Darum solltest du Schreib-Erfolge feiern

Das Leben kann echt hart sein. Das weißt du, das weiß ich. Und das wissen leider auch die anderen, die einem das Schriftsteller-Dasein ganz schön schwer machen können. Externen Lohn für unsere Mühen dürfen wir meist nicht erwarten, träumen aber bisweilen davon. So manchem geht auf dem langen Weg zur Veröffentlichung die Luft aus. Irgendwo zwischendrin ist die Motivation verloren gegangen. Frustriert gibt der einst ambitionierte Autor auf.

Damit es dir nicht so ergeht, möchte ich dir heute ein paar Gedankenanstöße geben, warum du Schreib-Erfolge feiern solltest.

Am Anfang stehst Du

Es ist doch so: unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Geschichten. Darum geht es. Das ist der Anfang. Wir sind unser erster Zuhörer. Schon kleinste Kinder erzählen sich selbst Geschichten, und zumindest im Kopf eines Schriftstellers hört das niemals auf. Aber was ist mit dem Leser, dem Markt, dem Bankkonto?, fragst du nun vielleicht. Meine Meinung: Das kommt alles erst danach. Das mag blasphemisch klingen, weil allerorten gepredigt wird, was wir tun müssen, um diese drei zu bedienen. Aber ich bestehe darauf: Die Texte entstehen zunächst aus uns und für uns. Da können wir noch so auf Statistiken, Marktentwicklungen und Verkaufszahlen schielen. Der Text erzählt unsere Sicht auf die Welt, unser Erleben, unsere Interpretation der Wirklichkeit. Es ist ein schöpferischer Prozess, der erst hinterher in Geld umgewandelt werden kann. Möglicherweise.

Und weil das so ist, bist du auch der erste Mensch, der sich über den fertigen Text freut. Ob es sich um eine Kurzgeschichte oder einen 800-Seiten-Wälzer handelt: Du hast das geschafft! Du ganz allein. Du hast dir die Zeit abgezwackt und den Text geschrieben. Du hast dir die Nächte um die Ohren geschlagen oder bist frühmorgens aufgestanden. Du hast die Priorität auf deine Geschichte gelegt und bestimmt so manches geopfert, um jetzt deinen Text in den Händen halten zu können – und das darfst du feiern!

Du bist deine Triebfeder

Aber sollte ich denn nicht erst dann feiern, wenn das Buch ein Erfolg ist?, fragst du nun vielleicht. Da kommt von mir ein klares Nein! Und das liegt nicht daran, dass ich gerne feiere. 😉 Dass du einen Text fertiggestellt hast – das ist der Erfolg. Was die anderen davon halten, wie es die Kritik aufnimmt, ob du dein Portmonee vor lauter Scheinchen nicht mehr schließen kannst – erst mal egal. Das fertige Buch interessiert vielleicht keine Sau. Oder es wird nicht gefunden, weil du dich (noch) nicht mit Marketing auskennst. Oder es entspricht nicht dem Zeitgeist. Oder oder oder. Alles wurscht, denn: Wenn du nicht in der Lage bist, dich selbst zu belohnen, wird es auch kein anderer können. Tolle Rezensionen, bombastische Umsätze, begeisterte Leserbriefe – alles für die Katz, wenn das alles dein Herz nicht erreicht.

Das hat nämlich etwas mit Wertschätzung zu tun, und zwar für dich selbst. Dich für Erreichtes zu belohnen, gibt deinem Gehirn einen entscheidenden Impuls, der dich motiviert und auch dann dranbleiben lässt, wenn es mal wieder hart wird. Und dich alle da draußen doof finden. Und deine Idee, schreiben und veröffentlichen zu wollen, sowieso.

Deshalb plädiere ich für Mini-Belohnungen auch für Mini-Erfolge. Frage dich: Was ist es dir wert, dass du das Buch geplant hast? Dass du das erste Kapitel geschafft, die Rohfassung erstellt hast? Dass du all deinen Mut zusammengenommen und das Ding hochgeladen hast, um es als E-Book zu veröffentlichen?

Was bist Du dir wert?

Du musst ja nicht gleich eine Fernreise buchen. Aber vielleicht eines der Törtchen beim Bäcker kaufen, die du eigentlich viel zu teuer findest, die dich aber bei jedem Einkauf anlachen. Oder das neue Buch deiner Lieblingsautorin – was den wunderbaren Vorteil hätte, dass du dich für weitere Mini-Schritte mit einzelnen Kapiteln belohnen könntest. (Videos, Filme und Serien funktionieren bei mir auch gut. Wenn mir etwas besonders auffällt, „spare“ ich mir die Folge oder den Film regelrecht für einen Erfolg auf.)

Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, sich zu belohnen, dass ich sehr lang tippen könnte, ohne zu einem Ende zu kommen: ein Wellness-Ausflug mit der Freundin, ein Tag im Wald, ein Spaziergang durch den Park, ein kühles alkoholfreies Bier am Abend, dein Lieblingstee …  

Und weiß du, was das Beste an dem ganzen Konzept ist? Dass du ganz allein bestimmen kannst, was du als Erfolg definierst. Es ist dein Leben, deine Arbeit, dein Text, dein Erfolg – und deine Belohnung! Da kann dir keiner reinreden. Immerhin geht’s um dein Gehirn, das motiviert werden will. Wer könnte also besser entscheiden, was es braucht?

Also überlege dir, was dich glücklich machen, was bei dir als kleine und große Belohnung funktionieren könnte. Stelle dir den Lohn konkret in Aussicht: Wenn ich diese drei Seiten geschafft habe, dann schaue ich mir ein Video zum Thema Rhododendren-Pflege an. (Du hast ja komische Hobbies …) Wenn ich meine Rohfassung überarbeitet habe, mache ich Pause und hänge einen ganzen Nachmittag mit meinem Lieblingsbuch auf dem Sofa herum. (Das geht natürlich nur, wenn du keine kleinen Kinder hast, die derweil auf dir herumturnen. In dem Fall könnte eine große Belohnung lauten: Ich organisiere einen Babysitter und gehe mit meinem Partner chic essen. Oder zur Pommesbude. Hey, es ist dein Gehirn. Was weiß denn ich?!)

Und jetzt los! Mach dir Gedanken, schreib dir ein paar Ideen auf – und verbinde sie mit deinen Schreibaufgaben. Probiere verschiedene Sachen aus, spiele mit den verschiedenen Möglichkeiten. Dein schriftstellerisches Ich wird es dir danken.

Hast du Fragen? Oder bereits Erfahrungen mit Belohnungen rund ums Schreiben gemacht? Dann freue ich mich über einen Kommentar.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Rituale für Schreibtisch-Täter

 

Das erste Wort. Der erste Satz. Der erste Absatz. Die erste Seite. An jedem dieser Punkte kann die Herausforderung lauern:

Wie komme ich überhaupt ins Schreiben rein?

Wie fange ich an? Wie schaffe ich es, mich aufs Schreiben einzustellen und meine Zeit nicht mit einfacheren Dingen zu verbummeln? Heute möchte ich dir ein paar Tipps geben, wie du dich mithilfe von Ritualen und Routinen aufs Schreiben „trimmen“ kannst. Diese Tipps habe ich alle ausgiebig erprobt und benutze etliche davon nach wie vor. Vielleicht ist ja etwas dabei, das auch dir hilft, in den Schreibfluss zu kommen.

Trage den Müll raus

Bevor ich an den Schreibtisch gehe, sorge ich für eine Grundordnung in der Wohnung. Wenn sich das Geschirr in der Spüle stapeln oder der Mülleimer überquellen würde, könnte ich mich nicht in Schreiblaune bringen. (Bügelwäsche-Berge kann ich hingegen wunderbar ignorieren. Es lohnt sich, einmal nachzuforschen, welche Hausarbeiten unbedingt vorher erledigt müssen und welche liegenbleiben können – denn sonst kommst du womöglich vor lauter Putzerei nicht mehr an den Schreibtisch. Ich habe zum Beispiel auf meiner Liste für Hausarbeiten explizit vermerkt, was unbedingt zu tun ist, und arbeite das ab. Der Rest muss warten. Punkt.) 

Wenn dir Bewegung hilft, um den Kopf für Kreativität freizubekommen, könntest du vorher spazieren gehen oder ein leichtes Workout durchziehen – leicht wohlgemerkt, denn wenn du völlig kaputt vor der Tastatur hockst, hast du dir wieder ein Bein gestellt. Ich gehe zum Beispiel kurz mit dem Mops raus. Der freut sich, möchte eh nicht weit laufen und ich kann mir auf dem Weg schon mal ein paar Gedanken über meinen Text machen.

Hast du noch Telefonate zu erledigen? Dann mach das lieber vorher, denn auch solche Unterbrechungen können dich aus dem Tritt bringen. Vielleicht denkst du zwischendurch immer wieder daran, dass du jemanden anrufen musst, und blockierst dich damit. Wenn du nicht darauf angewiesen bist, erreichbar zu sein, könntest du das Telefon für die Schreibzeit komplett ausstellen.

Die Laune ist entscheidend

Um dich in eine positive Grundstimmung zu bringen, gibt es auch ein paar Tricks und Kniffe, wie zum Beispiel bestimmte Kleidung anzuziehen. Du kannst den Raum gemütlich einrichten, dir deinen Lieblingstee kochen, eine Kleinigkeit zu essen vorbereiten oder Kerzen anzünden. Ein gleichbleibendes Ritual hilft deinem Gehirn irgendwann, zu begreifen, dass jetzt Schreibzeit ist – und es sperrt sich nicht mehr so dagegen. Sobald ich zum Beispiel am Schreibtisch sitze, sortiere ich zunächst meine Unterlagen und bereite die benötigten Materialien vor. Manchmal entstaube ich erst die ein oder andere Ecke, damit ich mich wirklich wohlfühle. Nebenbei lasse ich leise Musik oder ein Video laufen, das mich in die richtige Stimmung versetzt. Ich blättere noch einmal durch bisher Geschriebenes, entweder durch eine meiner Veröffentlichungen oder durch die Textpassagen, die ich im aktuellen Projekt bisher geschafft habe. (Da muss ich mich dann aber zwingen, nicht zu überarbeiten. Ich möchte ja kreativ schaffen. Pingelig darf ich erst später sein!)

Dem ein oder anderen mag es helfen, in Texte anderer Autoren hineinzulesen. Auch wenn ich natürlich gern und viel lese, gibt mir persönlich das in diesem Moment nichts. Lesen ist für mich so mit Freizeit und Genuss verbunden, dass ich dann vermutlich kein Wort mehr tippen würde. 😉 (Apropos tippen: Vielleicht hilft  es dir, den Einstieg von Hand zu versuchen. Mit einem gespitzten Bleistift oder einem Füller in dein Notizbuch zu schreiben, setzt eventuell die Energien frei, die du brauchst.)

Bei allen Tipps, die ich dir vorgestellt habe, finde ich persönlich es wichtig, dass sie wirklich den Charakter von Routinen oder gar Ritualen erlangen – denn erst dann ergibt sich ein Automatismus!

Hast du auch Rituale, die dir beim Schreiben helfen? Oder hast du Fragen? Dann schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Mit Listen zu mehr Schreib-Erfolg

Ich verzettle mich gerne mal. Bei der Menge an Aufgaben, die jeden Tag zu bewältigen sind, ist das kein Wunder. Dir geht es vielleicht ähnlich. Wie ich wirst du im Lauf der Jahre Techniken gefunden haben, die dir den Alltag erleichtern. Bei mir sind es ein Kalender, ohne den ich zu keinem Termin pünktlich käme – und die guten alten Listen zum Abhaken.

Ich habe für alles mögliche Listen, zum Beispiel für die täglichen Hausarbeiten oder den nächsten Zelturlaub mit der Familie. Sie entlasten mein Gehirn, denn wenn etwas auf der Liste steht, muss ich nicht mehr daran denken.

Listen, die ich permanent verwende, laminiere ich und streiche dann die entsprechenden Punkte mit einem Folienschreiber weg. Ich weiß, das kann man auch digital machen – funktioniert bei mir aber leider selten. Meistens vergesse ich, dass ich eine Liste angelegt habe, und wenn ich sie dann doch öffne, gibt mir das Anklicken kein so gutes Gefühl wie „in echt“. Aus ökologischen Gründen werde ich aber sicherlich ein paar weitere Versuche starten, denn immerhin verbrauche ich Papier, Druckertinte und in manchen Fällen Laminierfolie plus Stift. Das alles würde ich gerne einsparen, bin aber noch nicht so weit. (Eine Ausnahme ist hier meine „Checkliste Projekt“, die ich dir weiter unten vorstelle.)

Listen verwende ich auch beim Schreiben, und ein paar möchte ich dir heute vorstellen. Wenn dir das Prinzip der To-do-Liste schon aus anderen Zusammenhängen vertraut ist, wird es dir leicht fallen, es auch hier anzuwenden. Du hast damit noch nicht gearbeitet? Dann probier es mal aus. Vielleicht freut sich dein Gehirn genauso darüber wie meines – und das bedeutet mehr Kraft für kreatives Arbeiten!

Die Tagesliste

Auf meiner Tagesliste stehen die Arbeiten, die ich oft ausführe. Da sie wiederkehrend sind, oft sogar täglich, habe ich die Liste laminiert. „Tagesliste“ heißt aber nicht, dass ich alle Aufgaben auf der Liste stoisch abarbeite, denn dafür ist meine Zeit am Schreibtisch oft zu kurz. Es ist aber alles drauf, was regelmäßig ansteht, zum Beispiel: Korrekturlesen, Schreiben oder Plotten. Es stehen aber auch organisatorische Sachen darauf: Papierkram erledigen, Telefonate führen, Ablage, E-Mails bearbeiten.

Morgens schaue ich mir die Liste an. Je nach Zeitbudget, Dringlichkeit und Stimmung streiche ich dann schwungvoll alles weg, was an dem Tag nicht relevant ist, und widme mich ausschließlich den Sachen, die ich mir ausgesucht habe. Die Punkte habe ich dabei unterteilt in Bürokram, weiche Zeit und harte Zeit. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass ich nicht zu viel Zeit mit zwar wichtigen, aber wenig schöpferischen Dingen verplempere. Sie müssen erledigt werden, ohne Frage – aber die harte Zeit ist die Zeit, in der Texte entstehen! Das ist die Zeit, die hohe Konzentration erfordert und auch mal ein Sich-Durchbeißen. Bei mir fallen Schreiben und Überarbeiten in diese Kategorie. Wenn ich diese Punkte ständig von der Liste streichen würde, entstünde kein fertiger Text mehr. Insofern ist der Akt des Streichens eine Selbstkontrolle, bei der ich mich frage: Willst du wirklich den fünften Tag in Folge keine Minute in harte Zeit investieren?

Mit der Tagesliste schaffst du dir somit ein Gerüst, das dir den Einstieg in den Arbeitsprozess erleichtert. Du verzettelst dich weniger und kannst direkt mit produktiver Arbeit beginnen. Überlege einmal, welche Aufgaben du im Zusammenhang mit dem Schreiben immer wieder ausführst und notiere sie. Diese Aufzeichnungen bilden dann die Grundlage für deine eigene Tagesliste.

Die Wochenliste

Eine weitere Liste, die ich regelmäßig nutze, ist meine Wochenliste. Diese ist im Grunde eine Übersicht meiner kompletten To-dos außerhalb regelmäßig wiederkehrender Aufgaben – die kommen ja auf die Tagesliste. Alles, was im Zusammenhang mit dem Schreiben anfällt, kommt auf diese Liste. Einige Beispiele: die Konvertierung eines Textes für eine Veröffentlichung, Klärung technischer Fragen diesen Blog betreffend oder Weiterbildungen, die ich gerne machen möchte. Thematisch zusammenhängende Dinge fasse ich unter Überschriften zusammen, zum Beispiel Blog und Weiterbildung. Große Aufgaben zerlege ich in Kleine und führe die Punkte einzeln auf, so dass ich sie nach und nach abarbeiten kann. Habe ich eine große Aufgabe bewältigt und damit einen Meilenstein erreicht, gibt’s eine Belohnung. (Was bei unserem Mops funktioniert, funktioniert auch bei mir.)

Meine Wochenliste drucke ich montags aus. Ich markiere mit einem roten Punkt, welche der vielen Punkte ich mir für die Woche vornehme. Den Zettel hänge ich direkt über den Monitor an die Pinnwand – und versuche dann, die Aufgaben zu bearbeiten. Das klappt nicht immer, aber so stehe ich nicht vor einem riesigen Berg an Einzelaufgaben, die mich in ihrer Masse komplett überfordern würden. Fallen einzelne Aufgaben hintenüber, kann ich zumindest nachhalten, woran es gelegen hat. Ich bin aber so oder so weitergekommen, wenn auch in kleinen Schritten. Diese Erfolge schreibe ich mir auf, um mich weiter zu motivieren: Das habe ich diese Woche geschafft. Toll!

Checkliste Projekt

Starte ich ein neues Projekt, trage ich alle anfallenden Aufgaben zusammen und erstelle eine Liste. Vieles wiederholt sich ja von Projekt zu Projekt, manches ist aber auch anders. Die Liste drucke ich nicht unbedingt aus, weil sie doch einen sehr langen Zeitraum abdeckt, manchmal über mehrere Jahre, und der Platz auf meiner Pinnwand begrenzt ist. Ich lege sie mir daher auf den Desktop, damit ich dann und wann mal reinschauen kann. Wird ein Punkt aktuell, wandert er auf meine Wochenliste.

Mein Langzeit-Schreibprojekt 21ufos habe ich beispielsweise in einer Tabelle erfasst. Das erste Blatt fasst alle Projekte in einer Tabelle zusammen mit Stand der jeweiligen Bearbeitung. Jedes weitere Blatt ist dann einem einzelnen Projekt gewidmet. Hier finden sich zum Beispiel die Aufgaben Buchsatz und Überarbeitung wieder, die dann zum richtigen Zeitpunkt auf meine Wochenliste wandern.

Jeder Punkt lässt sich dabei natürlich bis ins Kleinste herunterbrechen und als eigene Datei oder eigener Zettel anlegen. Schreiben ist zum Beispiel ein guter Punkt auf meiner Tagesliste – aber viel zu global, als dass ich damit im konkreten Moment arbeiten könnte. Schreiben auf ein Projekt bezogen bedeutet bei mir, dass ich mir eine Szene heraussuche und daran schreibe. Die Szene kenne ich, weil ich vor Schreibbeginn mehr oder weniger intensiv geplottet habe. (Wie genau ich vorarbeite, kann ich jetzt hier nicht beschreiben, das würde zu weit führen. Aber es kommt sicherlich noch ein Artikel dazu.) In meiner „Checkliste Projekt“ heißt der Punkt Schreiben daher auch anders, nämlich Erstellen der Rohfassung. Mit dieser Formulierung schicke ich den Bonvivant in mir auf die Terrasse – und setze den Arbeiter an den Schreibtisch. Ersterer will nämlich nur vor sich hinträumen und keine Aufgaben erledigen. So einen kann ich hier nicht gebrauchen. Er darf erst wiederkommen, wenn ich im Schreibfluss bin. 🙂

Checkliste Blogartikel

Bloggst du auch oder planst, es zu tun? Dann kann ich dir nur empfehlen, alle Aufgaben, die mit dem Veröffentlichen eines Blogartikels einhergehen, in einer Liste zusammenzutragen. Auf die „Checkliste Blogartikel“ kommen zum Beispiel die Punkte Foto suchen, Schlagwörter eintragen und Veröffentlichungstermin planen. So ersparst du es dir, dich vor jeder Veröffentlichung fragen zu müssen: Woran muss ich noch mal denken? Natürlich entstehen mit der Zeit Routinen. Aber wo Routinen entstehen, kommt es auch leicht zu Flüchtigkeitsfehlern. Mir hilft es daher ungemein, diese Liste noch mal zu prüfen, bevor ich den Artikel freigebe. 

Weitere Ideen für Checklisten wären zum Beispiel eine rund um das Veröffentlichen, was bei mir allerdings in der Projekt-Datei stattfindet. Auch geplante Werbemaßnahmen oder eine Liste der Fachliteratur, die du durcharbeiten möchtest, kannst du mit einer Liste erfassen. Hast du noch mehr Ideen zum Thema Listen und Schreiben? Oder hast du eine Frage? Dann freue ich mich über einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

So hilft dir Musik beim Schreiben

Heute schlage ich dir ein kleines Experiment vor. Dieses Experiment soll deinen Hörsinn ansprechen und deinen Körper zum Schwingen bringen, so dass er deine Texte gerne plant, schreibt und überarbeitet. Es geht um

Schreiben mit Musik.

„Hä?“, fragst du jetzt vielleicht. „Mach ich doch eh schon!“

Das mag sein. Aber planst du auch, was du wann hörst, oder machst du einfach nach Lust und Laune irgendwas an? Denn darum soll es heute gehen: wie genau ausgewählte Musik dir beim Schreiben und Überarbeiten helfen kann. Ich möchte dir Tipps geben, wie du konzentrierter planst, emotionaler schreibst, tiefer eintauchst und zum Schluss effektiver überarbeitest – und das nur mithilfe des richtigen Sounds. (Behalte deine üblichen Routinen ansonsten bitte bei, damit du sicher sein kannst, dass ein Effekt auf die Musik zurückzuführen ist. Wenn du zu viele Fässer gleichzeitig aufmachst, weißt du am Ende nicht, was dir geholfen oder geschadet hat. Und das wäre doch schade!)

1. Musik zum Einstimmen

Um überhaupt in Schreiblaune zu kommen, suche ich normalerweise eine Musik aus, die mich in eine gute Stimmung versetzt. Wenn du weißt, dass die Dancefloor-Charts der Neunziger ein Gefühl in dir wecken, das rundum positiv ist – dann los. Klassische Klaviermusik löst alle negativen Gedanken in dir aus? Auch gut. Das ist ja etwas Individuelles, und daher schlage ich hier keine konkreten Interpreten vor. Da musst du schon in dich selbst hineinhorchen.

Bei mir ist es beispielsweise südamerikanische Musik, im Speziellen Reggaeton. Ich kann nicht genau erklären, warum das so ist. Der Rhythmus scheint optimal zu sein, um mich auf Betriebstemperatur zu bringen. (Das würde ich sowieso empfehlen, und falls du läufst, kennst du das Prinzip vielleicht schon: Der Rhythmus muss stimmen. Er sollte zu deinem Pulsschlag und Laufrhythmus passen. So ähnlich ist es beim Schreiben: Wenn du durch die Musik völlig neben der Spur bist, wird kaum etwas Vernünftiges herauskommen. Wenn mein Mann beispielsweise Punk hört, dann schlägt mein Herz immer schneller und ich muss irgendwann den Raum verlassen – oder ihn rausschmeißen. Das heißt nicht, dass ich die Musik (oder meinen Mann) ablehne oder doof finde, im Gegenteil halte ich gerade viele Texte für sehr gelungen. Aber ich kann den Rhythmus nicht vertragen. Die Musik macht mich nervös. Leider!)

Die Musik zum Einstimmen soll im Endeffekt deine gute Laune fördern, damit du motiviert an die Arbeit gehst – nicht mehr und nicht weniger. Also notiere dir jetzt ein paar Musikrichtungen, Songs oder Interpreten, von denen du weißt, dass sie sich positiv auf deine Stimmung auswirken. Setzte ruhig ein paar auf die Liste, die dir im ersten Moment abwegig erscheinen. Beobachte dich in den nächsten Tagen, wie du auf einzelne Titel reagierst – auch die, die du normalerweise nicht hörst. Vielleicht ist eine Perle dabei, die dir weiterhilft. 

2. Musik zum Planen

Bist du eher ein entdeckender Autor, der während des Schreibens herausfindet, wohin die Reise geht? Oder überlegst du dir en détail, was wann mit wem passiert? Wenn du bereits weißt, dass Letzteres genau dein Ding ist, steht für dich zuerst die Planungsphase an.

Ja, ich gestehe: Auch ich gehöre dazu. Nach einer Phase des Durchdenkens, in der ich alles Mögliche zusammentrage und in Notizbücher schreibe, setze ich mich hin und schaffe ein Gerüst. Ohne dieses Gerüst könnte ich nicht effektiv arbeiten, weil ich mich im Text verlieren würde. Während ich beim Schreiben selbst die Zügel schießen lasse, versuche ich, hier sehr fokussiert vorzugehen. Ich möchte so viel wie möglich vorab bedenken, um während des eigentlichen Schreibens nicht ins Schlingern zu geraten. (Natürlich darf das nicht ausufern, denn dann würde es ewig dauern und der Text nie fertig werden. Außerdem muss auch noch etwas Offenheit für Planänderungen sein.)

Da ich in dieser Phase möglichst konzentriert arbeiten möchte, suche ich mir Musik heraus, die die Konzentration fördert. Dies kann zum Beispiel ruhige klassische Musik sein. Du lernst gerade für Schule, Studium oder Weiterbildung? Dann hast du vielleicht schon etwas herumgetestet und kennst förderliche Musik. Es gibt auch spezielle Kompilationen, die genau darauf abzielen, und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Vielleicht stehst du auf gefühlvolle Lovesongs. Das ist okay, solange deine Emotionen dir kein Schnippchen schlagen: Du sollst ja arbeiten und nicht heulen. 😉

Nun bist du dran: Welche Musik lässt dich runterkommen? Welche Songs bringen gleichzeitig dein Hirn auf Trab? Ab damit auf die Liste!

3. Musik zum Schreiben

Der kreative Akt des Schreibens ist anstrengend. Ich sitze nicht nur stundenlang da und tippe stumpf auf der Tastatur herum, sondern gehe geistig und körperlich mit. Gerade wenn es um die markanten Wendepunkte im Text geht, bin ich hinterher regelrecht erschöpft. Da kann ich nichts gebrauchen, das mich zusätzlich stresst oder Energien abzieht.

Ich höre gerne begleitend britische Singer-Songwriter und Bands, die mit Harmoniegesängen arbeiten. Die öffnen mir das Herz. Ich liebe sie einfach. Zuletzt hat mich ein oscarprämierter Soundtrack eines Films inspiriert, den ich grandios fand. Und wenn ich weiß, dass ein Kapitel vor mir liegt, in dem es emotional ans Eingemachte geht, dann kann ich nur epische Musik empfehlen. Diese begleitet zum Beispiel die Comichelden- und Science-Fiction-Blockbuster der letzten Jahre. Die Musik zieht mich mit und lässt mich in einen Flow geraten, in dem die Worte nur so aus mir heraussprudeln. Techno ist vielleicht auch geeignet, da dosiere ich persönlich aber sehr sparsam.

Fallen dir Songs und Musikrichtungen ein, die dich abheben und treiben lassen? Die deine Kreativität anregen, ohne dich vom Text wegzulocken? Dann gehören Sie auf deine Liste.

4. Musik zum Überarbeiten

Jetzt heißt es noch mal: volle Konzentration. Idealerweise ist eine Weile verstrichen, nachdem du deine Rohfassung fertiggestellt hast. So kannst du Abstand zum Text gewinnen, dich sammeln und mit anderem Blick nach Fehlern forschen.

Nun kommt es darauf an, in welchen Etappen du deinen Text überarbeitest. Ich lese ihn zum Beispiel erst einmal komplett, in einem Rutsch. Was mir dabei auffällt, markiere ich am Rand. Hier ist es mir im Grund wurscht, welche Musik im Hintergrund läuft. Meistens aber gar keine. Da lasse ich einfach den Text auf mich wirken. In der Stille fällt dann so manches auf, das sonst durchgerutscht wäre.

Geht es ins Detail, muss ich mich persönlich motivieren, weil Überarbeiten anstrengend ist. Ich mache mir schöne, entspannende Musik an, eventuell etwas, das die Konzentration fördert. Den ein oder anderen mögen Naturgeräusche unterstützen.

Und dann hilft nur eines: Augen zu und durch.

5. Deine Auswahl zusammenstellen

Jetzt hast du bestimmt eine lange Liste zusammenbekommen, oder? Im nächsten Schritt triffst du eine Auswahl und sorgst dafür, dass die von dir ausgewählten Songs verfügbar sind, bevor du dich das nächste Mal ans Schreiben setzt. Das ist nicht nur wichtig, weil du sonst wertvolle Schreibzeit mit Suchen verschwendest, sondern weil die ewige Prokrastination droht: Noch mal grad hier suchen, vielleicht ist das Stück was … Ach, das hört sich auch toll an! Und schwups ist die Zeit um, und das war’s mit deinem Vorsatz, produktiv zu arbeiten. Stell dir selbst kein Bein und hab die Sachen vor Schreib-Beginn griffbereit.

Während des Schreibens solltest du dich zwischendurch fragen: Tut mir die Musik noch gut? Oder brauche ich jetzt einen anderen Stil? Oder sogar Stille? Gerade dann, wenn deine Gedanken abschweifen, ist diese Innenschau angebracht. Ansonsten gilt: Probieren geht über studieren, und nur du wirst herausfinden, was dir guttut.

Ich wünsche dir fröhliches Testen und freue mich über einen Kommentar, wie es dir mit dem Experiment ergangen ist.

Holl di munter!

Deine Kerstin

15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst

(3 Epsioden)

Viele Menschen haben ein (fast) fertiges Manuskript in der Schublade liegen, veröffentlichen es aber nicht. Natürlich gibt es Schriftsteller, die tatsächlich nur für sich und ihre Schublade schreiben, vielleicht noch für die Familie, und damit zufrieden sind. Es gibt aber auch diejenigen, die unzufrieden mit diesem Zustand sind, und auch ich gehörte lange dazu. Dabei geht es nicht einmal darum, einen Bestseller zu landen, sondern um den Wunsch, das eigene Buch im Regal stehen zu sehen – sei es nun zu Hause oder in der Buchhandlung. Vielen reicht die virtuelle Variante und sie möchten ein E-Book herausbringen.

Auch du hast ein Buch, das auf die Veröffentlichung wartet, aber es gelingt dir einfach nicht?

Dann kommen hier 15 Gründe, warum du nicht veröffentlichst – und dazu ein paar Lösungsideen.

1. Ich weiß nicht, wie das technisch geht.

Die Sorge, die Veröffentlichung technisch nicht gewuppt zu bekommen. ist verständlich. Wenn du klassisch über einen Verlag veröffentlichen möchtest, wendest du dich am besten an eine Literaturagentur, da dies heutzutage der übliche Weg ist, um eine Tür ins Verlagshaus zu öffnen. Die technische Seite wird ab diesem Zeitpunkt für dich keine große Rolle mehr spielen, da du kaum in die Bredouille kommen wirst, dich mit ihr zu beschäftigen, von normalen Textverarbeitungskenntnissen einmal abgesehen.

Hast du dich allerdings für Selfpublishing entschieden, sieht die Sache etwas anders aus. Dem technischen Problem ist aber mit einer Methode abzuhelfen, die dir vermutlich liegen wird: lesen. Das Internet ist voll von How-to-Anleitungen, die dich durch den gesamten Prozess dirigieren. Auch ich habe mir Etliches anlesen müssen. Einige Links zu guten Seiten, die mir selbst weitergeholfen haben, findest du unten. Ich kann nur sagen: Es ist zu bewältigen, auch wenn du heute noch nicht weißt, was epub ist und wie man ein Buch setzt. Völlig wurscht. Du kannst das lernen!

2. Ich will, dass es perfekt ist.

Hach ja, der ewige Perfektionismus … Was meinst du, wie viele Bücher es auf dieser Welt gäbe, wenn nur die perfekten erscheinen dürften? Meine Schätzung: 0,0 Prozent. In jedem Buch wirst du Fehler finden, sei es nun in puncto Rechtschreibung, Grammatik, Buchsatz oder oder oder. Auch texthandwerklich finden sich haarsträubende Fehler. Erst kürzlich las ich ein Buch, bei dem es kurz vor Schluss zu einem Perspektivwechsel kam, der mich für einen Moment aus dem Tritt brachte. Na und? Das Buch war trotzdem gut.

Insofern kann ich dir nur Mut zusprechen: Du musst auf dieser Welt nicht perfekt sein, und dein Buch auch nicht. Gib einfach dein Bestes, aber auch das geht nur mit dem, was du bis zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gelernt hast. Das ist okay. Du wirst vieles dazulernen, und das gerade beim Veröffentlichen. Ich spreche aus Erfahrung, denn mein erster Heftroman schrieb sich auch anders als der vierzigste. So what?! Entspann dich – und beglücke die Welt mit deinem unperfekten, aber mit viel Elan und gutem Willen geschriebenen Buch.

3. Ich habe kein Geld.

Das war früher mal eine Ausrede, heute aber nicht mehr. Ich weiß, überall wird gerade dazu geraten, sich alles einzukaufen, was nötig ist, um Verlagspublikationen Konkurrenz machen zu können: Lektorat, Cover, Korrektorat, Buchsatz, Marketing … Das hat auch alles seine Berechtigung, wenn du dein Buch gut am Markt platzieren willst.

Wenn du aber bereit bist, dich von diesem Ziel – das vielleicht ein Fernziel bleiben kann, mehr aber nicht! – zu verabschieden, und erst einmal damit leben kannst, kleine Brötchen zu backen, dann kostet dich deine Veröffentlichung gar nichts. Es gibt Anbieter, die dein E-Book für 0 Euro herausbringen. Voraussetzung ist, dass du einen Computer mit Internetanschluss nutzen kannst. Das war’s schon. Leg los!

4. Ich habe zu viel Geld und stecke immer mehr in mein Projekt.

Deine Sorgen möchte ich haben … Scherz beiseite: Natürlich ist man versucht, sein „Baby“ so gut zu füttern, wie es irgend geht. Und wenn es einem wirklich wichtig ist, ist man vielleicht bereit, auf den nächsten Sommerurlaub zu verzichten und sich stattdessen ein Lektorat einzukaufen. (Mit der Familie muss das dann jemand anderes klären …)

Es muss aber alles seine Grenzen haben. Der Markt rund ums selbst veröffentlichte Buch wird immer unübersichtlicher, auch wenn vieles davon wunderbar und hilfreich ist, und man muss aufpassen, seine Scheinchen beieinander zu halten. Setze dir am besten vorab eine Grenze. So wie jede Firma ein Budget für ihre Projekte hat, wirst auch du dir eines geben müssen – denn du brauchst ja auch noch ein paar Euros fürs nächste Buch, oder?

5. Ich bin schüchtern, introvertiert oder publikumsscheu.

Bei diesen „Problemen“, hinter denen sich oft große Stärke verbirgt, lohnt es sich, zu einem sehr frühen Zeitpunkt darüber nachzudenken, wie viel du von dir zeigen möchtest beziehungsweise zu welchen Zugeständnissen du bereit bist. Kommst du für dich zu dem Schluss, dass du dich der Öffentlichkeit nicht aussetzen möchtest, kannst du unter einem Pseudonym veröffentlichen. Das entlastet dich – und dein Buch ist trotzdem draußen. Die Entscheidung, ob du das Pseudonym aufdecken möchtest oder nicht, verschiebst du auch später.

6. Was werden die Nachbarn sagen?

Mit Sicherheit alles Mögliche. Wie immer.

Ganz ehrlich: Die Nachbarn reden doch sowieso, das wussten schon „Die Ärzte“. Wenn du peinliche Folgen fürchtest, weil du einen knackigen BDSM-Roman oder einen Thriller mit einem Kettensägen schwingenden Serienkiller geschrieben hast und das nicht mit Hinz und Kunz aus Haus Nummer 8 diskutieren möchtest – dann schau dir noch mal Punkt 5 dieser Liste an. Auch in diesem Fall solltest du dich fragen: Bin ich bereit, das auszuhalten? Oder veröffentliche ich lieber unter einem Pseudonym? Und dann los!

7. Ich habe Angst vor rechtlichen Folgen.

Natürlich solltest du dich schlaugemacht haben, was du darfst und was nicht. Dazu gibt es viele Internetseiten. Im Zweifelsfall kannst du über den Abschluss einer Media-Haftpflichtversicherung nachdenken. (Ich bin Mitglied im Selfpublisher-Verband, in den man auch eintreten kann, wenn man noch vor der ersten Veröffentlichung steht. Über den Verband gibt es die Möglichkeit, eine Media-Haftpflicht zu günstigen Konditionen abzuschließen. Auch hier gibt es aber diverse Anbieter und du kannst die Preise und Konditionen vergleichen.)

Die Media-Haftpflicht lässt mich persönlich besser schlafen, obwohl ich natürlich alles tue, um meine Texte einwandfrei zu veröffentlichen. Aber wir sind alle nur Menschen, und auch mir – und dir – können ungewollt Fehler unterlaufen. In vielen Fällen springt hier die Versicherung ein. Dieses Wissen nimmt dir unter Umständen die Angst – und deiner Buch-Veröffentlichung steht nichts mehr im Wege.

8. Alle anderen sind besser als ich.

Stell dein Licht mal nicht unter den Scheffel. Wer genau sind denn „alle“? Sind das die „alle“ aus der Schule, die meine Tochter zitiert, wenn sie das neue Handy haben will? Oder die „alle“, die mein Sohn bemüht, wenn es um die neue Spielkonsole geht, die angeblich „alle“ zu Weihnachten bekommen?

„Alle“ ist ein sehr großer Begriff, und wo es bei oben genannten Beispielen faktisch um maximal zwei Personen geht, denen entsprechender Besitz nachzuweisen ist, halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass du dich an zu wenigen übergroßen Vorbildern orientierst. Du solltest dich da maximal mit Leuten deiner eigenen Liga vergleichen. Kreismeisterschaft, nicht Olympia. Alles klar?

Also finde heraus, wer in deiner Liga spielt, und ordne dich da mal ein. Dann wirst du schon sehen, dass du zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens gar nicht so schlecht dastehst, und was du jetzt nicht kannst, das kannste lernen. Was dann die Zukunft bringt, hast du ein Stück weit in der Hand, je nachdem, wie viel Zeit und Energie du in dein Projekt steckst. Und die anderen, die angeblich alle besser sind, können ein guter Motivator für bessere Texte sein – und vor allem Kollegen, mit denen du dich vernetzen kannst!

9. Wenn ich keinen Verlag finde, will ich gar nicht veröffentlichen.

Yoah. Bisschen deprimierend, die Einstellung, aber wenn du damit glücklich wirst … Wirste nicht? Dann solltest du vielleicht mal an deiner Einstellung arbeiten. Der Selfpublisher-Markt ist für Autoren zurzeit schwierig, was das Einkommen angeht, das gilt aber auch für Verlagsautoren (siehe den entsprechenden Artikel in der aktuellen „Federwelt“ Nr. 136). Zählt also nicht. Und du willst ja momentan kleine Brötchen backen (siehe oben) und erst mal „nur“ veröffentlichen. Warum dann nicht als Selfpublisher?

Schiefe Seitenblicke hat man kaum noch zu befürchten, dafür hat sich die Branche in den letzten Jahren zu stark konsolidiert und viele gute Bücher auf den Markt gebracht. Immer mehr Leser wenden sich gerade Selfpublishern zu. Und das Ganze hat den Vorteil, dass du absolut selbstbestimmt arbeiten kannst und auf alle Schritte den Daumen drauf hast – für mich das relevante Kriterium für einen Wechsel. Ich mag unabhängiges Arbeiten und kaufe mir im Zweifelsfall Leistungen ein, die ich benötige. Wenn dich das auch reizt, leg los und veröffentliche dein Buch selbst. Der Wechsel in einen Verlag ist danach immer noch möglich, du bist nicht „verbrannt“. Vielleicht willst du dann aber gar nicht mehr wechseln, weil Selfpublishing dir mehr liegt. Das kannst du nur durch Ausprobieren herausfinden.

10. Ich habe keine Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Du leidest nicht an Zeitmangel, sondern setzt keine Priorität aufs Veröffentlichen. Das ist ein Unterschied. Du hast es ja auch geschafft, das Buch zu schreiben, hast also die Priorität darauf gesetzt und anderes dafür bleiben lassen. Genauso läuft es mit dem Veröffentlichen. Natürlich, die Arbeitsschritte sind andere, oft technischer Natur, für dich vielleicht nicht so spannend oder sogar nervtötend. Hilft aber nix. Wenn du wirklich veröffentlichen willst, muss das deine Priorität sein. Sonst wird dat nix. Punkt.

11. Was habe ich der Welt schon zu sagen?

Boah. Das ist ja noch schlimmer als Punkt 8. Geht’s noch?

Du bist einzigartig. Eine*n wie dich gibt’s nicht noch mal auf diesem Planeten. Nur du hast diese Gene, nur du hast die Dinge erlebt, die Schicksalsschläge und großartigen Ereignisse. Nur du bist all diesen Menschen begegnet, die dich geprägt haben. Und nur du kannst diese Geschichten erzählen, mit deiner einzigartigen Stimme – weil es dich nur EIN MAL gibt. Noch Fragen?

12. Mein Rohentwurf ist fertig, aber die Überarbeitung schreckt mich ab.

Ja, Arbeit ist echt ätzend. Kenn ich. Drück ich mich auch gern vor.

Also hast du – wie ich – zwei Alternativen: Die Erstfassung in einem sehr, sehr guten ersten Guss zu schreiben, der kaum der Überarbeitung bedarf. Das erreichst du (vielleicht) mit viel Übung. Doch sobald du dich einer neuen Herausforderung stellst, zum Beispiel das Genre wechselst, dich an eine neue Perspektive herantraust oder ein größeres Ensemble, ist es vorbei damit.

Dann bleibt nur eines: Setz dich auf deinen Hintern und arbeite das Ding durch. Und das leider mehrfach.

Kürzlich habe ich ein langes Wochenende genutzt, die Familie ausquartiert und mich durch meinen nächsten Roman geackert. Das war fürchterlich anstrengend, aber auch sehr ergiebig. Das Schlimme daran ist: Es wird nicht die letzte Überarbeitung sein. Ich arbeite so, dass ich den Text zunächst an zwei Testleser gebe – in diesem Fall an meinen Mann und meinen Ex-Mann. Lustig, wo ich gerade drüber nachdenke …

Was die beiden eint? Der eine ist gemein und nimmt meinen Text gnadenlos auseinander, was in dieser Phase für mich sehr wichtig ist. Der andere findet alles toll und krittelt bloß an ein paar Rechtschreibfehlern rum, was in dieser Phase ebenfalls sehr wichtig für mich ist, weil ich mein „Baby“ das erste Mal jemandem zeige. (Nein, ich sage jetzt nicht, wer welchen Part übernimmt …)

Die Anmerkungen der beiden setze ich um. Dann geht der wieder überarbeitete Text an die nächsten Testleser. Und wieder überarbeiten. Dann kommt eventuell ein Lektorat. Wieder überarbeiten. Puh …

Was bedeutet das?

Antwort: Wenn du schon aufs erste Überarbeiten keinen Bock hast, dann kannst du’s mal grad vergessen. Denn du wirst dich dem mehrfach stellen müssen.

Aaaaber: Es gibt Hilfe. Die nennt sich B-e-l-o-h-n-u-n-g.

Die Überarbeitung eines Textes gleicht einer Challenge, die für mich manchmal viel anstrengender ist als das Schreiben der Rohfassung. Und eine Challenge schreit nach Belohnung, möglichst nach jeder genommenen Etappe. Überleg dir einmal in einer stillen Minute, was dir gut tun würde, und dann belohne dich auch wirklich damit. Dein Gehirn wird nach ein wenig Training checken, dass es was Gutes gibt, wenn es die Arbeit einfach erledigt – und sich irgendwann nicht mehr so dagegen sperren.

13. Mit meiner Überarbeitung bin ich nicht zufrieden. Das wird nie was. Weg damit!

Siehe zunächst die Punkte 8 und 11, die da bestimmt mitschwingen. Hinzu kommt aber noch Folgendes: Kurz vorm Ende hat schon so mancher aufgegeben. Da kommen noch mal alle Skrupel hoch, alle Steine, die dir dein Gehirn schon vorher in den Weg gelegt hat und die du erfolgreich zur Seite geräumt glaubtest. Zack, da sind sie wieder!

Aber jetzt nicht verzweifeln. Entweder schaffst du es selbst, gut zu dir zu sein, dich wieder auf Spur zu bringen und das Ding einzutüten, bevor du es zerstörst. Oder du suchst dir Hilfe, zum Beispiel bei einer Schreibgruppe, bei befreundeten Autoren-Kollegen oder einem Coach, den du dann natürlich bezahlen musst. Oft hilft die Sicht von außen, um die positiven Aspekte deiner Geschichte wieder in den Vordergrund zu rücken und dir Selbstvertrauen zu geben – damit du wieder an dich und deinen Text glauben kannst. Jetzt bloß nicht aufgeben!

14. Ich werde einfach nicht fertig.

Weil du vielleicht nicht fertig werden willst? Weil du dann groß und erwachsen sein und die Konsequenzen ziehen musst? Weil du dein „Baby“ loslassen und es hinaus in die Welt schicken musst?

Komm schon! Du schaffst das! Du bist schon so weit gekommen. Hör auf, dir selbst im Weg zu stehen und hau rein! Die letzten Meter ziehst du auch noch durch. Ich glaub an dich – und an dein Projekt.

15. Ich trau mich nicht, den Knopf zu drücken und das Ding hochzuladen.

Das erste Mal ist immer aufregend. Immer. Und rückblickend betrachtet wirst du es als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten. Daher ruf dir in diesem Moment all die ersten Male, die du in deinem langen Leben „durchlitten“ hast, in Erinnerung: Ist es nicht großartig, dass du das alles erleben durftest?

Und jetzt auch noch das. Und DU hast es gemacht. Phantastisch, großartig, unglaublich! Mit diesem Knopfdruck beginnt der nächste Abschnitt in deinem Leben als Autor*in, Schriftsteller*in oder wie auch immer du dich siehst. Und jetzt drück!

Da bist du ja! Du hast es geschafft, hast dich überwunden und alles durchgezogen, was an Herausforderungen auf dich gewartet hat. Ich beglückwünsche dich zu deinem Mut und deiner Stärke.

Und zu deinem ersten Buch!

E n d e

Hast du dich in dieser langen Liste irgendwo wiedergefunden? Ich kann sogar bei fast allen Punkten ein Häkchen machen. Je nach Gemütslage (und Kontostand) traf mal das eine, mal das andere auf mich zu. Trotzdem habe ich den Widerstand überwunden – und veröffentlicht. Und was ich kann, das kannst du auch!

Hast du noch mehr Tipps und Anregungen, um aus der Nicht-Veröffentlichen-Falle herauszukommen? Oder hast du Fragen? Dann schreib mir einen Kommentar.

Holl di munter!

Deine Kerstin

Ein paar nützliche Links: