Meine liebe Autorenkollegin Sandra Andrés hat mich zu ihrem Podcast „Rilkes Töchter“ eingeladen. Eine gute halbe Stunde haben wir über das Thema own voice gesprochen.
Mein bald erscheinender Roman „Tasche mit Herz“ ist ein solcher own-voice-Roman. Doch was bedeutet das überhaupt? Und wie grenzt man den Begriff gegenüber Method Writing und Autobiografie ab? Wir nähern uns dem Thema von verschiedenen Seiten und sprechen auch über die Zielgruppe.
Hier ist der Link zu Sandras Homepage. Von dort findest du zum Podcast – oder direkt auch allen gängigen Plattformen. Hör doch mal rein!
In den vergangenen Monaten habe ich mich auf den Podcast zu 21ufos.de konzentriert, von dem ich in meinem letzten Artikel berichtet habe. Nun habe ich es endlich geschafft: Alle bisherigen Beiträge sind einzeln oder als Zusammenfassungen vertont! Das war eine ganz schöne Arbeit und erklärt die Ruhe auf diesem Blog.
Nach einer Sommerpause geht es dann Mitte August mit neuem Content weiter. Ein Fokus soll dabei auf dem Veröffentlichungsprozess via Selfpublishing liegen, denn auch ich wähle für meine nächsten Veröffentlichungen im Herbst und Frühjahr wieder diesen Weg – nicht aus Not, sondern ganz bewusst. Die Projekte „TmH und „Ida“ werde ich weder Agentur noch Verlag anbieten, sondern komplett auf meine Weise – und mein Risiko – herausbringen, dieses Mal mit dem kompletten A bis Z: Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Cover und flankierendem Marketing. Auch über Sensitivity Reading denke ich nach.
Hast du Fragen dazu, die ich in den Podcast-Folgen berücksichtigen sollte? Schreib sie mir gerne in die Kommentare! Folge mir auch gerne auf Instagram @kerstin.schuldt.autorin und tritt mit mir in Kontakt.
Es ist nicht immer einfach, direkt die richtige Form für einen Text zu finden. Zum einen setzt es das Wissen voraus, welche Möglichkeiten es im Bereich der erzählenden Textsorten überhaupt gibt. Zum anderen erfordert es den Mut, die eigene Idee mehrfach in eine andere Form zu gießen. Wenn diese dann auch noch neu für den Autor ist, kann das ganz schön abschreckend wirken.
Aber es lohnt sich!
So habe ich es nämlich bei meiner aktuellen Veröffentlichung gemacht: Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand ist ein Drehbuch geworden, obwohl auch eine Erzählung oder ein Roman daraus hätte werden können. (Für eine Kurzgeschichte wäre der Plot zu umfangreich gewesen.) Es ist nämlich eine Geschichte, die zufällig in Form eines Drehbuchs daherkommt.
Wie ist es dazu gekommen? In einer intensiven Schreibphase, in der auch Der Sturm brachte ihren Retter entstand, las ich das Buch Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch von Christopher Keane. Ich fand es spannend, mich mit dieser ganz anderen Art, an einen Text heranzugehen, zu beschäftigen, und konnte sehr viel mitnehmen – auch für meine anderen Texte. Tatsächlich schrieb ich aber auch das Drehbuch, das jetzt erschienen ist. Es war viel Arbeit, diese Art des Schreibens zu lernen, und ich musste meinen Figuren ganz anders zuschauen. Ein Drehbuch enthält zwar viele Dialoge, muss aber auch genau beschreiben, wann und wo wir uns befinden, wer was macht und wie alles aussieht. Automatisch beantworten wir somit die vielen kleinen und großen Fragen, die auch jeder Roman -und Kurzgeschichtenautor beantworten sollte.
Aber welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?
Wir erinnern uns dunkel an den Deutschunterricht der weiterführenden Schule. Da war doch mal was mit Drama, Parabel, Novelle und so … Ja, genau! Es gibt viele Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen, und auch wenn ich wahrlich nicht behaupten kann, in all diesen Disziplinen sattelfest zu sein, so denke ich zumindest darüber nach, welche Sorte zu meiner Geschichte passen könnte. Aaaaber: Ich bin kein Germanist und werde daher nicht versuchen, das für dich aufzudröseln. Hier hilft googeln: einfach mal „literarische Textsorten“ oder „erzählende Textsorten“ eingeben. Interessiert dich ein Thema, kannst du dich dann mit den entsprechenden Fachbüchern einlesen.
Letztlich lande ich selbst meist bei den üblichen Verdächtigen: Roman, Erzählung oder Kurzgeschichte. Das kann bei dir aber ganz anders sein! Gerade wenn du stockst und mit der Arbeit an deinem Text nicht weiterkommst, solltest du dich vielleicht einmal intensiv mit diesen Optionen beschäftigen. Und landest dann vielleicht doch einmal ganz woanders – wie ich mit meinem Drehbuch.
Für mich ist Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand ein solches literarisches Experiment, das geglückt ist, weil die Geschichte die Form bekommen hat, in die sie gehört – unabhängig davon, ob sie irgendwann mal verfilmt wird. Ich kann dir also nur empfehlen, mit den verschiedenen Möglichkeiten zu experimentieren. Selbst wenn du am Ende doch wieder auf das zurückkommen solltest, was du anfangs geplant hast, wird dich die intensive Beschäftigung mit den verschiedenen literarischen Textsorten weitergebracht hat.
Hast du dich schon mal an einem Drehbuch versucht? Oder reizt dich ausschließlich der Roman, die Kurzgeschichte, das Märchen? Schreib mir einen Kommentar dazu!
Das Foto, mit dem ich diesen Blog-Beitrag bebildert habe, passt ganz gut zu meinem Gefühl während meines Langzeit-Schreibprojekts 21ufos: Ich erklimme eine Stufe nach der anderen. Ich muss mich bemühen, meine Ziele zu erreichen. Zwischendurch lege ich immer mal wieder eine Verschnaufpause ein, wie zum Beispiel während unseres dreiwöchigen Sommerurlaubs. Aber Stück für Stück arbeite ich mich nach oben, so anstrengend es auch sein mag.
Mein nächstes Zwischenziel habe ich erreicht: Das Drehbuch, von dem ich vor einer Weile berichtet habe, ist in Auftrag gegeben. Zwölf Jahre hat es gedauert, denn geschrieben habe ich es bereits 2007. Damit habe ich zwei meiner 21ufos erfolgreich abgeschlossen. Juchu!
Mein neuer Liebesroman wartet auf eine zweite Überarbeitung, mit der ich endlich beginnen kann. Ich will ehrlich sein: Überarbeitung bedeutet vor allem: Arbeit. Es ist mühselig, die Anregungen und Empfehlungen der Testleser einzupflegen – aber unerlässlich. Zum Glück habe ich am Wochenende meinen Schwarztee-Vorrat aufgefüllt, denn davon werde ich eine Menge benötigen …
Zwischenzeitlich habe ich einen weiteren, halb fertigen Liebesroman noch einmal durchgelesen. Dabei habe ich gemerkt, dass das Ende tatsächlich nicht das Ende ist, sondern der Midpoint, auf den noch einmal die gleiche Menge Text folgen sollte. Uiuiui … Da habe ich mich direkt noch mal ans Plotten gesetzt. Wie du dir nach meinem Blog-Beitrag übers Plotten denken kannst, hängt nun ein schöner Szenenumbruch an der Pinnwand, über den ich in den kommenden Wochen meditieren werde.
Diese drei meiner 21ufos und der Blog binden meine Energien – und so soll es auch sein. Ich komme gut voran, und das gibt mir ein sehr positives Gefühl.
Wie geht es dir? Woran arbeitest du gerade? Hast du auch das Gefühl, beim Schreiben etwas zu erreichen? Oder ist das Gegenteil der Fall? Schreib mir doch einen Kommentar dazu!
Manchmal wäre ich gerne ein entdeckender Schreiber. Ich stelle mir vor, wie ich mich eines Tages mit einer grandiosen Idee an den Schreibtisch setze, meiner Figur, die sich von Zauberhand selbst erschafft, quer durchs Manuskript folge, und am Ende eine phantastische Geschichte ausdrucke, völlig von der aus mir heraussprudelnden Kreativität überwältigt.
Schön wär’s.
Tatsache ist, dass solch ein Erlebnis mir wohl für immer verwehrt bleiben wird – denn ich bin kein „discovery writer“, wie es im Englischen heißt, sondern ein „outliner“ – ein planender Schreiber. Und als solcher liebe ich das Plotten.
Plotten?, fragst du. Nie gehört. Was’n das?
Vom Plotten zum Plot
Wenn ich plotte, lege ich den Plot – also die Handlung beziehungsweise den Handlungsablauf meiner Geschichte – fest. Dabei gehe ich so vor: Meist denke ich über eine Grundidee eine ganze Weile nach, spinne die Geschichte weiter, spiele verschiedene Szenarien durch. Insofern bin ich in dieser Phase entdeckend: Ich lasse mich von meiner Grundidee inspirieren und spiele so lange herum, bis ich das Gefühl habe, etwas in der Hand zu haben.
Das ist meist eine kurze Zusammenfassung der Geschichte. In wenigen Sätzen könnte ich dir dann erzählen, was am Anfang, in der Mitte und am Ende passiert und wer die wichtigsten Personen sind.
Mehr nicht.
Das ist ja schon mal was, sagst du. Dann kannste ja anfangen zu schreiben.
Nö, leider nicht. Ich würde mich nämlich vollkommen in der Geschichte verlieren. Es gäbe für mich zu viele offene Fragen, die ich während des Schreibens beantworten müsste. Das würde entweder dazu führen, dass ich ohne Ende tippe und tippe oder – viel schlimmer! – in eine Blockade gerate. Die schiere Menge an Möglichkeiten, die sich mir in diesem Moment aufdrängen, würde zu Stillstand führen.
Um solch einer frustrierenden Situation vorzubeugen, brauche ich ein Gerüst. Dieses Gerüst heißt Szenenumbruch.
Szene für Szene
Bevor ich mich daran setzen kann, muss ich aber noch etwas anderes erledigen: Wenn ich meine Geschichte in Grundzügen kenne, gehe ich hin und beschäftige mich mit den Figuren: Wie heißen sie, wie alt sind sie, was ist ihr Beruf und so weiter. (Und ich beantworte in diesem Stadium auch die wichtigste Frage: Ist es dir größte Krise im Leben meiner Heldin, meines Helden? Wenn nicht, muss ich noch mal zurück auf Anfang.)
Mit diesem Wissen über meine Figuren setze ich mich an den Szenenumbruch, (Manche Autoren schieben gerne ein Exposé und ein Treatment dazwischen. Da ich damit nicht (mehr) arbeite, lasse ich beides an dieser Stelle weg.) Nun schreibe ich auf kleine Karteikärtchen alle Szenen, die für meine Geschichte wichtig sind, und teile sie auf die drei Akte auf. Wenn ich die wichtigsten Szenen, von denen ich bereits weiß, dass sie relevant sein werden, verteilt habe, schreibe ich alle weiteren auf Kärtchen, die ich mir vielleicht im Lauf der Zeit notiert habe oder die mir in diesem Moment einfallen. Hier lasse ich tatsächlich meiner Kreativität freien Lauf.
An dieser Stelle ist das für mich auch angebracht, denn hier blockiert mich die Menge an Möglichkeiten nicht. Sofern mein Vorrat an Karteikarten mir keinen Strich durch die Rechnung macht (alles schon erlebt!), schreibe ich alles auf, was mein Gehirn ausspuckt und schiebe es auf einem großen Tisch hin und her. Ich muss mich wirklich bemühen, an diesem Punkt alle Fragen zu beantworten und irgendeine Antwort auf alle großen Punkte der Geschichte zu finden – auch wenn sie doof ist. Selbst wenn ich meine Idee für den Höhepunkt hanebüchen, an den Haaren herbeigezogen oder peinlich finde – ich schreibe sie erst mal auf, wenn mir nichts Besseres einfällt. Denn wenn da nichts steht, brauche ich gar nicht erst mit dem Schreiben anfangen, das weiß ich aus Erfahrung.
Von der Karte zum Text
Wenn ich das Gefühl habe, erst einmal zu einem Ende gelangt zu sein, höre ich – meist ziemlich erschöpft, aber glücklich – auf und hefte alles an meine Pinnwand. Obendrüber kommt eine größere Karteikarte mit dem Arbeitstitel. Da hängt das Ganze eine Weile – mindestens mehrere Tage, eher Wochen. Immer wieder gehe ich hin und meditiere über diesen Kärtchen. Ich stelle mir folgende Fragen:
Passt das noch für mich?
Bin ich zufrieden mit der Abfolge der Szenen?
Könnte ich noch mehr Spannung hineinbringen?
Ist alles logisch?
Habe ich an alles gedacht? Oder fehlt etwas?
Weitere Kärtchen wandern dazu: Ergänzungen, die Nebenhandlung, Beschreibungen der Figuren, wichtige Infos. Diese hefte ich über und neben meine Szenenabfolge, um nichts durcheinanderzubringen und mich optisch zu verwirren.
Wenn ich dann das Gefühl habe, beginnen zu können, nehme ich alles von der Pinnwand – und fange an zu schreiben. Ich lasse die Karten bewusst nicht an der Pinnwand hängen, weil ich den Stapel so nämlich mitnehmen kann. Und ich ziehe nur das Kärtchen heraus, das für mich gerade relevant ist. Das beugt der Verzettelung vor.
Ich arbeite mich quer durch meine Geschichte. Meist fange ich am Anfang an und schreibe vor mich hin. Wenn ich an einem Tag das Gefühl habe, nicht direkt dort wieder ansetzen zu können, wo ich aufgehört habe, suche ich mir ein anderes Kärtchen heraus und setze damit meine Arbeit fort. Ich lasse mich intuitiv durch die Geschichte treiben, und so hat es doch etwas „Entdeckendes“ – ohne mich zu stressen oder das Schreiben zu verhindern,
Ich kann sogar entscheiden, alles anders zu machen, wenn ich während des Schreibens doch feststellen sollte, dass mein Plot nicht funktioniert. (Doof, aber alles schon dagewesen …) Dann nehme ich einen Stapel neue Kärtchen und gehe zurück zum Szenenumbruch. (Ich höre nicht frustriert mit dem Schreiben auf! Wichtig!)
Dann schreibe ich weiter. Und irgendwann nehme ich das Kärtchen mit der letzten Szene – und bin mit der Rohfassung fertig.
Klingt langweilig?
Mag sein – ist aber sehr effektiv! Mehr als vierzig veröffentlichte Heftromane dürften mir recht geben. Für mich habe ich damit die ideale Methode gefunden.
Wie arbeitest du? Bist du ein entdeckender Schreiber oder ein planender? Gehst du ähnlich vor wie ich – oder ganz anders? Deine Erfahrungen interessieren mich. Schreib mir doch einen Kommentar!