Muss eine Veröffentlichung Geld kosten?

(Zur Sicherheit: Dieser Beitrag enthält unbezahlte
Werbung für einen Selfpublishing-Dienstleister. 🙂 )

Selfpublishing ist eine tolle Möglichkeit, sein Buch hinaus in die Welt zu schicken. Es kann aber auch mit hohen Kosten verbunden sein.  Muss das sein? Hierzu habe ich mir einige Gedanken gemacht.

Raus aus der Krise

Ich habe früher selbst im Verlag veröffentlicht und konnte davon leben. Aus familiären Gründen kam das Veröffentlichen zum Erliegen, und tatsächlich folgte eine „Veröffentlichungskrise“, weil ich auch fertige Texte nicht mehr publizierte. Wie bin ich dieser Krise entkommen? Das Zauberwort hieß: Selfpublishing.

Ich gab kaum Geld aus

Das Selfpublishing auf sehr niedrigem finanziellen Niveau war 2019 für mich der erlösende Faktor, den ich brauchte, um den Kreislauf zu durchbrechen. Ein privater Druck nur für mein eigenes Bücherregal hatte mir nicht gereicht. Tatsächlich kostete es mich keine zwanzig Euro, mein Buch zu veröffentlichen, und bei einer reinen E-Book-Version wären nicht mal die fällig gewesen. Das Geld zahlte ich an den Distributor, alle anderen Ausgaben sparte ich mir.

Der Grund: Hätte ich mir auch noch hohe finanzielle Hürden auferlegt, hätte ich es nicht geschafft. Der Prozess hat mich so schon alle Kraft gekostet, auch ohne weiteren Druck. Denn das vergessen viele: Die Zusammenarbeit mit anderen am Buch kostet Kraft, Zeit, Nerven. Will und kann manche:r vielleicht in dem Moment gar nicht.

Eine Option, kein Muss

Ich brachte also einen kleinen Liebesroman heraus, ohne Lektorat, ohne gekauftes Cover, ohne alles. Danach folgte ein Drehbuch. Beide habe ich mittlerweile neu aufgelegt und vieles eingekauft, was der Markt so verlangt. Wollte ich so – hätte ich aber nicht müssen. Es war meine freie Entscheidung, diesen Weg zu gehen, weil ich meine Geschichten so und nicht anders veröffentlichen wollte. Das Geld hatte ich auch nicht herumliegen, sondern habe es geliehen. Ein Wagnis, das ich nicht bereue. 

Ich habe das Geld geliehen, aber es gibt viele Möglichkeiten, eine Veröffentlichung fit für den Buchmarkt zu machen. (Da das hier den Rahmen sprengen würde, verweise ich auf ein Video der Agentur Autorenträume, die hierzu einige Tipps und Hinweise liefert.) Denn eines möchte ich ganz klar sagen: Ein Text gewinnt durch ein gutes Lektorat. Ein:e Leser:in wird eventuell durch ein Cover animiert, sich ein Buch genauer anzusehen und dann zu kaufen. Ein guter Buchsatz sorgt für ungehinderten Lesegenuss. Und ein Korrektorat ist der Punkt, auf den Autor:innen meiner Meinung nach am allerwenigsten verzichten sollten, denn viele Rechtschreibfehler im Text sind das, was die Leser:innen wohl am meisten stört. Alle diese Dienstleistungen haben ihren Sinn und ihre Berechtigung, und wenn sie irgendwie gewollt und finanzierbar sind – wunderbar. Aus gutem Grund lasse ich sie meinen Geschichten ja auch (meist) angedeihen. Aber sie sind kein Muss! Sie sind eine Option.

Kein Entweder-oder

Kritik an unlektorierten etc. Büchern kann ich natürlich nicht ausblenden. Verderben „schlecht gemachte Bücher“ den Markt? Verprellen sie die Leserschaft? Werfen sie ein schlechtes Licht aufs Selfpublishing? Aus Sicht des professionellen Selfpublishings kann ich diese Gedankengänge verstehen. Auch ich möchte meine Bücher verkaufen und Leser:innen überzeugen, auch Bücher aus dem Selfpublishing zu lesen.

Dennoch finde ich niedrigschwellige Zugangswege auch im zu bezahlenden Bereich sehr, sehr wichtig. Ich bin gegen ein Entweder-oder, sondern plädiere für beide Möglichkeiten: eine friedliche Co-Existenz.

Die Stimmen aller

Ein anderer Aspekt ist mir in diesem Zusammenhang nämlich sehr wichtig: Selfpublishing ist Demokratie pur. Auch die Stimme einer alleinerziehenden Mama oder ungelernten Arbeiters, der mit kleiner Rente leben muss, sollte gehört werden können. Ich war selbst mal alleinerziehend und weiß, was es bedeutet, jeden Cent umdrehen zu müssen, und hatte ganz bestimmt kein Geld für Lektorat etc.

Aber: Alle Menschen sollten sich unabhängig vom Geldbeutel ihren Traum vom eigenen Buch erfüllen dürfen, ohne dass der Torhüter Verlagsvertrag oder hohe Veröffentlichungskosten im Selfpublishing dies verhindern. Auch kulturell betrachtet finde ich es enorm wichtig, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedankenwelt zugänglich zu machen. (Und nein, nicht jede:r ist mit Deutschlehrern befreundet, die sich dann „wenigstens mal die Rechtschreibung anschauen“ können.)

Den Torhüter Verlag als Zugangsverhinderer zum Buchmarkt gibt es nicht mehr, und das ist gut so. Ich finde es ganz schlimm, wenn innerhalb der Selfpublishing-Szene erneut hohe Hürden geschaffen werden, damit alle erscheinenden Bücher mit Verlagspublikationen „mithalten“ können. Vielleicht ist das ja gar nicht der Sinn dahinter! Vielleicht ist das auch gar nicht das Anliegen der jeweiligen Autor:in.

Standards für beide Seiten

Vielleicht schafft es die Selfpublishing-Szene ja zunehmend, objektive Standards festzusetzen, die den Leser:innen Orientierung bieten, was sie für ihr Geld bekommen.

  • Der oft mögliche „Blick ins Buch“ fällt mir da spontan ein: Hier hilft ein Studium des Impressums und der ersten Seiten, das Werk einzuordnen und zu wissen, was da auf einen zukommt – und ob man als Leser:in bereit ist, dafür einen Obulus zu entrichten.
  • Auch kann man als Autor:in offensiv hingehen und die Leser:innen direkt auf den ersten Seiten informieren, dass zum Beispiel ein Korrektorat aus finanziellen Gründen nicht möglich war, Hinweise aber gerne angenommen werden. Das wäre mutig und fair.
  • Preise für Bücher aus dem Selfpublishing sind eine Option für Orientierung, allerdings nur dann, wenn auch hier das Augenmerk nicht nur auf verlagsähnliche Publikationen gelegt wird. Sonst sind wir wieder beim Entweder-oder.

So mache ich es heute

Die Fragen, die ich mir heute beim Veröffentlichen stelle, sind: Was ist mir wichtig? Wo will ich eigentlich hin? Was und wen will ich mit genau diesem Text erreichen? Erst danach lege ich das Budget fest. Und wenn keins vorhanden ist, dann wird trotzdem veröffentlicht. Pimpen kann ich auch noch später.

Und diesen Tipp möchte ich auch dir mitgeben: Bevor du überhaupt nicht veröffentlichst, veröffentliche auf die minimalistische Art! Denn wenn du nicht veröffentlichst, kostet es ja auch etwas – nämlich deinen Traum vom eigenen Buch.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Netzwerken 2.0

Ich wage zu behaupten: In fast jedem Lebensbereich kann es sinnvoll sein, sich zu vernetzen, wenn man etwas erreichen will. Das gilt ganz besonders für Autor:innen: Ich habe selbst erlebt, wie mich der Austausch mit lieben Kolleg:innen über Hürden gebracht hat, die mir zuvor unüberwindbar schienen. Auch beim Marketing ist die gegenseitige Unterstützung unschätzbar. Neben dem persönlichen Kontakt zu einzelnen Mitschreibenden, zum Beispiel über Instagram, gibt es auch die größere Version – ich will es mal „Netzwerken 2.0“ nennen. Heute möchte ich dir einige Möglichkeiten vorstellen.

Schreibgruppe

Der Klassiker! In einer kleinen, aber feinen Schreibgruppe geht es um den intensiven Austausch und persönlichen Kontakt. Möglichkeiten, Anschluss an eine Gruppe zu finden, sind zum Beispiel über Aushänge an lesefreundlichen Orten oder Aufrufe im Internet (Schreibforen!). Hier kannst du natürlich auch selbst einen Aufruf starten. Hast du schon mal einen Kurs an der VHS zum Thema Kreatives Schreiben gemacht? Auch hier können sich längerfristige Kontakte ergeben. (Pst: Ich habe früher selbst ein paar Kurse dort gegeben und bin interessanten Menschen begegnet.)

Längere Workshops

Als ich Anfang 2021 beschloss, mein Schreiben ganz neu aufzustellen und das Fundament für ein erfolgreiches Veröffentlichen und Vermarkten meiner Bücher zu legen, besuchte ich verschiedene Workshops. Nach einem Instagram-Selbstlernkurs, der mir die Grundlagen vermittelte, buchte ich den Instagram-für-Autoren-Kurs bei Annika Bühnemann. Vielleicht kennst du ihre Website vomschreibenleben.de, die für viele Fragen rund ums Schreiben und Veröffentlichen ein Anlaufpunkt ist. Dieser vierwöchige Kurs katapultierte mich dann marketingtechnisch tatsächlich in neue Sphären – und ich lernte nebenbei ganz wunderbare Menschen aus der Buch-Bubble kennen. In dieser geschützten Gruppe war es mir möglich, ganz offen zu sein und freizulegen, wo die Reise hingehen sollte. Eine tolle Erfahrung!

Autoren-Community / Dienstleister

Außerdem wurde ich Mitglied in einer Autoren-Community, dem Bookerfly-Club. Hier traf ich auf viele Autor:innen unterschiedlicher Genres, mit denen ich mich in Chat und Forum austauschen konnte. Teils halten die Kontakte bis heute an, was ich wundervoll finde, obwohl ich nicht mehr Mitglied im Club bin. Ich fand den Input der angebotenen Workshops aber sehr gut und motivierend und habe auch die gemeinsame Schreibzeit gelegentlich genutzt. Gerade Schreibanfänger bekommen hier viel Input und Ansprache.

Dann zog ich allerdings weiter, wurschtelte wieder eine Weile alleine vor mich hin und bin nun Mitglied in der KinderbuchManufaktur. Hier dreht sich alles ums Thema Kinderbuch, denn mit meinem neuen Pseudonym Kerstinus Brausike will ich langsam Fahrt aufnehmen und plane eine erste Veröffentlichung in 2023. Dafür muss ich noch ganz viel lernen, denn der Kinderbuchmarkt ist neu für mich. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

Außerdem bin ich Kundin der Agentur Autorenträume, die Selfpublisher:innen auf vielfältige Weise unter die Arme greift. Die liebe Sandra bietet immer wieder die Möglichkeit zum persönlichen Austausch in der Gruppe. Das finde ich wunderbar, weil eines klar ist: Hier sind Träumer:innen am Start, die es ernst meinen! Und da bin ich sehr gerne dabei.

Vereine und Berufsverbände

Zu guter Letzt möchte ich die großen Vereine und Berufsverbände erwähnen. Ich selbst war früher Mitglied im VS – Verband deutscher Schriftsteller in ver.di und bei DELIA – Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren. Solche Vereinigungen gibt es auch für andere Genres. Heute bin ich Mitglied im Selfpublisher-Verband – wie etliche Mitstreiter:innen aus meiner Instagram-Buch-Bubble. Falls du dich für eine Vereins- oder Verbandsmitgliedschaft interessierst, informiere dich über die jeweilige Homepage über das Angebot und die Aufnahmevoraussetzungen.

Hast du weitere Tipps zum Thema „Netzwerken 2.0“? Dann schreibe ihn gerne in die Kommentare!

Holl die munter!

Deine Kerstin

7 Oktober-Tipps für den NaNoWriMo

Der NaNoWriMo naht mit großen Schritten. Ich habe selbst bereits dran teilgenommen: TASCHE MIT HERZ ist in der Rohfassung im November 2017 entstanden. Heute möchte ich Tipps und Tricks für die Vorbereitung mit dir teilen, denn ein Monat ist schnell vergangen, und dann steht der November schon vor der Tür. Los geht’s!

Der NaNo for beginners

„NaNoWriMo? Was ist denn das?“, fragst du dich vielleicht gerade. Dann folgt hier eine kurze Erklärung. Alle anderen können mit dem nächsten Absatz weitermachen. 🙂 Der NaNoWriMo ist der „National Novel Writing Month“. Dieses Schreibprojekt wurde 1999 von Chris Baty ins Leben gerufen und hat seitdem viele tausend Anhänger in der ganzen Welt gefunden. Jedes Jahr im November setzen sich unzählige Autor:innen auf den Hosenboden und versuchen, ihre Geschichte rund zu kriegen. Weitere Informationen findest du bei Wikipedia und auf der NaNoWriMo-Webseite.

Wir planen den NaNo

1. Was ist dein Ziel?

Das offizielle Ziel ist ein kurzer Roman von 50.000 Wörtern. Ich kenne aber viele Teilnehmer:innen, die sich eigene Ziele setzen und den NaNo, wie er liebevoll genannt wird, nach ihren Bedürfnissen abwandeln. Falls dir die 50.000 Wörter unrealistisch erscheinen, kann ich dir sagen, dass es mit der richtigen Vorbereitung klappen kann. Vielleicht hast du aber auch eine angefangene Geschichte, die du zu Ende führen möchtest, oder planst ein Projekt, das aus mehreren Teilen besteht. Ich habe mir für dieses Jahr beispielsweise vorgenommen, ein Kinderbuch zu schreiben, das aus mehreren Vorlesegeschichten bestehen soll. Der NaNo ist in dem Fall für mich der Aufhänger, um am Ball zu bleiben und das Projekt innerhalb eines Monats durchzuziehen, denn ich weiß: Ganz, ganz viele andere Autor:innen sind gerade an meiner Seite. Also: Was ist dein Ziel?

2. Zeiten festlegen

Überlege dir vorher, welche Zeitfenster sich zum konzentrierten Schreiben eignen. Falls du noch nicht regelmäßig schreibst, kannst du die Vorbereitung im Oktober nutzen, um zu experimentieren: Wann kannst du dich besonders gut konzentrieren? Wann fühlst du dich kreativ? Brauchst du Ruhe um dich herum oder Action? Schreibst du besser frühmorgens oder spätabends? Du wirst relativ schnell merken, welche Zeiten und Umstände förderlich für deinen Schreibprozess sind und kannst diese Zeiten dann für den November fest einplanen. Da fällt dann vielleicht das ein oder andere aus, das normalerweise auf dem Programm steht, aber das wirst du verkraften. Du willst ja dein Ziel erreichen.

Falls du bereits regelmäßig schreibst und weißt, wie viel du innerhalb eines bestimmten Zeitfensters schaffst, wirst du eventuell nach Möglichkeiten suchen, diese auszudehnen oder zusätzliche zu einrichten. Ich kenne deinen Alltag und Terminkalender nicht, doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich mit ein wenig Trickserei hier und da noch ein halbes Stündchen rausschlagen lässt. Schlafen kannst du auch im Dezember noch. – Das ist natürlich ein Scherz.  😉 Guter Schlaf ist wichtig, denn du willst ja einen ganzen Monat lang Höchstleistung bringen. Trotzdem: Schau einmal, ob die für diesen einen Monat etwas verändern kannst, um dein Schreibziel zu erreichen. Ist ja nicht für ewig.

3. Ein Exposé erstellen

Jetzt stöhnt vermutlich die ein oder andere auf, doch ich kann dir versichern: Es lohnt sich, vorab ein Exposé zu erstellen, weil du dadurch gezwungen bist, dich inhaltlich intensiv mit deiner Geschichte auseinandersetzen zu müssen – und zwar, BEVOR du im eigentlichen Schreibprozess ist. (Was ein Exposé ist, erfährst du zum Beispiel bei Autorenwelt.) Für Menschen, die ihre Geschichten gerne planen – also sogenannte Plotter – ist das eine Selbstverständlichkeit. Doch für den NaNoWriMo würde ich auch den Bauchschreibern empfehlen, zumindest ein grobes Gerüst zu erstellen.

Ich wechsle gelegentlich zwischen Bauch- und Planschreiberei. Der zweite Teil meiner Erzählung DER KOFFER IM LEUCHTTURM, der Ende des Jahres erscheinen soll, ist zu einem großen Teil aus dem Bauch heraus entstanden. Ich wollte sehen, wie sich die Geschichte, wie sich die Protagonistinnen entwickeln. Das hatte aber ein Ende, als die selbst gesetzte Deadline für die Stilberatung näher rückte und ich fertig werden musste. Da habe ich dann nachgeplottet, was in dem Moment für eine Geschichte so geringen Umfangs (ca. 10.000 Wörter) kein Problem war. In diesem Fall habe ich einen Szenenumbruch gemacht, mir also genau überlegt, was in welcher Szene passieren soll, und die Inhalte auf Karteikarten festgehalten. Bei einem großen Projekt für dem NaNoWriMo würde ich durchdrehen, wenn ich das mittendrin neu machen müsste. (Umplanen kann man immer – und mache ich auch. Aber die Basis muss da sein.)

Falls dich auch bei langen Texten das Schreiben ins Blaue hinein nicht schreckt – nur zu. Allen anderen empfehle ich eine intensive Vorbereitungsphase, in der du dich mit Figurenentwicklung, Handlungsablauf, Perspektive usw. beschäftigst und das ganze schriftlich fixierst. Dann hast du ein Gerüst, an dem du dich im November entlanghangeln kannst. Einen Blog-Artikel von mir zum Thema Plotten findest du hier.

4. Mach’s dir gemütlich

Regelmäßige Schreiberlinge haben meist schon ihre „Rituale“ entwickelt, um sich die Schreibzeit so angenehm wie möglich zu machen und um in den Flow zu kommen. Nutze vielleicht den Oktober, um ein paar Dinge auszuprobieren. Hier auf meinem Blog findest du ebenfalls Tipps, zum Beispiel hier, hier und hier. Besorge im Vorfeld alles, was du brauchst, inklusive Naschkram und Getränken, einem neuen Notizbuch, den Lieblingsstift, Kerzen – was auch immer du als notwendig erachtest, um diesen Schreibmarathon zu meistern. 🙂

5. Informiere dein Umfeld

Passend zum oberen Tipp, deinen Alltag gegebenenfalls etwas umzustrukturieren, passt der folgende: Informiere dein persönliches Umfeld über dein Vorhaben. So wissen alle Bescheid, damit sie dich nicht mit zusätzlicher Arbeit belämmern und wissen, warum du zum gemeinsamen Kaffee trinken keine Zeit hast. Falls du heimlich schreibst, fällt dir vielleicht eine Ausrede ein, warum du dich im November zurückziehen möchtest. Vielleicht etwas wie „Ich möchte mich diesen Monat ganz besonders um mich kümmern“ oder so. In dem Fall ist eine Notlüge erlaubt, denn ich weiß, wie hart das Umfeld manchmal mit einem ins Gericht gehen kann, wenn es um die Schriftstellerei geht. Doch das hält uns nicht ab!

6. Vernetze dich

Du kannst dich über die offizielle NaNo-Seite anmelden, die ich oben verlinkt hatte, oder aber Gruppen on- und offline suchen, die mitmachen. Davon gibt es mittlerweile einige. Falls du Mitstreiter suchst und in den sozialen Netzwerken aktiv bist, kannst du auch einfach einen Aufruf starten. Manchmal ist es einfacher, im Kontakt mit anderen Autor:innen eine Durststrecke durchzuhalten.

7. Hürden überwinden

Womit wir beim letzten Punkt angelangt sind: Lege dir am besten schon im Vorfeld einen Plan zurecht, wie du mit aufkommenden Problemen umgehen willst. Möchtest du in dem Fall jemanden anrufen? Eine kurze Pause machen? Umplanen? Ein kurzfristiges Schreibcoaching buchen? Alles ist legitim. Doch in dem Moment, in dem die Hürde vor dir auftaucht, kommst du vielleicht nicht drauf. Schreib dir schon im Oktober einen Plan B, C und D auf. So bist du auf der sicheren Seite.

Checkliste

Zu guter Letzt kommt hier noch eine Checkliste für den NaNoWriMo, in der ich dir die oben besprochenen Punkte zusammen gefasst habe:

  • Lege dein persönliches Ziel fest.
  • Plane deine Schreib-Zeiten fest im Kalender ein.
  • Erstelle ein Exposé oder zumindest einen groben Plan für dein Projekt.
  • Besorge im Oktober alles, was du für eine gemütliche Schreibzeit brauchst.
  • Informiere dein Umfeld über deine Pläne.
  • Suche Anschluss an eine Gruppe Gleichgesinnter, falls du so etwas magst.
  • Überlege dir vorher, was du tun möchtest, wenn du auf Hürden stößt.

Hast du weitere Tipps zum NaNo? Nimmst du teil? Schreibe es mir gerne in die Kommentare.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Ein Drehbuch zum Lesen?

Heute ist die Neuauflage meines Drehbuchs ERTRINKENDE PFLANZEN AUF LEINWAND erschienen. Juchu! Das Taschenbuch ist ab sofort erhältlich, das E-Book folgt in wenigen Wochen.

Ein Drehbuch? Möchte ich zum Film? Jein. Natürlich laufe ich nicht weg, wenn mir jemand den Stoff abkauft, um daraus einen Film zu machen … ? Tatsächlich richtet sich diese Geschichte aber an meine Leser:innen!

2007 entstand die erste Fassung, die ich 2019 erstmals im Selfpublishing herausgebracht habe. Nun hat der Text noch einmal eine komplette Überarbeitung erfahren inklusive Stilberatung und Korrektorat. Obendrauf gab’s noch ein schönes Cover, das zur Story passt, die doch einen klaren Hang zum Krimi hat.

ERTRINKENDE PFLANZEN AUF LEINWAND war die zweite längere Geschichte, die ich abschließen konnte. Ich habe mich beim Schreiben der Drehbuch-Form bedient, denn: dabei kann man sehr viel lernen! Es gibt formale und inhaltliche Anforderungen und Normen, die dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten zu liefern: Wie wird eine Geschichte geplant und aufgebaut? Welche Figuren brauche ich? Wie funktioniert das mit der Perspektive? Wie schreibe ich die Dialoge? Wann kommt was? Und und und …

Dabei hat mir der Rückgriff auf entsprechende Literatur zum Drehbuch schreiben geholfen. So konnte ich mich an einem Gerüst „entlanghangeln“ und eine schöne und runde Geschichte erschaffen. Für mich ein gelungenes literarisches Experiment!

Anfangs dachte ich, dass ich die Story gerne als abendfüllenden Spielfilm umsetzen und entsprechend anbieten würde, habe dann aber Abstand davon genommen. Es ist stattdessen ein lesbarer Text für Leser:innen geworden, die nicht in der Filmbranche tätig sind, und gerne mal ein Experiment wagen wollen – oder sowieso schon gerne Theaterstücke lesen. Dafür bin ich Kompromisse eingegangen, zum Beispiel beim Format: Die PFLANZEN erscheint als ganz normales Taschenbuch, nicht in DIN A4, wie es für ein zweckbestimmtes Drehbuch der Fall wäre.

Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand

Nele ist eine aufstrebende Journalistin an einer Lokalzeitung. Als ihr Bruder bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wird, muss sie all ihr Können und Wissen einsetzen, um den Täter zu finden. Bei ihrer Recherche begegnet Nele ein attraktiver Künstler, um dessen Familie sich ein dunkles Geheimnis zu ranken scheint. Nele steigert sich immer weiter in die Suche hinein und setzt alles aufs Spiel, wofür sie so hart gearbeitet hat. Dies könnte sie nicht nur ihren Job kosten …

Eine spannende Geschichte aus Ostfriesland in Drehbuch-Form

 

 

Ein Rückblick mit Lerneffekt

Diesen Beitrag gibt es auch als Podcast-Episode

Dieses Jahr war für uns alle, wie auch das Vorjahr, ein besonderes: geprägt von einer Pandemie mit allen damit verbundenen Einschränkungen, mussten wir unseren Alltag unter wechselnden Bedingungen gestalten und immer wieder schwierige Entscheidungen treffen.

Für die Menschen, die Kindern haben, so wie mich, kam hinzu, dass wir in dieser neuen Normalität natürlich unseren Kleinen ein gesundes Aufwachsen mit allen Anregungen ermöglichen wollten, die sie benötigen. Gleichzeitig standen viele Angebote nicht zur Verfügung, wie für uns aktuell eine Betreuungsmöglichkeit für die Jüngste, sportliche Aktivitäten im Verein oder größere Feiern, die gerade für Jugendliche wichtig sind.

Doch trotz allen Verzichts möchte ich behaupten, dass wir als Familie bislang gut durch diese Zeit gekommen sind. Alle sind körperlich und psychisch stabil und gestalten ihre Zeit mit dem, was möglich ist. Für mich persönlich spielte die Fokussierung auf das Schreiben dabei einen nicht unerheblichen Anteil. Daher möchte ich in diesem Rückblick nicht ausschließlich auf harte Fakten eingehen, sondern gleichzeitig einen Bogen zu deinem eigenen kreativen Schreiben schlagen, denn vielleicht lassen sich ein paar Dinge aus meinen Erfahrungen ableiten, die auch dir nützen könnten. 

Das Jahr begann mit Zielen

Anfang des Jahres war unsere Jüngste sieben Monate alt und ich beschloss, ernsthaft an den Schreibtisch zurückzukehren. Zunächst hatte ich einen sehr überschaubaren Zeitrahmen von zehn Wochenstunden angepeilt, der sich jedoch im Laufe des Jahres auf dreißig Stunden (und mehr rund um die Messen und Veröffentlichungen) ausdehnte. Dies hat mich ohne Frage phasenweise gestresst und ich musste mich immer wieder neu sortieren, manches streichen, das ich geplant hatte, und auch im Haushalt alle Fünfe gerade sein lassen. Doch meine Ziele ließen sich anders nicht erreichen. Diese waren:

  • Ich schreibe einen historischen Roman.
  • Ich arbeite an meinen 21ufos.
  • Ich baue mir einen Instagram-Kanal auf.

Meine Ziele begleiteten mich, schriftlich fixiert auf einer Karteikarte, durch das ganze Jahr, denn diese Karte hing mahnend und motivierend über mir an der Pinnwand.

Ziele verfolgen – und erreichen

Tatsächlich kann ich nun am Jahresende verkünden: Alle drei Punkte habe ich geschafft!

  • Den historischen Roman mit dem Arbeitstitel „IDA“ begann ich im Rahmen eines Kurses und meiner Mitgliedschaft im Bookerflyclub, einer Autorencommunity. Zeitlich hatte ich mich ordentlich verschätzt und musste meine Deadline, die eigentlich im Sommer lag, weit nach hinten verschieben, konnte die Rohfassung im NaNoWriMo allerdings abschließen.

    Zur Belohnung übernahm ich endlich die lang ersehnte Tierpatenschaft eines Orang-Utans bei BOS Deutschland e.V. Diese Aussicht hat mich das ganze Jahr über motiviert, nicht aufzugeben, und nun freue ich mich, Bumi ins Erwachsenenleben begleiten zu können.

    Der historische Roman liegt nun erst einmal und geht wie ein guter Brotteig. 🙂 Mal schauen, wie es nächstes Jahr damit weitergeht.

  • Meine 21ufos habe ich fleißig bearbeitet: „Der Sturm brachte ihren Retter“ ist in einer professionellen Neuauflage erschienen. Etwa zeitglich erschien mein queerer Liebesroman „Tasche mit Herz“, ein echtes Herzensprojekt. (unbezahlte Werbung: Ohne Sandra Andrés von Autorenträume wäre ich dieses Jahr vermutlich nicht damit fertig geworden, denn sie hat mich durch den Veröffentlichungsdschungel begleitet. Danke an dieser Stelle! Auch mein Drehbuch habe ich noch einmal angefasst und nun in Sandras Hände gegeben. Im Februar soll es neu erscheinen.)

    Meine 21ufos haben aber auch durch eine andere Entscheidung ordentlich Auftrieb bekommen, nämlich indem ich endlich den Mut gefasst und etwas in die Tat umgesetzt habe, von dem ich lange nur geträumt habe: ein eigener Podcast. Dieser ist auf mittlerweile 22 Folgen angewachsen und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Hier geht’s zu einer Übersicht.

  • Instagram war anfangs ein Buch mit sieben Sigeln für mich. Ich kam dort an und wusste nicht einmal, was ein Hashtag ist. Wirklich! Also belegte ich zwei Kurse, einen Grundlagenkurs und einen vierwöchigen Kurs in einer kleinen Gruppe. Ohne diese Kurse hätte ich es vielleicht auch geschafft, Instagram irgendwann in den Griff zu bekommen, allerdings sicherlich nicht so schnell – und vor allem nicht mit so viel Spaß. Mittlerweile beherrsche ich die Klaviatur recht gut und freue mich über den wertvollen Austausch in einer tollen Buch-Community. Hier geht es zu meinem Kanal.

    Ich habe mich in diesem Rahmen vieles getraut: zu posten, Stories zu machen, Fotos von mir zu zeigen, kurze Videos, dann längere Videos – und im Rahmen der Onlinebuchmesse bin ich sogar mit lieben Kolleg*innen live gegangen.

Diese gesamte Entwicklung hätte ich mir Anfang des Jahres nicht träumen lassen. Ja, ich war auf dem Weg, hatte mich aufgemacht, meine 21ufos fertigzustellen. Doch niemals hätte ich mit der Dynamik gerechnet, die 2021 für mich bereithielt – und das trotz enormer familiärer, persönlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen.

Doch was ist der Grund? Warum ist genau in diesem Jahr der berühmte Knoten geplatzt? Für mich war der Dreh- und Angelpunkt tatsächlich das Netzwerken und der direkte Austausch mit anderen Schreibenden.

Jegliche Hürde, die mir in der Vergangenheit unüberwindbar schien, nahm ich in der Interaktion; jedes Problem, über dessen Lösung ich eine gefühlte Ewigkeit gebrütet hatte, löste sich im Diskurs. Ich ließ mich motivieren und inspirieren und gab dies gleichermaßen zurück. Für mich war dieser Austausch enorm wichtig, zum einen für meine kreative Arbeit, zum anderen, um in dieser Pandemie nicht lala zu werden und etwas zu haben, das mich psychisch verankerte und fokussierte. Die Arbeit an meinen Texten hatte nichts mit meiner Familie zu tun, nichts mit Corona – sondern nur mit mir und meinen Gedanken. Es war in diesem Jahr meine Insel, wie schon so oft im Leben, nur auf die Spitze getrieben. 

Tipps für die Jahresplanung

Welche Hinweise gibt mir – und dir – mein Rückblick auf dieses Jahr nun? Was lässt sich auf die Planung fürs kommende Jahr übertragen? Ich habe folgende Punkte ausgemacht:

  • Es ist vorteilhaft, Ziele schriftlich zu fixieren. So kannst du sie motivierend nutzen und am Jahresende überprüfen. Sie helfen dir, dich immer wieder zu fokussieren. So wird es leichter, zu produzieren – und schwieriger, Ausreden zu finden. 😉

  • Knüpfe die Ziele gegebenenfalls an Belohnungen, so wie ich mit der Tierpatenschaft. Damit kannst du dich auch in schlechten Phasen motivieren, nicht aufzugeben, denn du willst ja die Belohnung haben.

  • Bleib flexibel! Manches stellt sich vielleicht aktuell als unerreichbar heraus, doch das ist kein Beinbruch. Vielleicht lässt sich doch noch etwas Gutes aus der Sache machen. Anderes ergibt sich möglicherweise beim Gehen und du bist gezwungen, einen anderen Text zurückzustellen, um eine Chance zu ergreifen – dann nur zu! Deine Pläne sind nicht in Stein gemeißelt und du kannst sie jederzeit anpassen. Das hat mit Wankelmütigkeit nichts zu tun.

  • Gehe realistisch an dein Zeitbudget heran. Ich habe Anfang des Jahres versucht, erst mal kleine Brötchen zu backen, und mich dann nach und nach gesteigert. So konnte ich hilfreiche Routinen im Alltag verankern. Vielleicht ist dein Zeitbudget auch nicht immer gleich. Mir hat dann der Rückgriff auf diese Routinen geholfen, um am Ball zu bleiben, denn ich wusste irgendwann, wo sich auf jeden Fall Zeitfenster ergeben und wo sie optional sind.

  • Suche dir Hilfe, wenn du immer wieder an den gleichen Punkten scheiterst. Ich habe Zeit und Geld in meine Weiterbildung investiert, Coachings absolviert, Kurse belegt und so weiter, um bestimmte „Probleme“ ein für alle Mal in den Griff zu bekommen. Das hat mich enorm gepusht und gleichzeitig motiviert.

  • Und zum Schluss noch einmal DER entscheidende Faktor: die Zusammenarbeit und der Austausch mit vielen lieben Kolleg*innen. Ich bin sehr dankbar für die wunderbaren Menschen, denen ich dieses Jahr in der realen und der virtuellen Welt begegnet bin, und wünsche dir eine ebensolche Erfahrung. 

Sind dir in meinem kleinen Jahresbericht noch weitere Punkte aufgefallen, die sich in eine Planung für das kommende Jahr übertragen ließen? Dann schreib mit gerne einen Kommentar.

Holl di munter!

Deine Kerstin