21ufos – Der Stand der Dinge #3

Manchmal entwickeln sich die Dinge in eine ungeahnte Richtung. So erging es auch mir in den vergangenen Monaten mal wieder. Dadurch ist die Arbeit an meinen Projekten phasenweise zum Erliegen gekommen.

Traurig kann ich darüber aber nicht sein, denn der Grund ist wunderschön: Wir erwarten noch ein Baby!

Wie du vielleicht in einem meiner vorherigen Posts gelesen hast, steht die Familie für mich immer an erster Stelle. Da ich mit ziemlichen „Schwangerschaftsbegleiterscheinungen“ 😉 zu kämpfen und mir überdies einen üblen Bänderanriss zugezogen hatte, habe ich auch auf das Posten neuer Artikel verzichtet. Meine familiären Pflichten benötigten all meine Energie.

Heute kann ich mit solchen Situationen sehr gut umgehen. Das war aber nicht immer so. In jüngeren Jahren fiel es mir schwer, zu akzeptieren, wenn etwas nicht so lief, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich versuchte, alles irgendwie zu komprimieren und den letzten Rest an Energie aus mir herauszuquetschen, um allem doch irgendwie gerecht zu werden. Nur um dann feststellen zu müssen, dass sich Kreativität nicht erzwingen lässt.

Im Laufe der Jahre und mit der Erfahrung, dass man mit Kindern zwar planen, aber genauso alle Pläne über den Haufen werfen können muss, habe ich mir da eine gewisse Gelassenheit angewöhnt. Ohne mir Druck zu machen, sitze ich solche Phasen heute einfach aus – und nehme die Erfahrungen, die ich mache, und die Gedanken, die mir in den Sinn kommen, mit in die Zeit, in der wieder mehr Luft zum Schreiben ist.

Jetzt ist zum einen wieder mehr Luft, zum anderen geht es mir körperlich so gut, dass ich vor der Entbindung noch ein, zwei Dinge am Schreibtisch erledigen möchte. Ich fühle mich voller Energie und habe Lust auf meine Projekte – und das ist eine viel bessere Basis zum Arbeiten als totale Erschöpfung!

  • ufo#3 habe ich gerade bei BoD ins Probelektorat gegeben, um ein grundsätzliches Feedback zu erhalten. Mit diesem möchte ich an dem Roman, einer Dreiecksgeschichte, weiterarbeiten.

  • Außerdem würde ich gerne noch ufo#4, einen halbfertigen Roman, beenden – natürlich nur in der Rohfassung. Aber dann hätte ich etwas, woran ich arbeiten und mit dem ich wiedereinsteigen kann, wenn das Baby etwas älter ist. (Erfahrungsgemäß brauche ich nämlich für das Schreiben absolutes Alleinsein, Ruhe und viel Zeit am Stück, während das Überarbeiten auch schon mal zwischen Tür und Angel stattfinden kann.)

  • Außerdem möchte ich entscheiden, mit welchem meiner 21ufos es danach weitergehen soll, damit ich Ideen sammeln und die Geschichte langsam planen kann. Ich habe da aber schon so eine Ahnung …

Woran arbeitest du gerade? Oder hält dich etwas Positives oder Negatives vom Schreiben ab? Wie gehst du mit der Situation um? Welche Bewältigungsstrategien hast du entwickelt, um nach solchen Phasen wieder an die Arbeit gehen zu können? Ich freue mich über einen Kommentar von dir!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Und was liest du gerade?

Wer schreibt, der liest in der Regel auch gerne.

Das ist eine Behauptung, die ich durch nichts beweisen kann. Ich gehe einfach davon aus, dass die allermeisten Autoren eine Neigung zum geschriebenen Wort haben. Mir ist jedenfalls noch keiner begegnet, der Bücher doof findet.

Ich jedenfalls habe immer gerne und viel gelesen. In den letzten Jahren bemerke ich zwar leichte „Abnutzungserscheinungen“, und es fällt mir zunehmend schwer, mich unbefangen in einen Text zu stürzen und mich darin zu verlieren, aber das führe ich jetzt einfach mal aufs Alter zurück. Jenseits der Vierzig ist einem vieles nicht mehr zu verkaufen, auch nicht von einstiegen Lieblingsautoren.

Was mich allerdings nicht daran hindert, das Abenteuer immer wieder aufs Neue zu wagen! Zuletzt habe ich Nora Roberts „Schattenmond“ verschlungen, der erste Teil einer Trilogie, deren zweiter Band gerade erschienen ist. Derzeit lese ich mal wieder die Bibel. (Du hast die Bibel nicht gelesen und scheust dich davor? Meine bevorzugte Dosis: kapitelweise vor dem Einschlafen. Irgendwann bist du durch.) Daneben lese ich die Zeitschriften, die so ins Haus flattern, japanische Märchen und den „Fettnäpfchenführer Japan. Die Axt im Chrysanthemenwald“. Nein, ich plane keinen Urlaub in Japan, aber das Land, die Kultur, die Menschen und ihre Lebensführung faszinieren mich. Und was besonders wichtig ist:

Literatur zu diesem Lieblingsthema inspiriert mich.

Daher auch meine Eingangsfrage: Und was liest du gerade? Machst du dir Gedanken zu deiner Lektüre – oder greifst du nach dem erstbesten Buch, das dich anspricht? Liest du immer dieselben Autoren, einfach aus Lust am Lesen – oder wagst du mal ein Abenteuer? Falls du noch nicht darüber nachgedacht hast, könntest du das jetzt nachholen. Denn das, was du liest, beeinflusst möglicherweise deine kreative Arbeit. So wie mich Texte über diese völlig andere Kultur mit ihren Eigenarten faszinieren und inspirieren, geht es dir vielleicht mit Texten über Südamerika oder Indien. Und nicht nur „über“, sondern auch „aus“: Autoren aus dem Land oder der Region, für die du dich interessierst, können dir einen ganz neuen Blick auf die Welt und das Schreiben ermöglichen. Vielleicht sind es aber auch Ratgeber zur Aufzucht von Katzenwelpen oder wissenschaftliche Abhandlungen über die Tischlerei im 19. Jahrhundert. Das ist zum Glück ganz allein dein Bier! 😉 Es geht nur darum, herauszufinden, was dich beflügeln und motivieren könnte, selbst Texte zu verfassen. Wenn du dann weißt, was dich berührt und anregt, kannst du aktiv hingehen und dafür sorgen, dass du die nötige Dosis Inspiration bekommst – und im Buchladen oder der Bibliothek zu der für dich geeigneten Lektüre greifen.

Nutze deine Lese-Gewohnheiten aus.

Sich in diesem Punkt zu kennen, ist besonders wichtig, wenn es Literatur gibt, die dein kreatives Schaffen einschränkt oder zum Erliegen bringt. Vielleicht lösen bestimmte Autoren Selbstzweifel über deine eigenen Schreib-Fähigkeiten aus. Oder du versinkst so in ihrer Welt, dass du lieber liest als schreibst.  Oder du liest bestimmte Autoren oder Themen gerne, regst dich aber tierisch über dies oder jenes auf, so dass du nicht mehr entspannt an den Schreibtisch gehen kannst. Das ist nicht schlimm – sofern du bewusst darüber entscheidest, zu welchem Zeitpunkt du dir diesen Genuss zuführst. Bücher von Autoren, die mich völlig absorbieren und zu einem auf dem Sofa herumgammelnden Lese-Zombie mutieren lassen, kommen bei mir beispielsweise nur noch ins Urlaubsgepäck! Ich kenne mich mittlerweile nämlich so gut, dass ich genau weiß, dass ich keine vernünftige Zeile zustande bringen werde, solange ich dieses Buch lese. Genauso verfahre ich mit komplexer Belletristik, für die ich meine grauen Zellen anstrengen oder die ich am Stück lesen muss. („4 3 2 1“ von Paul Auster habe ich aufs Rentenalter vertagt.)

Außerdem lese ich parallel. Meine Bettlektüre ist eine andere als die, die ich auf dem Sofa lese. Die Literatur muss sich allerdings unterscheiden, beispielsweise lese ich nie zwei Romane gleichzeitig. Ich mische fiction und non-fiction und bediene mich bei den Themen querbeet, wobei ich natürlich meine Vorlieben habe.

Wie machst du das? Wie und was liest du? Hilft oder schadet es deinem Schreiben? Oder kennst du Autoren, die überhaupt nicht gerne lesen – anders als ich es eingangs vorausgesetzt habe? Dann freue ich mich auf einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Finde die richtige Form für deine Geschichte

Es ist nicht immer einfach, direkt die richtige Form für einen Text zu finden. Zum einen setzt es das Wissen voraus, welche Möglichkeiten es im Bereich der erzählenden Textsorten überhaupt gibt. Zum anderen erfordert es den Mut, die eigene Idee mehrfach in eine andere Form zu gießen. Wenn diese dann auch noch neu für den Autor ist, kann das ganz schön abschreckend wirken.

Aber es lohnt sich!

So habe ich es nämlich bei meiner aktuellen Veröffentlichung gemacht: Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand ist ein Drehbuch geworden, obwohl auch eine Erzählung oder ein Roman daraus hätte werden können. (Für eine Kurzgeschichte wäre der Plot zu umfangreich gewesen.) Es ist nämlich eine Geschichte, die zufällig in Form eines Drehbuchs daherkommt.

Wie ist es dazu gekommen? In einer intensiven Schreibphase, in der auch Der Sturm brachte ihren Retter entstand, las ich das Buch Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch von Christopher Keane. Ich fand es spannend, mich mit dieser ganz anderen Art, an einen Text heranzugehen, zu beschäftigen, und konnte sehr viel mitnehmen – auch für meine anderen Texte. Tatsächlich schrieb ich aber auch das Drehbuch, das jetzt erschienen ist. Es war viel Arbeit, diese Art des Schreibens zu lernen, und ich musste meinen Figuren ganz anders zuschauen. Ein Drehbuch enthält zwar viele Dialoge, muss aber auch genau beschreiben, wann und wo wir uns befinden, wer was macht und wie alles aussieht. Automatisch beantworten wir somit die vielen kleinen und großen Fragen, die auch jeder Roman -und Kurzgeschichtenautor beantworten sollte.

Aber welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?

Wir erinnern uns dunkel an den Deutschunterricht der weiterführenden Schule. Da war doch mal was mit Drama, Parabel, Novelle und so … Ja, genau! Es gibt viele Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen, und auch wenn ich wahrlich nicht behaupten kann, in all diesen Disziplinen sattelfest zu sein, so denke ich zumindest darüber nach, welche Sorte zu meiner Geschichte passen könnte. Aaaaber: Ich bin kein Germanist und werde daher nicht versuchen, das für dich aufzudröseln. Hier hilft googeln: einfach mal „literarische Textsorten“ oder „erzählende Textsorten“ eingeben. Interessiert dich ein Thema, kannst du dich dann mit den entsprechenden Fachbüchern einlesen. 

Letztlich lande ich selbst meist bei den üblichen Verdächtigen: Roman, Erzählung oder Kurzgeschichte. Das kann bei dir aber ganz anders sein! Gerade wenn du stockst und mit der Arbeit an deinem Text nicht weiterkommst, solltest du dich vielleicht einmal intensiv mit diesen Optionen beschäftigen. Und landest dann vielleicht doch einmal ganz woanders – wie ich mit meinem Drehbuch.

Für mich ist Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand ein solches literarisches Experiment, das geglückt ist, weil die Geschichte die Form bekommen hat, in die sie gehört – unabhängig davon, ob sie irgendwann mal verfilmt wird. Ich kann dir also nur empfehlen, mit den verschiedenen Möglichkeiten zu experimentieren. Selbst wenn du am Ende doch wieder auf das zurückkommen solltest, was du anfangs geplant hast, wird dich die intensive Beschäftigung mit den verschiedenen literarischen Textsorten weitergebracht hat.

Hast du dich schon mal an einem Drehbuch versucht? Oder reizt dich ausschließlich der Roman, die Kurzgeschichte, das Märchen? Schreib mir einen Kommentar dazu!

Holl di munter!

Deine Kerstin

5 Schreib-Ratgeber, die mir geholfen haben

Ich gebe es zu: Ich lese gerne Ratgeber. Ich habe schon Ratgeber zur Kindererziehung, zur Bonsai-Aufzucht und zum Umgang mit Hunden durchgeackert. Zuletzt inspirierte mich Marie Kondo, was dazu geführt hat, dass im Kleiderschrank meines Mann nur noch ein Drittel seiner Klamotten hängt. (Natürlich lasse ich meine Familie an meinen neu gewonnen Erkenntnissen teilhaben. Ich kann da sehr überzeugend sein.)

Verständlicherweise habe ich auch schon jede Menge Ratgeber zum Thema „Kreatives Schreiben“ gelesen. Bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und so habe ich eigentlich immer irgendeinen auf meinem Schreibtisch liegen, in den ich gelegentlich hineinschaue. Ich finde, es ist völlig wurscht, wie viel man schon weiß. Ich sehe es als laufende Weiterbildungsmaßnahme, und Bildung schadet ja selten. (Eines möchte ich aber auch sagen: Eine Weile habe ich gänzlich damit aufgehört, Schreib-Ratgeber zu lesen. In dieser Phase war es wichtig für mich, das, was ich mir angelesen hatte, alleine umzusetzen und nicht ständig neuen Input zu bekommen. Ich musste meine eigenen Wege finden. Und das ging für mich nur über den Weg der Abstinenz. Falls du also irgendwann das Gefühl hast, total gesättigt zu sein: Leg die Ratgeber einfach eine Weile weg.)

Heute möchte ich dir meine persönliche „Hitliste“ vorstellen.

Dies sind die Ratgeber, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mich auf dem Weg zum Schriftsteller-Dasein am meisten vorangebracht haben. Das ist natürlich sehr individuell, und du wirst deine eigene „Hitliste“ erstellen müssen. Aber vielleicht ist auf meiner ja etwas für dich dabei.

  • „Creative Writing“: Romane und Kurzgeschichten schreiben
    Dieser Ratgeber war einer der ersten, die ich überhaupt gelesen habe. Wie in einem Workshop werden die verschiedenen Aspekte des literarischen Schreibens abgehandelt. Übungen ergänzen die Theorie. In Inhalt und Aufbau finde ich diesen Sammelband, herausgegeben von Alexander Steele, nach wie vor empfehlenswert.

  • Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch
    Der Drehbuchautor Christopher Keane hat mir mit „Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch“ ein Erleuchtungserlebnis verschafft: Nach der Lektüre wusste ich erstmals, wie ich strukturiert an die Planung einer Geschichte herangehe. In der Folge habe ich tatsächlich ein Drehbuch geschrieben, das Gelernte aber auch auf die Planung meiner Liebesromane übertragen. Eine gute Schule für alle Autoren!

  • Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
    Dieses Buch von Roy Peter Clark müsste ich eigentlich immer und immer wieder lesen. Es wendet sich an Autoren, Journalisten und Texter und beschäftigt sich in weiten Teilen mit der Arbeit am Text, aber auch mit dem Dasein als Autor. „Nützliche Gewohnheiten“ ist ein tatsächlich nützlicher Abschnitt! (Der Rest natürlich auch.)

  • Schriftsteller werden
    Dorothea Brande hat einen Klassiker geschrieben, an dem kaum ein angehender Autor vorbeikommen wird. „Schriftsteller werden“ setzt an einem Punkt an, der vor dem Schreiben kommt: Es geht um die Entwicklung einer inneren Haltung zum Schreiben. Vieles konnte ich für mich mitnehmen. Nur an einer Stelle möchte ich kritteln, in der Brande zum Aufgeben rät, sollte man an einer bestimmten Übung wiederholt scheitern. Da möchte ich widersprechen – und bin selbst der lebende Beweis, dass man trotzdem Schriftsteller werden kann. Ansonsten ein gutes Buch!

  • Der Schriftsteller und das Finanzamt
    Uwe Szymborski und Martin Hunger haben keinen Schreib-Ratgeber im klassischen Sinne verfasst, sondern eher einen „Schriftsteller-Ratgeber“. Ich möchte ihn dir trotzdem ans Herz legen, auch wenn das Buch von 2005 ist und sich die ein oder anderen Umstände geändert haben mögen. Nichtsdestotrotz ist es hilfreich, um sich einen Überblick über die Rechte und Pflichten als Autor zu verschaffen. Mir halt es geholfen, besser zu schlafen, und das hilft wiederum meiner Kreativität. Insofern wunderbar!

Und welche Creative-Writing-Ratgeber kannst du empfehlen? Oder über welches Thema würdest du gerne mal in einem Ratgeber lesen? Schreib mir einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin

Wie ich gegen Schreib-Blockaden anplotte

Manchmal wäre ich gerne ein entdeckender Schreiber. Ich stelle mir vor, wie ich mich eines Tages mit einer grandiosen Idee an den Schreibtisch setze, meiner Figur, die sich von Zauberhand selbst erschafft, quer durchs Manuskript folge, und am Ende eine phantastische Geschichte ausdrucke, völlig von der aus mir heraussprudelnden Kreativität überwältigt.

Schön wär’s.

Tatsache ist, dass solch ein Erlebnis mir wohl für immer verwehrt bleiben wird – denn ich bin kein „discovery writer“, wie es im Englischen heißt, sondern ein „outliner“ – ein planender Schreiber. Und als solcher liebe ich das Plotten.

Plotten?, fragst du. Nie gehört. Was’n das?

Vom Plotten zum Plot

Wenn ich plotte, lege ich den Plot – also die Handlung beziehungsweise den Handlungsablauf meiner Geschichte – fest. Dabei gehe ich so vor: Meist denke ich über eine Grundidee eine ganze Weile nach, spinne die Geschichte weiter, spiele verschiedene Szenarien durch. Insofern bin ich in dieser Phase entdeckend: Ich lasse mich von meiner Grundidee inspirieren und spiele so lange herum, bis ich das Gefühl habe, etwas in der Hand zu haben.

Das ist meist eine kurze Zusammenfassung der Geschichte. In wenigen Sätzen könnte ich dir dann erzählen, was am Anfang, in der Mitte und am Ende passiert und wer die wichtigsten Personen sind.

Mehr nicht.

Das ist ja schon mal was, sagst du. Dann kannste ja anfangen zu schreiben.

Nö, leider nicht. Ich würde mich nämlich vollkommen in der Geschichte verlieren. Es gäbe für mich zu viele offene Fragen, die ich während des Schreibens beantworten müsste. Das würde entweder dazu führen, dass ich ohne Ende tippe und tippe oder – viel schlimmer! – in eine Blockade gerate. Die schiere Menge an Möglichkeiten, die sich mir in diesem Moment aufdrängen, würde zu Stillstand führen.

Um solch einer frustrierenden Situation vorzubeugen, brauche ich ein Gerüst. Dieses Gerüst heißt Szenenumbruch.

Szene für Szene

Bevor ich mich daran setzen kann, muss ich aber noch etwas anderes erledigen: Wenn ich meine Geschichte in Grundzügen kenne, gehe ich hin und beschäftige mich mit den Figuren: Wie heißen sie, wie alt sind sie, was ist ihr Beruf und so weiter. (Und ich beantworte in diesem Stadium auch die wichtigste Frage: Ist es dir größte Krise im Leben meiner Heldin, meines Helden? Wenn nicht, muss ich noch mal zurück auf Anfang.)

Mit diesem Wissen über meine Figuren setze ich mich an den Szenenumbruch, (Manche Autoren schieben gerne ein Exposé und ein Treatment dazwischen. Da ich damit nicht (mehr) arbeite, lasse ich beides an dieser Stelle weg.) Nun schreibe ich auf kleine Karteikärtchen alle Szenen, die für meine Geschichte wichtig sind, und teile sie auf die drei Akte auf. Wenn ich die wichtigsten Szenen, von denen ich bereits weiß, dass sie relevant sein werden, verteilt habe, schreibe ich alle weiteren auf Kärtchen, die ich mir vielleicht im Lauf der Zeit notiert habe oder die mir in diesem Moment einfallen. Hier lasse ich tatsächlich meiner Kreativität freien Lauf.

An dieser Stelle ist das für mich auch angebracht, denn hier blockiert mich die Menge an Möglichkeiten nicht. Sofern mein Vorrat an Karteikarten mir keinen Strich durch die Rechnung macht (alles schon erlebt!), schreibe ich alles auf, was mein Gehirn ausspuckt und schiebe es auf einem großen Tisch hin und her. Ich muss mich wirklich bemühen, an diesem Punkt alle Fragen zu beantworten und irgendeine Antwort auf alle großen Punkte der Geschichte zu finden – auch wenn sie doof ist. Selbst wenn ich meine Idee für den Höhepunkt hanebüchen, an den Haaren herbeigezogen oder peinlich finde – ich schreibe sie erst mal auf, wenn mir nichts Besseres einfällt. Denn wenn da nichts steht, brauche ich gar nicht erst mit dem Schreiben anfangen, das weiß ich aus Erfahrung.

Von der Karte zum Text

Wenn ich das Gefühl habe, erst einmal zu einem Ende gelangt zu sein, höre ich – meist ziemlich erschöpft, aber glücklich – auf und hefte alles an meine Pinnwand. Obendrüber kommt eine größere Karteikarte mit dem Arbeitstitel. Da hängt das Ganze eine Weile – mindestens mehrere Tage, eher Wochen. Immer wieder gehe ich hin und meditiere über diesen Kärtchen. Ich stelle mir folgende Fragen:

  • Passt das noch für mich?
  • Bin ich zufrieden mit der Abfolge der Szenen?
  • Könnte ich noch mehr Spannung hineinbringen?
  • Ist alles logisch?
  • Habe ich an alles gedacht? Oder fehlt etwas?

Weitere Kärtchen wandern dazu: Ergänzungen, die Nebenhandlung, Beschreibungen der Figuren, wichtige Infos. Diese hefte ich über und neben meine Szenenabfolge, um nichts durcheinanderzubringen und mich optisch zu verwirren.

Wenn ich dann das Gefühl habe, beginnen zu können, nehme ich alles von der Pinnwand – und fange an zu schreiben. Ich lasse die Karten bewusst nicht an der Pinnwand hängen, weil ich den Stapel so nämlich mitnehmen kann. Und ich ziehe nur das Kärtchen heraus, das für mich gerade relevant ist. Das beugt der Verzettelung vor.

Ich arbeite mich quer durch meine Geschichte. Meist fange ich am Anfang an und schreibe vor mich hin. Wenn ich an einem Tag das Gefühl habe, nicht direkt dort wieder ansetzen zu können, wo ich aufgehört habe, suche ich mir ein anderes Kärtchen heraus und setze damit meine Arbeit fort. Ich lasse mich intuitiv durch die Geschichte treiben, und so hat es doch etwas „Entdeckendes“ – ohne mich zu stressen oder das Schreiben zu verhindern,

Ich kann sogar entscheiden, alles anders zu machen, wenn ich während des Schreibens doch feststellen sollte, dass mein Plot nicht funktioniert. (Doof, aber alles schon dagewesen …) Dann nehme ich einen Stapel neue Kärtchen und gehe zurück zum Szenenumbruch. (Ich höre nicht frustriert mit dem Schreiben auf! Wichtig!)

Dann schreibe ich weiter. Und irgendwann nehme ich das Kärtchen mit der letzten Szene – und bin mit der Rohfassung fertig.

Klingt langweilig?

Mag sein – ist aber sehr effektiv! Mehr als vierzig veröffentlichte Heftromane dürften mir recht geben. Für mich habe ich damit die ideale Methode gefunden.

Wie arbeitest du? Bist du ein entdeckender Schreiber oder ein planender? Gehst du ähnlich vor wie ich – oder ganz anders? Deine Erfahrungen interessieren mich. Schreib mir doch einen Kommentar!

Holl di munter!

Deine Kerstin