Mit Listen zu mehr Schreib-Erfolg

Ich verzettle mich gerne mal. Bei der Menge an Aufgaben, die jeden Tag zu bewältigen sind, ist das kein Wunder. Dir geht es vielleicht ähnlich. Wie ich wirst du im Lauf der Jahre Techniken gefunden haben, die dir den Alltag erleichtern. Bei mir sind es ein Kalender, ohne den ich zu keinem Termin pünktlich käme – und die guten alten Listen zum Abhaken.

Ich habe für alles mögliche Listen, zum Beispiel für die täglichen Hausarbeiten oder den nächsten Zelturlaub mit der Familie. Sie entlasten mein Gehirn, denn wenn etwas auf der Liste steht, muss ich nicht mehr daran denken.

Listen, die ich permanent verwende, laminiere ich und streiche dann die entsprechenden Punkte mit einem Folienschreiber weg. Ich weiß, das kann man auch digital machen – funktioniert bei mir aber leider selten. Meistens vergesse ich, dass ich eine Liste angelegt habe, und wenn ich sie dann doch öffne, gibt mir das Anklicken kein so gutes Gefühl wie „in echt“. Aus ökologischen Gründen werde ich aber sicherlich ein paar weitere Versuche starten, denn immerhin verbrauche ich Papier, Druckertinte und in manchen Fällen Laminierfolie plus Stift. Das alles würde ich gerne einsparen, bin aber noch nicht so weit. (Eine Ausnahme ist hier meine „Checkliste Projekt“, die ich dir weiter unten vorstelle.)

Listen verwende ich auch beim Schreiben, und ein paar möchte ich dir heute vorstellen. Wenn dir das Prinzip der To-do-Liste schon aus anderen Zusammenhängen vertraut ist, wird es dir leicht fallen, es auch hier anzuwenden. Du hast damit noch nicht gearbeitet? Dann probier es mal aus. Vielleicht freut sich dein Gehirn genauso darüber wie meines – und das bedeutet mehr Kraft für kreatives Arbeiten!

Die Tagesliste

Auf meiner Tagesliste stehen die Arbeiten, die ich oft ausführe. Da sie wiederkehrend sind, oft sogar täglich, habe ich die Liste laminiert. „Tagesliste“ heißt aber nicht, dass ich alle Aufgaben auf der Liste stoisch abarbeite, denn dafür ist meine Zeit am Schreibtisch oft zu kurz. Es ist aber alles drauf, was regelmäßig ansteht, zum Beispiel: Korrekturlesen, Schreiben oder Plotten. Es stehen aber auch organisatorische Sachen darauf: Papierkram erledigen, Telefonate führen, Ablage, E-Mails bearbeiten.

Morgens schaue ich mir die Liste an. Je nach Zeitbudget, Dringlichkeit und Stimmung streiche ich dann schwungvoll alles weg, was an dem Tag nicht relevant ist, und widme mich ausschließlich den Sachen, die ich mir ausgesucht habe. Die Punkte habe ich dabei unterteilt in Bürokram, weiche Zeit und harte Zeit. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass ich nicht zu viel Zeit mit zwar wichtigen, aber wenig schöpferischen Dingen verplempere. Sie müssen erledigt werden, ohne Frage – aber die harte Zeit ist die Zeit, in der Texte entstehen! Das ist die Zeit, die hohe Konzentration erfordert und auch mal ein Sich-Durchbeißen. Bei mir fallen Schreiben und Überarbeiten in diese Kategorie. Wenn ich diese Punkte ständig von der Liste streichen würde, entstünde kein fertiger Text mehr. Insofern ist der Akt des Streichens eine Selbstkontrolle, bei der ich mich frage: Willst du wirklich den fünften Tag in Folge keine Minute in harte Zeit investieren?

Mit der Tagesliste schaffst du dir somit ein Gerüst, das dir den Einstieg in den Arbeitsprozess erleichtert. Du verzettelst dich weniger und kannst direkt mit produktiver Arbeit beginnen. Überlege einmal, welche Aufgaben du im Zusammenhang mit dem Schreiben immer wieder ausführst und notiere sie. Diese Aufzeichnungen bilden dann die Grundlage für deine eigene Tagesliste.

Die Wochenliste

Eine weitere Liste, die ich regelmäßig nutze, ist meine Wochenliste. Diese ist im Grunde eine Übersicht meiner kompletten To-dos außerhalb regelmäßig wiederkehrender Aufgaben – die kommen ja auf die Tagesliste. Alles, was im Zusammenhang mit dem Schreiben anfällt, kommt auf diese Liste. Einige Beispiele: die Konvertierung eines Textes für eine Veröffentlichung, Klärung technischer Fragen diesen Blog betreffend oder Weiterbildungen, die ich gerne machen möchte. Thematisch zusammenhängende Dinge fasse ich unter Überschriften zusammen, zum Beispiel Blog und Weiterbildung. Große Aufgaben zerlege ich in Kleine und führe die Punkte einzeln auf, so dass ich sie nach und nach abarbeiten kann. Habe ich eine große Aufgabe bewältigt und damit einen Meilenstein erreicht, gibt’s eine Belohnung. (Was bei unserem Mops funktioniert, funktioniert auch bei mir.)

Meine Wochenliste drucke ich montags aus. Ich markiere mit einem roten Punkt, welche der vielen Punkte ich mir für die Woche vornehme. Den Zettel hänge ich direkt über den Monitor an die Pinnwand – und versuche dann, die Aufgaben zu bearbeiten. Das klappt nicht immer, aber so stehe ich nicht vor einem riesigen Berg an Einzelaufgaben, die mich in ihrer Masse komplett überfordern würden. Fallen einzelne Aufgaben hintenüber, kann ich zumindest nachhalten, woran es gelegen hat. Ich bin aber so oder so weitergekommen, wenn auch in kleinen Schritten. Diese Erfolge schreibe ich mir auf, um mich weiter zu motivieren: Das habe ich diese Woche geschafft. Toll!

Checkliste Projekt

Starte ich ein neues Projekt, trage ich alle anfallenden Aufgaben zusammen und erstelle eine Liste. Vieles wiederholt sich ja von Projekt zu Projekt, manches ist aber auch anders. Die Liste drucke ich nicht unbedingt aus, weil sie doch einen sehr langen Zeitraum abdeckt, manchmal über mehrere Jahre, und der Platz auf meiner Pinnwand begrenzt ist. Ich lege sie mir daher auf den Desktop, damit ich dann und wann mal reinschauen kann. Wird ein Punkt aktuell, wandert er auf meine Wochenliste.

Mein Langzeit-Schreibprojekt 21ufos habe ich beispielsweise in einer Tabelle erfasst. Das erste Blatt fasst alle Projekte in einer Tabelle zusammen mit Stand der jeweiligen Bearbeitung. Jedes weitere Blatt ist dann einem einzelnen Projekt gewidmet. Hier finden sich zum Beispiel die Aufgaben Buchsatz und Überarbeitung wieder, die dann zum richtigen Zeitpunkt auf meine Wochenliste wandern.

Jeder Punkt lässt sich dabei natürlich bis ins Kleinste herunterbrechen und als eigene Datei oder eigener Zettel anlegen. Schreiben ist zum Beispiel ein guter Punkt auf meiner Tagesliste – aber viel zu global, als dass ich damit im konkreten Moment arbeiten könnte. Schreiben auf ein Projekt bezogen bedeutet bei mir, dass ich mir eine Szene heraussuche und daran schreibe. Die Szene kenne ich, weil ich vor Schreibbeginn mehr oder weniger intensiv geplottet habe. (Wie genau ich vorarbeite, kann ich jetzt hier nicht beschreiben, das würde zu weit führen. Aber es kommt sicherlich noch ein Artikel dazu.) In meiner „Checkliste Projekt“ heißt der Punkt Schreiben daher auch anders, nämlich Erstellen der Rohfassung. Mit dieser Formulierung schicke ich den Bonvivant in mir auf die Terrasse – und setze den Arbeiter an den Schreibtisch. Ersterer will nämlich nur vor sich hinträumen und keine Aufgaben erledigen. So einen kann ich hier nicht gebrauchen. Er darf erst wiederkommen, wenn ich im Schreibfluss bin. 🙂

Checkliste Blogartikel

Bloggst du auch oder planst, es zu tun? Dann kann ich dir nur empfehlen, alle Aufgaben, die mit dem Veröffentlichen eines Blogartikels einhergehen, in einer Liste zusammenzutragen. Auf die „Checkliste Blogartikel“ kommen zum Beispiel die Punkte Foto suchen, Schlagwörter eintragen und Veröffentlichungstermin planen. So ersparst du es dir, dich vor jeder Veröffentlichung fragen zu müssen: Woran muss ich noch mal denken? Natürlich entstehen mit der Zeit Routinen. Aber wo Routinen entstehen, kommt es auch leicht zu Flüchtigkeitsfehlern. Mir hilft es daher ungemein, diese Liste noch mal zu prüfen, bevor ich den Artikel freigebe. 

Weitere Ideen für Checklisten wären zum Beispiel eine rund um das Veröffentlichen, was bei mir allerdings in der Projekt-Datei stattfindet. Auch geplante Werbemaßnahmen oder eine Liste der Fachliteratur, die du durcharbeiten möchtest, kannst du mit einer Liste erfassen. Hast du noch mehr Ideen zum Thema Listen und Schreiben? Oder hast du eine Frage? Dann freue ich mich über einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

So hilft dir Musik beim Schreiben

Heute schlage ich dir ein kleines Experiment vor. Dieses Experiment soll deinen Hörsinn ansprechen und deinen Körper zum Schwingen bringen, so dass er deine Texte gerne plant, schreibt und überarbeitet. Es geht um

Schreiben mit Musik.

„Hä?“, fragst du jetzt vielleicht. „Mach ich doch eh schon!“

Das mag sein. Aber planst du auch, was du wann hörst, oder machst du einfach nach Lust und Laune irgendwas an? Denn darum soll es heute gehen: wie genau ausgewählte Musik dir beim Schreiben und Überarbeiten helfen kann. Ich möchte dir Tipps geben, wie du konzentrierter planst, emotionaler schreibst, tiefer eintauchst und zum Schluss effektiver überarbeitest – und das nur mithilfe des richtigen Sounds. (Behalte deine üblichen Routinen ansonsten bitte bei, damit du sicher sein kannst, dass ein Effekt auf die Musik zurückzuführen ist. Wenn du zu viele Fässer gleichzeitig aufmachst, weißt du am Ende nicht, was dir geholfen oder geschadet hat. Und das wäre doch schade!)

1. Musik zum Einstimmen

Um überhaupt in Schreiblaune zu kommen, suche ich normalerweise eine Musik aus, die mich in eine gute Stimmung versetzt. Wenn du weißt, dass die Dancefloor-Charts der Neunziger ein Gefühl in dir wecken, das rundum positiv ist – dann los. Klassische Klaviermusik löst alle negativen Gedanken in dir aus? Auch gut. Das ist ja etwas Individuelles, und daher schlage ich hier keine konkreten Interpreten vor. Da musst du schon in dich selbst hineinhorchen.

Bei mir ist es beispielsweise südamerikanische Musik, im Speziellen Reggaeton. Ich kann nicht genau erklären, warum das so ist. Der Rhythmus scheint optimal zu sein, um mich auf Betriebstemperatur zu bringen. (Das würde ich sowieso empfehlen, und falls du läufst, kennst du das Prinzip vielleicht schon: Der Rhythmus muss stimmen. Er sollte zu deinem Pulsschlag und Laufrhythmus passen. So ähnlich ist es beim Schreiben: Wenn du durch die Musik völlig neben der Spur bist, wird kaum etwas Vernünftiges herauskommen. Wenn mein Mann beispielsweise Punk hört, dann schlägt mein Herz immer schneller und ich muss irgendwann den Raum verlassen – oder ihn rausschmeißen. Das heißt nicht, dass ich die Musik (oder meinen Mann) ablehne oder doof finde, im Gegenteil halte ich gerade viele Texte für sehr gelungen. Aber ich kann den Rhythmus nicht vertragen. Die Musik macht mich nervös. Leider!)

Die Musik zum Einstimmen soll im Endeffekt deine gute Laune fördern, damit du motiviert an die Arbeit gehst – nicht mehr und nicht weniger. Also notiere dir jetzt ein paar Musikrichtungen, Songs oder Interpreten, von denen du weißt, dass sie sich positiv auf deine Stimmung auswirken. Setzte ruhig ein paar auf die Liste, die dir im ersten Moment abwegig erscheinen. Beobachte dich in den nächsten Tagen, wie du auf einzelne Titel reagierst – auch die, die du normalerweise nicht hörst. Vielleicht ist eine Perle dabei, die dir weiterhilft. 

2. Musik zum Planen

Bist du eher ein entdeckender Autor, der während des Schreibens herausfindet, wohin die Reise geht? Oder überlegst du dir en détail, was wann mit wem passiert? Wenn du bereits weißt, dass Letzteres genau dein Ding ist, steht für dich zuerst die Planungsphase an.

Ja, ich gestehe: Auch ich gehöre dazu. Nach einer Phase des Durchdenkens, in der ich alles Mögliche zusammentrage und in Notizbücher schreibe, setze ich mich hin und schaffe ein Gerüst. Ohne dieses Gerüst könnte ich nicht effektiv arbeiten, weil ich mich im Text verlieren würde. Während ich beim Schreiben selbst die Zügel schießen lasse, versuche ich, hier sehr fokussiert vorzugehen. Ich möchte so viel wie möglich vorab bedenken, um während des eigentlichen Schreibens nicht ins Schlingern zu geraten. (Natürlich darf das nicht ausufern, denn dann würde es ewig dauern und der Text nie fertig werden. Außerdem muss auch noch etwas Offenheit für Planänderungen sein.)

Da ich in dieser Phase möglichst konzentriert arbeiten möchte, suche ich mir Musik heraus, die die Konzentration fördert. Dies kann zum Beispiel ruhige klassische Musik sein. Du lernst gerade für Schule, Studium oder Weiterbildung? Dann hast du vielleicht schon etwas herumgetestet und kennst förderliche Musik. Es gibt auch spezielle Kompilationen, die genau darauf abzielen, und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Vielleicht stehst du auf gefühlvolle Lovesongs. Das ist okay, solange deine Emotionen dir kein Schnippchen schlagen: Du sollst ja arbeiten und nicht heulen. 😉

Nun bist du dran: Welche Musik lässt dich runterkommen? Welche Songs bringen gleichzeitig dein Hirn auf Trab? Ab damit auf die Liste!

3. Musik zum Schreiben

Der kreative Akt des Schreibens ist anstrengend. Ich sitze nicht nur stundenlang da und tippe stumpf auf der Tastatur herum, sondern gehe geistig und körperlich mit. Gerade wenn es um die markanten Wendepunkte im Text geht, bin ich hinterher regelrecht erschöpft. Da kann ich nichts gebrauchen, das mich zusätzlich stresst oder Energien abzieht.

Ich höre gerne begleitend britische Singer-Songwriter und Bands, die mit Harmoniegesängen arbeiten. Die öffnen mir das Herz. Ich liebe sie einfach. Zuletzt hat mich ein oscarprämierter Soundtrack eines Films inspiriert, den ich grandios fand. Und wenn ich weiß, dass ein Kapitel vor mir liegt, in dem es emotional ans Eingemachte geht, dann kann ich nur epische Musik empfehlen. Diese begleitet zum Beispiel die Comichelden- und Science-Fiction-Blockbuster der letzten Jahre. Die Musik zieht mich mit und lässt mich in einen Flow geraten, in dem die Worte nur so aus mir heraussprudeln. Techno ist vielleicht auch geeignet, da dosiere ich persönlich aber sehr sparsam.

Fallen dir Songs und Musikrichtungen ein, die dich abheben und treiben lassen? Die deine Kreativität anregen, ohne dich vom Text wegzulocken? Dann gehören Sie auf deine Liste.

4. Musik zum Überarbeiten

Jetzt heißt es noch mal: volle Konzentration. Idealerweise ist eine Weile verstrichen, nachdem du deine Rohfassung fertiggestellt hast. So kannst du Abstand zum Text gewinnen, dich sammeln und mit anderem Blick nach Fehlern forschen.

Nun kommt es darauf an, in welchen Etappen du deinen Text überarbeitest. Ich lese ihn zum Beispiel erst einmal komplett, in einem Rutsch. Was mir dabei auffällt, markiere ich am Rand. Hier ist es mir im Grund wurscht, welche Musik im Hintergrund läuft. Meistens aber gar keine. Da lasse ich einfach den Text auf mich wirken. In der Stille fällt dann so manches auf, das sonst durchgerutscht wäre.

Geht es ins Detail, muss ich mich persönlich motivieren, weil Überarbeiten anstrengend ist. Ich mache mir schöne, entspannende Musik an, eventuell etwas, das die Konzentration fördert. Den ein oder anderen mögen Naturgeräusche unterstützen.

Und dann hilft nur eines: Augen zu und durch.

5. Deine Auswahl zusammenstellen

Jetzt hast du bestimmt eine lange Liste zusammenbekommen, oder? Im nächsten Schritt triffst du eine Auswahl und sorgst dafür, dass die von dir ausgewählten Songs verfügbar sind, bevor du dich das nächste Mal ans Schreiben setzt. Das ist nicht nur wichtig, weil du sonst wertvolle Schreibzeit mit Suchen verschwendest, sondern weil die ewige Prokrastination droht: Noch mal grad hier suchen, vielleicht ist das Stück was … Ach, das hört sich auch toll an! Und schwups ist die Zeit um, und das war’s mit deinem Vorsatz, produktiv zu arbeiten. Stell dir selbst kein Bein und hab die Sachen vor Schreib-Beginn griffbereit.

Während des Schreibens solltest du dich zwischendurch fragen: Tut mir die Musik noch gut? Oder brauche ich jetzt einen anderen Stil? Oder sogar Stille? Gerade dann, wenn deine Gedanken abschweifen, ist diese Innenschau angebracht. Ansonsten gilt: Probieren geht über studieren, und nur du wirst herausfinden, was dir guttut.

Ich wünsche dir fröhliches Testen und freue mich über einen Kommentar, wie es dir mit dem Experiment ergangen ist.

Holl di munter!

Deine Kerstin

15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst

(3 Epsioden)

Viele Menschen haben ein (fast) fertiges Manuskript in der Schublade liegen, veröffentlichen es aber nicht. Natürlich gibt es Schriftsteller, die tatsächlich nur für sich und ihre Schublade schreiben, vielleicht noch für die Familie, und damit zufrieden sind. Es gibt aber auch diejenigen, die unzufrieden mit diesem Zustand sind, und auch ich gehörte lange dazu. Dabei geht es nicht einmal darum, einen Bestseller zu landen, sondern um den Wunsch, das eigene Buch im Regal stehen zu sehen – sei es nun zu Hause oder in der Buchhandlung. Vielen reicht die virtuelle Variante und sie möchten ein E-Book herausbringen.

Auch du hast ein Buch, das auf die Veröffentlichung wartet, aber es gelingt dir einfach nicht?

Dann kommen hier 15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst – und dazu ein paar Lösungsideen.

1. Ich weiß nicht, wie das technisch geht.

Die Sorge, die Veröffentlichung technisch nicht gewuppt zu bekommen. ist verständlich. Wenn du klassisch über einen Verlag veröffentlichen möchtest, wendest du dich am besten an eine Literaturagentur, da dies heutzutage der übliche Weg ist, um eine Tür ins Verlagshaus zu öffnen. Die technische Seite wird ab diesem Zeitpunkt für dich keine große Rolle mehr spielen, da du kaum in die Bredouille kommen wirst, dich mit ihr zu beschäftigen, von normalen Textverarbeitungskenntnissen einmal abgesehen.

Hast du dich allerdings für Selfpublishing entschieden, sieht die Sache etwas anders aus. Dem technischen Problem ist aber mit einer Methode abzuhelfen, die dir vermutlich liegen wird: lesen. Das Internet ist voll von How-to-Anleitungen, die dich durch den gesamten Prozess dirigieren. Auch ich habe mir Etliches anlesen müssen. Einige Links zu guten Seiten, die mir selbst weitergeholfen haben, findest du unten. Ich kann nur sagen: Es ist zu bewältigen, auch wenn du heute noch nicht weißt, was epub ist und wie man ein Buch setzt. Völlig wurscht. Du kannst das lernen!

2. Ich will, dass es perfekt ist.

Hach ja, der ewige Perfektionismus … Was meinst du, wie viele Bücher es auf dieser Welt gäbe, wenn nur die perfekten erscheinen dürften? Meine Schätzung: 0,0 Prozent. In jedem Buch wirst du Fehler finden, sei es nun in puncto Rechtschreibung, Grammatik, Buchsatz oder oder oder. Auch texthandwerklich finden sich haarsträubende Fehler. Erst kürzlich las ich ein Buch, bei dem es kurz vor Schluss zu einem Perspektivwechsel kam, der mich für einen Moment aus dem Tritt brachte. Na und? Das Buch war trotzdem gut.

Insofern kann ich dir nur Mut zusprechen: Du musst auf dieser Welt nicht perfekt sein, und dein Buch auch nicht. Gib einfach dein Bestes, aber auch das geht nur mit dem, was du bis zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gelernt hast. Das ist okay. Du wirst vieles dazulernen, und das gerade beim Veröffentlichen. Ich spreche aus Erfahrung, denn mein erster Heftroman schrieb sich auch anders als der vierzigste. So what?! Entspann dich – und beglücke die Welt mit deinem unperfekten, aber mit viel Elan und gutem Willen geschriebenen Buch.

3. Ich habe kein Geld.

Das war früher mal eine Ausrede, heute aber nicht mehr. Ich weiß, überall wird gerade dazu geraten, sich alles einzukaufen, was nötig ist, um Verlagspublikationen Konkurrenz machen zu können: Lektorat, Cover, Korrektorat, Buchsatz, Marketing … Das hat auch alles seine Berechtigung, wenn du dein Buch gut am Markt platzieren willst.

Wenn du aber bereit bist, dich von diesem Ziel – das vielleicht ein Fernziel bleiben kann, mehr aber nicht! – zu verabschieden, und erst einmal damit leben kannst, kleine Brötchen zu backen, dann kostet dich deine Veröffentlichung gar nichts. Es gibt Anbieter, die dein E-Book für 0 Euro herausbringen. Voraussetzung ist, dass du einen Computer mit Internetanschluss nutzen kannst. Das war’s schon. Leg los!

4. Ich habe zu viel Geld und stecke immer mehr in mein Projekt.

Deine Sorgen möchte ich haben … Scherz beiseite: Natürlich ist man versucht, sein „Baby“ so gut zu füttern, wie es irgend geht. Und wenn es einem wirklich wichtig ist, ist man vielleicht bereit, auf den nächsten Sommerurlaub zu verzichten und sich stattdessen ein Lektorat einzukaufen. (Mit der Familie muss das dann jemand anderes klären …)

Es muss aber alles seine Grenzen haben. Der Markt rund ums selbst veröffentlichte Buch wird immer unübersichtlicher, auch wenn vieles davon wunderbar und hilfreich ist, und man muss aufpassen, seine Scheinchen beieinander zu halten. Setze dir am besten vorab eine Grenze. So wie jede Firma ein Budget für ihre Projekte hat, wirst auch du dir eines geben müssen – denn du brauchst ja auch noch ein paar Euros fürs nächste Buch, oder?

5. Ich bin schüchtern, introvertiert oder publikumsscheu.

Bei diesen „Problemen“, hinter denen sich oft große Stärke verbirgt, lohnt es sich, zu einem sehr frühen Zeitpunkt darüber nachzudenken, wie viel du von dir zeigen möchtest beziehungsweise zu welchen Zugeständnissen du bereit bist. Kommst du für dich zu dem Schluss, dass du dich der Öffentlichkeit nicht aussetzen möchtest, kannst du unter einem Pseudonym veröffentlichen. Das entlastet dich – und dein Buch ist trotzdem draußen. Die Entscheidung, ob du das Pseudonym aufdecken möchtest oder nicht, verschiebst du auch später.

6. Was werden die Nachbarn sagen?

Mit Sicherheit alles Mögliche. Wie immer.

Ganz ehrlich: Die Nachbarn reden doch sowieso, das wussten schon „Die Ärzte“. Wenn du peinliche Folgen fürchtest, weil du einen knackigen BDSM-Roman oder einen Thriller mit einem Kettensägen schwingenden Serienkiller geschrieben hast und das nicht mit Hinz und Kunz aus Haus Nummer 8 diskutieren möchtest – dann schau dir noch mal Punkt 5 dieser Liste an. Auch in diesem Fall solltest du dich fragen: Bin ich bereit, das auszuhalten? Oder veröffentliche ich lieber unter einem Pseudonym? Und dann los!

7. Ich habe Angst vor rechtlichen Folgen.

Natürlich solltest du dich schlaugemacht haben, was du darfst und was nicht. Dazu gibt es viele Internetseiten. Im Zweifelsfall kannst du über den Abschluss einer Media-Haftpflichtversicherung nachdenken. (Ich bin Mitglied im Selfpublisher-Verband, in den man auch eintreten kann, wenn man noch vor der ersten Veröffentlichung steht. Über den Verband gibt es die Möglichkeit, eine Media-Haftpflicht zu günstigen Konditionen abzuschließen. Auch hier gibt es aber diverse Anbieter und du kannst die Preise und Konditionen vergleichen.)

Die Media-Haftpflicht lässt mich persönlich besser schlafen, obwohl ich natürlich alles tue, um meine Texte einwandfrei zu veröffentlichen. Aber wir sind alle nur Menschen, und auch mir – und dir – können ungewollt Fehler unterlaufen. In vielen Fällen springt hier die Versicherung ein. Dieses Wissen nimmt dir unter Umständen die Angst – und deiner Buch-Veröffentlichung steht nichts mehr im Wege.

8. Alle anderen sind besser als ich.

Stell dein Licht mal nicht unter den Scheffel. Wer genau sind denn „alle“? Sind das die „alle“ aus der Schule, die meine Tochter zitiert, wenn sie das neue Handy haben will? Oder die „alle“, die mein Sohn bemüht, wenn es um die neue Spielkonsole geht, die angeblich „alle“ zu Weihnachten bekommen?

„Alle“ ist ein sehr großer Begriff, und wo es bei oben genannten Beispielen faktisch um maximal zwei Personen geht, denen entsprechender Besitz nachzuweisen ist, halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass du dich an zu wenigen übergroßen Vorbildern orientierst. Du solltest dich da maximal mit Leuten deiner eigenen Liga vergleichen. Kreismeisterschaft, nicht Olympia. Alles klar?

Also finde heraus, wer in deiner Liga spielt, und ordne dich da mal ein. Dann wirst du schon sehen, dass du zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gar nicht so schlecht dastehst, und was du jetzt nicht kannst, das kannste lernen. Was dann die Zukunft bringt, hast du ein Stück weit in der Hand, je nachdem, wie viel Zeit und Energie du in dein Projekt steckst. Und die anderen, die angeblich alle besser sind, können ein guter Motivator für bessere Texte sein – und vor allem Kollegen, mit denen du dich vernetzen kannst!

9. Wenn ich keinen Verlag finde, will ich gar nicht veröffentlichen.

Yoah. Bisschen deprimierend, die Einstellung, aber wenn du damit glücklich wirst … Wirste nicht? Dann solltest du vielleicht mal an deiner Einstellung arbeiten. Der Selfpublisher-Markt ist für Autoren zurzeit schwierig, was das Einkommen angeht, das gilt aber auch für Verlagsautoren (siehe den entsprechenden Artikel in der aktuellen „Federwelt“ Nr. 136). Zählt also nicht. Und du willst ja momentan kleine Brötchen backen (siehe oben) und erst mal „nur“ veröffentlichen. Warum dann nicht als Selfpublisher?

Schiefe Seitenblicke hat man kaum noch zu befürchten, dafür hat sich die Branche in den letzten Jahren zu stark konsolidiert und viele gute Bücher auf den Markt gebracht. Immer mehr Leser wenden sich gerade Selfpublishern zu. Und das Ganze hat den Vorteil, dass du absolut selbstbestimmt arbeiten kannst und auf alle Schritte den Daumen drauf hast – für mich das relevante Kriterium für einen Wechsel. Ich mag unabhängiges Arbeiten und kaufe mir im Zweifelsfall Leistungen ein, die ich benötige. Wenn dich das auch reizt, leg los und veröffentliche dein Buch selbst. Der Wechsel in einen Verlag ist danach immer noch möglich, du bist nicht „verbrannt“. Vielleicht willst du dann aber gar nicht mehr wechseln, weil Selfpublishing dir mehr liegt. Das kannst du nur durch Ausprobieren herausfinden.

10. Ich habe keine Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Du leidest nicht an Zeitmangel, sondern setzt keine Priorität aufs Veröffentlichen. Das ist ein Unterschied. Du hast es ja auch geschafft, das Buch zu schreiben, hast also die Priorität darauf gesetzt und anderes dafür bleiben lassen. Genauso läuft es mit dem Veröffentlichen. Natürlich, die Arbeitsschritte sind andere, oft technischer Natur, für dich vielleicht nicht so spannend oder sogar nervtötend. Hilft aber nix. Wenn du wirklich veröffentlichen willst, muss das deine Priorität sein. Sonst wird dat nix. Punkt.

11. Was habe ich der Welt schon zu sagen?

Boah. Das ist ja noch schlimmer als Punkt 8. Geht’s noch?

Du bist einzigartig. Eine*n wie dich gibt’s nicht noch mal auf diesem Planeten. Nur du hast diese Gene, nur du hast die Dinge erlebt, die Schicksalsschläge und großartigen Ereignisse. Nur du bist all diesen Menschen begegnet, die dich geprägt haben. Und nur du kannst diese Geschichten erzählen, mit deiner einzigartigen Stimme – weil es dich nur EIN MAL gibt. Noch Fragen?

12. Mein Rohentwurf ist fertig, aber die Überarbeitung schreckt mich ab.

Ja, Arbeit ist echt ätzend. Kenn ich. Drück ich mich auch gern vor.

Also hast du – wie ich – zwei Alternativen: Die Erstfassung in einem sehr, sehr guten ersten Guss zu schreiben, der kaum der Überarbeitung bedarf. Das erreichst du (vielleicht) mit viel Übung. Doch sobald du dich einer neuen Herausforderung stellst, zum Beispiel das Genre wechselst, dich an eine neue Perspektive herantraust oder ein größeres Ensemble, ist es vorbei damit.

Dann bleibt nur eines: Setz dich auf deinen Hintern und arbeite das Ding durch. Und das leider mehrfach.

Kürzlich habe ich ein langes Wochenende genutzt, die Familie ausquartiert und mich durch meinen nächsten Roman geackert. Das war fürchterlich anstrengend, aber auch sehr ergiebig. Das Schlimme daran ist: Es wird nicht die letzte Überarbeitung sein. Ich arbeite so, dass ich den Text zunächst an zwei Testleser gebe – in diesem Fall an meinen Mann und meinen Ex-Mann. Lustig, wo ich gerade drüber nachdenke …

Was die beiden eint? Der eine ist gemein und nimmt meinen Text gnadenlos auseinander, was in dieser Phase für mich sehr wichtig ist. Der andere findet alles toll und krittelt bloß an ein paar Rechtschreibfehlern rum, was in dieser Phase ebenfalls sehr wichtig für mich ist, weil ich mein „Baby“ das erste Mal jemandem zeige. (Nein, ich sage jetzt nicht, wer welchen Part übernimmt …)

Die Anmerkungen der beiden setze ich um. Dann geht der wieder überarbeitete Text an die nächsten Testleser. Und wieder überarbeiten. Dann kommt eventuell ein Lektorat. Wieder überarbeiten. Puh …

Was bedeutet das?

Antwort: Wenn du schon aufs erste Überarbeiten keinen Bock hast, dann kannst du’s mal grad vergessen. Denn du wirst dich dem mehrfach stellen müssen.

Aaaaber: Es gibt Hilfe. Die nennt sich B-e-l-o-h-n-u-n-g.

Die Überarbeitung eines Textes gleicht einer Challenge, die für mich manchmal viel anstrengender ist als das Schreiben der Rohfassung. Und eine Challenge schreit nach Belohnung, möglichst nach jeder genommenen Etappe. Überleg dir einmal in einer stillen Minute, was dir gut tun würde, und dann belohne dich auch wirklich damit. Dein Gehirn wird nach ein wenig Training checken, dass es was Gutes gibt, wenn es die Arbeit einfach erledigt – und sich irgendwann nicht mehr so dagegen sperren.

13. Mit meiner Überarbeitung bin ich nicht zufrieden. Das wird nie was. Weg damit!

Siehe zunächst die Punkte 8 und 11, die da bestimmt mitschwingen. Hinzu kommt aber noch Folgendes: Kurz vorm Ende hat schon so mancher aufgegeben. Da kommen noch mal alle Skrupel hoch, alle Steine, die dir dein Gehirn schon vorher in den Weg gelegt hat und die du erfolgreich zur Seite geräumt glaubtest. Zack, da sind sie wieder!

Aber jetzt nicht verzweifeln. Entweder schaffst du es selbst, gut zu dir zu sein, dich wieder auf Spur zu bringen und das Ding einzutüten, bevor du es zerstörst. Oder du suchst dir Hilfe, zum Beispiel bei einer Schreibgruppe, bei befreundeten Autoren-Kollegen oder einem Coach, den du dann natürlich bezahlen musst. Oft hilft die Sicht von außen, um die positiven Aspekte deiner Geschichte wieder in den Vordergrund zu rücken und dir Selbstvertrauen zu geben – damit du wieder an dich und deinen Text glauben kannst. Jetzt bloß nicht aufgeben!

14. Ich werde einfach nicht fertig.

Weil du vielleicht nicht fertig werden willst? Weil du dann groß und erwachsen sein und die Konsequenzen ziehen musst? Weil du dein „Baby“ loslassen und es hinaus in die Welt schicken musst?

Komm schon! Du schaffst das! Du bist schon so weit gekommen. Hör auf, dir selbst im Weg zu stehen und hau rein! Die letzten Meter ziehst du auch noch durch. Ich glaub an dich – und an dein Projekt.

15. Ich trau mich nicht, den Knopf zu drücken und das Ding hochzuladen.

Das erste Mal ist immer aufregend. Immer. Und rückblickend betrachtet wirst du es als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten. Daher ruf dir in diesem Moment all die ersten Male, die du in deinem langen Leben „durchlitten“ hast, in Erinnerung: Ist es nicht großartig, dass du das alles erleben durftest?

Und jetzt auch noch das. Und DU hast es gemacht. Phantastisch, großartig, unglaublich! Mit diesem Knopfdruck beginnt der nächste Abschnitt in deinem Leben als Autor*in, Schriftsteller*in oder wie auch immer du dich siehst. Und jetzt drück!

Da bist du ja! Du hast es geschafft, hast dich überwunden und alles durchgezogen, was an Herausforderungen auf dich gewartet hat. Ich beglückwünsche dich zu deinem Mut und deiner Stärke.

Und zu deinem ersten Buch!

E n d e

Hast du dich in dieser langen Liste irgendwo wiedergefunden? Ich kann sogar bei fast allen Punkten ein Häkchen machen. Je nach Gemütslage (und Kontostand) traf mal das eine, mal das andere auf mich zu. Trotzdem habe ich den Widerstand überwunden – und veröffentlicht. Und was ich kann, das kannst du auch!

Hast du noch mehr Tipps und Anregungen, um aus der Nicht-Veröffentlichen-Falle herauszukommen? Oder hast du Fragen? Dann schreib mir einen Kommentar.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Ein paar nützliche Links:

5 Kleidungsstücke, die dir beim Schreiben helfen

 

Kreatives Schreiben ist überall möglich. Es gibt Autoren, die wunderbare Texte in der Bahn, dem Café um die Ecke oder einer Bibliothek verfassen, umgeben von lauter Studenten. Habe ich schon alles probiert und kann da durchaus ein paar Erfolge vorweisen. Einer meiner Heftromane ist bei 39 Grad im Schatten an einem Küchentresen auf Teneriffa entstanden. (Hört sich toll an? Tja, das schöne Lotterleben der Berufsautoren … 😉 Ganz im Ernst: Ich hätte lieber Urlaub gemacht!)

Am liebsten schreibe ich tatsächlich zu Hause. In Ruhe. Ohne andere Menschen um mich herum. Diese Ruhe, diese Zeit fürs kreative Arbeiten in der vertrauten Umgebung – das sind Dinge, die ich am Schriftsteller-Dasein am meisten liebe!

Du schreibst auch am liebsten daheim? Du hast aber Schwierigkeiten, dich vom Alltagskram und deinen sonstigen Rollen im Leben abzugrenzen?

Dann kommen hier 5 Klamotten-Tipps, die dir beim Schreiben helfen können!

Nummer 1: eine Hose mit Stretch

Stell dir vor, du schreibst eine total romantische Liebesszene. Dein Held hat es nach langem Umgarnen endlich geschafft, deine Heldin auf die Picknickdecke zu bekommen, ein Sektchen in der Hand, der Himmel voller Geigen. Glaubst du, er denkt dabei an seinen drückenden Hosenbund und die dabei entstehenden Bauchschmerzen? Oder sie an den BH, der ihr ins Schlüsselbein schneidet, und den sie schon lange entsorgen wollte? Hoffentlich nicht!

Warum solltest du das dann tun? Nichts sollte dich vom Schreiben ablenken, vor allem nicht etwas so Vermeidbares wie unbequeme Kleidung. Es sollte nichts drücken und einschnüren, schließlich wirst du eine ganze Weile so am Schreibtisch sitzen. Unbequeme Kleidung kann dazu führen, dass du eine Szene versemmelst oder sogar deine kreative Arbeit abbrichst. Das wäre doch total schade!

Beobachte dich einmal in Situationen, in denen dir das Schreiben schwerfällt oder du sogar damit aufhörst. Kann es sein, dass da was zwickt? Dass das Schild im Nacken kratzt oder die Socke dein Bein unangenehm abschnürt? Und du nur noch nicht dahintergekommen bist, dass es da einen Zusammenhang geben könnte? Aber das ist möglich!

Daher frag dich am besten, bevor du überhaupt mit dem Schreiben anfängst, ob alles gut sitzt oder etwas nervt. Außerdem empfehle ich Stretch – und eine Nummer größer! 😀 

Nummer 2: dein Lieblingsteil für Kuschelmomente

Ja, es gibt diese Momente, da hilft alles nix: Es muss gemütlich sein! Eine Tasse Tee oder ein heißer Kakao, dazu der Strickpulli von Oma können über so manche (Schreib-)Hürde hinweghelfen. Also leg dir am besten dein Lieblingsteil immer griffbereit in die Nähe deines Arbeitsplatzes. Falls dir dann mal kalt wird oder du einen akuten Kuschelanfall hast, musst du nicht suchen und dadurch den Schreibfluss unterbrechen. Bei mir haben sich bewährt: Poncho oder Strickjacke, dicke Socken und ein Dreieckstuch aus Wolle, im Winter eine Decke für die Beine. Was auch immer du brauchst: Hauptsache, es macht dich glücklich – und versetzt dich in eine schön-schmusige Stimmung. 

Nummer 3: ein Blazer

Der ein oder andere schlunzt bestimmt gerne in Jogginghose oder Bademantel vorm Rechner herum und träumt sich in andere Welten. Vielleicht sind sogar einige unter uns, die Nackt-Schreiben praktizieren. Wer weiß.

Alltagskleidung dürfte aber die Regel sein.

Doch auch Arbeitsbekleidung und das Dasein als Schriftsteller schließen sich nicht aus. Was spricht gegen Klamotten, die ich nur dann anziehe, wenn ich schreibe? Streife ich diese Kleidung über und gehe dann an den Schreibtisch, an den Esstisch oder wohin auch immer, signalisiere ich meinem Gehirn: „Ich bin auf der Arbeit, nicht auf dem Sofa! Jetzt aber mal was geschafft!“ (Und selbst wenn du beim Schreiben auf dem Sofa sitzen solltest, weiß dein Körper dennoch, dass etwas anders ist als sonst – und verhält sich mit ein wenig Training auch so.)

Ich trage zum Beispiel gerne geringelte Shirts zu bequemen Outdoor-Hosen. Die maritime Optik versetzt mich gedanklich automatisch an die Küste, an der meine aktuellen Romane spielen. Im Alltag vermeide ich diese Shirts mittlerweile, auch wenn sie mir optisch gut gefallen, um die Welten nicht zu vermischen.

Früher habe ich oft einen Blazer angezogen, sobald meine Tochter bei der Tagesmutter war. So schlüpfte ich von der Mama- in die Profi-Autoren-Rolle, und das nur mithilfe eines Kleidungsstücks. Eine Zeit lang habe ich mich tatsächlich wie fürs Büro angezogen: Anzug, schicke Schuhe, Handtäschchen. Sehr aufwändig, aber auch sehr effektiv! (Solche Kleidung trägst du sowieso schon auf der Arbeit? Dann lieber nicht! Es soll ja ein Kontrast erzeugt werden, damit dein Gehirn checkt, dass es umschalten muss. Probiere dann besser einen der anderen Looks aus.) 

Nummer 4: die Federboa

Sei mal ehrlich: Gibt es da nicht auch einen echten Künstler in dir? Einen Bohemien, der das Mondäne liebt und mit der Schriftstellerei ein Glas Wein auf der Terrasse bei Sonnenuntergang verbindet? Klingelt da bei dir was? Dann könnte folgendes Experiment funktionieren: Probier mal aus, ob ausgefallene Kleidungsstücke und dazu Accessoires wie ein Fascinator, eine Federboa, Brillen in Übergröße oder Glitzerschmuck etwas mit dir machen. Vielleicht kitzeln sie die kreative Persönlichkeit aus dir heraus, die du schon immer sein wolltest – und beim Schreiben auch sein darfst! Du kannst ja notfalls die Vorhänge zuziehen. 😉 

Nummer 5: eine Tarnhose

Und zum Schluss der ultimative Tipp, der dich direkt in deine Story katapultiert: Kleide dich wie dein*e Held*in! Ja, ich weiß, dass du dann komisch aussiehst – noch komischer als mit Federboa, die du vielleicht an Karneval schon mal getragen hast. Wenn du Jugendbücher schreibst und deine Heldin ein Faible für Tarnhosen, Tanktops und Waffengürtel hat – so what?! Rein in die Klamotten! Wie fühlt sich das an? Wie fühlt die Heldin sich? Wie bewegt sie sich in den Sachen, was macht das mit ihr? Fühl dich auch so – und tauche noch tiefer in deine Geschichte ein!

Du hast noch mehr Klamotten-Tipps, die beim Schreiben helfen? Dann lass doch einen Kommentar da!

Holl di munter!

Deine Kerstin

„Der Sturm brachte ihren Retter“ – eine Odyssee

Mein Langzeit-Schreibprojekt 21ufos startet mit einer Veröffentlichung, die mir sehr am Herzen liegt: „Der Sturm brachte ihren Retter“. Diesen Text habe ich unter dem Pseudonym Kessi van Jarssum herausgebracht.

Heute möchte ich erzählen, welch lange Reise dieser Text bis zu seiner Veröffentlichung hinter sich hat und warum er mir auch nach so vielen Jahren noch am Herzen liegt.

Manche Entscheidungen tun weh

„Der Sturm brachte ihren Retter“ war der erste Liebesroman, den ich fertigstellen konnte. Ich schrieb ihn, als meine Tochter noch ein Kleinkind war, und jeder kann sich denken, dass das keine leichte Aufgabe war. Um wenigstens ein paar Stunden in der Woche ganz in Ruhe schreiben zu können, habe ich damals mein Klavier versetzt, um von dem Erlös eine Kinderfrau anstellen zu können. Manchmal muss man als Schriftstellerin harte Entscheidungen treffen, wenn man wirklich, wirklich schreiben will, und das war – und ist – bei mir so. Ich stehe dazu, dass Schreiben immer möglich ist – wenn man die Priorität darauf setzt.

Ein Beispiel aus aktuellem Anlass: Es steht ein langes Wochenende bevor. Ich habe mit mir gerungen, ob ich die Zeit mit meiner Familie verbringe, oder ob ich die längst fällige Überarbeitung meines neuen Romans angehe. Dafür brauche ich Zeit und Ruhe. In unserem trubeligen Alltag fällt es mir schwer, die Priorität darauf zu setzen und mich von allen äußeren Einflüssen abzuschirmen, was auch oft einfach nicht möglich ist. (Tatsächlich stemmt gerade unserer Elektriker mit einem Schlagbohrer die Wand über mir auf. Nein, so kann ich keine Romane schreiben! Und keine Szenen überarbeiten. Ist einfach so.) Und weil ich sonst aus oben genannten Gründen einfach nicht dazu komme, den Text en bloc durchzugehen, fährt der Rest der Familie nun alleine weg.

Das ist hart.

Das tut weh.

Aber es ist notwendig.

So notwendig, wie sich auch als schreibende Mutter eines Säuglings oder Kleinkinds Freiräume zu verschaffen, die ganz der eigenen Kreativität gewidmet sind. (Ja, du darfst das!)

Erste Gehversuche am Markt

Zurück zu „Der Sturm brachte ihren Retter“: Die Investition in Zeit und Betreuungspersonal sollte sich lohnen, denn der Text wurde tatsächlich fertig und ich war zufrieden damit. Ich wollte ihn unbedingt bei einem Verlag unterbringen, doch nirgends passte er so richtig rein. Ich wusste damals einfach noch nicht, wie der Romance-Markt tickt, und kassierte lauter Absagen – oder gar keine Antwort. Da ich direkt im Anschluss an den Roman ein Drehbuch fertiggestellt und somit noch ein Eisen im Feuer hatte, hielt ich mich aber nicht allzu lange mit deprimierenden Gedanken auf, und entschloss mich eines Tages, einfach mal im Lektorat eines Verlags anzurufen. Ich wollte wissen, was genau gesucht wird, worauf ich achten muss.

Ich weiß, davon wird häufig abgeraten. Die Lektoren haben tatsächlich viel zu tun und müssen nicht auch noch durch zeitaufwändige telefonische Anfragen belästigt werden. (Heutzutage haben die meisten Verlage ja bereits Infos für angehende Autoren auf ihre Homepages gestellt, was sehr hilfreich ist und Anfragen wie meine überflüssig macht.) Bei mir hat es allerdings mit dem Anruf funktioniert und ich war nach dem Gespräch schlauer. Tatsächlich hatte ich mich ja bereits durch einen längeren Text „gekämpft“ und ihn fertiggestellt, was mir bewiesen hatte, dass das zu schaffen war. (Womit wir beim verbreiteten Ratschlag wären: Beim ersten Text geht es nur darum, dass er fertig wird. DAS STIMMT!)

Der Rest ist Geschichte: Mein erster Text wurde zwar nicht gekauft, aber danach lief es eine ganze Weile wie am Schnürchen. Doch „Der Sturm brachte ihren Retter“ landete in der Schublade und ward vergessen …

Alles wird gut

Das war 2007, und seitdem ist eine Menge Wasser den Rhein hinunter geflossen.  Ich habe mich verändert, mein Schreiben hat sich verändert, auch meine Inhalte. Alles andere wäre ja auch merkwürdig, immerhin habe ich zwischenzeitlich ganz schön was erlebt. Das muss sich ja irgendwo niederschlagen, natürlich auch im Text.

Und trotzdem: „Der Sturm brachte ihren Retter“ war der erste Text, den ich fertigstellen konnte, und ich bin nach wie vor stolz darauf und glücklich darüber. Was ist da natürlicher, als ihn veröffentlicht sehen zu wollen? Aber möchte ich mir tatsächlich ein erneutes Klinken putzen antun, an dem ich vermutlich genauso scheitern werde wie beim ersten Mal? Und bin ich bereit, womöglich viel am Text zu ändern, falls doch ein Verlag bereit ist, ihn anzunehmen?

Ganz klar: Nö!

Für dieses Projekt ist also Selfpublishing wirklich die optimale Lösung. Für mich geht es bei diesem ersten Buch ums reine Veröffentlichen, so wie es beim ersten Text ums reine Fertigstellen ging. Ich habe kein Cover eingekauft, kein Lektorat, kein Korrektorat. Und das ist auch okay so. Natürlich muss man das von Projekt zu Projekt entscheiden, aber in diesem Fall passt das für mich. 🙂

So viel von mir und der Odyssee meines ersten veröffentlichten 21ufos-Projekts. Hast auch du ein Schreibprojekt, das dir am Herzen liegt, aber (immer noch) unveröffentlicht ist? Dann schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin