Finde die richtige Form für deine Geschichte

Es ist nicht immer einfach, direkt die richtige Form für einen Text zu finden. Zum einen setzt es das Wissen voraus, welche Möglichkeiten es im Bereich der erzählenden Textsorten überhaupt gibt. Zum anderen erfordert es den Mut, die eigene Idee mehrfach in eine andere Form zu gießen. Wenn diese dann auch noch neu für den Autor ist, kann das ganz schön abschreckend wirken.

Aber es lohnt sich!

So habe ich es nämlich bei meiner aktuellen Veröffentlichung gemacht: Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand ist ein Drehbuch geworden, obwohl auch eine Erzählung oder ein Roman daraus hätte werden können. (Für eine Kurzgeschichte wäre der Plot zu umfangreich gewesen.) Es ist nämlich eine Geschichte, die zufällig in Form eines Drehbuchs daherkommt.

Wie ist es dazu gekommen? In einer intensiven Schreibphase, in der auch Der Sturm brachte ihren Retter entstand, las ich das Buch Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch von Christopher Keane. Ich fand es spannend, mich mit dieser ganz anderen Art, an einen Text heranzugehen, zu beschäftigen, und konnte sehr viel mitnehmen – auch für meine anderen Texte. Tatsächlich schrieb ich aber auch das Drehbuch, das jetzt erschienen ist. Es war viel Arbeit, diese Art des Schreibens zu lernen, und ich musste meinen Figuren ganz anders zuschauen. Ein Drehbuch enthält zwar viele Dialoge, muss aber auch genau beschreiben, wann und wo wir uns befinden, wer was macht und wie alles aussieht. Automatisch beantworten wir somit die vielen kleinen und großen Fragen, die auch jeder Roman -und Kurzgeschichtenautor beantworten sollte.

Aber welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?

Wir erinnern uns dunkel an den Deutschunterricht der weiterführenden Schule. Da war doch mal was mit Drama, Parabel, Novelle und so … Ja, genau! Es gibt viele Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen, und auch wenn ich wahrlich nicht behaupten kann, in all diesen Disziplinen sattelfest zu sein, so denke ich zumindest darüber nach, welche Sorte zu meiner Geschichte passen könnte. Aaaaber: Ich bin kein Germanist und werde daher nicht versuchen, das für dich aufzudröseln. Hier hilft googeln: einfach mal „literarische Textsorten“ oder „erzählende Textsorten“ eingeben. Interessiert dich ein Thema, kannst du dich dann mit den entsprechenden Fachbüchern einlesen. 

Letztlich lande ich selbst meist bei den üblichen Verdächtigen: Roman, Erzählung oder Kurzgeschichte. Das kann bei dir aber ganz anders sein! Gerade wenn du stockst und mit der Arbeit an deinem Text nicht weiterkommst, solltest du dich vielleicht einmal intensiv mit diesen Optionen beschäftigen. Und landest dann vielleicht doch einmal ganz woanders – wie ich mit meinem Drehbuch.

Für mich ist Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand ein solches literarisches Experiment, das geglückt ist, weil die Geschichte die Form bekommen hat, in die sie gehört – unabhängig davon, ob sie irgendwann mal verfilmt wird. Ich kann dir also nur empfehlen, mit den verschiedenen Möglichkeiten zu experimentieren. Selbst wenn du am Ende doch wieder auf das zurückkommen solltest, was du anfangs geplant hast, wird dich die intensive Beschäftigung mit den verschiedenen literarischen Textsorten weitergebracht hat.

Hast du dich schon mal an einem Drehbuch versucht? Oder reizt dich ausschließlich der Roman, die Kurzgeschichte, das Märchen? Schreib mir einen Kommentar dazu!

Holl di munter!

Deine Kerstin

21ufos – Der Stand der Dinge #2

Das Foto, mit dem ich diesen Blog-Beitrag bebildert habe, passt ganz gut zu meinem Gefühl während meines Langzeit-Schreibprojekts 21ufos: Ich erklimme eine Stufe nach der anderen. Ich muss mich bemühen, meine Ziele zu erreichen. Zwischendurch lege ich immer mal wieder eine Verschnaufpause ein, wie zum Beispiel während unseres dreiwöchigen Sommerurlaubs. Aber Stück für Stück arbeite ich mich nach oben, so anstrengend es auch sein mag.

  • Mein nächstes Zwischenziel habe ich erreicht: Das Drehbuch, von dem ich vor einer Weile berichtet habe, ist in Auftrag gegeben. Zwölf Jahre hat es gedauert, denn geschrieben habe ich es bereits 2007. Damit habe ich zwei meiner 21ufos erfolgreich abgeschlossen. Juchu!

  • Mein neuer Liebesroman wartet auf eine zweite Überarbeitung, mit der ich endlich beginnen kann. Ich will ehrlich sein: Überarbeitung bedeutet vor allem: Arbeit. Es ist mühselig, die Anregungen und Empfehlungen der Testleser einzupflegen – aber unerlässlich. Zum Glück habe ich am Wochenende meinen Schwarztee-Vorrat aufgefüllt, denn davon werde ich eine Menge benötigen …

  • Zwischenzeitlich habe ich einen weiteren, halb fertigen Liebesroman noch einmal durchgelesen. Dabei habe ich gemerkt, dass das Ende tatsächlich nicht das Ende ist, sondern der Midpoint, auf den noch einmal die gleiche Menge Text folgen sollte. Uiuiui … Da habe ich mich direkt noch mal ans Plotten gesetzt. Wie du dir nach meinem Blog-Beitrag übers Plotten denken kannst, hängt nun ein schöner Szenenumbruch an der Pinnwand, über den ich in den kommenden Wochen meditieren werde.

Diese drei meiner 21ufos und der Blog binden meine Energien – und so soll es auch sein. Ich komme gut voran, und das gibt mir ein sehr positives Gefühl.

Wie geht es dir? Woran arbeitest du gerade? Hast du auch das Gefühl, beim Schreiben etwas zu erreichen? Oder ist das Gegenteil der Fall? Schreib mir doch einen Kommentar dazu!

Holl di munter!

Deine Kerstin

5 Schreib-Ratgeber, die mir geholfen haben

Ich gebe es zu: Ich lese gerne Ratgeber. Ich habe schon Ratgeber zur Kindererziehung, zur Bonsai-Aufzucht und zum Umgang mit Hunden durchgeackert. Zuletzt inspirierte mich Marie Kondo, was dazu geführt hat, dass im Kleiderschrank meines Mann nur noch ein Drittel seiner Klamotten hängt. (Natürlich lasse ich meine Familie an meinen neu gewonnen Erkenntnissen teilhaben. Ich kann da sehr überzeugend sein.)

Verständlicherweise habe ich auch schon jede Menge Ratgeber zum Thema „Kreatives Schreiben“ gelesen. Bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und so habe ich eigentlich immer irgendeinen auf meinem Schreibtisch liegen, in den ich gelegentlich hineinschaue. Ich finde, es ist völlig wurscht, wie viel man schon weiß. Ich sehe es als laufende Weiterbildungsmaßnahme, und Bildung schadet ja selten. (Eines möchte ich aber auch sagen: Eine Weile habe ich gänzlich damit aufgehört, Schreib-Ratgeber zu lesen. In dieser Phase war es wichtig für mich, das, was ich mir angelesen hatte, alleine umzusetzen und nicht ständig neuen Input zu bekommen. Ich musste meine eigenen Wege finden. Und das ging für mich nur über den Weg der Abstinenz. Falls du also irgendwann das Gefühl hast, total gesättigt zu sein: Leg die Ratgeber einfach eine Weile weg.)

Heute möchte ich dir meine persönliche „Hitliste“ vorstellen.

Dies sind die Ratgeber, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mich auf dem Weg zum Schriftsteller-Dasein am meisten vorangebracht haben. Das ist natürlich sehr individuell, und du wirst deine eigene „Hitliste“ erstellen müssen. Aber vielleicht ist auf meiner ja etwas für dich dabei.

  • „Creative Writing“: Romane und Kurzgeschichten schreiben
    Dieser Ratgeber war einer der ersten, die ich überhaupt gelesen habe. Wie in einem Workshop werden die verschiedenen Aspekte des literarischen Schreibens abgehandelt. Übungen ergänzen die Theorie. In Inhalt und Aufbau finde ich diesen Sammelband, herausgegeben von Alexander Steele, nach wie vor empfehlenswert.

  • Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch
    Der Drehbuchautor Christopher Keane hat mir mit „Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch“ ein Erleuchtungserlebnis verschafft: Nach der Lektüre wusste ich erstmals, wie ich strukturiert an die Planung einer Geschichte herangehe. In der Folge habe ich tatsächlich ein Drehbuch geschrieben, das Gelernte aber auch auf die Planung meiner Liebesromane übertragen. Eine gute Schule für alle Autoren!

  • Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
    Dieses Buch von Roy Peter Clark müsste ich eigentlich immer und immer wieder lesen. Es wendet sich an Autoren, Journalisten und Texter und beschäftigt sich in weiten Teilen mit der Arbeit am Text, aber auch mit dem Dasein als Autor. „Nützliche Gewohnheiten“ ist ein tatsächlich nützlicher Abschnitt! (Der Rest natürlich auch.)

  • Schriftsteller werden
    Dorothea Brande hat einen Klassiker geschrieben, an dem kaum ein angehender Autor vorbeikommen wird. „Schriftsteller werden“ setzt an einem Punkt an, der vor dem Schreiben kommt: Es geht um die Entwicklung einer inneren Haltung zum Schreiben. Vieles konnte ich für mich mitnehmen. Nur an einer Stelle möchte ich kritteln, in der Brande zum Aufgeben rät, sollte man an einer bestimmten Übung wiederholt scheitern. Da möchte ich widersprechen – und bin selbst der lebende Beweis, dass man trotzdem Schriftsteller werden kann. Ansonsten ein gutes Buch!

  • Der Schriftsteller und das Finanzamt
    Uwe Szymborski und Martin Hunger haben keinen Schreib-Ratgeber im klassischen Sinne verfasst, sondern eher einen „Schriftsteller-Ratgeber“. Ich möchte ihn dir trotzdem ans Herz legen, auch wenn das Buch von 2005 ist und sich die ein oder anderen Umstände geändert haben mögen. Nichtsdestotrotz ist es hilfreich, um sich einen Überblick über die Rechte und Pflichten als Autor zu verschaffen. Mir halt es geholfen, besser zu schlafen, und das hilft wiederum meiner Kreativität. Insofern wunderbar!

Und welche Creative-Writing-Ratgeber kannst du empfehlen? Oder über welches Thema würdest du gerne mal in einem Ratgeber lesen? Schreib mir einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte

Manchmal wäre ich gerne ein entdeckender Schreiber. Ich stelle mir vor, wie ich mich eines Tages mit einer grandiosen Idee an den Schreibtisch setze, meiner Figur, die sich von Zauberhand selbst erschafft, quer durchs Manuskript folge, und am Ende eine phantastische Geschichte ausdrucke, völlig von der aus mir heraussprudelnden Kreativität überwältigt.

Schön wär’s.

Tatsache ist, dass solch ein Erlebnis mir wohl für immer verwehrt bleiben wird – denn ich bin kein „discovery writer“, wie es im Englischen heißt, sondern ein „outliner“ – ein planender Schreiber. Und als solcher liebe ich das Plotten.

Plotten?, fragst du. Nie gehört. Was’n das?

Vom Plotten zum Plot

Wenn ich plotte, lege ich den Plot – also die Handlung beziehungsweise den Handlungsablauf meiner Geschichte – fest. Dabei gehe ich so vor: Meist denke ich über eine Grundidee eine ganze Weile nach, spinne die Geschichte weiter, spiele verschiedene Szenarien durch. Insofern bin ich in dieser Phase entdeckend: Ich lasse mich von meiner Grundidee inspirieren und spiele so lange herum, bis ich das Gefühl habe, etwas in der Hand zu haben.

Das ist meist eine kurze Zusammenfassung der Geschichte. In wenigen Sätzen könnte ich dir dann erzählen, was am Anfang, in der Mitte und am Ende passiert und wer die wichtigsten Personen sind.

Mehr nicht.

Das ist ja schon mal was, sagst du. Dann kannste ja anfangen zu schreiben.

Nö, leider nicht. Ich würde mich nämlich vollkommen in der Geschichte verlieren. Es gäbe für mich zu viele offene Fragen, die ich während des Schreibens beantworten müsste. Das würde entweder dazu führen, dass ich ohne Ende tippe und tippe oder – viel schlimmer! – in eine Blockade gerate. Die schiere Menge an Möglichkeiten, die sich mir in diesem Moment aufdrängen, würde zu Stillstand führen.

Um solch einer frustrierenden Situation vorzubeugen, brauche ich ein Gerüst. Dieses Gerüst heißt Szenenumbruch.

Szene für Szene

Bevor ich mich daran setzen kann, muss ich aber noch etwas anderes erledigen: Wenn ich meine Geschichte in Grundzügen kenne, gehe ich hin und beschäftige mich mit den Figuren: Wie heißen sie, wie alt sind sie, was ist ihr Beruf und so weiter. (Und ich beantworte in diesem Stadium auch die wichtigste Frage: Ist es dir größte Krise im Leben meiner Heldin, meines Helden? Wenn nicht, muss ich noch mal zurück auf Anfang.)

Mit diesem Wissen über meine Figuren setze ich mich an den Szenenumbruch, (Manche Autoren schieben gerne ein Exposé und ein Treatment dazwischen. Da ich damit nicht (mehr) arbeite, lasse ich beides an dieser Stelle weg.) Nun schreibe ich auf kleine Karteikärtchen alle Szenen, die für meine Geschichte wichtig sind, und teile sie auf die drei Akte auf. Wenn ich die wichtigsten Szenen, von denen ich bereits weiß, dass sie relevant sein werden, verteilt habe, schreibe ich alle weiteren auf Kärtchen, die ich mir vielleicht im Lauf der Zeit notiert habe oder die mir in diesem Moment einfallen. Hier lasse ich tatsächlich meiner Kreativität freien Lauf.

An dieser Stelle ist das für mich auch angebracht, denn hier blockiert mich die Menge an Möglichkeiten nicht. Sofern mein Vorrat an Karteikarten mir keinen Strich durch die Rechnung macht (alles schon erlebt!), schreibe ich alles auf, was mein Gehirn ausspuckt und schiebe es auf einem großen Tisch hin und her. Ich muss mich wirklich bemühen, an diesem Punkt alle Fragen zu beantworten und irgendeine Antwort auf alle großen Punkte der Geschichte zu finden – auch wenn sie doof ist. Selbst wenn ich meine Idee für den Höhepunkt hanebüchen, an den Haaren herbeigezogen oder peinlich finde – ich schreibe sie erst mal auf, wenn mir nichts Besseres einfällt. Denn wenn da nichts steht, brauche ich gar nicht erst mit dem Schreiben anfangen, das weiß ich aus Erfahrung.

Von der Karte zum Text

Wenn ich das Gefühl habe, erst einmal zu einem Ende gelangt zu sein, höre ich – meist ziemlich erschöpft, aber glücklich – auf und hefte alles an meine Pinnwand. Obendrüber kommt eine größere Karteikarte mit dem Arbeitstitel. Da hängt das Ganze eine Weile – mindestens mehrere Tage, eher Wochen. Immer wieder gehe ich hin und meditiere über diesen Kärtchen. Ich stelle mir folgende Fragen:

  • Passt das noch für mich?
  • Bin ich zufrieden mit der Abfolge der Szenen?
  • Könnte ich noch mehr Spannung hineinbringen?
  • Ist alles logisch?
  • Habe ich an alles gedacht? Oder fehlt etwas?

Weitere Kärtchen wandern dazu: Ergänzungen, die Nebenhandlung, Beschreibungen der Figuren, wichtige Infos. Diese hefte ich über und neben meine Szenenabfolge, um nichts durcheinanderzubringen und mich optisch zu verwirren.

Wenn ich dann das Gefühl habe, beginnen zu können, nehme ich alles von der Pinnwand – und fange an zu schreiben. Ich lasse die Karten bewusst nicht an der Pinnwand hängen, weil ich den Stapel so nämlich mitnehmen kann. Und ich ziehe nur das Kärtchen heraus, das für mich gerade relevant ist. Das beugt der Verzettelung vor.

Ich arbeite mich quer durch meine Geschichte. Meist fange ich am Anfang an und schreibe vor mich hin. Wenn ich an einem Tag das Gefühl habe, nicht direkt dort wieder ansetzen zu können, wo ich aufgehört habe, suche ich mir ein anderes Kärtchen heraus und setze damit meine Arbeit fort. Ich lasse mich intuitiv durch die Geschichte treiben, und so hat es doch etwas „Entdeckendes“ – ohne mich zu stressen oder das Schreiben zu verhindern,

Ich kann sogar entscheiden, alles anders zu machen, wenn ich während des Schreibens doch feststellen sollte, dass mein Plot nicht funktioniert. (Doof, aber alles schon dagewesen …) Dann nehme ich einen Stapel neue Kärtchen und gehe zurück zum Szenenumbruch. (Ich höre nicht frustriert mit dem Schreiben auf! Wichtig!)

Dann schreibe ich weiter. Und irgendwann nehme ich das Kärtchen mit der letzten Szene – und bin mit der Rohfassung fertig.

Klingt langweilig?

Mag sein – ist aber sehr effektiv! Mehr als vierzig veröffentlichte Heftromane dürften mir recht geben. Für mich habe ich damit die ideale Methode gefunden.

Wie arbeitest du? Bist du ein entdeckender Schreiber oder ein planender? Gehst du ähnlich vor wie ich – oder ganz anders? Deine Erfahrungen interessieren mich. Schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Ignoriere Kritik – und mach dein Ding!

Du fürchtest dich vor 1-Stern-Rezensionen? Dir graust es bei der Vorstellung, dich vor Kollegen und Nachbarn für deine Bücher rechtfertigen zu müssen? Du hast schlaflose Nächte aus Angst vor Kritik deiner Mit-Autoren? Ich sage:

Dir kann geholfen werden.

Und zwar mit einer Technik, die ich leider in Mini-Schritten und Maxi-Jahren erlernen musste. Ich hoffe, dass du mit meiner Hilfe etwas schneller vorankommst.

Die Technik besteht aus zwei Punkten: 1. Ignorieren. 2. Machen.

Pah, sagst du jetzt vielleicht. Das kann doch jeder!

In der Theorie mag das so sein. In der Praxis sieht es jedoch oft so aus, dass die schönsten Manuskripte in irgendeiner Schublade vor sich hingammeln, weil dem Autor der Mumm fehlt, das Ding zu veröffentlichen. Oft genug aus oben genannten Gründen. Und weißt du was? Mir ging es auch lange so. Angst vor Kritik und fehlender Mut waren bei mir nicht der einzige Hemmschuh, aber diese Aspekte spielten mit Sicherheit hinein. 

Kümmern wir uns um Punkt 1: Ignorieren

Wie heißt es so schön im Songtext der Band „Die Ärzte“: „Lass die Leute reden …“

Als Autoren sind wir doch sowieso schon oft unser schärfster Kritiker. Jeden Satz nehmen wir auseinander, jeder Plot wird argwöhnisch bekrittelt, und an vielen Tagen finden wir das, was wir geschrieben haben, einfach nur doof. (Solltest du zu den glücklichen Ausnahmen gehören, denen solches Verhalten fremd ist: Herzlichen Glückwunsch!)

Fakt ist: Du wirst vermutlich nie zu hundert Prozent mit dem zufrieden sein, was du zu Papier gebracht hast. Und es allen anderen da draußen recht machen geht schon mal gar nicht. Das musste auch ich lernen, als ich Heftromane schrieb. Vielen sind die sogenannten „Groschenromane“ ein literarischer Dorn im Auge. Es gibt etliche Vorurteile gegenüber Autoren dieser Sparte, wie zum Beispiel, dass das alles nur so hingeluscht wird, aus der Konserve stammt, nur mit Stereotypen gearbeitet wird, ein einfacher Job ist, um Kohle zu verdienen und so weiter.

Dazu möchte ich Folgendes sagen: Ein Autor, der eine Serie im Zwei-Wochen-Rhythmus schreibt, legt alle zwei Wochen einhundert druckfertige Normseiten vor. Noch mal zum Mitschreiben: 100. Alle zwei Wochen. Das macht 2.400 Seiten im Jahr. Und zwar so, dass die Leser die Serie nicht nach zwei Folgen abbrechen, sondern sie für längere Zeit laufen kann. Das geht nicht, wenn man Schwachsinn schreibt. Ich habe immer auf vernünftige und psychologisch dichte Plots geachtet. Nur so hältst du die Leser bei der Stange, denn alles andere kaufen sie dir nicht ab. Dazu haben sie nämlich zu viel Lebenserfahrung, oft deutlich mehr als der Autor.

Trotzdem bin ich vielen Menschen begegnet, die entweder nur ein müdes Lächeln für meine Tätigkeit übrig hatten oder sogar blanken Hohn. Ich kann diesen Menschen nur raten: Sprecht einmal mit den Leserinnen. Mit einer Tagesmutter, die nach einem langen Tag mit Kleinstkindern abends todmüde ins Bett fällt und sich über eine spannende Liebesgeschichte freut, die aber keine tausend Seiten lang ist. Geht in ein Altenheim und seht in die leuchtenden Augen von Seniorinnen, die vielleicht alles verloren haben, nicht aber ihre Lust am Lesen – und an der Liebe, (Diesen Besuch kann ich auch jedem Romance-Autor, der mit seiner Profession hadert, nur wärmstens ans Herz legen. Ihr bringt Freude ins Leben vieler Frauen. Das ist eine lohnende Aufgabe. Punkt.)

Und nebenbei: Heftromane zu schreiben halte ich für eine der besten Schreib-Schulen überhaupt, denn wie in Journalismus und Werbung lernt der Autor hier, auf den Punkt und geplant zu schreiben. Keine 95 Seiten, keine 105. Sondern 100. Mit Deadline. Mit festem und wechselndem Personal, Haupt- und Nebenhandlungen und Spannungsbögen, die sich über mehrere Monate hinziehen. Einfach ist anders.

Aber was soll ich sagen? Ich konnte die Welt nicht ändern. Ich konnte die Menschen, die mich für meine Texte belächelten, nicht ändern. Ich konnte nur eines: sie ignorieren. Und aufhören, mir mit meiner Selbstkritik das Veröffentlichen zu verhageln.

Und das solltest du auch tun.

Denn jetzt folgt Punkt 2: Machen

Die schönste Idee ist nichts wert, wenn kein fertiger Text draus wird.

Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, denn jeder Schriftsteller weiß, wie vergnüglich es sein kann, sich ausschließlich mit den Ideen im eigenen Kopf zu beschäftigen. Das kann ein tagesfüllendes Programm sein. Bringt dich aber leider auf dem Weg zum Veröffentlichen nicht weiter. Denn da zählt nur der fertige Text, und der entsteht ausschließlich, indem du ihn schreibst, überarbeitest und dann hochlädst – plus etwaige Zwischenschritte.

Es hilft also nichts: Wenn du es geschafft hast, die ollen Kritiker zu ignorieren, musst du es im nächsten Schritt schaffen, zu produzieren. Mir fällt es immer leichter, produktiv zu sein, wenn ich weiß, wofür genau. Wenn ich mir vorher die Frage beantwortet habe, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt, kann mich das nicht mehr vom Schreibprozess ablenken.

Frage dich daher ganz konkret: Was kann ich gewinnen? Was ist möglich? Was kann ich erreichen? Stelle es dir vor, male es auf, schreibe es auf – und hänge es an deine Pinnwand. Vielleicht bist du besonders mutig und erzählst einem vertrauten Menschen von deinen geheimen Träumen. (Nicht diese Träume. Es sollte schon ums Schreiben gehen …) Motiviere dich mit diesen inneren Bildern.

Und dann mach. Schreibe. Veröffentliche. Setze um, was getan werden muss. Träume nicht nur davon, sondern lasse deine Träume Wirklichkeit werden.

Wäre das nicht der beste Weg, um deine Kritiker Lügen zu strafen?

Und jetzt zusammen

Wieder fällt mir eine Liedzeile ein, diesmal von Udo Lindenberg: „Ich mach mein Ding, egal, was die anderen labern …“

Recht hat er – und vereint damit die beiden Schritte, die ich für essentiell beim Schreiben und Veröffentlichen halte und für dich heute verbunden habe: ignorieren und machen. Und das nicht nur ein Mal, sondern immer und immer wieder.

Wirklich?, stöhnst du jetzt vielleicht.

Ja, wieder und wieder – bis du diesen Prozess so verinnerlicht hast, dass es nicht mehr weh tut und du gar nicht mehr darüber nachdenken musst. Das kann dauern. Aber es lohnt sich. 🙂

Wie sind deine Erfahrungen mit Kritik? Erzähl es mir in einem Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin