Du fürchtest dich vor 1-Stern-Rezensionen? Dir graust es bei der Vorstellung, dich vor Kollegen und Nachbarn für deine Bücher rechtfertigen zu müssen? Du hast schlaflose Nächte aus Angst vor Kritik deiner Mit-Autoren? Ich sage:
Dir kann geholfen werden.
Und zwar mit einer Technik, die ich leider in Mini-Schritten und Maxi-Jahren erlernen musste. Ich hoffe, dass du mit meiner Hilfe etwas schneller vorankommst.
Die Technik besteht aus zwei Punkten: 1. Ignorieren. 2. Machen.
Pah, sagst du jetzt vielleicht. Das kann doch jeder!
In der Theorie mag das so sein. In der Praxis sieht es jedoch oft so aus, dass die schönsten Manuskripte in irgendeiner Schublade vor sich hingammeln, weil dem Autor der Mumm fehlt, das Ding zu veröffentlichen. Oft genug aus oben genannten Gründen. Und weißt du was? Mir ging es auch lange so. Angst vor Kritik und fehlender Mut waren bei mir nicht der einzige Hemmschuh, aber diese Aspekte spielten mit Sicherheit hinein.
Kümmern wir uns um Punkt 1: Ignorieren
Wie heißt es so schön im Songtext der Band „Die Ärzte“: „Lass die Leute reden …“
Als Autoren sind wir doch sowieso schon oft unser schärfster Kritiker. Jeden Satz nehmen wir auseinander, jeder Plot wird argwöhnisch bekrittelt, und an vielen Tagen finden wir das, was wir geschrieben haben, einfach nur doof. (Solltest du zu den glücklichen Ausnahmen gehören, denen solches Verhalten fremd ist: Herzlichen Glückwunsch!)
Fakt ist: Du wirst vermutlich nie zu hundert Prozent mit dem zufrieden sein, was du zu Papier gebracht hast. Und es allen anderen da draußen recht machen geht schon mal gar nicht. Das musste auch ich lernen, als ich Heftromane schrieb. Vielen sind die sogenannten „Groschenromane“ ein literarischer Dorn im Auge. Es gibt etliche Vorurteile gegenüber Autoren dieser Sparte, wie zum Beispiel, dass das alles nur so hingeluscht wird, aus der Konserve stammt, nur mit Stereotypen gearbeitet wird, ein einfacher Job ist, um Kohle zu verdienen und so weiter.
Dazu möchte ich Folgendes sagen: Ein Autor, der eine Serie im Zwei-Wochen-Rhythmus schreibt, legt alle zwei Wochen einhundert druckfertige Normseiten vor. Noch mal zum Mitschreiben: 100. Alle zwei Wochen. Das macht 2.400 Seiten im Jahr. Und zwar so, dass die Leser die Serie nicht nach zwei Folgen abbrechen, sondern sie für längere Zeit laufen kann. Das geht nicht, wenn man Schwachsinn schreibt. Ich habe immer auf vernünftige und psychologisch dichte Plots geachtet. Nur so hältst du die Leser bei der Stange, denn alles andere kaufen sie dir nicht ab. Dazu haben sie nämlich zu viel Lebenserfahrung, oft deutlich mehr als der Autor.
Trotzdem bin ich vielen Menschen begegnet, die entweder nur ein müdes Lächeln für meine Tätigkeit übrig hatten oder sogar blanken Hohn. Ich kann diesen Menschen nur raten: Sprecht einmal mit den Leserinnen. Mit einer Tagesmutter, die nach einem langen Tag mit Kleinstkindern abends todmüde ins Bett fällt und sich über eine spannende Liebesgeschichte freut, die aber keine tausend Seiten lang ist. Geht in ein Altenheim und seht in die leuchtenden Augen von Seniorinnen, die vielleicht alles verloren haben, nicht aber ihre Lust am Lesen – und an der Liebe, (Diesen Besuch kann ich auch jedem Romance-Autor, der mit seiner Profession hadert, nur wärmstens ans Herz legen. Ihr bringt Freude ins Leben vieler Frauen. Das ist eine lohnende Aufgabe. Punkt.)
Und nebenbei: Heftromane zu schreiben halte ich für eine der besten Schreib-Schulen überhaupt, denn wie in Journalismus und Werbung lernt der Autor hier, auf den Punkt und geplant zu schreiben. Keine 95 Seiten, keine 105. Sondern 100. Mit Deadline. Mit festem und wechselndem Personal, Haupt- und Nebenhandlungen und Spannungsbögen, die sich über mehrere Monate hinziehen. Einfach ist anders.
Aber was soll ich sagen? Ich konnte die Welt nicht ändern. Ich konnte die Menschen, die mich für meine Texte belächelten, nicht ändern. Ich konnte nur eines: sie ignorieren. Und aufhören, mir mit meiner Selbstkritik das Veröffentlichen zu verhageln.
Und das solltest du auch tun.
Denn jetzt folgt Punkt 2: Machen
Die schönste Idee ist nichts wert, wenn kein fertiger Text draus wird.
Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, denn jeder Schriftsteller weiß, wie vergnüglich es sein kann, sich ausschließlich mit den Ideen im eigenen Kopf zu beschäftigen. Das kann ein tagesfüllendes Programm sein. Bringt dich aber leider auf dem Weg zum Veröffentlichen nicht weiter. Denn da zählt nur der fertige Text, und der entsteht ausschließlich, indem du ihn schreibst, überarbeitest und dann hochlädst – plus etwaige Zwischenschritte.
Es hilft also nichts: Wenn du es geschafft hast, die ollen Kritiker zu ignorieren, musst du es im nächsten Schritt schaffen, zu produzieren. Mir fällt es immer leichter, produktiv zu sein, wenn ich weiß, wofür genau. Wenn ich mir vorher die Frage beantwortet habe, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt, kann mich das nicht mehr vom Schreibprozess ablenken.
Frage dich daher ganz konkret: Was kann ich gewinnen? Was ist möglich? Was kann ich erreichen? Stelle es dir vor, male es auf, schreibe es auf – und hänge es an deine Pinnwand. Vielleicht bist du besonders mutig und erzählst einem vertrauten Menschen von deinen geheimen Träumen. (Nicht diese Träume. Es sollte schon ums Schreiben gehen …) Motiviere dich mit diesen inneren Bildern.
Und dann mach. Schreibe. Veröffentliche. Setze um, was getan werden muss. Träume nicht nur davon, sondern lasse deine Träume Wirklichkeit werden.
Wäre das nicht der beste Weg, um deine Kritiker Lügen zu strafen?
Und jetzt zusammen
Wieder fällt mir eine Liedzeile ein, diesmal von Udo Lindenberg: „Ich mach mein Ding, egal, was die anderen labern …“
Recht hat er – und vereint damit die beiden Schritte, die ich für essentiell beim Schreiben und Veröffentlichen halte und für dich heute verbunden habe: ignorieren und machen. Und das nicht nur ein Mal, sondern immer und immer wieder.
Wirklich?, stöhnst du jetzt vielleicht.
Ja, wieder und wieder – bis du diesen Prozess so verinnerlicht hast, dass es nicht mehr weh tut und du gar nicht mehr darüber nachdenken musst. Das kann dauern. Aber es lohnt sich. 🙂
Wie sind deine Erfahrungen mit Kritik? Erzähl es mir in einem Kommentar!
Das Leben kann echt hart sein. Das weißt du, das weiß ich. Und das wissen leider auch die anderen, die einem das Schriftsteller-Dasein ganz schön schwer machen können. Externen Lohn für unsere Mühen dürfen wir meist nicht erwarten, träumen aber bisweilen davon. So manchem geht auf dem langen Weg zur Veröffentlichung die Luft aus. Irgendwo zwischendrin ist die Motivation verloren gegangen. Frustriert gibt der einst ambitionierte Autor auf.
Damit es dir nicht so ergeht, möchte ich dir heute ein paar Gedankenanstöße geben, warum du Schreib-Erfolge feiern solltest.
Am Anfang stehst Du
Es ist doch so: unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Geschichten. Darum geht es. Das ist der Anfang. Wir sind unser erster Zuhörer. Schon kleinste Kinder erzählen sich selbst Geschichten, und zumindest im Kopf eines Schriftstellers hört das niemals auf. Aber was ist mit dem Leser, dem Markt, dem Bankkonto?, fragst du nun vielleicht. Meine Meinung: Das kommt alles erst danach. Das mag blasphemisch klingen, weil allerorten gepredigt wird, was wir tun müssen, um diese drei zu bedienen. Aber ich bestehe darauf: Die Texte entstehen zunächst aus uns und für uns. Da können wir noch so auf Statistiken, Marktentwicklungen und Verkaufszahlen schielen. Der Text erzählt unsere Sicht auf die Welt, unser Erleben, unsere Interpretation der Wirklichkeit. Es ist ein schöpferischer Prozess, der erst hinterher in Geld umgewandelt werden kann. Möglicherweise.
Und weil das so ist, bist du auch der erste Mensch, der sich über den fertigen Text freut. Ob es sich um eine Kurzgeschichte oder einen 800-Seiten-Wälzer handelt: Du hast das geschafft! Du ganz allein. Du hast dir die Zeit abgezwackt und den Text geschrieben. Du hast dir die Nächte um die Ohren geschlagen oder bist frühmorgens aufgestanden. Du hast die Priorität auf deine Geschichte gelegt und bestimmt so manches geopfert, um jetzt deinen Text in den Händen halten zu können – und das darfst du feiern!
Du bist deine Triebfeder
Aber sollte ich denn nicht erst dann feiern, wenn das Buch ein Erfolg ist?, fragst du nun vielleicht. Da kommt von mir ein klares Nein! Und das liegt nicht daran, dass ich gerne feiere. 😉 Dass du einen Text fertiggestellt hast – das ist der Erfolg. Was die anderen davon halten, wie es die Kritik aufnimmt, ob du dein Portmonee vor lauter Scheinchen nicht mehr schließen kannst – erst mal egal. Das fertige Buch interessiert vielleicht keine Sau. Oder es wird nicht gefunden, weil du dich (noch) nicht mit Marketing auskennst. Oder es entspricht nicht dem Zeitgeist. Oder oder oder. Alles wurscht, denn: Wenn du nicht in der Lage bist, dich selbst zu belohnen, wird es auch kein anderer können. Tolle Rezensionen, bombastische Umsätze, begeisterte Leserbriefe – alles für die Katz, wenn das alles dein Herz nicht erreicht.
Das hat nämlich etwas mit Wertschätzung zu tun, und zwar für dich selbst. Dich für Erreichtes zu belohnen, gibt deinem Gehirn einen entscheidenden Impuls, der dich motiviert und auch dann dranbleiben lässt, wenn es mal wieder hart wird. Und dich alle da draußen doof finden. Und deine Idee, schreiben und veröffentlichen zu wollen, sowieso.
Deshalb plädiere ich für Mini-Belohnungen auch für Mini-Erfolge. Frage dich: Was ist es dir wert, dass du das Buch geplant hast? Dass du das erste Kapitel geschafft, die Rohfassung erstellt hast? Dass du all deinen Mut zusammengenommen und das Ding hochgeladen hast, um es als E-Book zu veröffentlichen?
Was bist Du dir wert?
Du musst ja nicht gleich eine Fernreise buchen. Aber vielleicht eines der Törtchen beim Bäcker kaufen, die du eigentlich viel zu teuer findest, die dich aber bei jedem Einkauf anlachen. Oder das neue Buch deiner Lieblingsautorin – was den wunderbaren Vorteil hätte, dass du dich für weitere Mini-Schritte mit einzelnen Kapiteln belohnen könntest. (Videos, Filme und Serien funktionieren bei mir auch gut. Wenn mir etwas besonders auffällt, „spare“ ich mir die Folge oder den Film regelrecht für einen Erfolg auf.)
Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, sich zu belohnen, dass ich sehr lang tippen könnte, ohne zu einem Ende zu kommen: ein Wellness-Ausflug mit der Freundin, ein Tag im Wald, ein Spaziergang durch den Park, ein kühles alkoholfreies Bier am Abend, dein Lieblingstee …
Und weiß du, was das Beste an dem ganzen Konzept ist? Dass du ganz allein bestimmen kannst, was du als Erfolg definierst. Es ist dein Leben, deine Arbeit, dein Text, dein Erfolg – und deine Belohnung! Da kann dir keiner reinreden. Immerhin geht’s um dein Gehirn, das motiviert werden will. Wer könnte also besser entscheiden, was es braucht?
Also überlege dir, was dich glücklich machen, was bei dir als kleine und große Belohnung funktionieren könnte. Stelle dir den Lohn konkret in Aussicht: Wenn ich diese drei Seiten geschafft habe, dann schaue ich mir ein Video zum Thema Rhododendren-Pflege an. (Du hast ja komische Hobbies …) Wenn ich meine Rohfassung überarbeitet habe, mache ich Pause und hänge einen ganzen Nachmittag mit meinem Lieblingsbuch auf dem Sofa herum. (Das geht natürlich nur, wenn du keine kleinen Kinder hast, die derweil auf dir herumturnen. In dem Fall könnte eine große Belohnung lauten: Ich organisiere einen Babysitter und gehe mit meinem Partner chic essen. Oder zur Pommesbude. Hey, es ist dein Gehirn. Was weiß denn ich?!)
Und jetzt los! Mach dir Gedanken, schreib dir ein paar Ideen auf – und verbinde sie mit deinen Schreibaufgaben. Probiere verschiedene Sachen aus, spiele mit den verschiedenen Möglichkeiten. Dein schriftstellerisches Ich wird es dir danken.
Hast du Fragen? Oder bereits Erfahrungen mit Belohnungen rund ums Schreiben gemacht? Dann freue ich mich über einen Kommentar.
Viele Menschen haben ein (fast) fertiges Manuskript in der Schublade liegen, veröffentlichen es aber nicht. Natürlich gibt es Schriftsteller, die tatsächlich nur für sich und ihre Schublade schreiben, vielleicht noch für die Familie, und damit zufrieden sind. Es gibt aber auch diejenigen, die unzufrieden mit diesem Zustand sind, und auch ich gehörte lange dazu. Dabei geht es nicht einmal darum, einen Bestseller zu landen, sondern um den Wunsch, das eigene Buch im Regal stehen zu sehen – sei es nun zu Hause oder in der Buchhandlung. Vielen reicht die virtuelle Variante und sie möchten ein E-Book herausbringen.
Auch du hast ein Buch, das auf die Veröffentlichung wartet, aber es gelingt dir einfach nicht?
Dann kommen hier 15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst – und dazu ein paar Lösungsideen.
1. Ich weiß nicht, wie das technisch geht.
Die Sorge, die Veröffentlichung technisch nicht gewuppt zu bekommen. ist verständlich. Wenn du klassisch über einen Verlag veröffentlichen möchtest, wendest du dich am besten an eine Literaturagentur, da dies heutzutage der übliche Weg ist, um eine Tür ins Verlagshaus zu öffnen. Die technische Seite wird ab diesem Zeitpunkt für dich keine große Rolle mehr spielen, da du kaum in die Bredouille kommen wirst, dich mit ihr zu beschäftigen, von normalen Textverarbeitungskenntnissen einmal abgesehen.
Hast du dich allerdings für Selfpublishing entschieden, sieht die Sache etwas anders aus. Dem technischen Problem ist aber mit einer Methode abzuhelfen, die dir vermutlich liegen wird: lesen. Das Internet ist voll von How-to-Anleitungen, die dich durch den gesamten Prozess dirigieren. Auch ich habe mir Etliches anlesen müssen. Einige Links zu guten Seiten, die mir selbst weitergeholfen haben, findest du unten. Ich kann nur sagen: Es ist zu bewältigen, auch wenn du heute noch nicht weißt, was epub ist und wie man ein Buch setzt. Völlig wurscht. Du kannst das lernen!
2. Ich will, dass es perfekt ist.
Hach ja, der ewige Perfektionismus … Was meinst du, wie viele Bücher es auf dieser Welt gäbe, wenn nur die perfekten erscheinen dürften? Meine Schätzung: 0,0 Prozent. In jedem Buch wirst du Fehler finden, sei es nun in puncto Rechtschreibung, Grammatik, Buchsatz oder oder oder. Auch texthandwerklich finden sich haarsträubende Fehler. Erst kürzlich las ich ein Buch, bei dem es kurz vor Schluss zu einem Perspektivwechsel kam, der mich für einen Moment aus dem Tritt brachte. Na und? Das Buch war trotzdem gut.
Insofern kann ich dir nur Mut zusprechen: Du musst auf dieser Welt nicht perfekt sein, und dein Buch auch nicht. Gib einfach dein Bestes, aber auch das geht nur mit dem, was du bis zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gelernt hast. Das ist okay. Du wirst vieles dazulernen, und das gerade beim Veröffentlichen. Ich spreche aus Erfahrung, denn mein erster Heftroman schrieb sich auch anders als der vierzigste. So what?! Entspann dich – und beglücke die Welt mit deinem unperfekten, aber mit viel Elan und gutem Willen geschriebenen Buch.
3. Ich habe kein Geld.
Das war früher mal eine Ausrede, heute aber nicht mehr. Ich weiß, überall wird gerade dazu geraten, sich alles einzukaufen, was nötig ist, um Verlagspublikationen Konkurrenz machen zu können: Lektorat, Cover, Korrektorat, Buchsatz, Marketing … Das hat auch alles seine Berechtigung, wenn du dein Buch gut am Markt platzieren willst.
Wenn du aber bereit bist, dich von diesem Ziel – das vielleicht ein Fernziel bleiben kann, mehr aber nicht! – zu verabschieden, und erst einmal damit leben kannst, kleine Brötchen zu backen, dann kostet dich deine Veröffentlichung gar nichts. Es gibt Anbieter, die dein E-Book für 0 Euro herausbringen. Voraussetzung ist, dass du einen Computer mit Internetanschluss nutzen kannst. Das war’s schon. Leg los!
4. Ich habe zu viel Geld und stecke immer mehr in mein Projekt.
Deine Sorgen möchte ich haben … Scherz beiseite: Natürlich ist man versucht, sein „Baby“ so gut zu füttern, wie es irgend geht. Und wenn es einem wirklich wichtig ist, ist man vielleicht bereit, auf den nächsten Sommerurlaub zu verzichten und sich stattdessen ein Lektorat einzukaufen. (Mit der Familie muss das dann jemand anderes klären …)
Es muss aber alles seine Grenzen haben. Der Markt rund ums selbst veröffentlichte Buch wird immer unübersichtlicher, auch wenn vieles davon wunderbar und hilfreich ist, und man muss aufpassen, seine Scheinchen beieinander zu halten. Setze dir am besten vorab eine Grenze. So wie jede Firma ein Budget für ihre Projekte hat, wirst auch du dir eines geben müssen – denn du brauchst ja auch noch ein paar Euros fürs nächste Buch, oder?
5. Ich bin schüchtern, introvertiert oder publikumsscheu.
Bei diesen „Problemen“, hinter denen sich oft große Stärke verbirgt, lohnt es sich, zu einem sehr frühen Zeitpunkt darüber nachzudenken, wie viel du von dir zeigen möchtest beziehungsweise zu welchen Zugeständnissen du bereit bist. Kommst du für dich zu dem Schluss, dass du dich der Öffentlichkeit nicht aussetzen möchtest, kannst du unter einem Pseudonym veröffentlichen. Das entlastet dich – und dein Buch ist trotzdem draußen. Die Entscheidung, ob du das Pseudonym aufdecken möchtest oder nicht, verschiebst du auch später.
6. Was werden die Nachbarn sagen?
Mit Sicherheit alles Mögliche. Wie immer.
Ganz ehrlich: Die Nachbarn reden doch sowieso, das wussten schon „Die Ärzte“. Wenn du peinliche Folgen fürchtest, weil du einen knackigen BDSM-Roman oder einen Thriller mit einem Kettensägen schwingenden Serienkiller geschrieben hast und das nicht mit Hinz und Kunz aus Haus Nummer 8 diskutieren möchtest – dann schau dir noch mal Punkt 5 dieser Liste an. Auch in diesem Fall solltest du dich fragen: Bin ich bereit, das auszuhalten? Oder veröffentliche ich lieber unter einem Pseudonym? Und dann los!
7. Ich habe Angst vor rechtlichen Folgen.
Natürlich solltest du dich schlaugemacht haben, was du darfst und was nicht. Dazu gibt es viele Internetseiten. Im Zweifelsfall kannst du über den Abschluss einer Media-Haftpflichtversicherung nachdenken. (Ich bin Mitglied im Selfpublisher-Verband, in den man auch eintreten kann, wenn man noch vor der ersten Veröffentlichung steht. Über den Verband gibt es die Möglichkeit, eine Media-Haftpflicht zu günstigen Konditionen abzuschließen. Auch hier gibt es aber diverse Anbieter und du kannst die Preise und Konditionen vergleichen.)
Die Media-Haftpflicht lässt mich persönlich besser schlafen, obwohl ich natürlich alles tue, um meine Texte einwandfrei zu veröffentlichen. Aber wir sind alle nur Menschen, und auch mir – und dir – können ungewollt Fehler unterlaufen. In vielen Fällen springt hier die Versicherung ein. Dieses Wissen nimmt dir unter Umständen die Angst – und deiner Buch-Veröffentlichung steht nichts mehr im Wege.
8. Alle anderen sind besser als ich.
Stell dein Licht mal nicht unter den Scheffel. Wer genau sind denn „alle“? Sind das die „alle“ aus der Schule, die meine Tochter zitiert, wenn sie das neue Handy haben will? Oder die „alle“, die mein Sohn bemüht, wenn es um die neue Spielkonsole geht, die angeblich „alle“ zu Weihnachten bekommen?
„Alle“ ist ein sehr großer Begriff, und wo es bei oben genannten Beispielen faktisch um maximal zwei Personen geht, denen entsprechender Besitz nachzuweisen ist, halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass du dich an zu wenigen übergroßen Vorbildern orientierst. Du solltest dich da maximal mit Leuten deiner eigenen Liga vergleichen. Kreismeisterschaft, nicht Olympia. Alles klar?
Also finde heraus, wer in deiner Liga spielt, und ordne dich da mal ein. Dann wirst du schon sehen, dass du zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gar nicht so schlecht dastehst, und was du jetzt nicht kannst, das kannste lernen. Was dann die Zukunft bringt, hast du ein Stück weit in der Hand, je nachdem, wie viel Zeit und Energie du in dein Projekt steckst. Und die anderen, die angeblich alle besser sind, können ein guter Motivator für bessere Texte sein – und vor allem Kollegen, mit denen du dich vernetzen kannst!
9. Wenn ich keinen Verlag finde, will ich gar nicht veröffentlichen.
Yoah. Bisschen deprimierend, die Einstellung, aber wenn du damit glücklich wirst … Wirste nicht? Dann solltest du vielleicht mal an deiner Einstellung arbeiten. Der Selfpublisher-Markt ist für Autoren zurzeit schwierig, was das Einkommen angeht, das gilt aber auch für Verlagsautoren (siehe den entsprechenden Artikel in der aktuellen „Federwelt“ Nr. 136). Zählt also nicht. Und du willst ja momentan kleine Brötchen backen (siehe oben) und erst mal „nur“ veröffentlichen. Warum dann nicht als Selfpublisher?
Schiefe Seitenblicke hat man kaum noch zu befürchten, dafür hat sich die Branche in den letzten Jahren zu stark konsolidiert und viele gute Bücher auf den Markt gebracht. Immer mehr Leser wenden sich gerade Selfpublishern zu. Und das Ganze hat den Vorteil, dass du absolut selbstbestimmt arbeiten kannst und auf alle Schritte den Daumen drauf hast – für mich das relevante Kriterium für einen Wechsel. Ich mag unabhängiges Arbeiten und kaufe mir im Zweifelsfall Leistungen ein, die ich benötige. Wenn dich das auch reizt, leg los und veröffentliche dein Buch selbst. Der Wechsel in einen Verlag ist danach immer noch möglich, du bist nicht „verbrannt“. Vielleicht willst du dann aber gar nicht mehr wechseln, weil Selfpublishing dir mehr liegt. Das kannst du nur durch Ausprobieren herausfinden.
10. Ich habe keine Zeit, mich damit zu beschäftigen.
Du leidest nicht an Zeitmangel, sondern setzt keine Priorität aufs Veröffentlichen. Das ist ein Unterschied. Du hast es ja auch geschafft, das Buch zu schreiben, hast also die Priorität darauf gesetzt und anderes dafür bleiben lassen. Genauso läuft es mit dem Veröffentlichen. Natürlich, die Arbeitsschritte sind andere, oft technischer Natur, für dich vielleicht nicht so spannend oder sogar nervtötend. Hilft aber nix. Wenn du wirklich veröffentlichen willst, muss das deine Priorität sein. Sonst wird dat nix. Punkt.
11. Was habe ich der Welt schon zu sagen?
Boah. Das ist ja noch schlimmer als Punkt 8. Geht’s noch?
Du bist einzigartig. Eine*n wie dich gibt’s nicht noch mal auf diesem Planeten. Nur du hast diese Gene, nur du hast die Dinge erlebt, die Schicksalsschläge und großartigen Ereignisse. Nur du bist all diesen Menschen begegnet, die dich geprägt haben. Und nur du kannst diese Geschichten erzählen, mit deiner einzigartigen Stimme – weil es dich nur EIN MAL gibt. Noch Fragen?
12. Mein Rohentwurf ist fertig, aber die Überarbeitung schreckt mich ab.
Ja, Arbeit ist echt ätzend. Kenn ich. Drück ich mich auch gern vor.
Also hast du – wie ich – zwei Alternativen: Die Erstfassung in einem sehr, sehr guten ersten Guss zu schreiben, der kaum der Überarbeitung bedarf. Das erreichst du (vielleicht) mit viel Übung. Doch sobald du dich einer neuen Herausforderung stellst, zum Beispiel das Genre wechselst, dich an eine neue Perspektive herantraust oder ein größeres Ensemble, ist es vorbei damit.
Dann bleibt nur eines: Setz dich auf deinen Hintern und arbeite das Ding durch. Und das leider mehrfach.
Kürzlich habe ich ein langes Wochenende genutzt, die Familie ausquartiert und mich durch meinen nächsten Roman geackert. Das war fürchterlich anstrengend, aber auch sehr ergiebig. Das Schlimme daran ist: Es wird nicht die letzte Überarbeitung sein. Ich arbeite so, dass ich den Text zunächst an zwei Testleser gebe – in diesem Fall an meinen Mann und meinen Ex-Mann. Lustig, wo ich gerade drüber nachdenke …
Was die beiden eint? Der eine ist gemein und nimmt meinen Text gnadenlos auseinander, was in dieser Phase für mich sehr wichtig ist. Der andere findet alles toll und krittelt bloß an ein paar Rechtschreibfehlern rum, was in dieser Phase ebenfalls sehr wichtig für mich ist, weil ich mein „Baby“ das erste Mal jemandem zeige. (Nein, ich sage jetzt nicht, wer welchen Part übernimmt …)
Die Anmerkungen der beiden setze ich um. Dann geht der wieder überarbeitete Text an die nächsten Testleser. Und wieder überarbeiten. Dann kommt eventuell ein Lektorat. Wieder überarbeiten. Puh …
Was bedeutet das?
Antwort: Wenn du schon aufs erste Überarbeiten keinen Bock hast, dann kannst du’s mal grad vergessen. Denn du wirst dich dem mehrfach stellen müssen.
Aaaaber: Es gibt Hilfe. Die nennt sich B-e-l-o-h-n-u-n-g.
Die Überarbeitung eines Textes gleicht einer Challenge, die für mich manchmal viel anstrengender ist als das Schreiben der Rohfassung. Und eine Challenge schreit nach Belohnung, möglichst nach jeder genommenen Etappe. Überleg dir einmal in einer stillen Minute, was dir gut tun würde, und dann belohne dich auch wirklich damit. Dein Gehirn wird nach ein wenig Training checken, dass es was Gutes gibt, wenn es die Arbeit einfach erledigt – und sich irgendwann nicht mehr so dagegen sperren.
13. Mit meiner Überarbeitung bin ich nicht zufrieden. Das wird nie was. Weg damit!
Siehe zunächst die Punkte 8 und 11, die da bestimmt mitschwingen. Hinzu kommt aber noch Folgendes: Kurz vorm Ende hat schon so mancher aufgegeben. Da kommen noch mal alle Skrupel hoch, alle Steine, die dir dein Gehirn schon vorher in den Weg gelegt hat und die du erfolgreich zur Seite geräumt glaubtest. Zack, da sind sie wieder!
Aber jetzt nicht verzweifeln. Entweder schaffst du es selbst, gut zu dir zu sein, dich wieder auf Spur zu bringen und das Ding einzutüten, bevor du es zerstörst. Oder du suchst dir Hilfe, zum Beispiel bei einer Schreibgruppe, bei befreundeten Autoren-Kollegen oder einem Coach, den du dann natürlich bezahlen musst. Oft hilft die Sicht von außen, um die positiven Aspekte deiner Geschichte wieder in den Vordergrund zu rücken und dir Selbstvertrauen zu geben – damit du wieder an dich und deinen Text glauben kannst. Jetzt bloß nicht aufgeben!
14. Ich werde einfach nicht fertig.
Weil du vielleicht nicht fertig werden willst? Weil du dann groß und erwachsen sein und die Konsequenzen ziehen musst? Weil du dein „Baby“ loslassen und es hinaus in die Welt schicken musst?
Komm schon! Du schaffst das! Du bist schon so weit gekommen. Hör auf, dir selbst im Weg zu stehen und hau rein! Die letzten Meter ziehst du auch noch durch. Ich glaub an dich – und an dein Projekt.
15. Ich trau mich nicht, den Knopf zu drücken und das Ding hochzuladen.
Das erste Mal ist immer aufregend. Immer. Und rückblickend betrachtet wirst du es als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten. Daher ruf dir in diesem Moment all die ersten Male, die du in deinem langen Leben „durchlitten“ hast, in Erinnerung: Ist es nicht großartig, dass du das alles erleben durftest?
Und jetzt auch noch das. Und DU hast es gemacht. Phantastisch, großartig, unglaublich! Mit diesem Knopfdruck beginnt der nächste Abschnitt in deinem Leben als Autor*in, Schriftsteller*in oder wie auch immer du dich siehst. Und jetzt drück!
Da bist du ja! Du hast es geschafft, hast dich überwunden und alles durchgezogen, was an Herausforderungen auf dich gewartet hat. Ich beglückwünsche dich zu deinem Mut und deiner Stärke.
Und zu deinem ersten Buch!
E n d e
Hast du dich in dieser langen Liste irgendwo wiedergefunden? Ich kann sogar bei fast allen Punkten ein Häkchen machen. Je nach Gemütslage (und Kontostand) traf mal das eine, mal das andere auf mich zu. Trotzdem habe ich den Widerstand überwunden – und veröffentlicht. Und was ich kann, das kannst du auch!
Hast du noch mehr Tipps und Anregungen, um aus der Nicht-Veröffentlichen-Falle herauszukommen? Oder hast du Fragen? Dann schreib mir einen Kommentar.
Holl di munter!
Deine Kerstin
Ein paar nützliche Links:
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