Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte

Manchmal wäre ich gerne ein entdeckender Schreiber. Ich stelle mir vor, wie ich mich eines Tages mit einer grandiosen Idee an den Schreibtisch setze, meiner Figur, die sich von Zauberhand selbst erschafft, quer durchs Manuskript folge, und am Ende eine phantastische Geschichte ausdrucke, völlig von der aus mir heraussprudelnden Kreativität überwältigt.

Schön wär’s.

Tatsache ist, dass solch ein Erlebnis mir wohl für immer verwehrt bleiben wird – denn ich bin kein „discovery writer“, wie es im Englischen heißt, sondern ein „outliner“ – ein planender Schreiber. Und als solcher liebe ich das Plotten.

Plotten?, fragst du. Nie gehört. Was’n das?

Vom Plotten zum Plot

Wenn ich plotte, lege ich den Plot – also die Handlung beziehungsweise den Handlungsablauf meiner Geschichte – fest. Dabei gehe ich so vor: Meist denke ich über eine Grundidee eine ganze Weile nach, spinne die Geschichte weiter, spiele verschiedene Szenarien durch. Insofern bin ich in dieser Phase entdeckend: Ich lasse mich von meiner Grundidee inspirieren und spiele so lange herum, bis ich das Gefühl habe, etwas in der Hand zu haben.

Das ist meist eine kurze Zusammenfassung der Geschichte. In wenigen Sätzen könnte ich dir dann erzählen, was am Anfang, in der Mitte und am Ende passiert und wer die wichtigsten Personen sind.

Mehr nicht.

Das ist ja schon mal was, sagst du. Dann kannste ja anfangen zu schreiben.

Nö, leider nicht. Ich würde mich nämlich vollkommen in der Geschichte verlieren. Es gäbe für mich zu viele offene Fragen, die ich während des Schreibens beantworten müsste. Das würde entweder dazu führen, dass ich ohne Ende tippe und tippe oder – viel schlimmer! – in eine Blockade gerate. Die schiere Menge an Möglichkeiten, die sich mir in diesem Moment aufdrängen, würde zu Stillstand führen.

Um solch einer frustrierenden Situation vorzubeugen, brauche ich ein Gerüst. Dieses Gerüst heißt Szenenumbruch.

Szene für Szene

Bevor ich mich daran setzen kann, muss ich aber noch etwas anderes erledigen: Wenn ich meine Geschichte in Grundzügen kenne, gehe ich hin und beschäftige mich mit den Figuren: Wie heißen sie, wie alt sind sie, was ist ihr Beruf und so weiter. (Und ich beantworte in diesem Stadium auch die wichtigste Frage: Ist es dir größte Krise im Leben meiner Heldin, meines Helden? Wenn nicht, muss ich noch mal zurück auf Anfang.)

Mit diesem Wissen über meine Figuren setze ich mich an den Szenenumbruch, (Manche Autoren schieben gerne ein Exposé und ein Treatment dazwischen. Da ich damit nicht (mehr) arbeite, lasse ich beides an dieser Stelle weg.) Nun schreibe ich auf kleine Karteikärtchen alle Szenen, die für meine Geschichte wichtig sind, und teile sie auf die drei Akte auf. Wenn ich die wichtigsten Szenen, von denen ich bereits weiß, dass sie relevant sein werden, verteilt habe, schreibe ich alle weiteren auf Kärtchen, die ich mir vielleicht im Lauf der Zeit notiert habe oder die mir in diesem Moment einfallen. Hier lasse ich tatsächlich meiner Kreativität freien Lauf.

An dieser Stelle ist das für mich auch angebracht, denn hier blockiert mich die Menge an Möglichkeiten nicht. Sofern mein Vorrat an Karteikarten mir keinen Strich durch die Rechnung macht (alles schon erlebt!), schreibe ich alles auf, was mein Gehirn ausspuckt und schiebe es auf einem großen Tisch hin und her. Ich muss mich wirklich bemühen, an diesem Punkt alle Fragen zu beantworten und irgendeine Antwort auf alle großen Punkte der Geschichte zu finden – auch wenn sie doof ist. Selbst wenn ich meine Idee für den Höhepunkt hanebüchen, an den Haaren herbeigezogen oder peinlich finde – ich schreibe sie erst mal auf, wenn mir nichts Besseres einfällt. Denn wenn da nichts steht, brauche ich gar nicht erst mit dem Schreiben anfangen, das weiß ich aus Erfahrung.

Von der Karte zum Text

Wenn ich das Gefühl habe, erst einmal zu einem Ende gelangt zu sein, höre ich – meist ziemlich erschöpft, aber glücklich – auf und hefte alles an meine Pinnwand. Obendrüber kommt eine größere Karteikarte mit dem Arbeitstitel. Da hängt das Ganze eine Weile – mindestens mehrere Tage, eher Wochen. Immer wieder gehe ich hin und meditiere über diesen Kärtchen. Ich stelle mir folgende Fragen:

  • Passt das noch für mich?
  • Bin ich zufrieden mit der Abfolge der Szenen?
  • Könnte ich noch mehr Spannung hineinbringen?
  • Ist alles logisch?
  • Habe ich an alles gedacht? Oder fehlt etwas?

Weitere Kärtchen wandern dazu: Ergänzungen, die Nebenhandlung, Beschreibungen der Figuren, wichtige Infos. Diese hefte ich über und neben meine Szenenabfolge, um nichts durcheinanderzubringen und mich optisch zu verwirren.

Wenn ich dann das Gefühl habe, beginnen zu können, nehme ich alles von der Pinnwand – und fange an zu schreiben. Ich lasse die Karten bewusst nicht an der Pinnwand hängen, weil ich den Stapel so nämlich mitnehmen kann. Und ich ziehe nur das Kärtchen heraus, das für mich gerade relevant ist. Das beugt der Verzettelung vor.

Ich arbeite mich quer durch meine Geschichte. Meist fange ich am Anfang an und schreibe vor mich hin. Wenn ich an einem Tag das Gefühl habe, nicht direkt dort wieder ansetzen zu können, wo ich aufgehört habe, suche ich mir ein anderes Kärtchen heraus und setze damit meine Arbeit fort. Ich lasse mich intuitiv durch die Geschichte treiben, und so hat es doch etwas „Entdeckendes“ – ohne mich zu stressen oder das Schreiben zu verhindern,

Ich kann sogar entscheiden, alles anders zu machen, wenn ich während des Schreibens doch feststellen sollte, dass mein Plot nicht funktioniert. (Doof, aber alles schon dagewesen …) Dann nehme ich einen Stapel neue Kärtchen und gehe zurück zum Szenenumbruch. (Ich höre nicht frustriert mit dem Schreiben auf! Wichtig!)

Dann schreibe ich weiter. Und irgendwann nehme ich das Kärtchen mit der letzten Szene – und bin mit der Rohfassung fertig.

Klingt langweilig?

Mag sein – ist aber sehr effektiv! Mehr als vierzig veröffentlichte Heftromane dürften mir recht geben. Für mich habe ich damit die ideale Methode gefunden.

Wie arbeitest du? Bist du ein entdeckender Schreiber oder ein planender? Gehst du ähnlich vor wie ich – oder ganz anders? Deine Erfahrungen interessieren mich. Schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Ignoriere Kritik – und mach dein Ding!

Du fürchtest dich vor 1-Stern-Rezensionen? Dir graust es bei der Vorstellung, dich vor Kollegen und Nachbarn für deine Bücher rechtfertigen zu müssen? Du hast schlaflose Nächte aus Angst vor Kritik deiner Mit-Autoren? Ich sage:

Dir kann geholfen werden.

Und zwar mit einer Technik, die ich leider in Mini-Schritten und Maxi-Jahren erlernen musste. Ich hoffe, dass du mit meiner Hilfe etwas schneller vorankommst.

Die Technik besteht aus zwei Punkten: 1. Ignorieren. 2. Machen.

Pah, sagst du jetzt vielleicht. Das kann doch jeder!

In der Theorie mag das so sein. In der Praxis sieht es jedoch oft so aus, dass die schönsten Manuskripte in irgendeiner Schublade vor sich hingammeln, weil dem Autor der Mumm fehlt, das Ding zu veröffentlichen. Oft genug aus oben genannten Gründen. Und weißt du was? Mir ging es auch lange so. Angst vor Kritik und fehlender Mut waren bei mir nicht der einzige Hemmschuh, aber diese Aspekte spielten mit Sicherheit hinein. 

Kümmern wir uns um Punkt 1: Ignorieren

Wie heißt es so schön im Songtext der Band „Die Ärzte“: „Lass die Leute reden …“

Als Autoren sind wir doch sowieso schon oft unser schärfster Kritiker. Jeden Satz nehmen wir auseinander, jeder Plot wird argwöhnisch bekrittelt, und an vielen Tagen finden wir das, was wir geschrieben haben, einfach nur doof. (Solltest du zu den glücklichen Ausnahmen gehören, denen solches Verhalten fremd ist: Herzlichen Glückwunsch!)

Fakt ist: Du wirst vermutlich nie zu hundert Prozent mit dem zufrieden sein, was du zu Papier gebracht hast. Und es allen anderen da draußen recht machen geht schon mal gar nicht. Das musste auch ich lernen, als ich Heftromane schrieb. Vielen sind die sogenannten „Groschenromane“ ein literarischer Dorn im Auge. Es gibt etliche Vorurteile gegenüber Autoren dieser Sparte, wie zum Beispiel, dass das alles nur so hingeluscht wird, aus der Konserve stammt, nur mit Stereotypen gearbeitet wird, ein einfacher Job ist, um Kohle zu verdienen und so weiter.

Dazu möchte ich Folgendes sagen: Ein Autor, der eine Serie im Zwei-Wochen-Rhythmus schreibt, legt alle zwei Wochen einhundert druckfertige Normseiten vor. Noch mal zum Mitschreiben: 100. Alle zwei Wochen. Das macht 2.400 Seiten im Jahr. Und zwar so, dass die Leser die Serie nicht nach zwei Folgen abbrechen, sondern sie für längere Zeit laufen kann. Das geht nicht, wenn man Schwachsinn schreibt. Ich habe immer auf vernünftige und psychologisch dichte Plots geachtet. Nur so hältst du die Leser bei der Stange, denn alles andere kaufen sie dir nicht ab. Dazu haben sie nämlich zu viel Lebenserfahrung, oft deutlich mehr als der Autor.

Trotzdem bin ich vielen Menschen begegnet, die entweder nur ein müdes Lächeln für meine Tätigkeit übrig hatten oder sogar blanken Hohn. Ich kann diesen Menschen nur raten: Sprecht einmal mit den Leserinnen. Mit einer Tagesmutter, die nach einem langen Tag mit Kleinstkindern abends todmüde ins Bett fällt und sich über eine spannende Liebesgeschichte freut, die aber keine tausend Seiten lang ist. Geht in ein Altenheim und seht in die leuchtenden Augen von Seniorinnen, die vielleicht alles verloren haben, nicht aber ihre Lust am Lesen – und an der Liebe, (Diesen Besuch kann ich auch jedem Romance-Autor, der mit seiner Profession hadert, nur wärmstens ans Herz legen. Ihr bringt Freude ins Leben vieler Frauen. Das ist eine lohnende Aufgabe. Punkt.)

Und nebenbei: Heftromane zu schreiben halte ich für eine der besten Schreib-Schulen überhaupt, denn wie in Journalismus und Werbung lernt der Autor hier, auf den Punkt und geplant zu schreiben. Keine 95 Seiten, keine 105. Sondern 100. Mit Deadline. Mit festem und wechselndem Personal, Haupt- und Nebenhandlungen und Spannungsbögen, die sich über mehrere Monate hinziehen. Einfach ist anders.

Aber was soll ich sagen? Ich konnte die Welt nicht ändern. Ich konnte die Menschen, die mich für meine Texte belächelten, nicht ändern. Ich konnte nur eines: sie ignorieren. Und aufhören, mir mit meiner Selbstkritik das Veröffentlichen zu verhageln.

Und das solltest du auch tun.

Denn jetzt folgt Punkt 2: Machen

Die schönste Idee ist nichts wert, wenn kein fertiger Text draus wird.

Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, denn jeder Schriftsteller weiß, wie vergnüglich es sein kann, sich ausschließlich mit den Ideen im eigenen Kopf zu beschäftigen. Das kann ein tagesfüllendes Programm sein. Bringt dich aber leider auf dem Weg zum Veröffentlichen nicht weiter. Denn da zählt nur der fertige Text, und der entsteht ausschließlich, indem du ihn schreibst, überarbeitest und dann hochlädst – plus etwaige Zwischenschritte.

Es hilft also nichts: Wenn du es geschafft hast, die ollen Kritiker zu ignorieren, musst du es im nächsten Schritt schaffen, zu produzieren. Mir fällt es immer leichter, produktiv zu sein, wenn ich weiß, wofür genau. Wenn ich mir vorher die Frage beantwortet habe, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt, kann mich das nicht mehr vom Schreibprozess ablenken.

Frage dich daher ganz konkret: Was kann ich gewinnen? Was ist möglich? Was kann ich erreichen? Stelle es dir vor, male es auf, schreibe es auf – und hänge es an deine Pinnwand. Vielleicht bist du besonders mutig und erzählst einem vertrauten Menschen von deinen geheimen Träumen. (Nicht diese Träume. Es sollte schon ums Schreiben gehen …) Motiviere dich mit diesen inneren Bildern.

Und dann mach. Schreibe. Veröffentliche. Setze um, was getan werden muss. Träume nicht nur davon, sondern lasse deine Träume Wirklichkeit werden.

Wäre das nicht der beste Weg, um deine Kritiker Lügen zu strafen?

Und jetzt zusammen

Wieder fällt mir eine Liedzeile ein, diesmal von Udo Lindenberg: „Ich mach mein Ding, egal, was die anderen labern …“

Recht hat er – und vereint damit die beiden Schritte, die ich für essentiell beim Schreiben und Veröffentlichen halte und für dich heute verbunden habe: ignorieren und machen. Und das nicht nur ein Mal, sondern immer und immer wieder.

Wirklich?, stöhnst du jetzt vielleicht.

Ja, wieder und wieder – bis du diesen Prozess so verinnerlicht hast, dass es nicht mehr weh tut und du gar nicht mehr darüber nachdenken musst. Das kann dauern. Aber es lohnt sich. 🙂

Wie sind deine Erfahrungen mit Kritik? Erzähl es mir in einem Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Und warum schreibst du?

Schreiben ist meine Berufung. Egal, was ich versuche – ich lande immer wieder beim Text. Das ist nicht einfach, weil es entgegen der landläufigen Meinung diverse frustrierende Aspekte an der schreibenden Tätigkeit gibt. Als Schriftsteller ist man beispielsweise die meiste Zeit mit sich allein, brütet teils jahrelang über denselben Fragestellungen, wird dabei immer wieder mit den eigenen Dämonen konfrontiert und erzielt nur mit Glück ein vernünftiges Einkommen.

Wer würde unter diesen Umständen keinen Ausbruchsversuch unternehmen? Ich jedenfalls habe es getan.

Mehrfach.

Diverse berufliche Umorientierungen und Lifecoaching-Seminare später musste ich jedoch feststellen, dass ich auf diesem Planeten bin, um:

  1. Geschichten zu lesen und
  2. Geschichten zu schreiben.

Alles andere ist nicht irrelevant, aber nachrangig. (Mit Ausnahme meiner Familie – die geht immer vor! Aber das versteht sich denke ich von selbst. 😉 )

Doch wie gelangte ich zu dieser Erkenntnis?

Natürlich durch eine Krise.

Natürlich? Ja, wie denn sonst! In der Krise erkennen viele Menschen, was den Kern ihres Daseins ausmacht – so auch ich. Meine Krise hieß Krankheit. Ich musste über Monate mit starken Schmerzen und diversen belastenden Begleiterscheinungen leben, durch die ich fast verrückt wurde, und gegen die nichts half. Erst nach einem halben Jahr und dank eines fähigen Arztes setzte endlich die Heilung ein. Heute bin ich auf dem besten Weg, wieder ganz gesund zu werden oder zumindest gut mit dem leben zu können, was von der Erkrankung bleiben wird.

Zurückgeblieben sind aber auch eine Reihe von wichtigen Fragen, die ich mir in den dunklen Monaten immer wieder gestellt habe: Wenn alles wegbricht, was bleibt dann noch? Wie soll ich mich beruflich orientieren, nachdem meine vorherige körperliche Tätigkeit nicht mehr möglich ist? Was ist mein Fokus im Leben? Welches Auslassen werde ich am Ende meines Lebens bereuen? Was steht auf meiner Bucket List? Die Krise schuf Klarheit, und ich konnte auf meine Fragen eindeutige und einfache Antworten finden:

  1. Geschichten lesen
  2. Geschichten schreiben.

Nachdem ich das begriffen hatte, nahm mein Leben eine entscheidende Wendung. Wenn es nämlich so ist, dass das Lesen und das Schreiben das Koordinatensystem meines Lebens bilden, sollten sie doch auch den meisten Raum einnehmen, oder? Gedanklich, zeitlich, räumlich, finanziell. Viel Energie ist verpufft, viele Ressourcen habe ich verschwendet, weil ich mich nicht ganz auf das ausgerichtet habe, was mir am wichtigsten ist. Das ist so schade!

Und eine Aufforderung, es zukünftig besser zu machen. Die Priorität richtig zu setzen. Mich nicht mehr ablenken zu lassen von dem Zuviel an Möglichkeiten da draußen.

Gleichzeitig möchte ich meine Erfahrungen nicht missen. Ich habe viel gesehen und erlebt, beruflich wie privat. Das ich ein Schatz, den ich als Schriftstellerin heben kann. Und da ich zum Glück ein grundsätzlich optimistischer Mensch bin, dessen Glas eher halb voll als halb leer ist, stellte sich auch recht rasch Zufriedenheit mit meiner neu gewonnen Erkenntnis ein. Ich beschloss alsdann, dass die Wonnen von Punkt A die Qualen von Punkt B ausgleichen. Dass Punkt B außerdem viel Gutes für die Zukunft bereithält, auf das ich mich stärker ausrichten muss. Und dass ich meinen Kindern ein schlechtes Vorbild gebe, wenn ich mich weiterhin vor der größten Herausforderung meines Lebens drücke, und die heißt: Bücher veröffentlichen.

Nun zurück zu Ausgangsfrage: „Warum schreibst du?“

Frag einmal hundert Autoren danach. Du bekommst vielleicht nicht hundert, aber doch eine ganze Menge unterschiedlicher Antworten. Es wären vermutlich folgende dabei:

  • aus Spaß,
  • um mich selbst zu verwirklichen,
  • um berühmt zu werden,
  • um einen Bestseller zu schreiben,
  • weil ich gerne lese und mal ausprobieren wollte, ob ich auch selbst Geschichten schreiben kann,
  • weil meine Mutter/mein Mann/meine Kinder meinten, ich solle die Geschichten aufschreiben, die ich ihnen erzähle,
  • und so weiter und so fort.

Nachdem ich dir nun meine Geschichte erzählt habe, wirst du nachvollziehen können, dass meine Antwort auf die Frage lautet: Ich schreibe, weil es der Kern und die Triebfeder meines Daseins ist.

Kannst du auch so klar benennen, was dich zum Schreiben drängt? Was du damit erreichen möchtest, für dich und für andere? Was dich antreibt? Ich wünsche dir keine klärende Krise, wie ich sie erlebt habe, auf gar keinen Fall. Aber ich wünsche dir Zeit und Muße, um einmal ganz in Ruhe in dich zu gehen und dir diese Frage zu stellen. Die Antwort brauchst du nämlich, damit du das Schreiben an den richtigen Ort in deinem Leben einsortieren kannst; damit du deiner Kreativität den Raum, die Zeit und das Geld einräumst, die sie in genau deinem Leben verdient hat.

Und die Antwort brauchst du außerdem, damit sie dich durch schwere (Schreib-)Zeiten trägt. So wie mich.

Also los: Ich schreibe, weil …

Auf deine Antwort freue ich mich in den Kommentaren.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Darum solltest du Schreib-Erfolge feiern

Das Leben kann echt hart sein. Das weißt du, das weiß ich. Und das wissen leider auch die anderen, die einem das Schriftsteller-Dasein ganz schön schwer machen können. Externen Lohn für unsere Mühen dürfen wir meist nicht erwarten, träumen aber bisweilen davon. So manchem geht auf dem langen Weg zur Veröffentlichung die Luft aus. Irgendwo zwischendrin ist die Motivation verloren gegangen. Frustriert gibt der einst ambitionierte Autor auf.

Damit es dir nicht so ergeht, möchte ich dir heute ein paar Gedankenanstöße geben, warum du Schreib-Erfolge feiern solltest.

Am Anfang stehst Du

Es ist doch so: unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Geschichten. Darum geht es. Das ist der Anfang. Wir sind unser erster Zuhörer. Schon kleinste Kinder erzählen sich selbst Geschichten, und zumindest im Kopf eines Schriftstellers hört das niemals auf. Aber was ist mit dem Leser, dem Markt, dem Bankkonto?, fragst du nun vielleicht. Meine Meinung: Das kommt alles erst danach. Das mag blasphemisch klingen, weil allerorten gepredigt wird, was wir tun müssen, um diese drei zu bedienen. Aber ich bestehe darauf: Die Texte entstehen zunächst aus uns und für uns. Da können wir noch so auf Statistiken, Marktentwicklungen und Verkaufszahlen schielen. Der Text erzählt unsere Sicht auf die Welt, unser Erleben, unsere Interpretation der Wirklichkeit. Es ist ein schöpferischer Prozess, der erst hinterher in Geld umgewandelt werden kann. Möglicherweise.

Und weil das so ist, bist du auch der erste Mensch, der sich über den fertigen Text freut. Ob es sich um eine Kurzgeschichte oder einen 800-Seiten-Wälzer handelt: Du hast das geschafft! Du ganz allein. Du hast dir die Zeit abgezwackt und den Text geschrieben. Du hast dir die Nächte um die Ohren geschlagen oder bist frühmorgens aufgestanden. Du hast die Priorität auf deine Geschichte gelegt und bestimmt so manches geopfert, um jetzt deinen Text in den Händen halten zu können – und das darfst du feiern!

Du bist deine Triebfeder

Aber sollte ich denn nicht erst dann feiern, wenn das Buch ein Erfolg ist?, fragst du nun vielleicht. Da kommt von mir ein klares Nein! Und das liegt nicht daran, dass ich gerne feiere. 😉 Dass du einen Text fertiggestellt hast – das ist der Erfolg. Was die anderen davon halten, wie es die Kritik aufnimmt, ob du dein Portmonee vor lauter Scheinchen nicht mehr schließen kannst – erst mal egal. Das fertige Buch interessiert vielleicht keine Sau. Oder es wird nicht gefunden, weil du dich (noch) nicht mit Marketing auskennst. Oder es entspricht nicht dem Zeitgeist. Oder oder oder. Alles wurscht, denn: Wenn du nicht in der Lage bist, dich selbst zu belohnen, wird es auch kein anderer können. Tolle Rezensionen, bombastische Umsätze, begeisterte Leserbriefe – alles für die Katz, wenn das alles dein Herz nicht erreicht.

Das hat nämlich etwas mit Wertschätzung zu tun, und zwar für dich selbst. Dich für Erreichtes zu belohnen, gibt deinem Gehirn einen entscheidenden Impuls, der dich motiviert und auch dann dranbleiben lässt, wenn es mal wieder hart wird. Und dich alle da draußen doof finden. Und deine Idee, schreiben und veröffentlichen zu wollen, sowieso.

Deshalb plädiere ich für Mini-Belohnungen auch für Mini-Erfolge. Frage dich: Was ist es dir wert, dass du das Buch geplant hast? Dass du das erste Kapitel geschafft, die Rohfassung erstellt hast? Dass du all deinen Mut zusammengenommen und das Ding hochgeladen hast, um es als E-Book zu veröffentlichen?

Was bist Du dir wert?

Du musst ja nicht gleich eine Fernreise buchen. Aber vielleicht eines der Törtchen beim Bäcker kaufen, die du eigentlich viel zu teuer findest, die dich aber bei jedem Einkauf anlachen. Oder das neue Buch deiner Lieblingsautorin – was den wunderbaren Vorteil hätte, dass du dich für weitere Mini-Schritte mit einzelnen Kapiteln belohnen könntest. (Videos, Filme und Serien funktionieren bei mir auch gut. Wenn mir etwas besonders auffällt, „spare“ ich mir die Folge oder den Film regelrecht für einen Erfolg auf.)

Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, sich zu belohnen, dass ich sehr lang tippen könnte, ohne zu einem Ende zu kommen: ein Wellness-Ausflug mit der Freundin, ein Tag im Wald, ein Spaziergang durch den Park, ein kühles alkoholfreies Bier am Abend, dein Lieblingstee …  

Und weiß du, was das Beste an dem ganzen Konzept ist? Dass du ganz allein bestimmen kannst, was du als Erfolg definierst. Es ist dein Leben, deine Arbeit, dein Text, dein Erfolg – und deine Belohnung! Da kann dir keiner reinreden. Immerhin geht’s um dein Gehirn, das motiviert werden will. Wer könnte also besser entscheiden, was es braucht?

Also überlege dir, was dich glücklich machen, was bei dir als kleine und große Belohnung funktionieren könnte. Stelle dir den Lohn konkret in Aussicht: Wenn ich diese drei Seiten geschafft habe, dann schaue ich mir ein Video zum Thema Rhododendren-Pflege an. (Du hast ja komische Hobbies …) Wenn ich meine Rohfassung überarbeitet habe, mache ich Pause und hänge einen ganzen Nachmittag mit meinem Lieblingsbuch auf dem Sofa herum. (Das geht natürlich nur, wenn du keine kleinen Kinder hast, die derweil auf dir herumturnen. In dem Fall könnte eine große Belohnung lauten: Ich organisiere einen Babysitter und gehe mit meinem Partner chic essen. Oder zur Pommesbude. Hey, es ist dein Gehirn. Was weiß denn ich?!)

Und jetzt los! Mach dir Gedanken, schreib dir ein paar Ideen auf – und verbinde sie mit deinen Schreibaufgaben. Probiere verschiedene Sachen aus, spiele mit den verschiedenen Möglichkeiten. Dein schriftstellerisches Ich wird es dir danken.

Hast du Fragen? Oder bereits Erfahrungen mit Belohnungen rund ums Schreiben gemacht? Dann freue ich mich über einen Kommentar.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Rituale für Schreibtisch-Täter

 

Das erste Wort. Der erste Satz. Der erste Absatz. Die erste Seite. An jedem dieser Punkte kann die Herausforderung lauern:

Wie komme ich überhaupt ins Schreiben rein?

Wie fange ich an? Wie schaffe ich es, mich aufs Schreiben einzustellen und meine Zeit nicht mit einfacheren Dingen zu verbummeln? Heute möchte ich dir ein paar Tipps geben, wie du dich mithilfe von Ritualen und Routinen aufs Schreiben „trimmen“ kannst. Diese Tipps habe ich alle ausgiebig erprobt und benutze etliche davon nach wie vor. Vielleicht ist ja etwas dabei, das auch dir hilft, in den Schreibfluss zu kommen.

Trage den Müll raus

Bevor ich an den Schreibtisch gehe, sorge ich für eine Grundordnung in der Wohnung. Wenn sich das Geschirr in der Spüle stapeln oder der Mülleimer überquellen würde, könnte ich mich nicht in Schreiblaune bringen. (Bügelwäsche-Berge kann ich hingegen wunderbar ignorieren. Es lohnt sich, einmal nachzuforschen, welche Hausarbeiten unbedingt vorher erledigt müssen und welche liegenbleiben können – denn sonst kommst du womöglich vor lauter Putzerei nicht mehr an den Schreibtisch. Ich habe zum Beispiel auf meiner Liste für Hausarbeiten explizit vermerkt, was unbedingt zu tun ist, und arbeite das ab. Der Rest muss warten. Punkt.) 

Wenn dir Bewegung hilft, um den Kopf für Kreativität freizubekommen, könntest du vorher spazieren gehen oder ein leichtes Workout durchziehen – leicht wohlgemerkt, denn wenn du völlig kaputt vor der Tastatur hockst, hast du dir wieder ein Bein gestellt. Ich gehe zum Beispiel kurz mit dem Mops raus. Der freut sich, möchte eh nicht weit laufen und ich kann mir auf dem Weg schon mal ein paar Gedanken über meinen Text machen.

Hast du noch Telefonate zu erledigen? Dann mach das lieber vorher, denn auch solche Unterbrechungen können dich aus dem Tritt bringen. Vielleicht denkst du zwischendurch immer wieder daran, dass du jemanden anrufen musst, und blockierst dich damit. Wenn du nicht darauf angewiesen bist, erreichbar zu sein, könntest du das Telefon für die Schreibzeit komplett ausstellen.

Die Laune ist entscheidend

Um dich in eine positive Grundstimmung zu bringen, gibt es auch ein paar Tricks und Kniffe, wie zum Beispiel bestimmte Kleidung anzuziehen. Du kannst den Raum gemütlich einrichten, dir deinen Lieblingstee kochen, eine Kleinigkeit zu essen vorbereiten oder Kerzen anzünden. Ein gleichbleibendes Ritual hilft deinem Gehirn irgendwann, zu begreifen, dass jetzt Schreibzeit ist – und es sperrt sich nicht mehr so dagegen. Sobald ich zum Beispiel am Schreibtisch sitze, sortiere ich zunächst meine Unterlagen und bereite die benötigten Materialien vor. Manchmal entstaube ich erst die ein oder andere Ecke, damit ich mich wirklich wohlfühle. Nebenbei lasse ich leise Musik oder ein Video laufen, das mich in die richtige Stimmung versetzt. Ich blättere noch einmal durch bisher Geschriebenes, entweder durch eine meiner Veröffentlichungen oder durch die Textpassagen, die ich im aktuellen Projekt bisher geschafft habe. (Da muss ich mich dann aber zwingen, nicht zu überarbeiten. Ich möchte ja kreativ schaffen. Pingelig darf ich erst später sein!)

Dem ein oder anderen mag es helfen, in Texte anderer Autoren hineinzulesen. Auch wenn ich natürlich gern und viel lese, gibt mir persönlich das in diesem Moment nichts. Lesen ist für mich so mit Freizeit und Genuss verbunden, dass ich dann vermutlich kein Wort mehr tippen würde. 😉 (Apropos tippen: Vielleicht hilft  es dir, den Einstieg von Hand zu versuchen. Mit einem gespitzten Bleistift oder einem Füller in dein Notizbuch zu schreiben, setzt eventuell die Energien frei, die du brauchst.)

Bei allen Tipps, die ich dir vorgestellt habe, finde ich persönlich es wichtig, dass sie wirklich den Charakter von Routinen oder gar Ritualen erlangen – denn erst dann ergibt sich ein Automatismus!

Hast du auch Rituale, die dir beim Schreiben helfen? Oder hast du Fragen? Dann schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin