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„Der Sturm brachte ihren Retter“ – eine Odyssee

Mein Langzeit-Schreibprojekt 21ufos startet mit einer Veröffentlichung, die mir sehr am Herzen liegt: „Der Sturm brachte ihren Retter“. Diesen Text habe ich unter dem Pseudonym Kessi van Jarssum herausgebracht.

Heute möchte ich erzählen, welch lange Reise dieser Text bis zu seiner Veröffentlichung hinter sich hat und warum er mir auch nach so vielen Jahren noch am Herzen liegt.

Manche Entscheidungen tun weh

„Der Sturm brachte ihren Retter“ war der erste Liebesroman, den ich fertigstellen konnte. Ich schrieb ihn, als meine Tochter noch ein Kleinkind war, und jeder kann sich denken, dass das keine leichte Aufgabe war. Um wenigstens ein paar Stunden in der Woche ganz in Ruhe schreiben zu können, habe ich damals mein Klavier versetzt, um von dem Erlös eine Kinderfrau anstellen zu können. Manchmal muss man als Schriftstellerin harte Entscheidungen treffen, wenn man wirklich, wirklich schreiben will, und das war – und ist – bei mir so. Ich stehe dazu, dass Schreiben immer möglich ist – wenn man die Priorität darauf setzt.

Ein Beispiel aus aktuellem Anlass: Es steht ein langes Wochenende bevor. Ich habe mit mir gerungen, ob ich die Zeit mit meiner Familie verbringe, oder ob ich die längst fällige Überarbeitung meines neuen Romans angehe. Dafür brauche ich Zeit und Ruhe. In unserem trubeligen Alltag fällt es mir schwer, die Priorität darauf zu setzen und mich von allen äußeren Einflüssen abzuschirmen, was auch oft einfach nicht möglich ist. (Tatsächlich stemmt gerade unserer Elektriker mit einem Schlagbohrer die Wand über mir auf. Nein, so kann ich keine Romane schreiben! Und keine Szenen überarbeiten. Ist einfach so.) Und weil ich sonst aus oben genannten Gründen einfach nicht dazu komme, den Text en bloc durchzugehen, fährt der Rest der Familie nun alleine weg.

Das ist hart.

Das tut weh.

Aber es ist notwendig.

So notwendig, wie sich auch als schreibende Mutter eines Säuglings oder Kleinkinds Freiräume zu verschaffen, die ganz der eigenen Kreativität gewidmet sind. (Ja, du darfst das!)

Erste Gehversuche am Markt

Zurück zu „Der Sturm brachte ihren Retter“: Die Investition in Zeit und Betreuungspersonal sollte sich lohnen, denn der Text wurde tatsächlich fertig und ich war zufrieden damit. Ich wollte ihn unbedingt bei einem Verlag unterbringen, doch nirgends passte er so richtig rein. Ich wusste damals einfach noch nicht, wie der Romance-Markt tickt, und kassierte lauter Absagen – oder gar keine Antwort. Da ich direkt im Anschluss an den Roman ein Drehbuch fertiggestellt und somit noch ein Eisen im Feuer hatte, hielt ich mich aber nicht allzu lange mit deprimierenden Gedanken auf, und entschloss mich eines Tages, einfach mal im Lektorat eines Verlags anzurufen. Ich wollte wissen, was genau gesucht wird, worauf ich achten muss.

Ich weiß, davon wird häufig abgeraten. Die Lektoren haben tatsächlich viel zu tun und müssen nicht auch noch durch zeitaufwändige telefonische Anfragen belästigt werden. (Heutzutage haben die meisten Verlage ja bereits Infos für angehende Autoren auf ihre Homepages gestellt, was sehr hilfreich ist und Anfragen wie meine überflüssig macht.) Bei mir hat es allerdings mit dem Anruf funktioniert und ich war nach dem Gespräch schlauer. Tatsächlich hatte ich mich ja bereits durch einen längeren Text „gekämpft“ und ihn fertiggestellt, was mir bewiesen hatte, dass das zu schaffen war. (Womit wir beim verbreiteten Ratschlag wären: Beim ersten Text geht es nur darum, dass er fertig wird. DAS STIMMT!)

Der Rest ist Geschichte: Mein erster Text wurde zwar nicht gekauft, aber danach lief es eine ganze Weile wie am Schnürchen. Doch „Der Sturm brachte ihren Retter“ landete in der Schublade und ward vergessen …

Alles wird gut

Das war 2007, und seitdem ist eine Menge Wasser den Rhein hinunter geflossen.  Ich habe mich verändert, mein Schreiben hat sich verändert, auch meine Inhalte. Alles andere wäre ja auch merkwürdig, immerhin habe ich zwischenzeitlich ganz schön was erlebt. Das muss sich ja irgendwo niederschlagen, natürlich auch im Text.

Und trotzdem: „Der Sturm brachte ihren Retter“ war der erste Text, den ich fertigstellen konnte, und ich bin nach wie vor stolz darauf und glücklich darüber. Was ist da natürlicher, als ihn veröffentlicht sehen zu wollen? Aber möchte ich mir tatsächlich ein erneutes Klinken putzen antun, an dem ich vermutlich genauso scheitern werde wie beim ersten Mal? Und bin ich bereit, womöglich viel am Text zu ändern, falls doch ein Verlag bereit ist, ihn anzunehmen?

Ganz klar: Nö!

Für dieses Projekt ist also Selfpublishing wirklich die optimale Lösung. Für mich geht es bei diesem ersten Buch ums reine Veröffentlichen, so wie es beim ersten Text ums reine Fertigstellen ging. Ich habe kein Cover eingekauft, kein Lektorat, kein Korrektorat. Und das ist auch okay so. Natürlich muss man das von Projekt zu Projekt entscheiden, aber in diesem Fall passt das für mich. 🙂

So viel von mir und der Odyssee meines ersten veröffentlichten 21ufos-Projekts. Hast auch du ein Schreibprojekt, das dir am Herzen liegt, aber (immer noch) unveröffentlicht ist? Dann schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

 

Ein paar nützliche Links:

  • Wie und warum ich mich schließlich entschied, nach einer langen Pause endlich wieder zu veröffentlichen, kannst du hier nachlesen.
  • Einen schönen Artikel zum Umgang mit Zeit findest du hier bei Madame Moneypenny.

Eine Antwort auf „„Der Sturm brachte ihren Retter“ – eine Odyssee“

[…] Tatsächlich habe ich es geschafft und meinen Liebesroman Der Sturm brachte ihren Retter nun auch als E-Book veröffentlicht. Für mich ist das ein echter Meilenstein im Selfpublishing, so wie es auch das Taschenbuch war, mit dem ich mein Langzeit-Schreibprojekt 21ufos gestartet habe. […]

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