Heute verteile ich mal etwas Liebe: Ich habe hier eine kleine Liste mit Podcasts für dich, die sich mit dem Schreiben und Veröffentlichen beschäftigen. Hör doch auf mal bei meinen Kolleg:innen rein!
Die Schreibdilettanten plaudern bereits seit vielen Jahren wöchentlich übers Schreiben. Marcus Johanus und Axel Hollmann sind mittlerweile bei über 600 Folgen angelangt. Respekt!
Erfolgreich schreiben heißt der Podcast von Marketing-Expertin Anja Niekerken. Hier geht es auch immer wieder ums Bloggen und das Verfassen von Newsletterm, was ich besonders spannend finde.
In der kommenden Woche bin ich mit 21ufos.de auf der Frankfurter Buchmesse. (Wo du mich findest, erfährst du hier.) Ich werde dich mitnehmen und auf meinem Blog und im Podcast berichten. Hast du konkrete Fragen, denen ich mich widmen soll? Dann schreibe mir eine Nachricht an: kerstin@21ufos.de
Wenn dieser Blog-Artikel online geht, befinde ich mich gerade als Mitausstellerin auf der BuchBerlin. Das ist ein richtig großer Schritt für mich – und das Resultat jahrelanger Arbeit an meinen Projekten und an 21ufos.de. Wo stehe ich gerade mit meinen Texten? Und welche Learnings kann ich daraus für dich ableiten? Darum geht es heute.
Daran arbeiten wir
Mit 21ufos.de begleite ich dich vom ersten Wort zum Lebenswerk. Ich arbeite an meinen Texten und unterstütze dich mit meinen unterschiedlichen Angeboten dabei, deine fertigzustellen und zu veröffentlichen. Indem ich immer wieder mit dir teile, wie es um meine eigenen Projekte bestellt ist – meine 21ufos -, motiviere ich dich, selbst am Ball zu bleiben und an deinem Lebenswerk zu arbeiten.
21ufos? Das sind meine 21 unfertigen Objekte. Den Begriff habe ich aus der Hobbyschneiderei entnommen, wo er für angefangene, aber nicht beendete Nähprojekte steht. Da ich früher selbst viel genäht und einige Projekte nicht beendet habe, fiel mir irgendwann auch in Bezug auf meine Texte auf, dass ich sie zwar nicht wie Stoffstücke staple, wohl aber in der Schublade sammle, in Ordnern und auf meiner Festplatte. Da lagen sie, als Idee, als Fragment, als Rohfassung. Unfertig und unveröffentlicht fristeten sie ein trauriges Dasein.
Dieses Dasein wollte ich beenden. Ich hätte alles in die Tonne kloppen können – habe ich aber nicht. Ich habe damals beschlossen, meine Geschichten zu veröffentlichen – egal, wie. Und das habe ich dann auch gemacht.
Der aktuelle Stand
Als es mir 2019 endlich gelang, wieder ins Veröffentlichen zu kommen, habe ich mir nicht vorstellen können, wie sich alles entwickeln würde: Mittlerweile habe ich sechs ufos „abgearbeitet“ – und bin weiterhin dabei, denn wie ich feststellen durfte, ist es mit einer einfachen Veröffentlichung für mich nicht getan. Tatsächlich habe ich anfangs gedacht, dass ich sie veröffentliche und dann – zack! – von der Liste streichen kann.
Doch so einfach ist es nicht: Zwei Titel erhielten eine professionelle Neuauflage; wo ein E-Book ist, will auch eine Print-Ausgabe her; Hörbuch-Ausgaben sind in Planung. Und bald ziehen drei meiner Titel zu einem anderen Distributor um, wodurch ich sie alle noch mal „anfassen“ darf. Sie beschäftigen mich also weiterhin.
Folgende ufos sind mittlerweile erschienen (Reihenfolge nach Erscheinungstermin, die Links führen zu Shops):
ufo#5: Der Koffer im Leuchtturm, zweiteilige Erzählung – aktuell nicht erhältlich, da sie bald als Komplettausgabe erscheinen wird.
ufo#6: Wimpel und die rote Koralle, ein Kinderbuch für 5- bis 8-Jährige – ganz aktuell als Hardcover-Ausgabe, juchhu!
Ein neues ufo muss her
Mittlerweile bin ich also bei ufo#7 angelangt. Wie du oben siehst, bin ich weder auf ein Genre noch eine Erzählform festgelegt, und da ich Experimente liebe, habe ich mir als Nächstes wieder etwas Neues ausgesucht: ein Sachbuch. Hatte ich noch nicht, brennt mir schon länger unter den Nägeln, ist eine Challenge für mich. Wer könnte dazu Nein sagen? 😉
In den kommenden Monaten werde ich locker am Projekt arbeiten. Da ich erst einmal die Neuauflagen der anderen Titel durchziehen und Marketing für „Wimpel“ machen darf, peile ich eine Veröffentlichung im Frühjahr oder Sommer 2024 an. Da immer etwas dazwischenkommen kann, kann es aber auch später werden, also nagle mich bitte nicht drauf fest. 🙂
Was ich gelernt habe
Meine bislang 6 ufos sind nicht nur deshalb in die Veröffentlichung gegangen, weil ich sie geschrieben habe. Sie überhaupt zu schreiben, war der Knackpunkt – und dann den ganzen Veröffentlichungsprozess zu meistern, der nächste. Folgende Punkte möchte ich dir ans Herz legen, wenn du ins Schreiben und Veröffentlichen kommen möchtest:
Komme raus aus deiner privaten Bubble. Vernetze dich mit Autorenkolleg:innen, tausche dich aus. Suche dir Mitstreiter:innen, die dich im Guten wie im Schlechten begleiten. Für mich war dieser Schritt ein Gamechanger. Hier findest du einen Blog-Artikel zum Netzwerken.
Suche dir professionelle Unterstützung. Wie du meiner Vita entnehmen kannst, habe ich seit 2021 diverse Kurse belegt, und das war für mich ein weiterer Gamechanger. Die Inhalte haben mich auf einen neuen Level katapultiert, und plötzlich waren Dinge möglich, die ich jahrelang für mich ausgeschlossen hatte – wie zum Beispiel Fotos und Videos auf Insta zu posten. Heute schüttle ich sie aus dem Ärmel. Aber das war ein langer Weg! (Hier geht es zu einem Artikel über Social Media für Autor:innen.)
Es muss nicht direkt perfekt sein. Du siehst ja, dass meine Veröffentlichungen auch nach Jahren noch wachsen und gedeihen, sich verändern, in anderen Ausgaben erscheinen und so weiter. Warte nicht darauf, dass alles an deinem Text oder im Veröffentlichungsprozess zu hundert Prozent deinen Vorstellungen entspricht. Allein schon dein Budget wird dich begrenzen, egal, wie klein oder groß es sein mag. Fang trotzdem an!
Womit wir bei meinem Lieblingsthema wären: dem Experimentieren! Du kommst mit einer Geschichte nicht weiter? Hängst im Plotten, Schreiben oder Überarbeiten fest? Natürlich kannst du dir nun professionelle Unterstützung suchen. Außerdem kannst du prüfen, ob es an der Form liegt. Vielleicht ist dein Roman einfach kein Roman, sondern eine Kurzgeschichte oder Erzählung. Oder die Perspektive, die du gewählt hast, blockiert deinen Schreibflow. Oder dein Ensemble ist nicht vollständig oder unausgewogen. Schaue dir deine Geschichte noch einmal ganz genau an und prüfe diese Punkte. Probiere verschiedene Ansätze aus, schreibe mal ein Kapitel aus einer anderen Perspektive, entwirf mit dem Kern deiner Geschichte einen Plot für eine Erzählung statt eines Romans. Experimentiere! (Hier geht es zum Blog-Artikel über die Form von Geschichten.)
Natürlich ist es schön, das große Ganze im Blick zu behalten. Meine 21ufos sollen mein Lebenswerk werden, und jeder Baustein zählt. Aber letztlich sind es „nur“ Bausteine. Und jeder Text besteht aus weiteren Bausteinen. Lass dich von der schieren Größe deines Unterfangens nicht abschrecken. Gehe mutig und selbstbewusst an die Sache heran, denn diesen Text kannst nur du schreiben – niemand sonst. Setze deine Geschichte und dein Lebenswerk Stück für Stück, Baustein für Baustein zusammen. Irgendwann bist du fertig. Und kannst stolz auf dich sein.
Wie ich dich begleite
Welche Angebote habe ich, die dir im Schreib- und Veröffentlichungsprozess – beim Bau an deinem Lebenswerk – helfen können?
In meinem Schreib-Podcast 21ufos.de durfte ich wieder einmal einem Gast „3 Fragen an …“ stellen: Der Autor, Lektor und Redakteur Carsten Moll hat mich besucht und mit mir über Klassiker geplaudert, was wir für unser eigenes Schreiben aus der Lektüre ableiten können und welche drei Klassiker Carsten mit auf eine einsame Insel nehmen würde.
Das gesamte Interview gibt es im Podcast, hier die Shownotes:
Heute geht es um ein kleines, aber wichtiges Thema: um die formalen Anforderungen, die dein Text an dich stellt, wenn du ihn rausgeben möchtest, also zum Beispiel ins Lektorat, Korrektorat oder an den Buchsatz. Natürlich kannst du dich allein auf den Text konzentrieren, damit er inhaltlich stimmig ist, die Figurenentwicklung und der Spannungsbogen stimmen und so weiter. Es gibt aber auch im Hintergrund viele Dinge, mit denen du deinen Text optimieren und es den nachfolgenden Dienstleistern leichter machen kannst. Das ist auch für den späteren Upload als E-Book wichtig. Dein Text enthält viele Formatierungssymbole, die sonst vielleicht etwas mit deinem Text machen, was du so nicht möchtest und geplant hast. Daher erfährst du heute etwas über wichtige Dinge wie geschützte Leerzeichen, Auslassungspunkte und Seitenumbrüche.
1. Formatierungssymbole anzeigen lassen
Falls du – wie ich – mit Word arbeitest, kannst du dir die Formatierungssymbole anzeigen lassen, indem du im Reiter Start eine Schaltfläche anklickst, die wie ein kleines Fähnchen aussieht, zwei Striche mit einem gefüllten Halbkreis dran. (Mit Strg * kannst du sie dir ebenfalls anzeigen lassen.) Nun durchziehen deinen Text lauter Punkte zwischen den Wörtern, Absatzmarken und so weiter. Du siehst, was im Hintergrund eigentlich alles los ist.
2. Leerzeichen ade
Was dir zuerst auffallen könnte, sind beispielsweise überflüssige Leerzeichen. Wenn du in einem deiner Überarbeitungsgänge deinen Text durchgehst, kannst du darauf achten, dass sich keine doppelten oder dreifachen Leerzeichen zwischen den Wörtern oder am Ende eines Absatzes befinden. Die kannst du alle herausfischen und es muss kein anderer mehr für dich tun.
3. Korrekte Umbrüche
Nun siehst du auch, wenn du weiche Umbrüche eingefügt hast. Diese entstehen, wenn du Shift und Return gleichzeitig drückst, symbolisiert durch einen kleinen eckigen Pfeil nach links. Diese müssen leider entfernt werden. Ein einfaches Drücken der Return-Taste genügt.
Dann gibt es noch den Seitenumbruch. Wenn ein Kapitel endet – und das ist ganz besonders für die E-Book-Formatierung wichtig! -, dann beende ein Kapitel mit einem Seitenumbruch, und nicht, indem du so oft auf Return drückst, bis die nächste Seite anfängt. Dann hast du nämlich ganz viele Absätze eingefügt statt eines Seitenumbruches.
Tipp: Wenn du in Word auf Einfügen gehst, siehst du ganz links Seitenumbruch. Du kannst ihn aber auch mit Strg und Return einfügen.
4. Einzüge prüfen
Worauf du dich außerdem während dieses Überarbeitungsschritts konzentrieren kannst, sind die Einzüge: Sind alle Einzüge am Anfang der Absätze korrekt? Die Absätze werden nicht begonnen, indem Leerzeichen gesetzt werden, sondern indem du einen Einzug bestimmst. Der Einzug fällt nur ganz am Anfang eines Kapitels oder einer neuen Szene weg, wenn zwischen den Szenen eine Leerzeile liegt.
Tipp: Schau mal in dein Bücherregal und sieh dir in ein paar Büchern die Absatzgestaltung an.
5. Gänse oder Möwchen? Anführungszeichen!
Außerdem kannst du dir ansehen, ob du überall die korrekten Anführungszeichen verwendet hast. Gänsefüßchen, wie wir sie aus der Schule kennen, werden meist im Buchsatz nicht mehr verwendet. Die Anführungszeichen, die heutzutage ganz überwiegend Anwendung finden, heißen Guillemets beziehungsweise Chevrons. Sie werden auch Spitzzeichen genannt – zwei kleine Pfeile, die vom Dialog weg oder zum Dialog hin zeigen. Im Deutschen ist es üblicherweise so, dass sie zum Dialog hin zeigen. Schaue auch hier noch einmal in dein Bücherregal und achte auf die Anführungszeichen.
Wichtig ist die Einheitlichkeit: Hast du dich für eine Art von Anführungszeichen entschieden, dann achte während dieses Überarbeitungsgangs darauf, dass sie überall gleich sind.
Tipp: Du kannst sie mit einer Tastenkombination erzeugen, indem du Alt gedrückt hältst und 1 7 5 oder 1 7 4 auf dem Ziffernblock eingibst. Du kannst aber auch ganz normal schreiben und deine Anführungszeichen am Ende durch suchen und ersetzen austauschen.
6. Apostroph – ein bisschen tricky
Ein weiterer Punkt, auf den du achten könntest: das korrekte Apostroph. Es ist nämlich nicht einfach so auf der Tastatur zu finden, sondern über den Zeichensatz oder über die Tastenkombination Alt plus 0 1 4 6 zu erzeugen. Es sieht aus wie eine kleine gefüllte 9.
7. Drei Punkte gibt es nicht
Auslassungspunkte werden beispielsweise verwendet, wenn jemand nachdenkt oder ein Satz nicht beendet wird. Diese Pause oder unterbrochene Rede wird im Text durch drei Punkte symbolisiert. Sie sind aber nicht einfach drei Punkte, die man nacheinander tippt, sondern ein festes Zeichen. Sie hängen in sich zusammen.
Tipp: Du findest die Auslassungspunkte über den Zeichensatz oder über die Tastenkombination Alt plus 0 1 3 3 auf dem Ziffernblock.
8. Leer ist nicht gleich Leer
Wichtig: Vor und nach den Auslassungspunkten steht kein einfaches Leerzeichen, das du mit der Leertaste erzeugst, sondern ein geschütztes Leerzeichen. Die erkennt man an einem kleinen Kreis. Man erzeugt es mit Strg plus Shift plus Leertaste.
9. Strich ist nicht gleich Strich
Die geschützten Leerzeichen brauchst du auch beim nächsten Punkt: den Binde- und Gedankenstrichen. Sie sehen nicht gleich auch und haben auch innerhalb eines Textes eine unterschiedliche Funktion.
Der Bindestrich verbindet Wörter, wie zum Beispiel in Apfel- und Birnenernte.
Der Gedankenstrich kennzeichnet eine Denkpause, einen Einschub oder den Abbruch eines Dialogs mitten im Satz.
Der Gedankenstrich ist etwas länger als der Bindestrich. Es kommt auf die Schriftart an, in der du schreibst, ob du sehen kannst, ob das korrekte Zeichen verwendet wurde. Wenn bei dir Gedanken- und Bindestriche gleich lang sind, dann ändere einmal die Schriftart, damit du prüfen kannst, ob das korrekte Zeichen verwendet wurde.
Den Gedankenstrich erzeuge ich, indem ich einen Bindestrich tippe, Leerzeichen, Buchstabe, Leerzeichen – und automatisch wird ein Gedankenstrich draus. Meistens. 😉 Durch Strg plus minus auf dem Ziffernblock kannst du ihn auch erzeugen. Dafür gibt es aber noch mehr Möglichkeiten; googele es gerne, passend zu deinem Schreibprogramm.
Die Leerzeichen vor und nach dem Gedankenstrich ersetze ich durch ein geschütztes Leerzeichen, also: geschütztes Leerzeichen plus Gedankenstrich plus geschütztes Leerzeichen. (Ausnahme: Wenn der Gedankenstrich am Ende eines Satzes innerhalb eines Dialogs steht, kommt zwischen Gedankenstrich und Anführungszeichen kein Leerzeichen. Kompliziert, i know. (Leider kann ich dir hier kein Beispiel geben, da meine Blog-Software mit den Anführungszeichen macht, was es will. 😉 Achte beim Lesen mal drauf, da wird dir bestimmt ein Beispiel begegnen.)
Info: Warum die Kombination mit geschützten Leerzeichen bei Gedankenstrichen und Auslassungspunkten? Es führt dazu, dass diese Einheit zusammenbleibt. Was mit deinem Text in der Folge auch passiert – diese Einheit wird nicht unschön auseinandergerissen.
Fazit
Das war ein kleiner Rundumschlag zu den Formatierungssymbolen und den formalen Anforderungen an deinen Text. Anhand dieser Kleinigkeiten trennt sich die Spreu vom Weizen. Daran erkennt man, wie mit dem Text umgegangen wurde und ob auch auf die Details geachtet worden ist.
Natürlich kannst du deinen Text schreiben, ohne dass du dir die Formatierungssymbole anzeigen lässt. Aber wenn du einen Überarbeitungsdurchgang diesen Kleinigkeiten widmest, kannst du sie in einem Rutsch herausfischen. Lege dir dazu gerne eine Liste mit Punkten an, auf die du achten möchtest. (Listen machen das Leben als Autor:in ja bekanntlich einfacher. 😉 )
Hast du Fragen zum Thema oder allgemein? Dann schreibe mir an: kerstin@21ufos.de
Heute möchte ich mich einem Thema widmen, bei dem du denken könntest: „Hach, da lehne ich mich zurück und lasse mich berieseln.“ Wer plaudert nicht gerne über Bücher? Und dann auch noch Klassiker! Aber wir wären hier nicht bei 21ufos.de, wenn ich daraus nicht etwas für dein Dasein als Autor:in ableiten wollen würde. 😉 Es wird heute nicht in Arbeit ausarten, aber vielleicht deinen Blick aufs Lesen von Klassikern verändern.
Warum Jane Austen?
In meinem Schreibtipp in dieser Woche ging es um das Thema Klassiker. Lustigerweise habe ich einen Stapel Bücher gefilmt, deren Autoren alle männlich waren. Reiner Zufall? Tatsächlich haben meine Recherchen ergeben, dass die Wahrnehmung von Frauen in der Weltliteratur tatsächlich erst seit einiger Zeit verstärkt in den Fokus gerät. Als ich mir einige von Frauen geschriebene Bücher in der Abteilung „Klassiker“ bei meinem bevorzugten Onlineshop bestellen wollte, musste ich ganz schön lange scrollen, bis ich auf solch ein Exemplar stieß, und dann waren in der Auflistung in der Summe doch deutlich mehr männliche Autoren als weibliche zu finden. Auch aus Gesprächen weiß ich, dass überwiegend männliche Autoren als Klassiker wahrgenommen werden.
Um das Gleichgewicht zumindest meinerseits wiederherzustellen, gibt es heute daher eine geballte Ladung Wissen zu – Jane Austen! Ich gehe mal davon aus, dass du ihr in irgendeiner Weise schon mal begegnet bist, sei es, dass du eines ihrer Bücher gelesen hast, eine Verfilmung – auch als moderne Adaption, zum Beispiel „Clueless“ – gesehen oder Zitate von ihr gelesen hast. Um Jane Austen kommt man kaum herum, wenn man sich mit Literatur beschäftigt, und das ist auch gut so. Immerhin ist sie meine Lieblingsautorin. 😉 Scherz beiseite: Jane Austen ist nicht nur nach wie vor aktuell und wird weiterhin gelesen, wir können auch als Autor:innen sehr viel von ihr lernen. Wie du ihre Bücher mit der „Autor:innenbrille“ lesen kannst – darum geht es jetzt!
1 – Zeitlose Themen
Jane Austen ist vor über zweihundert Jahren gestorben. Warum wird sie auch heute noch gelesen, und zwar nicht als Pflichtübung, „weil man sie mal gelesen haben sollte“, sondern aus Leidenschaft? Wenn du mit Kennern ihres Werks sprichst, wirst du unterschiedliche Antworten erhalten. Meiner Meinung nach ist einer der Gründe, dass sie zeitlose Themen gewählt hat. Und damit meine ich nicht bloß die Liebe, denn wenn es ohne Zweifel immer um Liebe und Beziehungen geht, so kommen auch andere Themen vor, die Menschen aller Generationen seit ihrem Wirken auf dieser Welt beschäftigen: Freundschaft, familiäre Bande, gesellschaftliche Ungleichheit, persönliche Freiheit in Lebensentscheidungen – all das findet sich in ihrem Werk. Sie hat sich getraut, die Welt um sich herum so zu beschreiben, wie sie war, und die war oft einfach: aufwühlend, kompliziert und manchmal ungerecht. Auch wenn wir heute Autos fahren und Smartphones benutzen, keine Gehröcke und Korsetts mehr tragen, fühlen wir uns abgeholt. Jane Austen versteht, was uns bewegt, weil es auch sie bewegt hat.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Nutze zeitlose Themen, die alle Menschen beschäftigen. Das heißt nicht, dass du alle erreichen sollst oder auch nur im Blick haben musst. Aber das sind die Themen, die jede:n von uns abholen, in denen wir uns wiederfinden. Sieh dir dein eigenes Manuskript an: Mit welchen „großen“, universellen Themen beschäftigst du dich? (Netter Nebeneffekt: Deine Erkenntnisse kannst du fürs Marketing nutzen. 😉 )
2 – Kleiner Umkreis
Damit wären wir bei einem Punkt, den ich gar nicht oft genug erwähnen kann: Jane Austen reiste in ihren Romanen und Romanfragmenten nicht um die Welt. Sie schrieb über das, was sie kannte: das Leben der englischen Gentry. Sie blieb vor der eigenen Haustür und betrachtete alles durch eine Lupe, durch die wir auch heute noch sehen dürfen und dadurch live vor Ort sind. Sie schafft es auch nach so langer Zeit, die Gegend, die Umstände, die Herrenhäuser und Pfarren, in denen ihre Protagonistinnen ein und aus gehen, für uns lebendig werden zu lassen. Besonders fällt es mir immer auf, wenn ich „Emma“ lese, das nahezu vollständig im kleinen Örtchen Highbury spielt. (Hier habe ich schon mal über „Emma“ geschrieben.) [Grawe, S. 117]
Solltest du dich in deinen Geschichten auf der ganzen Welt oder sogar außerhalb davon herumtreiben wollen und dich von dieser Konzentration auf eine Gegend nicht angesprochen fühlen, möchte ich dir dennoch ans Herz legen, dir einmal anzusehen, wie sauber Jane Austen ihr Setting gestaltet hat. Es ist bekannt, dass sie auch Zeitabläufe, Jahreszeiten und so weiter genau durchgeplant hat. Sie überließ nichts dem Zufall. Dadurch sind wir – auch heute noch – da, vor Ort, dabei.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Egal, wo auf diesem Planeten oder außerhalb davon du dich schriftstellerisch herumtreibst: Benutze die Lupe. Sieh genau hin. Schildere so, dass dein:e Leser:in live vor Ort ist – ob sie dein Buch nun übermorgen oder in 200 Jahren lesen wird. 😉
3 – Übersichtliches Personal
Bei manchen Romanen freue ich mich über die Dramatis personae, eine Übersicht der handelnden Personen, die der Geschichte vorangestellt ist. Und manchmal ist sie auch nötig. Man wird ja nicht jünger, und auf Seite 600 weiß ich leider manchmal nicht mehr, wie ein Mönch auf Seite 50 hieß, wenn ich für das Buch ein halbes Jahr brauche. (Was erklärt, warum ich privat kaum noch dicke Bücher lese. 😉 )
Jane Austen hat es übersichtlicher gehandhabt. Von ihr ist der Ausspruch überliefert, dass sie nicht mehr als „drei, vier Familien auf dem Lande“ brauche, um ihre Geschichten zu erzählen. Kunstvoll versah sie die einzelnen Familienmitglieder mit den unterschiedlichsten Charakterzügen, scheute auch unangenehme Facetten nicht, legte manches mal den Finger in die Wunde. Und sie spottete gern, war in ihrem eigenen Umfeld durchaus für ihre spitze Zunge bekannt. Sie entwickelte ihre Figuren sehr genau, was das Resultat hunderter und aberhunderter Beobachtungen ihres persönlichen Umfelds sein dürfte. Jane Austen hat es gerne auf die Spitze getrieben, Klischees aufgegriffen, um sie weiterzudrehen und ins Lächerliche zu treiben. Bewusst, nicht aus Versehen.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Du brauchst keine vierzig Figuren in deinem Buch. Du kannst sie natürlich auftreten lassen, aber egal, wie viele es am Ende werden: Nimm dir die Zeit, dreidimensionale Charaktere zu schaffen, die nicht an ihren Klischees ersticken.
4 – Überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten
Manche Autor:innen hassen sie, für andere gehört sie zu den schönsten Aspekten des Schreibprozesses: die Überarbeitung. Ich muss zugeben, dass ich es erst mit zunehmendem Lebensalter als nicht quälend empfunden habe, meine Texte wieder und wieder, Runde um Runde zu überarbeiten.
Doch Jane Austen hat es genauso gemacht, manchmal sogar viele Jahre nach Entstehung der ersten Fassung. Jane Austen wurde 1775 geboren, und im Jahr 1810 schrieb sie ihre frühen Manuskripte um. 1811 erschien dann „Sense and Sensibility“. [Maletzke, S. 314] Sie hat an ihren Texten gearbeitet, wieder und wieder, ihre Figuren geschärft, umgestellt, umgeschrieben – und das zu einer Zeit, in der man noch mit einer Feder schrieb und nicht mit meinem Textverarbeitungsprogramm, in dem sich einfach Blöcke verschieben lassen.
Ich habe mich davon motivieren lassen: 2019 erschien endlich „Der Sturm brachte ihren Retter“, erneut überarbeitet 2021 – geschrieben 2007. Auch mein Drehbuch „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“ hat solch einen Entwicklungsprozess hinter sich, und die Versionen von „Tasche mit Herz“ – in der Rohfassung entstanden 2017 – habe ich nicht gezählt. Allein die verschiedenen Versuche mit Perspektiven dürften ein Dutzend voll machen.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Scheue die Arbeit nicht! Ja, überarbeiten ist anstrengend. I know. Ich fühle mit dir mit. Aber es geht leider nicht ohne. Ich kann ohne Frage behaupten, dass ich über viel Schreiberfahrung verfüge, und manche Texte fließen ziemlich stilsicher in die Tastatur. Aber da ich immer wieder Experimente und mich regelmäßig aus meiner Komfortzone herauswage, um zu wachsen, muss auch ich ausprobieren, üben, testen, korrigieren und wieder von vorne anfangen. So wie Jane Austen. Dieses Wissen hilft, oder? 😉
5 – Niemals aufgeben
Natürlich geht es heute um ihre Bücher, um das Lesen ihres Werks. Wenn ich Klassiker lese, geht es aber zumindest mir so, dass ich das Leben des Autors oder der Autorin nicht ausblenden kann und möchte. Das hilft mir, das Werk in einen Kontext einzubetten. Mit Jane Austen beschäftige ich mich schon seit fast 30 Jahren. „Stolz und Vorurteil“ war das erste Buch, das kein reines Jugendbuch war, als ich es mit fünfzehn von meiner Mutter geschenkt bekommen habe. Ich las mich über die Jahre durch ihr Werk, auch fremdsprachige Fassungen zogen in mein Regal ein, außerdem jede Menge Bücher über Jane Austens Leben und Werk. Wenn ich eines aus der Beschäftigung mit ihr mitgenommen habe, dann ist es Folgendes: Gib niemals auf! Halte an deinen Zielen fest! Egal, wie stark der Wind von vorne weht – geh dagegen an! Suche dir Menschen, die fest an deiner Seite stehen, durch alle Qualen hindurch – im Fall von Jane Austen waren es ihre Mutter und ihre Schwester.
Das kannst du von Jane Austen lernen:
Die Pfarrerstochter aus Steventon hat hart für ihren Erfolg gearbeitet, viele Rückschläge erlitten, musste früh diese Welt verlassen, und ihr Nachruhm übersteigt ihren Ruhm zu Lebzeiten bei weitem. Aber sie hat eines niemals getan: aufgegeben. Sie hat sich durchgebissen, sich die Zeit im Alltag zusammengeklaubt und ein großartiges Lebenswerk geschaffen. Daran können wir uns als Autor:innen orientieren und sie mit ihrem Durchhaltewillen als Vorbild nehmen und uns inspirieren lassen können.
Fazit
Das war ein kleiner Rundumschlag. Zu Jane Austen, ihrem Werk und was wir daraus lernen können, gäbe es noch sehr viel zu sagen, aber dabei will ich es heute bewenden lassen. Du weißt, dass ich sowieso früher oder später darauf zurückkommen werde. 😉
Unten findest du noch ein paar Hinweise zu weiterführender Literatur, falls du tiefer ins Thema einsteigen möchtest.
Bei Fragen oder Anregungen schreib mir gerne an: kerstin@21ufos.de
Holl di munter
deine Kerstin
weiterführende Literatur (Auswahl):
William Austen-Leigh / Richard Austen-Leigh: Jane Austen. Die Biographie, Berlin 1998.
Christian Grawe: Jane Austens Romane. Ein literarischer Führer, Stuttgart 2015.
Elsemarie Maletzke: Jane Austen. Eine Biographie, Frankfurt am Main 1997.