgen oder in 200 Jahren lesen wird. 😉
3 – Übersichtliches Personal
Bei manchen Romanen freue ich mich über die Dramatis personae, eine Übersicht der handelnden Personen, die der Geschichte vorangestellt ist. Und manchmal ist sie auch nötig. Man wird ja nicht jünger, und auf Seite 600 weiß ich leider manchmal nicht mehr, wie ein Mönch auf Seite 50 hieß, wenn ich für das Buch ein halbes Jahr brauche. (Was erklärt, warum ich privat kaum noch dicke Bücher lese. 😉 )
Jane Austen hat es übersichtlicher gehandhabt. Von ihr ist der Ausspruch überliefert, dass sie nicht mehr als „drei, vier Familien auf dem Lande“ brauche, um ihre Geschichten zu erzählen. Kunstvoll versah sie die einzelnen Familienmitglieder mit den unterschiedlichsten Charakterzügen, scheute auch unangenehme Facetten nicht, legte manches mal den Finger in die Wunde. Und sie spottete gern, war in ihrem eigenen Umfeld durchaus für ihre spitze Zunge bekannt. Sie entwickelte ihre Figuren sehr genau, was das Resultat hunderter und aberhunderter Beobachtungen ihres persönlichen Umfelds sein dürfte. Jane Austen hat es gerne auf die Spitze getrieben, Klischees aufgegriffen, um sie weiterzudrehen und ins Lächerliche zu treiben. Bewusst, nicht aus Versehen.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Du brauchst keine vierzig Figuren in deinem Buch. Du kannst sie natürlich auftreten lassen, aber egal, wie viele es am Ende werden: Nimm dir die Zeit, dreidimensionale Charaktere zu schaffen, die nicht an ihren Klischees ersticken.
4 – Überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten
Manche Autor:innen hassen sie, für andere gehört sie zu den schönsten Aspekten des Schreibprozesses: die Überarbeitung. Ich muss zugeben, dass ich es erst mit zunehmendem Lebensalter als nicht quälend empfunden habe, meine Texte wieder und wieder, Runde um Runde zu überarbeiten.
Doch Jane Austen hat es genauso gemacht, manchmal sogar viele Jahre nach Entstehung der ersten Fassung. Jane Austen wurde 1775 geboren, und im Jahr 1810 schrieb sie ihre frühen Manuskripte um. 1811 erschien dann „Sense and Sensibility“. [Maletzke, S. 314] Sie hat an ihren Texten gearbeitet, wieder und wieder, ihre Figuren geschärft, umgestellt, umgeschrieben – und das zu einer Zeit, in der man noch mit einer Feder schrieb und nicht mit meinem Textverarbeitungsprogramm, in dem sich einfach Blöcke verschieben lassen.
Ich habe mich davon motivieren lassen: 2019 erschien endlich „Der Sturm brachte ihren Retter“, erneut überarbeitet 2021 – geschrieben 2007. Auch mein Drehbuch „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“ hat solch einen Entwicklungsprozess hinter sich, und die Versionen von „Tasche mit Herz“ – in der Rohfassung entstanden 2017 – habe ich nicht gezählt. Allein die verschiedenen Versuche mit Perspektiven dürften ein Dutzend voll machen.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Scheue die Arbeit nicht! Ja, überarbeiten ist anstrengend. I know. Ich fühle mit dir mit. Aber es geht leider nicht ohne. Ich kann ohne Frage behaupten, dass ich über viel Schreiberfahrung verfüge, und manche Texte fließen ziemlich stilsicher in die Tastatur. Aber da ich immer wieder Experimente und mich regelmäßig aus meiner Komfortzone herauswage, um zu wachsen, muss auch ich ausprobieren, üben, testen, korrigieren und wieder von vorne anfangen. So wie Jane Austen. Dieses Wissen hilft, oder? 😉
5 – Niemals aufgeben
Natürlich geht es heute um ihre Bücher, um das Lesen ihres Werks. Wenn ich Klassiker lese, geht es aber zumindest mir so, dass ich das Leben des Autors oder der Autorin nicht ausblenden kann und möchte. Das hilft mir, das Werk in einen Kontext einzubetten. Mit Jane Austen beschäftige ich mich schon seit fast 30 Jahren. „Stolz und Vorurteil“ war das erste Buch, das kein reines Jugendbuch war, als ich es mit fünfzehn von meiner Mutter geschenkt bekommen habe. Ich las mich über die Jahre durch ihr Werk, auch fremdsprachige Fassungen zogen in mein Regal ein, außerdem jede Menge Bücher über Jane Austens Leben und Werk. Wenn ich eines aus der Beschäftigung mit ihr mitgenommen habe, dann ist es Folgendes: Gib niemals auf! Halte an deinen Zielen fest! Egal, wie stark der Wind von vorne weht – geh dagegen an! Suche dir Menschen, die fest an deiner Seite stehen, durch alle Qualen hindurch – im Fall von Jane Austen waren es ihre Mutter und ihre Schwester.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Die Pfarrerstochter aus Steventon hat hart für ihren Erfolg gearbeitet, viele Rückschläge erlitten, musste früh diese Welt verlassen, und ihr Nachruhm übersteigt ihren Ruhm zu Lebzeiten bei weitem. Aber sie hat eines niemals getan: aufgegeben. Sie hat sich durchgebissen, sich die Zeit im Alltag zusammengeklaubt und ein großartiges Lebenswerk geschaffen. Daran können wir uns als Autor:innen orientieren und sie mit ihrem Durchhaltewillen als Vorbild nehmen und uns inspirieren lassen können.
Fazit
Das war ein kleiner Rundumschlag. Zu Jane Austen, ihrem Werk und was wir daraus lernen können, gäbe es noch sehr viel zu sagen, aber dabei will ich es heute bewenden lassen. Du weißt, dass ich sowieso früher oder später darauf zurückkommen werde. 😉
Unten findest du noch ein paar Hinweise zu weiterführender Literatur, falls du tiefer ins Thema einsteigen möchtest.
Bei Fragen oder Anregungen schreib mir gerne an: kerstin@21ufos.de
Holl di munter
deine Kerstin
weiterführende Literatur (Auswahl):
William Austen-Leigh / Richard Austen-Leigh: Jane Austen. Die Biographie, Berlin 1998.
Christian Grawe: Jane Austens Romane. Ein literarischer Führer, Stuttgart 2015.
Elsemarie Maletzke: Jane Austen. Eine Biographie, Frankfurt am Main 1997.