Auf Reisen schreiben

Ostern steht vor der Tür, und viele von euch werden die Ferien oder Feiertage nutzen, um unterwegs zu sein. Auch bei uns stehen ein paar Verwandtenversuche auf dem Programm. Früher hat mir das immer etwas Magenschmerzen verursacht, weil ich eine kreative Durststrecke befürchtete. Wenige Tage genügten mir schon, um mich aus meinem aktuellen Projekt hinaus zu katapultieren. Zum Glück habe ich Techniken entwickelt, die immer und überall dafür sorgen, dass ich am Ball bleibe. Vielleicht ist auch etwas für dich dabei?

Mein aktuelles Autorenfoto für Kinderbuchprojekte, aufgenommen im Emden-Urlaub von meinem Mann. 🙂

Schreiben müssen – egal wie

Wenn einer Autorin die Deadline im Nacken sitzt und dann eine Reise ansteht, ob geplant oder ungeplant, gewollt oder nicht, kann das schon mal zu einem erhöhten Puls führen. Der Text muss fertig werden, komme, was wolle. So habe ich es in meiner Heftroman-Zeit oft genug erlebt. Ich habe überall geschrieben: bei meinen Eltern am Schreibtisch, bei Schwiegereltern am Esstisch, im Gästezimmer, in einem Apartment auf Teneriffa, im Zug und sogar im Auto, als ich nach einem Unfall vor mir stundenlang im Stau stand. Hut ab, was man schaffen kann, wenn man muss!

Nur nicht lockerlassen

Aber auch bei literarischen Projekten, die keine Deadline haben oder wo du sie selbst nach Belieben setzt, kann es sinnvoll sein, während der Reise nicht zu pausieren. Dann fällt der Wiedereinstieg nach der Unterbrechung nicht so schwer, und vielleicht macht es sogar Spaß oder ist besonders inspirierend, in einer anderen Umgebung zu schreiben. Auch hier sind bei mir wieder einige ungewöhnliche Schreib-Orte zusammengekommen: im Zelt, im Hotelzimmer in den Alpen, auf einer Wiese, im Wald auf Wandertouren… (Hier war tatsächlich ein wasserfester Block sinnvoll, den mein Mann mir einmal geschenkt hat. 😉 )

Ansonsten versuche ich bei längeren, stationären Aufenthalten immer, ein Notebook mitzunehmen, sofern ich gerade in der Textarbeit bin. Mit dabei sind neben dem Notebook dann ein Stick mit den aktuell benötigten Unterlagen, meine Karteikarten mit dem Szenenumbruch, Stifte und ein Notizbuch natürlich. Ansonsten kann man unterwegs auch überarbeiten, indem man die ausgedruckten Seiten mitnimmt und schon mal durchkorrigiert.

Viele Nicht-Schreib-Möglichkeiten

Es muss aber nicht unbedingt direkte Textarbeit sein, um mit deinem Projekt verbunden zu bleiben. Wenn man mit dem Rucksack unterwegs ist, kann man natürlich auch nicht so viel mitschleppen und muss ökonomisch an die Sache herangehen.

Schreibst du über die Region, die du bereist? Dann kannst du die Zeit auch zur Recherche für ein zukünftiges Projekt nutzen oder ein Reisetagebuch führen, in dem du alles Interessante zu Land und Leuten, Sehenswürdigkeiten, Museen und so weiter einträgst, das du später einmal gebrauchen kannst. Deine Geschichte wird viel Lokalkolorit brauchen, und so schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe. (Im Onlinekurs, den ich ab Ende Mai gemeinsam mit Sandra Andrés von Autorenträume anbiete, wird es neben vielem anderen auch um dieses Thema gehen. Ich freu mich schon sehr darauf und halte dich auf dem Laufenden.)

Die Zeit in Ostfriesland nutze ich beispielsweise immer, um meinen Instagram-Followern meine Heimatregion näher zu bringen und auch viele Fotos für die Zeit zwischen meinen Aufenthalten zu machen – dann habe ich nämlich immer was zu posten. Funfact: Meine Follower lieben Bilder und Videos vom Deich. 😉

In diesem Artikel habe ich dir erklärt, wie eine Handlungsorte-Tour funktioniert.

Und hier geht es zu meinem Instagram-Kanal.

Marketing geht immer

Reisen kannst du auch immer wunderbar für’s Marketing nutzen – wenn du dich etwas vorbereitest! Besuche beispielsweise die örtlichen Buchhandlungen, stelle dich vor und lasse ihnen zumindest Informationsmaterial zu deinem Buch oder deinen Büchern da, falls du schon veröffentlicht hast. Du wirst dein Buch nicht überall mit hinschleppen können, aber ein sogenannter Waschzettel, der alle wichtigen Informationen enthält, Postkarten und Lesezeichen zum Buch oder auch eine Leseprobe passen in jede Handtasche. Ich habe immer etwas dabei, denn so bin ich vorbereitet, wenn ich auf Interesse stoße. Es dauert vielleicht eine Weile, bis du diesen Marketing-Trick verinnerlicht hast, aber es lohnt sich! Anfangs hatte ich auch wirklich Bammel, bevor ich eine Buchhandlung betrat, um mich vorzustellen, aber das hat sich schnell gelegt. Und gerade vor ein paar Tagen konnte ich einer Gruppe Frauen, die Interesse an meiner Autorentätigkeit zeigten, nicht nur von meinen Büchern erzählen, sondern ihnen auch Postkarten und Lesezeichen in die Hände drücken. Das kam überraschend und ungeplant. Ein tolles Gefühl!

Knips, Knips, Knips

Und nun noch ein letzter Tipp, den du allerdings nur umsetzen kannst, wenn du in Begleitung reist: Lass ein paar schöne Fotos von dir machen! Ich bin zum Glück mit einem Mann gesegnet, der gut fotografieren kann, und meine Autorenfotos gefallen mir sehr gut. Professionelle Autorenfotos kannst du natürlich auch durch einen Fotografen vor Ort umsetzen lassen, den du vorab buchst. Fotos von dir im Freien, vielleicht sogar an einem außergewöhnlichen Ort, sind nämlich etwas Wunderbares. 

Fazit

Ein Urlaub, eine Reise, auch aus beruflichen Gründen, muss dich nicht unbedingt aus dem Schreiben kicken. Es gibt viele Möglichkeiten, dich zu connecten und kreativ zu bleiben. Hast du weitere Tipps oder Fragen? Dann schreib mir gerne an kerstin[@]21ufos.de.

Hab eine schöne Osterzeit, ob auf Reisen oder daheim!

Holl di munter

deine Kerstin

Theorie? Geht auch spannend

Von Schreibtheorien sind viele Autor:innen gelangweilt oder sogar genervt. Ein Teil will sich lieber direkt in den Text stürzen, ganz nach Gefühl schreiben und sich nicht durch Vorgaben maßregeln lassen; ein anderer Teil erinnert sich noch dunkel an die sich hinziehenden Schulstunden, in denen es um Erzählperspektive und so weiter ging, und hat keine Lust, sich damit den Autor:innenalltag zu verhageln. Einem weiteren Teil sind die Theorien egal oder die Autor:in hat sogar Angst vor all den Theorien, weil sie unverständlich sind oder als „must have“ verkauft werden, ohne die kein Text gelingen kann. Und dann gibt es noch den Teil, der sich gerne mit den theoretischen Grundlagen des Schreibhandwerks beschäftigt. (Du wirst dir vorstellen können, dass ich zu letzterer Gruppe gehöre. 😉 ) Für sie alle ist dieser Blog-Artikel, der sich damit beschäftigt, wie wir auf spannende Art und Weise Neues für unser Schreiben lernen können. Ganz ohne Langeweile und Zwang.

Von Menschen lernen

Als Schriftstellerin habe ich mich seit jeher viel mit Schreibtheorie beschäftigt – einfach, weil es mir Spaß macht und ich es als unerlässlich empfinde, um immer besser zu werden, bessere Texte zu schreiben. Mit 14 Jahren habe ich in der Jugendredaktion einer Tageszeitung angefangen, mit 19 nach dem Abi an einer anderen Tageszeitung volontiert, also eine journalistische Ausbildung absolviert. Während dieser zwei Jahre habe ich auch viele Fortbildungen neben dem normalen Zeitungsgeschäft absolvieren dürfen, unter anderem einen vierwöchigen Aufenthalt an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Hier lernte ich vor allem von Menschen, Vortragenden, Lehrenden im direkten Kontakt. Vieles von dem, das ich in dieser Zeit bezogen auf den Journalismus gelernt habe, kommt mir auch heute noch zugute.

Auch während des Studiums in Bonn durfte und musste ich mich immer wieder mit dem Schreiben beschäftigen, dieses Mal mit dem wissenschaftlichen Schreiben. Auch hier lernte ich in Tutorien und durch die Korrekturen meiner Dozenten in meinen Hausarbeiten, worauf es ankommt. Nach dem Abschluss fing ich bald an, Heftromane für einen Verlag zu schreiben, und bekam hier durch die zuständige Lektorin erstmals Feedback zu meinen literarischen Texten. Auch heute noch sauge ich die Informationen, die mir Lektoren und Korrektoren geben, wie ein Schwamm auf, denn wer könnte einen noch genaueren, fachlich fundierten, wohlwollenden und doch auch kritischen Blick auf meine Texte werfen?

Mein erster Tipp ist daher: Wenn du die Gelegenheit hast, lerne von Menschen! Sei es nun im Kontakt mit einem Verlag oder einer Agentur, einer freiberuflichen Lektorin, einem Coaching oder auch in einem Kurs, on- wie offline. Ich habe früher ein paar VHS-Kurse für Kreatives Schreiben gegeben und weiß, wie wohltuend es für viele Autor:innen ist, vielleicht erstmals in einer Gruppe am eigenen Text zu arbeiten. Nach meiner langen Durststrecke, in der ich jahrelang alleine an meinen Texten gearbeitet hatte, war es für mich Anfang 2021 der Gamechanger, wieder mit anderen zusammenzuarbeiten und Kurse zu besuchen.

Derzeit arbeite ich mit meiner lieben lieben Kollegin und Herzgespinste-Schwester Sandra Andrés von der Agentur Autorenträume selbst an einem Online-Kurs für Autor:innen und halte dich hier und auf Instagram auf dem Laufenden. Ende Mai geht es los, und ich freue mich, wenn du dabei bist! 🙂

Ratgeber lesen

Wie habe ich mich selbst mit den Grundlagen literarischen Schreibens und Veröffentlichens vertraut gemacht? Ich habe viele Ratgeber gelesen! Es waren sehr gute darunter und auch weniger gute, doch immer konnte ich etwas für meine Arbeit mitnehmen. Hier habe ich ein paar der Ratgeber vorgestellt.

Auch heute noch ist es mir sehr wichtig, mich mit Theorien zu beschäftigen und mein eigenes Wissen weiterzugeben, vor allem durch mein Projekt 21ufos.de mit diesem Blog und meinem zugehörigen Podcast. Einen Ratgeber zum Kreativen Schreiben zu verfassen – das steht ganz fest auf meiner ToDo. Bis dahin möchte ich dich an Sandra verweisen, die einen solchen Ratgeber bereits verfasst hat.

Von den Großen lernen

Wir haben wohl alle unsere Lieblingsautor:innen, die wir bewundern, denen wir vielleicht auch nacheifern, denn letztlich sind auch die Großen der literarischen Welt für uns vor allem eines: Kolleginnen und Kollegen! Natürlich können wir durch ihre Werke selbst lernen, sie analysieren und so herausfinden, was funktioniert und warum. Alle meine Lieblingsautoren haben aber zum Glück auch über das Schreiben gesprochen und geschrieben beziehungsweise tun es auch heute noch. Ich recherchiere teils gezielt, manches begegnet mir aber auch durch Zufall. Finde doch einmal heraus, ob auch „deine“ Autor:innen etwas abseits des Weges hinterlassen haben. 

  • Von Paul Auster gibt es Bücher, in denen er seinen Schreiballtag und seinen Weg als Schriftsteller beleuchtet. Keine Ratgeber im eigentlichen Sinne, aber Bücher mit hohem Lerneffekt – und Suchtpotential: Ich habe sie verschlungen. 😉
  • Im Netz finden sich immer wieder Interviews mit bekannten Autor:innen, die sich nicht immer „nur“ mit ihren Geschichten beschäftigen, sondern auch mit dem Dahinter. Eine Recherche hierzu lohnt sich. Ich erinnere mich an sehr spannende Interviews mit der Nobelpreis-Trägerin Alice Munroe, die ich für ihre grandiosen Erzählungen liebe.
  • Einer meiner liebsten Autoren ist Kazuo Ishiguro, der ebenfalls den Nobelpreis erhalten hat. Seine Rede anlässlich der Verleihung ist als kleines Taschenbuch erhältlich, und als Fan und Lernende steht es auch in meinem Regal.
  • Ishiguro durfte ich auch einmal live bei einer Lesung erleben, wenn auch unter Corona-Bedingungen nur online. Solche Gelegenheiten würde ich immer ergreifen, wenn sie sich bieten!
  • Ein weiterer meiner Lieblingsautoren ist Haruki Murakami. Auch er schreibt über das Schreiben, so in seinem Kurzgeschichten-Band „Erste Person Singular“ aus dem vergangenen Jahr. Durch Zufall stieß ich einmal auf einen spannenden, großformatigen Zeitungsartikel, der nun ebenfalls in meinem Regal steht. Hier diente die japanische Metropole Tokio als Hintergrund für eine Beschäftigung mit dem Schriftsteller und hat mir viele spannende Informationen geliefert. Solche Artikel sind oft auch online erhältlich.
  • Klassische Biografien sind natürlich eine gute Möglichkeit, um aus dem Leben auf das Werk und die Arbeitsweise zu schließen. Von Jane Austen gibt es gleich mehrere in meinem Regal, zu denen ich immer wieder mal greife. Leider wurden viele Briefe der Autorin von ihren Nachfahren zerstört, doch einiges ist erhalten geblieben, und darin geht sie auch immer wieder auf ihr Schreiben und ihre Ansichten dazu ein. Eine wahre Goldgrube für einen Jane-Austen-Fan wie mich! (Kennst du schon unsere Herzgespinste-Folge zu Jane Austen?)

Dies war eine kleine Auswahl dessen, was ich rund ums Thema Schreibtheorie lese, höre, sehe und selbst verfasse. Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir gerne an kerstin[@]21ufos.de

Holl di munter

deine Kerstin

Krank schreiben? 5 Tipps zum Dranbleiben

„Krank schreiben?“ habe ich diesen Beitrag betitelt – und erst beim Tippen die Doppeldeutigkeit wahrgenommen. 😉 Nein, es soll heute nicht um eine Krankmeldung für den Arbeitgeber gehen, sondern ums Schreiben, wenn man krank ist. So wie ich gerade.

Tatsächlich hat uns Corona erwischt – mal wieder, wie ich leider sagen muss. Eine Woche lang ging hier gar nichts. Ich war selbst krank, Ehemann und drei Kinder ebenfalls. Das Schreiben blieb da tatsächlich auf der Strecke beziehungsweise war mir rein körperlich gar nicht möglich, weil ich alle verbliebenen Ressourcen benötigte.

Wie du in so einer Phase trotzdem „dranbleiben“ und dich weiterhin mit dem Schreiben verbinden kannst, darum soll es heute gehen – damit der Wiedereinstieg nach der unfreiwilligen Unterbrechung nahtlos gelingt.

Tipp 1: Notizen zum Projekt anfertigen

Notizen zu deinem aktuellen Projekt anzufertigen, ist die naheliegendste Lösung. Falls du zu krank zum eigentlichen Schreiben bist, aber fit genug für handschriftliche Aufzeichnungen, bietet sich ein Notizbuch oder eine entsprechende App auf deinem Handy an. Dabei muss allerdings auch dein Gehirn mitmachen! Meines hatte tatsächlich keine Kapazitäten in den vergangenen sieben Tagen. Es lief auf „Überlebensmodus“. Falls noch ein bisschen Gehirnschmalz übrig ist und du Lust auf deine Geschichten hast, mache dir einfach Notizen zu deinen Figuren, deiner Buchwelt, Ideen für weitere Recherchen – was dir so in den Sinn kommt.

Tipp 2: Allgemeine Ideen sammeln

Im Unterschied zum ersten Tipp geht es beim zweiten darum, allgemeine Ideen zu sammeln. Meiner Erfahrung nach ist das einfacher, weil kein konkreter Bezug hergestellt werden muss, sprich: Es erfordert weniger Konzentration. Als Schriftstellerin bin ich es gewöhnt, meine Ideen aufzuzeichnen und zu sammeln. Gerade in Krankheitsphasen ergeben sich manchmal tolle Zusammenhänge – sei es, weil man einfach mal auf der Couch herumlümmelt oder weil durch den rein körperlichen Zustand neue Gedanken aufkommen. Alles ist es wert, aufgezeichnet zu werden, sofern dein Zustand es zulässt. (Du kannst übrigens auch die Diktierfunktion deines Handys nutzen, falls dir tippen zu anstrengend ist.)

Tipp 3: Podcasts hören

Ich höre leidenschaftlich gerne Podcasts. Es ist manchmal im Alltag leichter unterzubringen, und gerade bei Krankheit kann der Fokus auf nur einen Sinn – das Hören – entspannend sein. Zum Glück gibt es viele Podcasts zu Büchern, dem Schreiben und Veröffentlichen.  So bleibst du im Schreiben drin und beschäftigst dich mit der Thematik, ohne selbst Energie aufwenden zu müssen. (Kennst du schon meinen Podcast 21ufos.de? Oder den Podcast meiner Autorengruppe Herzgespinste? Die liebe Sandra hat auch einen eigenen Podcast: Rilkes Töchter. Hör gerne mal rein!)

Tipp 4: Passende Bücher lesen

Wenn ich fit genug bin, lese ich gerne zu meinen Themen und Inhalten passende Literatur oder verbinde das Angenehme mit dem Nützlichen und lese ein Buch oder eine Zeitschrift zur Recherche. Das ist aber oft zu anstrengend oder macht keinen Spaß, und das sollte es, denn man will ja schnell wieder gesund werden. Daher hat sich für mich der Griff zum Altbekannten bewährt: Ich lese ein Buch zum wiederholten Mal, ein echtes Lieblingsbuch, lasse mich von der Geschichte, der Sprache einlullen und davontragen – und lerne doch immer etwas Neues dabei. Denn: Gerade bei bekannten Inhalten kannst du auf andere Dinge achten, die dir beim ersten Lesen vielleicht gar nicht auffallen. Warum nimmt dich das Buch so gefangen? Was ist das Besondere daran? Sind es die Figuren, der Aufbau der Handlung, vielleicht sogar die Perspektive? Magst du die kurzen oder langen Kapitel, die Rückblenden, das Vor- und Nachwort? Was macht die Autorin anders als andere? Wo liegt die Besonderheit? (Funfact: Mein Buch der Wahl ist in so einem Fall immer Jane Austens „Stolz und Vorurteil“.)

Tipp 5: Inspirierende Serien und Filme schauen

Tatsächlich war ich phasenweise zu platt für alles oben Genannte und mochte mich nicht mit Schreibthemen beschäftigen. Nicht mal lesen war drin. Zum Glück habe ich zwei Serien gefunden, die zu meiner Stimmung passten und nicht das Gefühl hinterließen, bloß stumpf ferngesehen zu haben.

Zuerst habe ich eine Serie über eine junge japanische Köchin und den Haushalt, für den sie kochte, gesehen – im Originalton mit Untertiteln. Hier ging es um eines meiner Lieblingsthemen: Beziehungen. Außerdem habe ich mich so mit einer anderen Erzähltradition beschäftigt, denn ich finde es immer spannend zu sehen, wie in anderen Ländern Geschichten erzählt werden.

Danach habe ich eine Serie über Wikinger angefangen. Hier konnte ich mich in eine andere Zeit versetzen lassen. Ich fand die unterschiedlichen Perspektiven spannend, die Bilder der Landschaften, die Abwechslung aus langsam erzählten Szenen und Action – die mir teils zu viel wurde, aber da kann man ja zum Glück vorspulen.

Diese beiden Serien sollen nur Beispiele sein. Ich habe mich dabei außerhalb meiner normalen Komfortzone bewegt, etwas gelernt, das ich für mein eigenes Schreiben anwenden kann, aber gerade so, dass es mit krankem Kopf erträglich war. Schau beim nächsten Infekt doch auch mal, ob du ein visuelles Experiment wagen magst.

Fazit

Natürlich lassen sich diese Tipps auch im ganz normalen Schreib-Alltag nutzen. Ich habe aber festgestellt, dass sie vor allem bei Krankheit hilfreich sein können. Halbwegs wieder auf der Höhe, sitze ich nun schon wieder am Schreibtisch und bin drin – auch dank dieser kleinen Tricks. 🙂 Probiere gerne den ein oder anderen aus und schreibe mit an kerstin[@]21ufos.de, falls du Fragen und Anregungen hast.

Holl di munter

Deine Kerstin

Mia M. Hope und das Genre Liebesroman

Mit meiner lieben Herzgespinste-Kollegin Michaela Metzner alias Mia M. Hope habe ich zum Thema Liebesromane geplaudert. Michaela ist Selfpublisherin und hat gerade den zweiten Teil einer Dilogie mit dem Titel TRÜMMERMÄRCHEN veröffentlicht. In der aktuellen Podcast-Episode vom Freitag haben wir uns einem der beliebtesten Genres im Selfpublishing gewidmet – und warum es so einfach nicht ist! Das Genre hat nämlich etliche Sub-Genres, und warum es sinnvoll ist, sich frühzeitig festzulegen, verrät Michaela in dieser Folge. Hör doch mal rein!

[Alle Podcast-Episoden in der Übersicht und einige Anbieter, über die du den Podcast noch hören kannst, findest du hier.]

9 Tipps für eine Handlungsorte-Tour

Heute geht es um Tipps und Tricks, wie du deine Leser:innen zu den Schauplätzen deiner Geschichte(n) mitnehmen kannst.

Falls deine Geschichte einen realen Bezug zu unserer aktuellen Welt hat, also nicht auf einem fernen Planeten spielt oder in einem Fantasy-Universum, bietet sich so eine Handlungsorte-Tour an, z.B. auf Instagram. Sicherlich ist sie in abgewandelter Form auch in anderen sozialen Netzwerken möglich.

Im Sommerurlaub habe ich so eine Handlunsgorte-Tour erstmals gemacht, und zwar völlig ungeplant. Ich hatte so viel Spaß daran, meine Follower:innen durch Fotos mitzunehmen, dass ich die Frage gestellt habe, ob ich ein paar Schauplätze meiner Geschichten zeigen solle. Diese Frage wurde bejaht, und so ist die Tour entstanden.

Was habe ich aus dieser Erfahrung mitgenommen? Was würde ich wiederholen, was anders machen? Welche Tipps leite ich daraus für dich ab? Darum soll es heute gehen.

9 Tipps für eine Reise zu deinen Schauplätzen

Grundsätzlich hat es mir großen Spaß gemacht, und ich habe meine eigenen Bücher auch noch einmal anders erfahren. Ich konnte einen Bezug zu meinem eigenen Leben herstellen, mich fragen, warum ich bestimmte Szenen an genau jenem Ort habe spielen lassen. Eine spannende Erfahrung für mich – und für meine Leser:innen!

1. Am Stück oder in Etappen?

Ich habe versucht, im Urlaub jeden oder fast jeden Tag Bilder aus Ostfriesland zu posten. Die Tour fand immer wieder zwischendurch statt, aber innerhalb des Urlaubs. Alternativ hätte ich die Bilder anfertigen und dann im Laufe des Jahres posten können. (Bedenke: Die Fotos sind dann nicht mehr aktuell! Im Mai blühende Sträucher könnten im Dezember daneben sein.)

2. Konzentration

Falls du bereits mehrere Veröffentlichungen hast, kannst du überlegen, ob du dich auf eine konzentrieren möchtest. Ich bin auf Grund der fehlenden Planung ziemlich gesprungen. Das würde ich mit ein bisschen Planung wohl anders machen und mich auf eine Veröffentlichung konzentrieren. Es könnte sonst verwirrend wirken. Bei mir waren die meisten Posts zum Glück zu TASCHE MIT HERZ, so hielt sich das Chaos in Grenzen.

3. Fotos, Fotos, Fotos

Produziere so viel Fotomaterial wie möglich! Du mit Buch, ohne Buch, Landschaft, Architektur, Buch alleine – so hast du viel Auswahl. Verschieße dein Pulver nicht zu oft in Galerien, also einer Reihe von Bildern, die man gleichzeitig bei Instagram als einen Beitrag posten kann. Dann hast du genug Material, um regelmäßig zum Thema zu posten.

4. Weitere Infos in der Story

Was in einem Beitrag keinen Platz findet, kannst du wunderbar in einer Story unterbringen. Ich nutze sie sowieso oft. In diesem Fall habe ich zum Beispiel kleine Videos gemacht, einfach den Ort gefilmt, ein bisschen was dazu erzählt, Fragen gestellt … Die Kombination aus Beitrag und Story gefällt mir gut.

5. Werbung nicht vergessen

Unsere Bücher wollen gelesen / verkauft werden. Deshalb habe ich, um meine Leser:innen zu erreichen, hinter jedem Foto ganz am Ende eine Werbegrafik eingefügt – entweder vom Buch, vom Klappentext, ein Zitat oder eine andere Grafik, die zum Beitrag passte. Das fand ich nicht aufdringlich, und ich denke, auch die Community verzeiht so eine Werbung. Wir sind nun mal Autor:innen und präsentieren uns auf Instagram, wo wir legitimerweise Werbung machen wollen. Achte dabei immer auf einen Mehrwert für die Leser:in!

6. Pimpe deine Hashtags

Ich nutze eine App, um meine Hastags zu organisieren. Zum jeweiligen Buch habe ich hier Hashtags hinterlegt, aber auch zu Ostfriesland im Allgemeinen. Man soll ja immer variieren und nicht immer die gleichen Hashtags nutzen. Durch dieses Tool muss ich nicht immer neu nachdenken, sondern suche mir die passenden aus. Du kannst dir beispielsweise in deinem Notizprogramm auf dem Handy auch solche Listen anlegen. Für die Handlungsorte-Tour habe ich diese Listen dann noch mal um spezifisch zum Ort passende Hashtags ergänzt.

7. Werde persönlich

Den Beitragstext und die Hashtags kannst du auch nutzen, um einen persönlichen Bezug der Leser:in zum Handlungsort herzustellen. Geht es um Urlaub, Kindheitserfahrungen, Sport, Essen, das Wetter … Hier kann man auf charmante Weise den „call to action“ einbauen, die Handlungsaufforderung, die Marketingfachleute gerne fordern: Über eine Frage mit persönlichem Bezug wird die Leser:in zur Handlung aufgefordert, in diesem Fall einen Kommentar. So kommt man in Kontakt.

8. Achte auf die Jahreszeit

Wenn möglich würde ich darauf achten, dass die Jahreszeit der Tour zu der Zeit passt, in der deine Handlung stattfindet. Bei mir ging’s  dieses Mal ja durcheinander, aber im Herbst möchte ich ausschließlich DER STURM BRACHTE IHREN RETTER bebildern. In dem Fall passt die Geschichte gut zur Jahreszeit, und so auch die Bilder der Tour. Jetzt im Sommer passte TASCHE MIT HERZ gut, während ERTRINKENDE PFLANZEN AUF LEINWAND für mich eher ein Winter-Buch ist und DER KOFFER IM LEUCHTTURM gut in ein nieseliges Frühjahr passt.

9. Gehe mit

Lass dich ein! Was passiert dir während der Tour? Manches ergibt sich ganz spontan. Vieles ist mir in dem Moment erst aufgefallen. Durchforste auch deine Geschichte noch mal nach Handlungsorten. Vielleicht bist du überrascht, was du alles entdeckst. 🙂

Das waren meine 9 Tipps für eine Handlungsorte-Tour. Hast du weitere? Dann schreibe gerne einen Kommentar.

Holl di munter!

Deine Kerstin