Hilfe! Ich muss meinen Text zusammenfassen

Du musst ein Exposé verfassen, möchtest deinen Roman in der Buchhandlung vorstellen oder den Klappentext für den Buchumschlag erstellen? Dann hast du eine Aufgabe vor dir, die viele Autor:innen vor Probleme stellt. In meiner täglichen Arbeit als Lektorin erlebe ich dies immer wieder. Heute möchte ich dir ein paar praxiserprobte Tipps an die Hand geben, damit dir die Zusammenfassung deines Textes leichter von der Hand geht.

Ein Satz genügt: die Logline

Manchmal hast du nur einen Satz, in den du den Inhalt deines Textes packen kannst. Eine ganze Story in ein bis zwei Zeilen. Schwierig? Schwierig! Dieser eine Satz – im Bereich Film auch als Logline bekannt – enthält die Quintessenz, das Herz, die Botschaft deines Textes. Du findest ihn zum Beispiel auf der zum Film gehörigen Seite eines Films bei Streamingdiensten. Der Satz soll dir den Film schmackhaft machen. (Manchmal wird der Begriff „Logline“ mit „Pitch“ gleichgesetzt, der allerdings etwas umfangreicher ausfallen darf. Daher behandle ich ihn separat.)

Die Logline ist essentieller Bestandteil meines Schreibens. Wenn ich einen Stoff entwickle, schreibe ich die Logline zum Projekt auf eine Karteikarte und hänge sie an meine Pinnwand, damit ich sie stets im Blick habe. So kann ich zwischendurch immer prüfen, ob ich noch auf Kurs bin oder mich verlaufen habe. (Ich kann auch eine Geschichte aus einer Logline heraus entwickeln, aber das bietet genug Stoff für einen eigenen Artikel. 😉 )

Dabei geht es zunächst einmal darum, in Worte zu fassen, worum es in deiner Geschichte geht. Einfach? Gar nicht! Manchmal sind Autor:innen so tief im Text, dass sie tatsächlich nicht benennen können, was der Kern ihrer Geschichte ist. Was ist wichtig, was nicht? Welche Informationen müssen unbedingt hinein?

Hier ein paar Beispiele:

Der Herr der Ringe (J. R. R. Tolkien)

Der Hobbit Frodo muss gemeinsam mit seinen Gefährten ihre Welt Mittelerde vor dem bösen Herrscher Sauron retten.

Harry Potter (J. K. Rowlings)

Ein Zauberschüler und seine Freunde stellen sich ihren Ängsten und Lord Voldemort.

Feuer und Stein (Outlander, Diana Gabaldon)

Eine Frau landet in der Vergangenheit und muss sich zwischen der Liebe zu einem attraktiven Schotten und der Rückkehr in ihre Zeit entscheiden.

Wie würdest du diese Bücher in einem Satz zusammenfassen? Probiere es aus!

Hinweis: Der eine Satz darf nicht gebildet werden, indem man einfach mehrere Sätze mit Kommas verbindet. 😉 Versuche es so lange, bis du tatsächlich bei einem einzigen Satz landest. Und: Dieser Satz ist nicht in Stein gemeißelt. Probiere aus, welcher gut ankommt.

Tipp: Wenn du bei deinem eigenen Text alleine nicht weiterkommst, frage eine:n Testleser:in oder deine:n Lektor:in um Rat. Sie haben genug Distanz zum Text, um ohne emotionale Beteiligung urteilen zu können, kennen ihn aber gleichzeitig gut und können dich beraten. Im Gespräch mit jemandem, der den Text kennt, kann der Kern dann freigelegt werden.

Der Pitch weckt die Neugier

Der Pitch – manchmal mit Logline gleichgesetzt, was es nicht einfacher macht, i know – ist etwas länger und darf durchaus bis zu drei Sätze umfassen. Es handelt sich dabei um eine kurze Vorstellung des Projekts. Der sogenannte „Elevator Pitch“ ist dir vielleicht schon einmal begegnet: Stelle dir vor, du hast den Zeitraum einer Aufzugfahrt, um einer wichtigen Person dein Projekt vorzustellen. Es erschließt sich von selbst, dass hier die Kürze entscheidend ist, in der dennoch alles Relevante vermittelt werden muss. Frage dich: Was macht mein Buch aus? Welche Figuren müssen erwähnt werden? Brauche ich unbedingt die Namen? Was ist die Botschaft, das Thema?

Kurzinhalt – oder Kurzpitch?

Kürzlich las ich in einer Ausschreibung den Begriff „Kurzpitch“. Das halte ich für verwirrend, denn ein Pitch ist per se kurz. Die Länge wurde mit einer halben Seite angegeben – was ich wiederum für einen Pitch recht lang finde. Ich würde dies eher als „Kurzinhalt“ bezeichnen, eine kurze Inhaltsangabe, da dieser „Kurzpitch“ auch das Ende beinhalten sollte – was ein Pitch nicht zwangsläufig tut! Im Gegenteil wird beim Pitch oft das Interesse geweckt, indem das Ende gerade nicht genannt wird.

Beim Verfassen eines Kurzinhalts hast du schon etwas mehr Spielraum. Du kannst die Figuren mit Namen vorstellen, etwas zum Weltenbau mitteilen. Der Kurzinhalt ist maximal eine halbe Seite lang, gerne kürzer. Wichtig ist hierbei, dass das Ende enthalten ist. Dieses spielt für die Entscheidung, ob ein Projekt Interesse weckt und das ganze Manuskript angefordert wird, oft die entscheidende Rolle. Manchmal möchte der Verlag auch mitreden. Ist dir das Ende noch nicht bekannt, benenne die möglichen Optionen.

Tipp: Wenn du auf eine Ausschreibung reagierst, dein Text angefordert wird oder du ein Exposé einreichst, lies dir die Anforderungen genau durch. Du siehst, dass Menschen unter „Pitch“ ganz unterschiedliche Dinge verstehen können: von „ein Satz“ bis „halbe Seite“, mit Ende oder ohne usw.

Die klassische Inhaltsangabe

Eine komplette Inhaltsangabe fasst alle Aspekte deiner Geschichte und alle Handlungsstränge zusammen. Anfang, Mittelteil und Schluss können ausführlich besprochen und die wichtigen Figuren vorgestellt werden. Die Länge dieser Inhaltsangabe richtet sich nach dem dir zur Verfügung stehenden Platz – ein Exposé ist inklusive aller Bestandteile wie Nennung des Genres, des Umfangs etc. maximal drei Seiten lang! – und den Anforderungen, die zu erfüllen sind.

Tipp: Setze niemals allein auf eine Inhaltsangabe, sondern stelle einen Pitch oder Kurzinhalt voran, der schnell zu lesen ist und neugierig macht. Bei Bedarf kann die komplette Inhaltsangabe gelesen werden, aber so viel Zeit – und Lust – hat nicht jede:r.

Hinweis: Manchmal wird eine separate Aufstellung der Figuren angefordert. Bei meinen Verlagstiteln war hier sogar die Augen- und Haarfarbe relevant, da aufgrund dieser Informationen das Cover gestaltet wurde. Bei einer allgemeinen Bewerbung musst du nicht so ins Detail gehen. Konzentriere dich auf die relevanten Informationen.

Beim Klappentext wird’s tricky

Manchmal lese ich in Exposés die Bezeichnung „Klappentext“ für eine kurze Zusammenfassung der Geschichte. Hier liegt eine Verwechslung vor: Der Klappentext ist ein Verkaufstool und befindet sich hinten auf dem Buchumschlag. Er soll die Geschichte verkaufen. Das soll natürlich auch der Pitch, mit dem man die wahnsinnig erfolgreiche Verlegerin im Aufzug beglückt ;-), jedoch ist der Adressat ein anderer: Der Leser, die Leserin hat andere Bedürfnisse, soll durch den Klappentext zum Blick ins Buch animiert werden. Die Gestaltung eines Klappentexts fällt somit in den Bereich Marketing. Dabei gibt es natürlich Überschneidungen, denn die Geschichte beziehungsweise der Sachtext ist ja derselbe. Dennoch liegt hier der Teufel im Detail: Der Klappentext kann kurz oder lang sein, hat manchmal eine Logline als Überschrift – die in diesem Zusammenhang verwirrenderweise manchmal Untertitel genannt wird – oder eine aussagekräftige Abschlusszeile, enthält aber niemals das Ende.

Hier als Beispiel der Klappentext meines queeren Liebesromans „Tasche mit Herz“:

Wenn eine Liebe zu lange auf die Probe gestellt wird, genügt ein Funke – und alles brennt!

Janna liebt Stefan, kann aber nicht mehr mit ihm leben. Stefan hat den Kontakt zu seiner Familie verloren und sucht außerhalb sein Glück. Heike wünscht sich eine funktionierende Beziehung, kann aber weder Mann noch Frau lange halten.

Als Janna zu ihrer Mutter nach Ostfriesland flüchtet und Heike nach vielen Jahren wiedertrifft, löst diese Begegnung eine Folge von Ereignissen aus, die alle Beteiligten zwingt, sich der eigenen Wahrheit zu stellen.

Eine queere Lovestory über Neuanfänge und den unbedingten Glauben an sich selbst

Tipp: Durchwühle einmal dein Bücherregal und schaue dir die Klappentexte an: Erkennst du Parallelen? Was spricht dich besonders an? Welche Konventionen gibt es in bestimmten Genres? Wende deine Erkenntnisse auf deinen eigenen Klappentext an.

Hinweis: Als Verlagsautor:in hast du eventuell keinen Einfluss auf den Klappentext. Als Selfpublisher:in liegt die Erstellung bei dir, was dir aber auch die Möglichkeit gibt, über den Text zu entscheiden und gegebenenfalls einen anderen auszuprobieren.

Der Waschzettel kommt ohne Wasser aus

Vielleicht hast du schon einmal den Begriff Waschzettel gehört. Manchmal wird er synonym mit dem Begriff Klappentext verwendet, umfasst aber in der Regel mehr: Auf einem Blatt werden die wichtigsten Informationen zu einem Buch zusammengefasst. Rezensenten erhalten ihn beispielsweise gemeinsam mit dem Buch, er kann aber auch hilfreich im Kontakt mit Buchhandlungen sein. Auf diesem einfach oder doppelseitig bedruckten Blatt befinden sich das Cover oder eine Abbildung des Buches, der Titel, der Klappentext, das Format und der Umfang, die Bezugsinformationen, eventuell eine kurze Vita – mit oder ohne Foto – des Autors oder der Autorin, eine Textprobe und was dir sonst noch wichtig erscheint. Auch hier: Viel Platz hast du nicht. 🙂

Hinweis: Der Waschzettel wird in der 3. Person formuliert.

Fazit

Mache dir klar, aus welchem Anlass du die Geschichte zusammenfasst: Bei einer Verlagsbewerbung ist dein Exposé mit Zusammenfassung Grundlage für die weitere Bearbeitung, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit einem Coverdesigner. In einer Konferenz wird vielleicht auf Grundlage deines Exposés abgewogen, ob dein Projekt angekauft werden soll. Eine Jury fasst deinen Titel eventuell bei einer Ausschreibung in die engere Wahl. Verfasse daher eine Zusammenfassung, die genau auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Eine Einheitslösung gibt es leider nicht. Das macht es jedoch auch so spannend und kann für dich immer wieder einen Lernanreiz bieten, besser zu werden. Je öfter du deinen Text zusammenfasst, desto leichter wird es dir fallen.

Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an: kerstin@21ufos.de.

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Was wir von Paul Auster lernen können

Am 30. April 2024 ist der amerikanische Schriftsteller Paul Auster im Alter von 77 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Auch hier in Europa ist er sehr bekannt. Er gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren, weshalb mich sein Tod sehr traurig macht.

Aber du kennst mich und weißt, dass ich aus allem, was einem im Leben passiert, auch Hoffnung schöpfen kann. Was ich dir und mir mitgeben möchte, ist das, was Paul Auster uns hinterlassen hat. Ich möchte mir sein Leben und Werk anschauen und was wir als Autor:innen daraus für unsere Arbeit, unser Leben lernen können.

Wer war Paul Auster?

Vielleicht hast du noch nichts von ihm gehört oder gelesen. Deshalb möchte ich ihn dir erst einmal vorstellen:

Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er war der Sohn jüdischer Einwanderer und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Er hat in seinem Leben 16 Romane und etliche andere Texte veröffentlicht und hat sich auch immer wieder dem Film zugewandt. Seine Bücher sind seit 1989 im Rowohlt-Verlag erschienen. (Hier geht es zum Nachruf.) Fast alle Texte spielen in seiner Wahlheimat New York, in der Stadt, in der er mit seiner Frau Siri Hustvedt gelebt hat. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Mond über Manhatten“ und „4 3 2 1“, sein Opus magnum. Er hat sich aber auch mit biographischen Arbeiten beschäftigt. Sein zuletzt erschienener Roman ist „Baumgartner“.

Tipp: Mein persönliches Lieblingsbuch von Paul Auster ist „Nacht des Orakels“. Es beschäftigt mich immer wieder und ich habe es mehrfach gelesen. Wenn du in die Paul-Auster-Welt einsteigen möchtest, empfehle ich diesen Zugang.

Paul Auster hat also ein beeindruckendes Lebenswerk hinterlassen. Was können wir daraus lernen?

Über den Output entscheidest du

Paul Auster war kein Schriftsteller mit einem wahnsinnig hohen Output. Er hat keine sechs Bücher im Jahr veröffentlicht. Dieser sehr hohe Output ist etwas, was uns immer wieder suggeriert, immer wieder an uns herangetragen wird: dass man sehr viel produzieren soll oder muss, wenn man am Markt bestehen möchte.

Natürlich waren es andere Zeiten, in denen Auster angefangen hat, zu schreiben. Aber: Wenn es um das Thema Output geht, mache dir einmal bewusst, dass es Autor:innen gibt, die eine Seite am Tag schreiben.

Zu denen gehörte Paul Auster.

Er hat mit der Hand in ein Notizbuch seine Geschichte geschrieben. Er hat sich dafür zurückgezogen und sie erst später, wenn die Geschichte fertig war, mit einer Schreibmaschine abgetippt. Behalte das einmal im Hinterkopf oder rufe es dir in Erinnerung, wenn du mal wieder das Gefühl hast, für dein schriftstellerisches Arbeiten sei es notwendig, ganz viele Seiten zu produzieren.

Das ist es nicht.

Es ist nötig, dass du die Seiten schreibst, die für dich wichtig sind; dass du herausfindest, was der Output ist, der zu dir passt.

Und was wir uns auch in Erinnerung rufen dürfen, ist, dass man mit einer Seite am Tag ein Lebenswerk schaffen kann. Diese eine Seite am Tag ergibt – wenn du dich wirklich jeden Tag dran setzt – 365 Seiten im Jahr. Damit kann man ein Lebenswerk aufbauen. Insofern: Output ist nicht alles. Es ist das Entscheidende, dass du die Menge an Zeichen, Wörtern, Seiten findest, die zu dir und deinem Schreiben passt.

Hingabe ans Schreiben

Der nächste Punkt, den ich beleuchten möchte, ist die Hingabe, mit der Paul Auster sich dem Schreiben gewidmet hat. Er hat schon als Kind angefangen, Gedichte zu schreiben und das Schreiben für sich entdeckt und erobert. Er hat unter anderem Anglistik studiert und sich dem Schreiben „verschrieben“.

Das Schreiben ist aber auch Teil seines Werks, denn er hat schreibende Protagonisten und hat über das Schreiben geschrieben, über das Schriftsteller-Sein und was das Schreiben mit uns macht, psychisch und physisch; was es bedeutet, nicht schreiben zu können, und wie entscheidend ein schönes Notizbuch ist. 😉 Ich glaube, dass Paul Auster viel von dem hineingelegt hat, was ihn als Schriftsteller ausgemacht hat.

Zufall muss man können

Etwas, für das Auster auch bekannt ist, sind die Zufälle in seinen Geschichten. Zufälle sind üblicherweise schwer zu schreiben und nur dosiert einzusetzen, da sie – „deus ex machina“ – wie der Eingriff einer höheren Macht wirken können. Paul Auster wird auch als „Meister des Zufalls“ bezeichnet, weil er diese Zufälle und schicksalhaften Begegnungen so meisterhaft miteinander verknüpft hat, dass es technisch und stilistisch nicht aufstößt, einen rausreißt oder gekünstelt wirkt.

Tipp: Wenn du dich mit dem Thema Zufall – und wie man Zufälle vernünftig in eine Geschichte einfügen kann – beschäftigen möchtest, dann ist Paul Auster die erste Adresse.

Experimente wagen

Paul Auster hat auch ungewöhnliche Dinge gemacht: In „Nacht des Orakels“ hat er beispielsweise einen separaten Handlungsstrang bzw. einer separate Geschichte in die Fußnoten gepackt. Das finde ich an dieser Geschichte besonders reizvoll. Das ist schon eine ungewöhnliche Herangehensweise, die ich aber sehr gelungen fand. (Das Thema „Geschichte in der Geschichte“ findet sich bei Auster sowieso immer wieder und er beherrschte es kunstvoll.)

Die Geschichten liegen auf der Straße

Paul Auster Geschichten fanden vor der Haustür statt. Seine Geschichten spielen überwiegend in New York, in dem Umfeld, in dem er sich auskannte. (In dem Zusammenhang möchte ich auch auf Jane Austen hinweisen, die ja auch über das schrieb, was sie kannte.

Manchmal ist es nicht so leicht, den Blick auf das zu richten, was man vor der Nase hat. Aber genau dort findet das Leben statt. Es ist das Leben, das wir kennen, mit authentischen Figuren und Abläufen – und das ist es, was für Leser:innen interessant sein kann, weil sie es nicht kennen. Ich kenne New York nicht, war nie in Brooklyn. Ich kenne Paul Austers New York aus den Achtzigern und Neunziger nicht, aber er macht es in seinen Büchern lebendig, und damit ist es für mich eine exotische Welt.

Tipp: Man muss nicht bis ans Ende der Welt reisen, um gute Geschichten zu erzählen. Da, wo du lebst; das, was dir passiert, kann für einen anderen Menschen „exotisch“ sein, weil er oder sie es nicht kennt. Wenn du das Gefühl hast, dass in deinem Wohnort nichts passiert, dass es langweilig ist, dann schau dir trotzdem einmal an, wie es bei dir ist; was bei dir passiert; was das „normale Leben“ ausmacht. Es kann für jemand anderen etwas ganz Besonderes sein.

Zum Werk gehört alles

Zuletzt möchte ich dir ans Herz legen, auch das ernst zu nehmen, was du außerhalb der großen Romane, die du schreibst oder schreiben möchtest, so produzierst: deine Tagebücher, Notizen, Kalenderseiten, Klebezettel, Karteikarten, Szenenumbrüche, Exposés und so weiter. All das kann interessant sein; all das kann für Leser:innen, die dein Werk später entdecken, spannend sein. Behalte diese Dinge. Schmeiße sie nicht weg, wenn du ein Projekt beendet hast. Leg sie in eine Kiste, gib sie in eine Klarsichthülle, einen Ordner. Wer weiß, wofür du es später noch einmal verwenden kannst oder ob sich die Nachwelt, die Forscher:innen später einmal für dein Lebenswerk interessieren – so wie bei Paul Auster.

Fazit

Du siehst: Wenn man sich dem Lebenswerk eines Autors zuzuwenden möchte, den man vielleicht noch nicht kennt, bieten sich viele Zugangswege. Hoffentlich konnte ich dir heute einen meiner Lieblingsautoren näherbringen und dir etwas für dein Schreiben mitgeben.

Meine Leseempfehlungen:

  • Nacht des Orakels
  • Das Buch der Illusionen
  • Mond über Manhatten
  • Winter-Journal
  • Von der Hand in den Mund

Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an: kerstin@21ufos.de

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3 Fragen an … Corinna Barlow! Projektmanagement im Selfpublishing

(Foto Corinna: Annette Stier)

In der aktuellen Podcast-Episode meines Schreib-Podcasts „Vom ersten Wort zum Lebenswerk“ stelle ich mal wieder „3 Fragen an …“! Zu Gast ist Corinna Barlow alias Catherine Bouvier. Gerade ist ihr Sachbuch „PROJEKT Management im Selfpublishing. Praxisratgeber für Autorinnen und Autoren“ erschienen und wir unterhalten uns über dieses spannende Thema.

Hier findest du Corinna auf Instagram.

Hier geht es zu ihrer Homepage.

3 Fragen an … Matthias Wailersbacher! Marketing als Autor

Foto Matthias: Studio Monbijou

In der aktuellen Podcast-Episode meines Schreib-Podcasts „Vom ersten Wort zum Lebenswerk“ stelle ich mal wieder „3 Fragen an …“! Zu Gast ist Matthias Wailersbacher, der mit seinem bald erscheinenden Buch „Nirgendwo und doch zu Hause“ bei mir im Lektorat war. Wir unterhalten uns über das spannende Thema Marketing.

Hier findest du Matthias auf Instagram.

Hier geht es zu seiner Homepage.

Der richtige Zeitpunkt ist jetzt!

Immer wieder kommen Menschen auf mich zu und stellen mir – so oder ähnlich – eine ganz bestimmte Frage: „Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Soll ich es wagen?“

Darauf gebe ich stets eine einsilbige Antwort: „Ja!“

Weil ich immer jede und jeden ermutige, zu schreiben. Punkt. 😉

Da diese Antwort aber kaum ausreicht, um der Tiefe zu entsprechen, die hinter diese Frage steht, füge ich immer ein paar weitere Sachen hinzu, unter anderem: „Beginne jetzt!“

Denn der richtige Zeitpunkt, um mit dem Schreiben zu beginnen, ist jetzt! Warte nicht auf mehr Zeit in deinem Leben, weniger Verpflichtungen oder mehr Muße. Warte nicht, bis die Kinder groß sind, der Job weniger stressig oder du in Rente. Fange an. Schritt für Schritt, in ganz kleinen Etappen, und wenn es zehn Minuten pro Tag sind, in denen du dich mit deinem neuen Projekt beschäftigst.

„Aber wie?“, ist dann oft die nächste Frage.

Meine Antwort richtet sich danach, an welchem Punkt die- oder derjenige gerade steht.

Da ist eine Idee …

Du denkst schon länger darüber nach, ein ganz bestimmtes Thema zu bearbeiten, eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Wabert eine konkrete Idee in deinem Kopf herum? Dann kaufe dir ein Notizbuch, sofern du keines herumliegen hast, und einen gut schreibenden Stift – und schreibe alles auf, was dir zu deiner Idee einfällt. Sammle deinen Stoff, trage zusammen, was dir dazu einfällt. Nimm dein Notizbuch überall hin mit. Du hast es gerade nicht zur Hand, aber eine Idee ploppt auf? Notiere sie auf einem Klebezettel, einem alten Briefumschlag, einer Serviette – egal. Und dann klebe diese Notiz bei nächster Gelegenheit in dein Projekt-Notizbuch. (Du kannst auch die Notizfunktion deines Handys nutzen, wenn du lieber digital arbeiten möchtest. Hier ist der Vorteil, dass heutzutage die meisten Leute ihr Handy bei sich tragen. Das liegt aber nicht jeder und jedem. Ich brauche zum Beispiel das Haptische, den Prozess mit Stift und Papier. Probiere es aus.)

Da liegt schon ein Stapel …

Gerade bei angehenden Sachbuchautor:innen nehme ich oft wahr, dass sich bereits einiges angesammelt hat: skizzierte Beobachtungen, Recherchekram, für Kurse produziertes Material zum Thema usw. Hier ist dann der nächste Schritt, alles an einem Ort zu sammeln, zum Beispiel in einer Kiste oder einem Ordner, auch digital. Gib deinem Projekt einen Namen, sofern noch nicht geschehen. Sichte, was sich angesammelt hat, und prüfe, wo noch Lücken sind: Welche Punkte hast du bei der Recherche noch nicht ausreichend berücksichtigt? Musst du eventuell Fachliteratur in der Bibliothek zu Rate ziehen oder mit einem anderen Experten sprechen? Diese Dinge kommen dann auf deine To-do, die du bei dieser Gelegenheit erstellen kannst, digital oder analog. Schließe die Lücken nach und nach und fülle die Kiste oder den Ordner mit allem, was zu deinem Projekt gehört.

Auch Belletristikautor:innen haben unter Umständen eine umfangreiche Materialsammlung, wenn sie bereits länger mit einer Idee schwanger gehen. Auch hier geht es in einem ersten Schritt darum, alles an einem Ort zusammenzutragen und um fehlende Puzzlestücke zu ergänzen:

  • Hast du über alle Figuren, die für deine Geschichte wichtig sind, nachgedacht? Sind sie dreidimensional und authentisch? Sind sie zu perfekt oder driften Ecken und Kanten in Klischees ab? Fehlt noch jemand im Personal?
  • Hat deine Geschichte einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss? Manche Autor:innen fangen erst mit dem Schreiben an, wenn alles durchdacht ist, andere wollen sich in verschiedenen Abstufungen vom Prozess überraschen lassen. Bei „Tasche mit Herz“ wusste ich das Ende zum Beispiel erst, als ich es geschrieben hatte. Ich habe meinen Figuren beim Aufräumen ihres Durcheinanders beobachtet und sie das Ende finden lassen, das sich organisch und „richtig“ anfühlte. Ich hätte es nicht vorher festlegen können. Kommt vor. 🙂
  • Weißt du schon, wohin du mit deinem Projekt willst? Möchtest du es nur für dich und deine Schublade schreiben, für deine Kinder oder das nähere Umfeld? Möchtest du veröffentlichen? Oder möchtest du verkaufen? Veröffentlichen und Verkaufen sind nämlich zwei paar Schuh, und aus deinen Erwägungen ergeben sich die nächsten Schritte. Möchtest du verkaufen, ist es zum Beispiel sinnvoll, bereits jetzt Kontakt zu Dienstleistern für eine professionelle Buchproduktion und -vermarktung aufzunehmen (Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Coverdesign, Marketing usw.), sofern du via Selfpublishing veröffentlichen möchtest, oder dich mit den Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit mit Agentur und Verlag zu beschäftigen. Möchtest du hier landen, muss sich dein Projekt den Bedingungen des Marktes anpassen, nicht umgekehrt, und zum Beispiel Konventionen eines bestimmten Genres bedienen. Selfpublishing ist hier keine Notlösung, „wenn kein Verlag anbeißt“, sondern eine bewusste Entscheidung für einen anderen Veröffentlichungsweg, bei dem du alles machen darfst, aber auch machen musst.

Ich gammle auf dem Startblock herum …

Du hast alles abgeklopft, was abzuklopfen war, und wartest auf ein „offizielles“ Startsignal, um ins Schreiben und Veröffentlichen zu kommen? Sorry, doch da muss ich dir leider sagen: Da kannste lange warten! Es wird keine:r kommen und dir sagen, dass die Zeit reif ist und du dein Buchprojekt nun umsetzen kannst. Im Gegenteil: Du wirst vielleicht sogar mir Gegenwind zu kämpfen habe. (Weiter unten gibt es Tipps zum Weiterlesen, falls du dich wappnen möchtest. ;-))

Nein, du musst jetzt die Entscheidung treffen, dein Buchprojekt in die Tat umzusetzen. Vielleicht ist der nächste Schritt für dich, eine Gliederung für dein Sachbuch zu erstellen, die geplanten Szenen in eine Reihenfolge zu bringen oder das erste Kapitel zu schreiben. Fange noch heute an und mache den nächsten Schritt. Je länger du nach der getroffenen Entscheidung wartest, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du sie umsetzen wirst. Nutze dieses kurze Zeitfenster. Wo befindest du dich gerade: Arbeitest du noch an der Grundidee, vervollständigst deinen Materialstapel oder befindest du dich auf dem Startblock und wartest auf das Signal, loszulegen?

Mache es jetzt. Beginne ein Notizbuch, trage alle Materialien zusammen oder sichte dein Material und erstelle eine Struktur für dein Sachbuch oder deine Geschichte. Schreibe den ersten Satz oder den letzten. Nimm Kontakt zu Dienstleistern auf. Komme ins Handeln. 

Folgende Blogbeiträge passen zum Thema und helfen dir weiter, falls du an einem bestimmten Punkt immer wieder scheiterst:

Ignoriere Kritik – und mach dein Ding!

Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte

15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst

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