Aus meinem Schreiballtag:

  • Social Media – Last oder Freude?

    (In diesem Artikel nenne ich verschiedene Dienstleister, daher vorab: Werbung)

    Wenn ich auf meinen sozialen Kanälen unterwegs bin, was jeden Tag der Fall ist, fällt mir immer wieder auf, dass Autor:innen in eine „Auszeit“, eine „Insta-Pause“ oder gleich ganz weggehen. Heute möchte ich ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, wie es mir ergangen ist, warum es mir heute (meist) Spaß macht und welche Schritte du unternehmen könntest, falls Social Media für dich momentan eher eine Last als ein Quell der Freude ist.

    Was es heute nicht gibt, sind Profi-Tipps für Social-Media-Marketing. Dafür gibt es viel kompetentere Leute, deren Hilfe ich selbst gerne in Anspruch nehme. Ich bin Schreib-Expertin, kein Social-Media-Manager. Es geht wirklich um meine Nicht-Profi-Perspektive, denn aus der schauen wohl die meisten Autor:innen auf diesen Bereich. Es geht darum, wie ich bestimmte Probleme gelöst habe und angehe, und was du für dich mitnehmen kannst.

    Meine ersten Schritte

    Als ich mit mich Anfang 2021 entschieden habe, das ganze Thema Schreiben noch einmal ganz neu anzugehen, war eine meiner ersten Taten, aktiv auf Instagram zu werden. Da ich damals nicht einmal wusste, was ein Hashtag ist, habe ich einen Instagram-Grundlagenkurs bei Janet Zentel (Bookerfly) und danach einen Aufbaukurs für fortgeschrittene Nutzer bei Annika Bühnemann (vomschreibenleben.de) gemacht. Danach fühlte ich mich sicherer, um auf Social Media durchstarten zu können. Zudem haben sich tolle Kontakte zu anderen Autor:innen ergeben, die sich teils bis heute gehalten haben. So etwas ist wunderbar!

    Trial-and-Error-Methode

    Trotzdem basierten meine Aktivitäten weitgehend auf Versuch und Irrtum: Ich übte mich in Canva, einem Online-Tool für Grafikdesign, zunächst lange Zeit in der kostenlosen Version. Mittlerweile nutze ich die kostenpflichtige Pro-Version, da ich nicht nur meine Social-Media-Posts damit erstelle, sondern auch Visitenkarten, Briefpapier, Flyer und vieles mehr. Für mich lohnt es sich, doch für den Anfang reicht definitiv die kostenlose Version.

    Ich erstellte erste Grafiken, nahm Fotos auf, postete mein erstes Video in der Story auf Instagram – und hatte dabei wahnsinniges Herzklopfen! Wie gesagt: So etwas fliegt mir nicht zu. Ich springe nicht gerne auf Bühnen, fühle mich am Schreibtisch und in Bibliotheken wohl. Gleichzeitig wollte ich mich aber trauen, mich entwickeln. (Wichtig: Wenn du vor Fotos oder Videos von dir zurückschreckst, ist das vollkommen in Ordnung! Niemand muss oder sollte sich zeigen müssen, der das nicht möchte, und es geht definitiv anders. Zahllose Accounts zeugen davon. Für mich war es allerdings wichtig, und so habe ich es durchgezogen.)

    Allmählich ließ das Herzklopfen beim Posten nach, und die Ideen kamen, auch wenn die eigentliche Bearbeitung noch sehr lange dauerte. Was mich allerdings stresste, war die Interaktion. Ich folgte vielen Accounts und war nicht in der Lage, regelmäßig auf allen vorbeizuschauen. 

    Rückzug! Rückzug!

    Immer wieder zog ich mich daher zurück, machte vielleicht keine Insta-Pause mehr wie bei meinen ersten Versuchen mit Sozialen Netzwerken, doch war es ein ewiges Hin und Her. So richtig hatte ich meinen Style noch nicht gefunden. Und auf meinem Account ging alles kunterbunt durcheinander: Posts über meine aktuellen Veröffentlichungen, Werbung für meinen Blog und Podcast und alles rund um 21ufos.de, und damit beging ich einen fatalen Fehler: Ich vermischte meine Zielgruppen. Je intensiver ich mit Sandra (Agentur Autorenträume) zusammenarbeitete, desto klarer wurde mir, dass es so nicht weitergehen konnte. Als ich dann tatsächlich ein Kinderbuch veröffentlichen wollte, auch noch unter anderem Pseudonym, war der Zeitpunkt für einen weiteren Account definitiv gekommen. Ich konnte nicht andere Autor:innen, erwachsene Leserinnen meiner Ostfriesland-Geschichten und Kinder/Eltern/Lehrer- und Erzieher:innen gleichzeitig ansprechen. Also bekam Kerstinus Brausike einen eigenen Account. Hier nahm ich alsbald ein Coaching bei Johanna Hegermann (Hanna Buchmarketing) in Anspruch, die nicht nur mein Profil genau unter die Lupe nahm, sondern mir auch viele Ideen für meinen Auftritt lieferte. Zusammen mit der Marketingkampagne, die Sandra für die Veröffentlichung von „Wimpel und die rote Koralle“ entworfen hatte, fühlte und fühle ich mich nun sicher und habe begonnen, den Account mit Leben zu füllen. So etwas ist aber bekanntlich ein Langzeit-Projekt und dauert entsprechend lange. Meine Tage haben natürlich auch nur 24 Stunden und ich kann mich nicht darauf fokussieren. Mein Fokus liegt woanders.

    Erschaffe dein Lebenswerk!

    Und so kam ein dritter Account dazu, den ich mittlerweile am intensivsten bespiele, weil hier auch der größte Teil meiner Arbeitszeit hineinfließt: 21ufos.de. Auf diesem liegt mein Fokus. „Erschaffe dein Lebenswerk!“ ist dabei das Motto: Ich arbeite an meinem eigenen Lebenswerk und helfe dir, deines zu errichten. ♥ Da fließt meine Energie rein, und ich liebe es, dich mit kostenlosen Schreibtipps zu versorgen, dir unseren Kurs vorzustellen oder auf meine Dienstleistungen rund ums Lektorat aufmerksam zu machen.

    Außerdem konnte ich nun endlich genau für die Menschen posten, die ich erreichen wollte: Als Autorin jeweils für meine kleinen und großen Leser:innen und als Expertin für Autor:innen. Meine Befürchtung, dass ich schreiend vor Social Media weglaufen würde, wenn ich mir mehrere Accounts zulegte, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil: Plötzlich herrschte Klarheit. Instagram wirkte auf mich nun wie eine gut aufgeräumte Kommode: Ich wusste, in welche Schublade was gehörte und was nicht. (Falls du mir schon länger folgst, weißt du, dass ich Ordnung liebe. 😉 ) 

    Auf mehreren Plattformen tanzen

    Was lag da näher, als das nächste Fass aufzumachen und sich einer weiteren Herausforderung zu stellen? Wär ja sonst auch langweilig …

    Also auf zu Facebook.

    Ich kann dir sagen: Da lerne ich noch täglich dazu, und das wird vermutlich noch eine ganze Weile so bleiben. Stress pur. Warum ich es mir trotzdem antue:

    • Mit Facebook war ich grundsätzlich schon länger verknüpft, weil ich Business- bzw. Creator-Konten auf Instagram habe. Das möchte ich auch dir empfehlen, da es viele Vorteile hat, unter anderem genaueren Einblick in deine Statistik.
    • Als Autorin habe ich mir eine eigene Seite für Kessi van Jarssum eingerichtet, auf der ich nun meine Inhalte ebenfalls auf Facebook teilen kann. Einmal Arbeit, doppelter Nutzen. (Kerstinus Brausike steht noch aus, steht aber auch meiner To-do.)
    • So erreichst du natürlich auch auf dieser Plattform deine Leserschaft. (Je nachdem, wo sich deine Leserschaft eher rumtreibt, ist da natürlich mehr Aktivität gefragt. Ich bin froh, dass meine sich nicht auf TikTok tummelt, da wäre ich dann nämlich raus. 😉 )
    • 21ufos.de präsentiere ich dort nun auch mit einer eigenen Seite und bin froh, meine Botschaft breiter streuen zu können.
    • Außerdem gibt es bei Facebook Gruppen, was für die Interaktion und das Netzwerken noch einmal einen anderen Ansatz ermöglicht.

    Insgesamt stehe ich mit Facebook aber noch am Anfang, und ob ich die Business-Maschine im Hintergrund jemals verstehe, weiß ich nicht. Jedes Mal lande ich auf anderen Seiten, ständig ändert sich was, und ich weiß jetzt definitiv, warum es ein Beruf ist, so was zu können. Ich wurschtel mich da durch, aber mehr ist nicht zu erwarten. Ist aber okay so. Ich kann nur lernen, in dem ich es mache. Ist wie mit dem Schreiben.

    Hater am Start?

    Noch etwas zum Thema Hater: Mit unangenehmen Menschen musste ich mich glücklicherweise erst sehr wenig auseinandersetzen. Die Insta-Buch-Bubble ist ja meist recht nett und kuschelig. Eine Weile bin ich einigen Accounts gefolgt, die einen eher krawalligen Ton hatte, bin aber irgendwann weitergezogen. Wir haben ja zum Glück auch selbst die Macht darüber, welche Inhalte und Gedanken wir uns regelmäßig zuführen, und wenn etwas beklemmend ist oder nicht guttut, dann: deabonnieren. Andersherum kann man natürlich auch blockieren, wenn nötig, und das sollte man auch machen.

    Mein aktuelles System

    Du siehst, ich habe einen ganz schönen Weg zurückgelegt, und eins kann ich dir sagen: Das Talent dafür wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Ich musste ganz schön ackern, mich durchbeißen und nach Rückschlägen immer wieder aufstehen, auch wenn ich am liebsten liegengeblieben wäre.

    Bin ich aber nicht. Ich habe keine 10.000 Follower, bespiele aber mehrere Kanäle, und das mit Freude. Die Menschen, die mir folgen und mit mir interagieren, bestätigen mich jeden Tag darin, weiterzumachen und immer wieder nachzujustieren, wenn sich mal Erschöpfung einstellt. Es macht mir Spaß, mir neue Inhalte auszudenken und Content zu produzieren, der meinen Followern hilft oder ihnen den Tag verschönert. Die Mission, die ich mit 21ufos.de verfolge, kann ich über meine Kanäle verbreiten, und das freut mich sehr.

    Auch heute gelingt es mir noch nicht, allen Menschen, denen ich folge, regelmäßig einen Besuch abzustatten, auch wenn ich die Inhalte definitiv interessant finde und auch weiter folgen möchte. Ich setze die Priorität beim Stöbern aber ganz klar auf Kolleg:innen, mit denen ich intensiv zusammenarbeite, Kooperationspartnern, Kundinnen und natürlich treuen Follower:innen, die immer wieder liken, kommentieren oder anders mit mir interagieren. ♥  

    Die Verknüpfung mit Facebook würde mir ein automatisiertes Posten ermöglichen, doch das mache ich (noch) nicht. Zwar werden meine Blog-Artikel und Podcast-Episoden mittlerweile automatisch hochgeladen, für meine Posts kann ich mir das aber noch nicht vorstellen. Ich mache es, wenn ich im Tagesverlauf Zeit habe, weil ich dann auch direkt reagieren kann. Das ist nicht nur gut für den Algorithmus, es ist auch einfach nett. 🙂

    Momentan poste ich an sechs Tagen pro Woche. Das hört sich viel an, ich überlege mir aber nicht in dem Moment, was ich mache, sondern plane zumindest für 21ufos.de einen Monat durch. Ich habe bestimmte Tage, an denen zum Beispiel mein Schreibtipp komme (mittwochs), Infos zum Lektorat (donnerstags) oder ein Post zum aktuellen Podcast (sonntags). Dabei haben sich für mich durch Erfahrung Muster entwickelt, die funktionieren, und die ich immer wieder anwenden kann.

    Für die Planung benutze ich das Tool Trello, wo ich in Listen meine Accounts sortiere, jedem Post eine Karteikarte zuweise und markiere, wenn er online gegangen ist. Es ist eine Art Redaktionsplan, aber nicht in einem Word-Dokument o.ä., sondern in diesem multifunktionalen Tool. (Manche plotten sogar damit. Dafür liebe ich aber meine Karteikarten aus Pappe zu sehr. 😉 )

    Auf jeden Fall muss ich das Rad nicht immer neu erfinden, sondern kann einen Monat relativ am Stück durchplanen. Ich fülle die Karteikarten mit dem geplanten Veröffentlichungsdatum, der Caption – also dem Text, der unter dem Bild erscheinen soll -, suche mir auf einer anderen Karteikarte die Hashtags raus, fertig.

    Die Hashtags habe ich tatsächlich für alle meine Aktivitäten in eine eigene Liste und auf eigene Karteikarten gelegt: Kessi van Jarssum braucht andere Hashtags als Kerstinus Brausike, und meine Marketingkampagne für „Tasche mit Herz“ soll eine andere Leserschaft erreichen als „Der Sturm brachte ihren Retter“, mein Liebesroman in großer Schrift.

    Damit ich nicht nur die Hashtags, sondern auch die Klappentexte stets griffbereit habe, haben sie auch alle eigene Karteikarten bekommen. Ich kann sie nach Bedarf kopieren und in den Post einfügen. 

    Du siehst: Ich gehe einen Mittelweg aus automatisiertem, zeitsparendem und organischem, aus dem Moment lebenden Arbeiten. Ich muss mich nicht ständig neu eindenken wie früher und kann auch bei Chaos um mich rum posten, kann aber dennoch kreativ sein und auf aktuelle Erfordernisse eingehen, zum Beispiel einen Post schieben oder vorziehen.

    Und wenn du jetzt neugierig geworden bist, wie das in der Umsetzung aussieht, und noch nicht zu meinen Followern gehörst, dann gibt es hier die Links zu meinen 21ufos.de-Kanälen:

    Hier geht’s zu meinem Instagram-Account.

    Hier geht’s zu meiner nagelneuen Facebook-Seite – im Aufbau!

    Fazit

    Als Fazit möchte ich dir Folgendes mitgeben:

    • Social Media kann großen Spaß machen, wenn man die ersten Hürden nimmt.
    • Dafür muss man unter Umständen eine ganze Weile herumprobieren und auch so manches Mal über seinen Schatten springen.
    • Wenn du unbedingt möchtest, es aber alleine nicht gelingt, dann denke über einen Kurs oder ein Coaching nach, um diese Hürden zu nehmen. Habe ich so gemacht und kann es weiterempfehlen, weil manchmal Blockaden dahinterstecken, die uns daran hindern, unsere Ziele zu erreichen. Mich hat das sehr frustriert, und ich war froh, als ich sie mit Hilfe beseitigt hatte.
    • Vernetzung ist das A und O. Ich habe mir in der riesigen Insta-Buch-Bubble meine eigene kleine Bubble geschaffen, in der ich mich wohl fühle, mit Menschen, die ich nicht mehr missen möchte. Das empfinde ich als ein ganz großes Geschenk, hinter dem aber viel Arbeit steckt. 

    Falls du Fragen oder Anregungen hast, schreib mir gerne an: kerstin@21ufos.de

    Holl di munter

    deine Kerstin

  • Ein Text entsteht

    Geschichten entstehen auf unterschiedliche Art und Weise: Manchmal werden sie in Auftrag gegeben und ein paar Wochen später geplant veröffentlicht; manchmal vergehen zwischen dem ersten getippten Wort und der Fertigstellung mehrere Jahre, und dann landet die Story in der Schublade. Dazwischen ist viel möglich. Ein paar Entstehungsmöglichkeiten möchte ich heute für dich beleuchten und Tipps für deine eigene Arbeit daraus ableiten.

    Version 1: Schnell und geplant

    Diese Art des Schreibens habe ich zuerst im Journalismus kennengelernt: Morgens war die Seite leer, abends musste sie voll sein. Der Andruck am Abend hing stets drohend über den Kolleg:innen und mir. Ob man in einem kreativen Loch steckte, war egal, denn die Artikel mussten getippt werden. Punkt.

    Auch aus meiner Zeit als Heftroman-Autorin ist mir das Produzieren auf eine baldige Deadline hin bekannt. Manchmal vergingen nur wenige Wochen bis zum Druck. 100 Normseiten pro Heft hießen dabei 100 Normseiten, nicht 95 und auch nicht 105. Auf den Punkt schreiben, liefern wie nach Vorlage des Exposés abgesegnet – das war über mehrere Jahre hinweg mein täglich Brot.

    Ein klein wenig Erfahrung konnte ich außerdem als Texterin im Bereich Werbung sammeln, habe aber schnell gemerkt, dass dieser Bereich nichts für mich ist. Doch auch hier: Deadline, schnelle Lieferung. Zack!

    Pro: Der klare Vorteil liegt für mich in der Textproduktion. Der Text muss fertig werden, und in der Regel wird er das dann auch. Strebst du einen hohen Output an, möchtest schnell viel produzieren, sind feste Deadlines dabei gute Hilfen. Als Selfpublisher:in hast du keine Deadlines? Doch, wenn nämlich ein Dienstleister auf deinen Text wartet, dich eingeplant hat, und danach der nächste usw. Das kann positiven Druck erzeugen, fertig zu werden.

    Kontra: Der Druck kann auch ins Negative ausschlagen, deine Motivation unterwandern oder zu einer ausgewachsenen Blockade führen. Außerdem kann der hohe Output zu einer Erschöpfung führen. Warnsignale solltest du früh wahrnehmen und gegensteuern. Ich bin damals über meine Grenzen gegangen. Heute wüsste ich, was zu tun ist, aber das sind Erfahrungswerte, die man nur mit der Zeit gewinnen kann.

    Tipp: Wenn du dir unsicher bist, wie du mit Deadlines klarkommst, probiere es erst mal mit einer Ausschreibung für eine Anthologie. Eine Kurzgeschichte ist erstens schnell geschrieben, zweitens wartet keiner auf deinen Text bzw. du gerätst nicht in Verzug. Beobachte dich: Wie reagierst du auf die Deadline? Beflügelt sie dich? Oder bremst sie dich aus?

    Version 2: Strukturiert ohne Termin

    Natürlich musst du dir keine Deadline setzen. Sei es ein langer Text wie ein Roman oder ein kurzer wie eine Erzählung: Wenn er nicht geschrieben wird, kann er nicht veröffentlicht werden. Auch ohne Deadline kannst du deinem kreativen Arbeiten eine Struktur verleihen, indem du zum Beispiel die einzelnen Arbeitsschritte durchplanst, z.B. Phasen für die Recherche, das Plotten, Schreiben und Überarbeiten einplanst und dir beispielsweise Wochen dafür blockst. Du hast keinen Abgabetermin mit einem externen Dienstleister, weißt aber so ungefähr, wann du was erledigt haben möchtest, um fertig zu werden. 

    Pro: Du bist frei! Keine:r wartet auf dich, setzt dich mit einer Deadline unter Druck. Dein kreatives Arbeiten wird nicht von außen gelenkt, sondern du bestimmst über die Abläufe.

    Kontra: Die Zusammenarbeit mit Dienstleistern wird sich erfahrungsgemäß strecken, weil du beispielsweise keine:n Lektor:in findest, wenn dein Text fertig ist. Dann wirst du warten müssen, bis jemand einen freien Slot für dich hat. Wenn du mit einer bestimmten Lektorin, einem bestimmten Lektor zusammenarbeiten möchtest, empfehle ich dieses Vorgehen nicht, denn die Vorlaufzeit beträgt meist mehrere Monate. Das gleiche gilt für Korrektor:innen und Buchsetzer:innen.

    Tipp: Meiner Erfahrung nach kann man mit dieser Methode ins Bummeln geraten, weil keine Termine ausgemacht sind. Ist mir selbst auch schon passiert. Das Risiko, dass dein Text niemals fertig wird und du dein Projekt abbrichst, ist außerdem hoch. Probiere auch hier mit einem kurzen Text aus, wie die Abläufe sind, und ob du mit deinem Tempo zufrieden bist. Falls ja, versuche dich an einem längeren Projekt.

    Version 3: Aus dem Bauch in den Kalender

    Eine weitere Möglichkeit, einen Text entstehen zu lassen, ist folgende: Du schreibst ohne Plan, aus dem Bauch heraus, hast aber einen Termin im Kalender stehen, bis wann du fertig sein möchtest.

    Bist du ein Plotter, also jemand, der seine Texte vor dem Schreiben gerne intensiv entwickelt, wird dir dieser Ansatz vermutlich nicht zusagen. Für ein kurzes Projekt könntest du es trotzdem mal ausprobieren, einfach, um diese Art des Schreibens auch mal kennengelernt zu haben.

    Bist du ein Bauchschreiber, der seine Geschichte während des Schreibens entwickelt, hat der Ansatz den Vorteil, dass du fertig werden musst. Der Termin steht. Trödelei, das Verfolgen unergiebiger Handlungsstränge, das Starren aufs weiße Blatt – nicht möglich!

    Pro: Das Risiko, dass du dein Projekt irgendwann abbrichst oder auf Seite 1200 landest, ohne dass das Ende in Sicht ist, wird hier minimiert. Der Termin begrenzt dich automatisch und fokussiert dich.

    Kontra: Das, was Bauchschreiber oft besonders schätzen, nämlich die kreative Freiheit, wird hier eingeschränkt. Du bist nicht vollkommen frei in deinen Entscheidungen, weder inhaltlich noch zeitlich.

    Tipp: Natürlich gibt es auch Bauchschreiber, die routinemäßig ihre Projekte beenden, auch ohne Termine. Meiner Erfahrung nach sind die Risiken aber hoch und lassen sich durch fixe Termine minimieren. Wenn du sichergehen möchtest, dass du trotz Bauchschreiberei deinen Termin hältst, schreibe nicht nur eine persönliche Deadline in den Kalender, sondern vereinbare einen Abgabetermin mit einem Dienstleister. Alternativ kannst du deine Deadline nach außen kommunizieren. Auch das kann einen positiven Druck erzeugen.

    Version 4: Ganz ohne Plan

    Die letzte Möglichkeit beinhaltet vermutlich den größten Teil an persönlicher Freiheit im Prozess. Du plottest oder bauchschreibst oder mixt beides, wie du lustig bist, planst nichts und veröffentlichst irgendwann oder auch nicht, arbeitest vielleicht an mehreren Projekten gleichzeitig, lebst dich kreativ vollkommen aus.

    Spricht dich an? #ifeelyou Auch ich hatte nach langer Zeit des völlig getakteten Schreibens das dringende Bedürfnis, vollkommen frei an meinen Geschichten arbeiten zu können. Ist das nicht echte, unverfälschte Schriftstellerei?

    Dachte ich lange – und wurde eines Besseren belehrt. Bei mir führte dieser Ansatz nämlich dazu, dass meine Projekte nicht mehr fertig wurden und in unterschiedlichen Entwicklungsstadien in der Schublade landeten. So sind meine 21ufos entstanden, meine 21 unfertigen Objekte. Immerhin profitierst du davon, denn sonst gäbe es 21ufos.de nicht. 😉

    Trotzdem: Wenn ich vorher gewusst hätte, welche Durststrecke mich erwartet, hätte ich diesen Weg nicht gewählt, denn ich habe zwar geschrieben, aber nicht mehr veröffentlicht, und das über etliche Jahre hinweg. Der Schritt ins Selfpublishing und die Gründung von 21ufos.de waren meine Befreiungsschläge aus dieser Krise. Daher: 

    Pro: maximale kreative Freiheit

    Kontra: maximale kreative Freiheit 😉

    Tipp: Probiere es ruhig aus, wenn dein Herz dich hinzieht. Begrenze diese Phase aber zeitlich, damit es dir nicht ergeht wie mir und du hängenbleibst. Stecke dir vorher einen festen zeitlichen Rahmen von einigen Wochen, Monaten oder auch einem Jahr. In diesem Zeitraum probierst du es aus. Wenn es nicht funktioniert, ziehe früher als ich die Reißleine und komme über andere Ansätze in die Fertigstellung und dann auch die Veröffentlichung.

    Fazit

    Dies war ein kleiner, nicht abschließender Überblick über unterschiedliche Herangehensweisen. Dabei ist kein Weg besser oder schlechter als der andere. Er passt einfach im Idealfall genau zu dir und deinen Projekten. Ich kann nur empfehlen, verschiedene Wege auszuprobieren. Manchmal zapft man dadurch kreatives Potential an, mit dem man gar nicht gerechnet hatte. Dabei darfst du auch ruhig mal deine Komfortzone verlassen. Mit der Zeit lernst du dich immer besser kennen und weißt, was funktioniert und was nicht.

    Welcher Prozess spricht dich an? Konntest du dich wiederfinden? Schreib mir gerne an kerstin@21ufos.de oder hinterlasse unten einen Kommentar.

    Holl di munter

    deine Kerstin

  • Füllwörter jagen in 5 Schritten

    Heute geht es um das leidige Thema „Füllwörter“.

    „Leidig? Warum leidig?“, fragst du dich vielleicht.

    Dann gehörst du zu den glücklichen Autorinnen und Autoren, die ihre Texte nicht mit überflüssigen Wörtern pflastern, die den Text unnötig aufblähen und den Lesefluss hemmen. Gratulation!

    Soll ich dir ein Geheimnis verraten? Ich gehöre nicht zu diesen glücklichen Leuten. Ich weiß zwar mittlerweile, welche Wörter ich gerne verwende, tippe sie aber dennoch im Schreibflow in meine Texte. Passiert. Wenn du deine eigenen Texte also auf Füllwörter prüfst oder entsprechendes Feedback bekommst, ärgere dich nicht. Damit bist du nicht allein.

    Heute geht es in 5 Schritten den Füllwörtern an den Kragen. Los geht’s!

    Schritt 1: Informiere dich

    Das machst du gerade, und damit hast du den wichtigsten Schritt getan. Wenn du nicht weißt, dass und welche Füllwörter es gibt, kannst du sie nicht vermeiden oder aus deinem Text herausfischen.

    Was sind Füllwörter? Der Duden definiert ein Füllwort als „Wort mit geringem Aussagewert„. Sie tragen nichts zum Text bei und können gestrichen werden. Das zu wissen, ist wichtig, denn: Solche Wörter wollen wir in unseren Texten möglichst selten finden. Unsere Texte schleifen wir wie Edelsteine, bis nur noch das drin ist, was die Geschichte braucht.

    Wir müssen aber keinen Kahlschlag betreiben, und an der ein oder anderen Stelle ist ein tatsächlich oder genau wichtig und richtig. Funktioniert aber nur, wenn diese Wörter mit Bedacht gewählt und eingesetzt werden und deinen Text nicht durchziehen. Das ist dann schlechter Stil. Und den wollen wir noch weniger als Füllwörter. 😉

    Welche Füllwörter gibt es also? Wenn du in der Suchmaschine deiner Wahl „Füllwörter“ eingibst, gelangst du zu vielen Seiten mit diversen Listen. Recherche ist sinnvoll. Für einen ersten Überblick teile ich dir meine persönliche mit, die eine Zusammenstellung aus Wörtern ist, die ich selbst gerne als Füllwörter verwende oder im Rahmen von Lektoraten „jage“.

    (Achtung: Manchmal haben diese Wörter eine Funktion innerhalb des Satzes, passen zum deinem Stil oder deinen Protagonisten, sind also keine Füllwörter und können nicht rausgenommen werden. Daher im Einzelfall genau prüfen!)

    • aber
    • aber doch
    • allerdings
    • also
    • auf jeden Fall
    • auch
    • auch dann noch – nur „noch“
    • beide
    • bereits
    • besonders
    • bestimmt
    • bis zum Ende
    • da
    • dadurch
    • damalige
    • damals
    • dann
    • dann aber
    • danach
    • danach direkt
    • daran
    • definitiv
    • denn
    • derzeit
    • darüber
    • doch
    • doch sonst
    • echt
    • eher
    • ehrlich gesagt
    • eigene(n)
    • eigenes
    • eigentlich
    • ein bisschen
    • einfach
    • einigermaßen
    • einmal
    • endlich
    • erst
    • erst mal
    • etwa
    • etwas
    • für den Moment
    • ganz
    • ganze
    • ganzen
    • gar
    • geistesgegenwärtig
    • gemeinsam
    • genau
    • gerade
    • gerne
    • gesamte
    • halt
    • heute
    • heutzutage
    • hier
    • hinter meinem Rücken
    • im Laufe der Jahre
    • im Moment
    • immerhin
    • im Nachhinein
    • im Übrigen
    • in den ganzen Jahren (= seit)
    • in der Folge
    • in der Zeit
    • in diesem Fall
    • in dieser Konstellation
    • in dieser Situation
    • in jedem Fall
    • irgendwann
    • irgendwie
    • irgendwo
    • ja
    • jetzt
    • mal
    • meines Wissens
    • mittlerweile
    • momentan
    • nach
    • nach einigem Nachdenken
    • nämlich
    • natürlich ebenfalls
    • noch einen Moment
    • noch einmal
    • nun
    • regelrecht
    • ruhig
    • schon
    • sehr
    • selbst
    • sicher
    • so
    • sozusagen
    • spontan
    • tatsächlich
    • total
    • um diese Uhrzeit
    • unbedingt
    • unterwegs
    • unweigerlich
    • vielleicht
    • völlig
    • vollkommen
    • weiter
    • wieder
    • wirklich
    • wohl
    • womöglich
    • wundersamerweise
    • zugegebenermaßen
    • zumeist
    • zunehmend

    Schritt 2: Texte prüfen

    Meine Liste kann nur ein erster Überblick über potentiell mögliche Füllwörter sein. Ja, die Liste ist lang! Viele dieser Wörter werden dich nicht betreffen. Als Schritt 2 empfehle ich dir daher, einen deiner eigenen Texte zu prüfen: Welche Füllwörter benutzt du gern? Hast du zu diesem Text schon mal Feedback bekommen? Von Testlesern, einer Lektorin oder einer Korrektorin? Hat sie Füllwörter markiert? Beobachte dich auch während des Schreibprozesses. Vielleicht fällt dir dabei auf, dass du versucht bist, immer wieder bestimmte Wörter zu verwenden. Das ist anfangs schwierig und auch nicht zu empfehlen, wenn du dadurch deinen Schreibflow blockierst. Dann lieber Kopf aus, schreiben und hinterher prüfen.

    (Zur Info: Es gibt auch Schreibprogramme, die dir Füllwörter anzeigen, doch das kann nur ein Anhaltspunkt sein und den eigenen Grips nicht ersetzen. 😉 )  

    Schritt 3: Liste anlegen

    Du hast dich beobachtet und deine eigenen Texte geprüft? Super! Dann leg dir im nächsten Schritt eine Liste mit deinen ganz persönlichen Füllwörtern an. Ich habe eine Korrektur-Datei auf meinem Desktop, in der viele weitere Sachen stehen, auf die ich während einer Überarbeitung meiner Texte achte, aber auch meine beliebten Füllwörter. So eine Datei kann im Laufe der Zeit ganz schön wachsen. Fang mit den Füllwörtern an!

    Schritt 4: Füllwörter jagen

    Du hast einen Text fertiggestellt? Super! Wenn du an die Überarbeitung gehst, hast du nun eine Liste zur Hand, mit der du konkret deine Füllwörter „jagen“ und aus dem Manuskript entfernen kannst – wenn du das möchtest. Ich gehe dabei nie radikal vor. Diese Wörter können Füllwörter sein – oder Teil deines eigenen Stils. (Falls du unsicher bist, lasse dich von einem Text-Profi beraten.)

    Schritt 5: Liste aktualisieren

    Jetzt heißt es nur noch, deine Liste auf dem aktuellen Stand zu halten. Von Text zu Text wirst du als Autor, als Autorin wachsen und dich verbessern. Damit sich keine Füllwörter-Leichen in deiner Liste tummeln, die du gar nicht mehr verwendest und die deinen Überarbeitungsprozess unnötig verlängern, gehe sie regelmäßig durch und entferne die, die für dich keine Bedeutung mehr haben.

    So, und jetzt gehe ich selbst ein paar Füllwörter jagen. 😉

    Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreib mir an: kerstin@21ufos.de

    Holl di munter,

    Deine Kerstin

  • Sommerlektüre für Autor:innen

    Im Sommer bin ich ein bisschen lesefaul. Erst wenn das Wetter kühler wird, setzt bei mir die Leselust wieder ein. Geht es dir auch so? Dann habe ich ein paar Lesetipps für die Sommermonate, die dich als Autorin weiterbringen und nicht „beschweren“. (Natürlich auch für alle geeignet, die auch im Sommer gerne lesen. 😉 Nimm mit, was du gebrauchen kannst.)

    Lesetipp 1: „Emma“ von Jane Austen

    „Emma“ gehört zu Jane Austens späteren Werken. Von der Atmosphäre her empfinde ich diesen Roman als ihren hellsten, lichtesten. Was könnte besser zum Sommer passen? Im Laufe der Geschichte wird auch mal Weihnachten gefeiert, aber sei’s drum. Der Frühling kommt und mit ihm ein Ende der Irrungen und Wirrungen. 

    Was du als Autorin von „Emma“ lernen kannst: Beschränke dich! „Emma“ spielt im kleinen Örtchen Highbury mit einem begrenzten Personal. Doch die Begrenzung ist Jane Austens Spezialität. Zu Lebzeiten und kurz danach wurde sie für ihre „drei, vier Familien auf dem Lande“ belächelt. Heute wissen wir: Das ist ganz große Kunst. Sie schrieb nicht nur über das, was sie kannte, sondern beschränkte sich hier auf ein ganz klar abgestecktes Umfeld. Es muss nicht immer um die Welt gehen. Ein Dorf kann reichen, um ein reiches Personal zu entwickeln.

    Zusatztipp: Meine liebste Verfilmung ist die von 1996 mit Gwyneth Paltrow. Nach der Lektüre sehr zu empfehlen.

    Lesetipp 2: Fachliteratur deines Themengebiets

    Wenn du das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden willst, dann nutze die Zeit im Liegestuhl oder auf der Picknickdecke, um dich mit deinem Themengebiet zu beschäftigen. Ich weiß nicht, in welchem Genre du schreibst und welche Literatur sinnvoll wäre. Was ich weiß: Es muss kein sperriger Wälzer sein. Zu vielen Themengebieten gibt es gute populärwissenschaftliche Literatur, die sich der Leserin leicht erschließt. Oder schau mal nach Fachzeitschriften in deinem Bereich. Im Sommer lese ich manchmal lieber eine Zeitschrift zur Altertumskunde als einen historischen Roman. So hast du die Zeit sinnvoll genutzt, eine Leseflaute überbrückt und etwas für dein Hintergrundwissen getan.

    Zusatztipp: Bewegst du dich im Mittelalter? Dann möchte ich dir das Buch „Frauen im Mittelalter“ von Edith Ennen ans Herz legen.

    Lesetipp 3: Ratgeber zum Kreativen Schreiben

    Auch ein klassischer Schreibratgeber darf heute nicht fehlen, und zwar die „50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ von Roy Peter Clark. Dieser Ratgeber ist im positiven Sinne kleinteilig angelegt und durch Übungen zusätzlich kurzweilig. Ich arbeite immer wieder mit ihm und picke mir die Passagen heraus, die gerade zu meinem „Problem“ passen, habe ihn aber auch schon komplett gelesen. Mittlerweile vermutlich mehrfach. 😉 Für mich ist dieses Buch ein bisschen die eierlegende Wollmilchsau auf dem Creative-Writing-Markt: Von Mindset-Fragen über die Konstruktion langer Sätze bis zum Finden der eigenen Stimme gibt es hier alles mögliche zu lernen. Die Lektüre tut nicht weh, und wenn man im Schatten zur Siesta einschläft, fällt der Anschluss danach leicht.

    Zusatztipp: #werbung

    Du möchtest mehr über diese ominöse „Stimme“ erfahren, warum sie wichtig für dein Schreiben und das Marketing ist und wie du sie finden kannst? Dann komm in den Kurs Lebe deinen Autorentraum von der Agentur Autorenträume und mir. 🙂 )

    Lesetipp 4: der selfpublisher

    Kennst du die Zeitschrift „der selfpublisher“? Die Zeitschrift für Autor:innen, die in Eigenregie veröffentlichen, beleuchtet aktuelle Themen des Marktes, beschäftigt sich mit Buchsatz und Bloggern, interviewt erfolgreiche Selfpublisher, berichtet aus der Buchbranche, gibt Tipps zur Covergestaltung et cetera.

    Zusatztipp: Mitglieder des Selfpublisher Verbands e.V. erhalten die Zeitschrift automatisch im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Ansonsten findest du sie im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder online zum Bestellen auf autorenwelt.de.

    Lesetipp 5: Kurzgeschichten und Erzählungen

    Ich bin bekennender Fan der kurzen Form. Meine erste literarische Veröffentlichung war eine Kurzgeschichte in der Anthologie „ReiseLust“ des Storia Verlags. In der Spenden-Anthologie „Traumfabrik-Geschichten“ ist ein Theaterstück von mir erschienen. Ich lese die kurze Form auch sehr, sehr gerne. Auf meinem Nachttisch liegt gerade „Bei Anbruch der Nacht“ von Kazuo Ishiguro. Sehr empfehlen kann ich auch die Erzählungen einer meiner Lieblingsautorinnen, Alice Munroe, Nobelpreisträgerin von 2013.

    Welchen Kurzgeschichtenband du auch immer liest: Lasse dich von der Form inspirieren! Sieh dir den formalen Aufbau an, die inhaltliche Gestaltung, die Figurenentwicklung. In einem kurzen Text muss jedes Wort sitzen, fliegt alles „Überflüssige“ raus. Das ist spannend, und du kannst deine Erkenntnisse auf eigene Texte übertragen.

    Zusatztipp: Die Agentur Autorenträume veranstaltet auch in diesem Jahr eine Ausschreibung für eine Spenden-Anthologie, dieses Mal zum Thema „Visionär“. Vielleicht möchtest du teilnehmen? Dann hast du noch bis zum 31.7.2023 Zeit. Du hast nicht mehr viel Zeit für’s Schreiben, aber das muss nicht unbedingt schlecht sein. Unter Zeitdruck ist schon so manch guter Text entstanden. Hier geht’s zur Ausschreibung.

    Fazit

    Ob du nun im Sommer gern oder weniger gern liest, es gibt viele Möglichkeiten, die warmen Monate sinnvoll mit deiner Schreibleidenschaft zu verbinden. Ich hoffe, dass bei meinen Tipps etwas für dich dabei war. Wenn du weitere Fragen oder Anregungen hast, schreibe mit gerne an: kerstin@21ufos.de

    Holl di munter

    deine Kerstin

  • Offene Enden? 5 Tipps

    Kürzlich war ich mit meinem Mann im Kino, der erste Besuch dort seit vielen Jahren. Wir haben uns den Film „Indiana Jones“ angesehen, der uns beiden gut gefallen hat. Es war eine Zeitreise, richtiges Popcorn-Kino. Aber: Hinterher saßen wir im Auto und haben darüber diskutiert, ob denn alle offenen Enden aufgelöst wurden. Dabei ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, jeden Handlungsstrang, der in einer Geschichte aufgenommen wird, am Ende auch aufzulösen. Das gilt nicht nur für den Film, sondern auch für unser Metier, das Schreiben. (Und natürlich steckt hinter jedem Film ein Drehbuch und damit auch das Schreiben. Ich habe selbst auch ein Drehbuch verfasst.)

    Vielleicht fällt dir ein Film oder ein Buch ein, bei dem du das Gefühl hattest, dass Handlungsstränge aufgenommen wurden, die dich am Ende ratlos zurückgelassen haben; bei denen vielleicht nicht klar wurde, wie es nun ausgeht. Das kann gewollt sein – als klassisches „offenes Ende“, bei dem der Leserin bewusst überlassen wird, die Geschichte zu Ende zu denken – im Gegensatz zum glücklichen oder tragischen Ende.

    Manchmal ist es aber offensichtlich ein „Unfall“, wenn ein Handlungsstrang nicht beendet wurde. Nicht nur in den Genres Krimi und Thriller ist das wichtig, sondern auch im Liebesroman und allen anderen Genres. Heute gibt es daher 5 Tipps von mir für dich, damit dir solche Unfälle erspart bleiben. (Auf das Herausfischen solcher Unfälle achte ich während eines Lektorats übrigens besonders. 😉 )

    Tipp 1: Zeitleiste anlegen

    Wenn du eine komplexe Geschichte hast, bei der man zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und herspringt oder in der sehr viele Details verarbeitet sind, die sich aufeinander beziehen, kann es sinnvoll sein, eine Zeitleiste zu haben. Dann stehst du schon nicht mehr unter dem Druck, während des Schreibprozesses immer darauf achten zu müssen, ob du auch alle Details bedacht hast.

    Wenn du zu den Plottern gehörst, ist es einfacher: Du kannst planen, kannst dir in einer Datei, auf Karteikarten oder wo auch immer notieren, was wann wo wie passiert und welche Szene sich aufeinander beziehen.

    Wenn du zu den Bauchschreibern gehörst, ist es schwieriger, weil du anfangs noch nicht genau weißt, wie die Geschichte sich entwickelt. Mein Tipp: Mache es hinterher. Sieh dir deine Geschichte noch einmal genau an, mache dir notfalls eine Zeitleiste, um zu schauen, ob alle zeitlichen Abläufe logisch sind und ob innerhalb dieser Abläufe alle Handlungsstränge abgearbeitet wurden.

    Tipp 2: Testleser briefen

    Wenn du mehrere Testleser hast, stelle mindestens einen darauf ab, sich die Handlungsstränge anzuschauen. Wurden sie zu Ende geführt? Ein Testleser kann nicht auf alles achten und ist auch kein Lektor oder Korrektor. Sinnvollerweise gibst du ihm oder ihr eine Aufgabe. Das könnte in diesem Fall sein: „Schau dir die Enden an. Habe ich an alles gedacht?“

    Tipp 3: Die Nebenhandlung ist wichtig

    Die Nebenhandlung ist in puncto „Enden“ genauso wichtig wie die Haupthandlung. Wenn du ein Plotter bist, verwende einen guten Teil deiner Energie darauf, sie sauber zu Ende zu führen. Wenn du ein Bauchschreiber bist, sieh sie dir hinterher noch mal an. Gerade bei den Nebenhandlungen fällt mir oft ein Hang zum Ausfasern und Vergessen auf. Deiner Leserin wird das in vielen Fällen ebenfalls auffallen, sie aus der Geschichte hinauskatapultieren oder mindestens einen faden Beigeschmack hinterlassen. Daher: Nimm die Struktur der Nebenhandlung ernst. Sie verfolgt ebenfalls einen Spannungsbogen mit Anfang, Mitte und Schluss – und der Schluss darf natürlich nicht fehlen.

    Tipp 4: Vorsicht beim Löschen

    Es kann sein, dass du während der Überarbeitung Teile aus deinem Manuskript löschst, weil du glaubst, sie nicht zu brauchen. Mein Tipp ist, sie in einer separaten Datei zu speichern oder wenigstens Notizen zu machen beziehungsweise Kommentare anzulegen. Es kann sein, dass sich andere Teile deines Manuskripts auf diese Passagen beziehen und es dadurch zu Logikbrüchen oder eben offenen Enden kommt. Prüfe am Ende der Überarbeitung noch mal diese falschen Bezüge.

    Tipp 5: Nimm deine Lektorin ernst

    „Guck dir das hier noch mal an“, sagt deine Lektorin vielleicht. „Hier ist die Geschichte / der Handlungsstrang nicht zu Ende geführt.“

    Da ist vermutlich was dran. 😉 Natürlich kannst du dir den Text selbst noch mal anschauen und dich bei einem Testleser rückversichern. Es bleibt auch immer dir selbst überlassen, ob du das, was dir die Lektorin ans Herz legt, übernimmst oder nicht. Aber: Sie hat ein Gespür dafür. Sie ist wie ein Trüffelschwein auf der Suche nach genau solchen Sachen. Daher: Nimm es so ernst wie Hinweise auf die sprachliche Gestaltung oder die Figurenentwicklung. Deine Leserin wird es dir danken, denn zu einem runden Leseerlebnis gehört es auch, nicht mit Fragezeichen im Kopf aus dem Buch auszusteigen.

    Fazit

    Mir hat es Spaß gemacht, gemeinsam mit meinem Mann den Film noch einmal Revue passieren zu lassen und zu gucken, ob das denn auch alles so logisch und zu erklären war, und mit ein bisschen drehen und denken haben wir es auch hinbekommen.

    Aber das ist eben sehr wichtig, darauf muss es hinauslaufen, dass die Fragezeichen im Kopf deines Lesers oder deiner Leserin höchstens die eigene Entwicklung betreffen, die dein Buch in ihr ausgelöst hat, und nicht dein Plot, nicht deine offenen Enden.

    Bei Fragen schreib mir gerne an kerstin@21ufos.de

    Holl di munter

    deine Kerstin