Aus meinem Schreiballtag:

  • KI beim Schreiben nutzen?

    KI beim Schreiben nutzen?

    Heute mal ein kleiner Beitrag aus dem Land der Weltuntergangsbeschwörer und Dystopie-Anhänger … 😉

    Nein, Scherz beiseite: Im heutigen Blogpost widme ich mich dem Thema „KI im Schreib- und Veröffentlichungsalltag“, und zwar ohne Schwarzmalerei. Es ist verlockend, i know, und ich kann auch nicht behaupten, gänzlich angstfrei zu sein. Manches besorgt mich sogar und ich wünsche mir ein wachsames Auge aller Beteiligten – nicht nur bezogen auf möglicherweise gefährliche Entwicklungen, sondern auch hinsichtlich kreativer Arbeit und Urheberrecht.

    Allerdings nehme ich auch die Chancen wahr und sehe jede und jeden von uns herausgefordert, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und einen Standpunkt zu finden. Meiner folgt hier, vielleicht kannst du dir etwas mitnehmen. 🙂

    Am Anfang war die Angst

    Die Entwicklung von ChatGPT und Konsorten habe ich anfangs nur am Rande verfolgt. Gelegentlich kam das Gespräch auf KI, aber mein Gehirn hat die rasante Entwicklung in 2023 weitgehend ausgeblendet. Wenn es um Text und KI ging, habe ich Bedenken großzügig beiseite gewischt. „Kann sie nicht, wird sie nie können“, sagte ich mir.

    Erst in diesem Frühjahr dämmerte mir so langsam, dass da was Großes auf uns zukommt. Die Qualität der ausgespuckten Texte verbesserte sich, die Fehler wurden weniger. Aber erst, als KI-generierte Videos gezeigt wurden, setzte bei mir der Angstreflex ein. „In welcher neuen Realität bin ich heute Morgen aufgewacht?“, fragte ich mich. „Und was bedeutet das für meine berufliche Zukunft als Autorin und Lektorin?“

    Hallo Schnappatmung, sag ich nur, zumal YouTube mir nun reihenweise Videos von Menschen ausspuckte, die dank KI ihre Jobs verloren hatten. Diese Menschen waren zuvor teils unabkömmlich gewesen, konnten kaum in Urlaub gehen, und waren innerhalb weniger Monate ersetzt worden.

    Etwa eine Woche hielt mich der Algorithmus in seinem Klammergriff gefangen und meine Laune sank auf einen Tiefpunkt.

    Wie immer: erst mal lernen

    Einige Tafeln Schokolade und noch mehr Murmeltiervideos später wurde mir wieder angenehmer Content ausgespielt und ich beschloss, mich einmal ernsthaft mit KI auseinanderzusetzen. Kopf-in-den-Sand ist keine Lösung und passt auch nicht zu mir. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar: Erst mal eine Fortbildung besuchen, hihi. Genauer gesagt nahm ich an einem kollegialen Austausch innerhalb meines Berufsverbands, des VFLL, teil, den die Regionalgruppe Rhein/Ruhr online anbot. Es war ein sehr erhellender Abend mit einem wilden Ritt durch Tipps und Tools. Die Kolleg:innen teilten ihre Erfahrungen und ich hatte Ansatzpunkte zum Weiterdenken. Ich las außerdem Artikel zum Thema, sah mir Dokumentationen an, hörte Podcastepisoden und tauschte mich mit jemandem aus, der in der IT-Branche arbeitet. 

    Fragen, die ich mir zu diesem Zeitpunkt stellte:

    • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Autorin haben?
    • Welchen negativen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf meine Tätigkeit als Lektorin haben?
    • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Autorin sinnvoll nutzen?
    • Wie kann ich KI in meiner täglichen Arbeit als Lektorin sinnvoll nutzen?
    • Wie kann ich in beiden Berufsfeldern sicherstellen, dass ich nicht ersetzbar bin?
    • Wie gehe ich mit Kolleg:innen und Kund:innen um, die KI verwenden?
    • Wird die KI uns unterjochen und das Leben auf diesem Planeten vernichten? (Okay, ich gebe es zu: So ganz ließ und lässt mich diese Frage nicht los, hihi. Und was macht Kerstin in so einem Fall? Na klar, ein Buch drüber schreiben. 😉 Dieses #ufo liegt bereits seit einigen Jahren angefangen in der Schublade und hat sogar schon ein tolles Cover. Nun packe ich es an, sobald der Relaunch all meiner Titel durch ist. Kleiner Tipp am Rande: Schreiben ist eine gute Möglichkeit, Ängste zu verarbeiten. 🙂 )

    Grenzen ausloten

    Apropos Relaunch: Wie du vielleicht mitbekommen hast, ist mein queerer Roman „Tasche mit Herz“ wieder erhältlich. Das E-Book gibt es aktuell exklusiv bei Amazon, Print folgt Ende August/Anfang September.

    In diesem Zuge habe ich mich erneut mit dem Thema Coverdesign auseinandergesetzt. Ich mochte das alte Cover sehr gern, wollte aber im Zuge des Distributionswegswechsels – was für ein Wort – etwas Neues ausprobieren. Die wunderbare Laura Newman hat sich meines Titels angenommen und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

    Da habe ich allerdings etwa siebenunddrölfzig Schritte übersprungen, denn erst versuchte ich mich – mal wieder – wenig erfolgreich an der Covergestaltung für meine Titel. Es gab ja nun KI, und da sollte es doch möglich sein, mal grad was Passables zu basteln, dachte ich mir.

    Pustekuchen. Es kamen zwar lustige Bilder raus und ich könnte nun eine Galerie mit siebenhundert Ansichten eines Leuchtturms in unterschiedlichen Techniken eröffnen, aber professionell war anders. Genauso selbstgebastelt wie eh und je.

    Mein Fazit zum Cover-Selbstversuch: Wenn man weiß, wie es geht, könnte man eventuell KI verwenden. Ansonsten ist man gut beraten, einen Grafikdesign-Profi zu beauftragen, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen will. Ob der dann mit KI arbeitet oder nicht, ist mir letztlich wurscht, weil er oder sie die Arbeit trotzdem machen muss. (Laura unterscheidet beispielsweise bei ihren Premades und bietet separat KI-inspirierte an. Hier hat sie darüber berichtet.)

    Das neue Cover von „Tasche mit Herz“ ist nicht KI-inspiriert, was möglich gewesen wäre. Es ist so oder so ein professionelles Cover, das meinem Text gerecht wird, und über das ich mich mit Laura austauschen konnte, bis alles perfekt war. Auch das Print-Cover und die Designs für Werbematerialien hat sie entsprechend gestaltet und für mich ist das immer noch die erste Wahl, auch wenn ich dafür Geld in die Hand nehmen muss. Wäre ich geschickter, was Gestaltungsfragen angeht, sähe ich das vielleicht anders, doch so bin ich happy damit und freue mich über das neue Kleid von „Tasche mit Herz“.

    Mein Tipp: Probiere es aus. Lerne deine Grenzen kennen. Frage dich, was dir wirklich wichtig ist, wo du sparen möchtest und wo dein Geld gut investiert ist.

    Schreiben mit künstlicher Intelligenz?

    Zurück zum Text. Meine Mutter und ich haben uns während meines letzten Aufenthalts in Ostfriesland einen Spaß draus gemacht, mit der KI von ChatGPT die aktuelle weltpolitische Lage zu erörtern. Ich war überrascht, wie ausgewogen ihre Argumentation war, zumal sie ihre Ausführungen mit Quellen versah. Das eigene Wissen und Denken kann man damit zwar nicht ersetzen, denn Quark muss man von Nicht-Quark unterscheiden können, aber die Gedanken auf Trab zu bringen und sich einem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu nähern, kann auf diese Weise sicherlich durchaus erhellend sein.

    Doch wie tief darf der Eingriff sein? Ja, es gibt Autor:innen, die hauen komplette KI-generierte Bücher auf den Markt. Andere suchen sich Unterstützung beim Plotten, bei der Figurenentwicklung oder der Fehlerkorrektur. Wo ist eine Grenze zu ziehen?

    Die kann meiner Meinung nach nur die jeweilige Autorin, der jeweilige Autor – gegebenenfalls in Absprache mit Agentur und Verlag – ziehen. Wenn alle fein damit sind, bitte sehr.

    Allerdings bin ich für eine Kennzeichnung. Mein Kinderbuch „Wimpel und die rote Koralle“ ist ohne den Einsatz von KI entstanden, und dies habe ich auch auf dem Umschlag vermerkt und kommuniziere es im Marketing. Es ist meine feste Überzeugung, dass es einen Markt für Bücher geben wird, die ohne KI entstanden sind. (Bei „Tasche mit Herz“ und „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“, welches kürzlich ebenfalls wieder als E-Book erschienen ist, habe ich den Vermerk schlichtweg vergessen, hihi. Muss ich bei Gelegenheit nachholen.)

    Genauso wird es einen Markt für KI-generierte oder -unterstützte Inhalte geben. So wie Musik-Streaming und Schallplatten nebeneinander existieren, werden auch Bücher mit und ohne KI-Einfluss nebeneinander existieren.

    Jedoch: Ich wünsche mir, dass dies kenntlich gemacht werden muss. Hier halte ich wenig von Selbstverpflichtungen und viel von gesetzlichen Vorgaben. Wo Mensch draufsteht, sollte auch Mensch drin sein – und umgekehrt.

    Bis dahin habe ich mich für folgenden Weg entschieden: Sollte ich jemals ein Buch mit Unterstützung von KI verfassen, werde ich dies transparent machen und die Leserin, den Leser darauf hinweisen. So können meine Leser:innen selbst entscheiden, ob dies die Literatur ist, die sie lesen wollen.

    Mein Tipp: Beschäftige dich mit den Tools, die Schreibenden heute die Arbeit erleichtern sollen. Sind sie etwas für dich? Oder erledigst du die Arbeit lieber weiterhin „zu Fuß“? Welche Anteile könntest du an KI auslagern? Bei welchen bereitete es dir Bauchschmerzen? Probiere es aus!

    Transparenz im Lektorat

    Diese Transparenz wünsche ich mir auch von meinen Kund:innen im Lektorat. Im Fragebogen, den ich obligatorisch vor dem Erstgespräch versende, ist nun eine Frage zum Thema KI zu finden, denn ich möchte wissen, ob und inwiefern künstliche Intelligenz am Prozess beteiligt ist. Ich schließe dies nicht aus, möchte es aber bei der Bewertung der Textqualität und des daraus resultierenden Arbeitsaufwands berücksichtigen können. Was ich jedoch weiß: Auch „meine“ Autor:innen kann keine KI ersetzen. Ihre Texte sind das Resultat ihrer Lebenserfahrung, ihrer Gedanken und Gefühle. Und das ist gut so! ♥

    Von meiner Seite aus werden sicherlich im Laufe der Zeit Tools in meine tägliche Arbeit Einzug halten, weil man natürlich auf dem Laufenden bleiben muss. Ich werde in meinen Fortbildungen sicherlich Praktisches kennenlernen, und wo ich es zum Nutzen meiner Kund:innen einsetzen kann, werde ich dies tun – transparent und ehrlich.

    Doch eines wird KI niemals ersetzen können: mich. Wer mit mir gearbeitet hat, weiß, dass mein Lektorat persönlich, dass es deep ist. Wir tauchen tief, mit Herz und Verstand. Meine Sprachnachrichten – wenn gewünscht – kommen aus meinem Mund. Meine Empfehlungen – auch wenn sie mit Arbeit verbunden sind – resultieren aus mehr als 30 Jahren Erfahrung im Schreiben und Veröffentlichen. Ich bin das Resultat meiner Lebenserfahrung und schenke meinen Kund:innen meine Lebenszeit, erkenne ihre Anliegen und Probleme und gehe wertschätzend darauf ein. Damit bin ich -und werde es bleiben – unersetzlich. 🙂

    Fazit

    KI wird uns weiter beschäftigen. Die Entwicklung ist exponentiell. Manches wird uns überraschen, anderes erschrecken. Drumrum kommt keine:r von uns.

    Manche werden ihre Schreibarbeit von KI erledigen lassen und auf Textprofis zur Unterstützung verzichten. Vielleicht erzielen sie gute Resultate, vielleicht nicht.

    Doch lasst uns optimistisch sein und uns unseren Geschichten, unseren Sachthemen widmen. Es wird immer Menschen geben, die sich dafür interessieren. Wir haben alle so viel zu sagen. Schreiben wir es auf!


    Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de.

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  • Konzentriert schreiben und was Murmeltiere damit zu tun haben

    Konzentriert schreiben und was Murmeltiere damit zu tun haben

    Kürzlich hörte ich ein für mich sehr spannendes Buch, das mir einige erhellende Momente bescherte: „Deep Work“ von Cal Newport. Er befasst sich hierin mit den Umständen, die eine von tiefer  Konzentration geprägte Arbeitsweise begünstigen – oder hemmen. Der Untertitel der deutschen Ausgabe lautet bezeichnenderweise: „Regeln für eine Welt voller Ablenkungen“. Heute möchte ich meine Learnings mit dir teilen und sie auf unser gemeinsames Anliegen – das Schreiben von Texten – übertragen.

    Nur noch ein Video …

    Vorgestern dachte ich darüber nach, YouTube von meinem Handy zu löschen, weil ich geschlagene zwanzig Minuten lang einem Murmeltier dabei zugesehen hatte, wie es Möhren fraß. Ich habe diese Zeit als ungemein entspannend erlebt – immerhin. Allerdings hat dieses Video meine übliche Zubettgehzeit nach hinten verlagert, was einerseits meine Routinen stört und mich andererseits dringend benötigten Schlaf kostet, denn der Wecker klingelt so oder so um 5 Uhr.

    Ich ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mehr Zeit mit solchen Dingen „verschwende“, als ich mir vorgenommen habe. Damit will ich nicht sagen, dass der Konsum lustiger, lehrreicher oder ermutigender Videos überflüssig ist. Im Gegenteil: Ich lerne Spannendes aus aller Welt und bekomme Anregungen, die mir sonst verwehrt geblieben wären. Mich stört allerdings der „Suchtfaktor“, den diese Videos auf mich ausüben. Insofern kenne auch ich diese „Welt voller Ablenkungen“, denn die Videos lenken mich bisweilen von dem ab, was eigentlich anstünde, in dem Fall: schlafen.

    Versenkung ade

    Parallel erkannte ich, dass es mir auf Grund familiärer und beruflicher Umstände immer schwerer fiel, den Zustand der Versenkung zu erreichen, den konzentriertes Arbeiten erfordert. Darin bin ich normalerweise recht gut, habe diese Versenkung von klein auf genossen und sie so trainiert, dass sie zu einem Magisterabschluss mit der Note 1,0 und zahlreichen Veröffentlichungen geführt hat. Das dürfte beweisen, dass ich grundsätzlich in der Lage bin, mich gut zu konzentrieren und entsprechende Resultate zu erzielen.

    Jetzt kommt das Aber: Ich musste immer mehr Energie dafür aufwenden. Wir alle kennen die Ablenkungen des Alltags, die unsere Aufmerksamkeit erfordern. Du wirst vermutlich selbst rasch eine Liste an Dingen und Umständen erstellen können, die dich von dem abhalten, was dein Ziel ist, in unserem Fall: ein Buch schreiben. Damit fallen diese ablenkenden Umstände in die Kategorie „Schreibflow-Verhinderer“.

    Die Sache mit dem Flow

    Der Schreibflow ist der Zustand, der Autor:innen eine befriedigende und produktive Zeit verschafft. Wenn du im Flow bist, fließen die Wörter nur so aus dir heraus. Du konzentrierst dich auf deine Geschichte oder fachlichen Sachverhalte, bist ganz beim Thema und nimmst nichts anderes wahr. Es geht rasch voran und du musst nicht um jedes Wort ringen, was dich wiederum optimistisch an die nächste Schreibsession denken lässt.

    Doch auch andere – bisweilen ungeliebte – Aufgaben rund ums Schreiben und Veröffentlichen kannst du in einem Flow erledigen, zum Beispiel mehrere Posts für Instagram vorbereiten, die Buchhaltung und andere organisatorische Tasks erledigen, einen Newsletter oder die nächsten vier Blogartikel schreiben und terminieren.

    Marketing ist etwas, was viele Autor:innen gerne vor sich herschieben. Meiner Erfahrung nach wird es leichter, wenn sich Erfolgserlebnisse einstellen. Und nein, damit meine ich keine Buchverkäufe, sondern das Gefühl, das sich einstellt, wenn man die Aufgabe in einem Rutsch – im Flow – zu Ende gebracht hat.

    Mindset und so

    Ein Beispiel: Im Februar ist mein Vertrag mit einem Distributor für mein Drehbuch „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“ ausgelaufen. In der Konsequenz war das Buch seitdem nicht mehr am Markt erhältlich, zumindest als E-Book. (Print liegt hier und da und bei mir noch auf Lager.) Ich hätte den Umzug zu einem anderen Distributor bereits im Vorfeld anleiern oder aber zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb der vergangenen Monate erledigen müssen. Habe ich aber nicht. Warum? Weil ich den komplexen und zeitaufwändigen Vorgang scheute.

    Vor allen den Satz des E-Books schob ich vor mir her, vermutlich deshalb, weil der Satz von „Tasche mit Herz“ so nervenraubend war und sich über Wochen hinzog. Mir lag nur eine PDF-Datei vor und ich musste händisch alle Absätze durchgehen. Und da ich den Text sowieso vor mir hatte, wollte ich ihn noch einmal komplett überarbeiten. Jetzt bin ich happy damit und habe den überarbeiteten Text für den Print-Buchsatz wieder an die Agentur Autorenträume gegeben.

    Diese E-Book-Erfahrung hemmte jedoch meine Motivation, das nächste  Buch umzuziehen. Dabei war klar, dass ich inhaltlich nichts ändern müsste. Glücklicherweise lag mir auch eine freundlicheres Dateiformat vor, und als ich schließlich eines Abends die Energie fand, mich an den Satz zu machen, war die ganze Angelegenheit inklusive Upload und Veröffentlichung innerhalb von 75 Minuten erledigt.

    Verrückt, oder? Wovor hatte ich mich wochenlang gefürchtet? Ich war wieder happy, und nicht nur das: Ich hatte einen Flow erlebt. Hochkonzentriert hatte ich mich dieser Aufgabe gewidmet, nachdem unsere jüngste Tochter ins Bett gegangen war, und hatte durchgezogen, obwohl ich platt von Arbeit, Haushalt und Familienzeit war. Doch nun war ich im positiven Sinne erschöpft, euphorisch und habe die erneute Veröffentlichung sogar spontan ein wenig mit meinem Mann gefeiert.

    So geht Flow.

    Was verhindert den Flow?

    An meinem kleinen Beispiel siehst du zweierlei: Dass äußere Umstände UND das Denken den Flow-Zustand verhindern können, dass es aber unglaublich befriedigend ist, wenn der Zustand dann doch endlich eintritt.

    Wenn es dir so geht wie mir, dann scheitert der Flow oft an unzusammenhängenden Zeitblöcken, die es erfordern, sich immer wieder aufs Neue in die Aufgabe eindenken zu müssen. Hereinprasselnde Anliegen anderer Menschen, das Aufbringen enormer Willenskraft bei nervigen Sachen – ich sage nur: Verpackungsregisterjahresendmeldung, hihi – und die Verlockungen moderner Medien tun ihr Übriges. (Gegen das Grundbedürfnis, die Wäsche erledigen oder das Bad noch grad putzen zu müssen, habe ich jahrelang angekämpft und widerstehe hier mittlerweile erfolgreich. Der Haushalt wird erledigt, wenn er dran ist, und das ist nicht während meiner Arbeits- oder Schreibzeit. Aber ich kann nachvollziehen, wenn das für dich noch schwierig ist.)

    Mein Tipp: Identifiziere deine Flow-Verhinderer, ob nun aufs Schreiben oder andere Tasks bezogen. Und dann prüfe, was du unternehmen kannst, damit sie in Zukunft nicht mehr dazwischenfunken.

    In meinem Fall ist das Löschen von YouTube keine Option, da ich mich über die Plattform über das Weltgeschehen informiere – also die Nachrichten unterschiedlicher Sender und Nachrichtenagenturen anschaue – und mich zu unterschiedlichen Themen weiterbilde. Allerdings habe ich ein festes Zeitfenster für „Daddelei“ eingeführt – und die Shorts meide ich komplett, da sie eine geradezu hypnotisierende Wirkung auf mich haben und ich eins nach dem anderen schauen kann, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht. Dann lieber 20 Minuten geplant „Murmeltier beim fressen“ gucken und dabei bewusst entspannen. 🙂

    Und dann schaffe ganz bewusst zusammenhängende Phasen konzentrierten Arbeitens. „Deep Work“ geht detailliert auf das Thema ein und ich kann es hier in der Kürze nicht wiedergeben, weshalb ich dir die Lektüre wärmstens empfehlen möchte. Durch Phasen konzentrierten Arbeitens wirst du aber sehen, dass sich mit der Zeit immer mehr Inseln der Ruhe ergeben werden und es mit deinem Buchprojekt oder anderen anstehenden Aufgaben endlich vorangeht – wo wie bei mir mit dem Drehbuch.

    Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an kerstin@21ufos.de

    Literaturhinweis:

    Cal Newport, „Deep Work“ (erschienen bei Redline unter dem Titel „Konzentriert arbeiten. Regeln für eine Welt voller Ablenkungen“ – auch als Hörbuch)

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  • Hilfe! Ich brauche ein Exposé

    Hilfe! Ich brauche ein Exposé

    Im Autor:innenleben kommen wir immer mal wieder an den Punkt, an dem wir ein Exposé aus der Tasche ziehen müssen oder wollen. Ja, das gilt auch für Selfpublisher:innen: Auch für sie kann es sinnvoll sein, auf ein Exposé zu setzen. Fangen wir also mit folgender Frage an:

    Warum brauche ich ein Exposé?

    Vielleicht möchtest du dich bei einem Verlag oder einer Agentur bewerben oder an einer Ausschreibung teilnehmen. In diesem Zusammenhang ist mittlerweile vielen geläufig, dass meist ein Exposé zu übersenden ist. Doch wusstest du, dass das Exposé nicht nur ein Informationsblatt für die erste Person ist, die es erreicht, sondern auch Gesprächsgrundlage in größerer Runde sein kann? Dies ist dann der Fall, wenn dein Manuskript in die engere Auswahl kommt und beispielsweise in einer Konferenz vorgestellt wird. Ob ein Manuskript angefordert wird oder nicht, entscheidet nämlich nicht zwangsläufig ein Mensch alleine.

    Auch kann dein Exposé Grundlage für die weitere Bearbeitung im Verlag sein, zum Beispiel bei der Gestaltung des Covers. Hier sind manchmal Details wichtig, die eventuell schon auf den Websites der Verlage und Agenturen oder der Ausschreibung zu entnehmen sind. Für meine Verlagsveröffentlichungen war beispielsweise die Angabe von Haar- und Augenfarbe wichtig, da daraufhin die Bilder für den Umschlag ausgewählt wurden. Vielleicht spielen bei dir auch andere Faktoren eine Rolle.

    Tipp: Lies dir die Anforderungen genau durch und halte dich an die Vorgaben, damit es nicht an Details scheitert. Hast du direkten Kontakt zu Lektor:in oder Agent:in, frage nach, wenn etwas unklar ist.

    Als Indie-Autor:in brauche ich sowas doch nicht …

    Auch als Selfpublisher:in kann ein Exposé nicht schaden. Bei mir ist es bei jedem Projekt die Arbeitsgrundlage. Ohne ein Exposé tippe ich kein Wort. Da ich aber ein Plotter bin, möchte ich das nicht verallgemeinern. 🙂 Gehörst du zu den Bauchschreibern, empfehle ich dennoch, bestimmte Aspekte zu verschriftlichen, denn du kannst das Exposé als Selfpublisher:in zum Beispiel nutzen, um die Kommunikation mit Dienstleister:innen aus dem Bereich Illustration und Coverdesign zu vereinfachen: Sie lesen nicht dein komplettes Buch, wollen aber gerne wissen, worum es geht, wer die Zielgruppe ist und so weiter. Hier kann ein Exposé nützlich sein. Auch ein Waschzettel für den Buchhandel schreibt sich leichter mit einem Exposé im Rücken.

    Hinweis: In diesem Blogpost habe ich mich mit kurzen Zusammenfassungen deines Textes beschäftigt. Darin geht es auch um Pitch, Kurzinhalt – und den sogenannten Waschzettel.

    Was gehört in ein Exposé?

    Ein paar Sachen sind absoluter Standard. Diese sollten in keinem Exposé fehlen. Dazu gehören:

    • Titel
    • Name / Pseudonym
    • Kontaktdaten
    • Genre
    • (geplanter) Umfang in Zeichen inkl. Leerzeichen oder Normseiten
    • Bearbeitungsstand / Status
    • Zielgruppe
    • Logline, Pitch oder Kurzinhalt (siehe hierzu den Blogpost zu Zusammenfassungen)
    • Inhaltsangabe inklusive Ende (siehe hierzu den Blogpost zu Zusammenfassungen)

    Hinweis: Dein Titel ist ein Arbeitstitel. Er kann sich im Laufe des Prozesses auch im Selfpublishing ändern bzw. wird bei einer Verlagsveröffentlichung durch den Verlag festgelegt. Mit Glück kommt dein Wunschtitel durch, die Regel ist das aber nicht, da viele Aspekte hineinspielen.

    Optional sind folgende Angaben, sofern sie relevant für dein Genre sind bzw. von Verlag/Agentur/Wettbewerbsausrichter so kommuniziert wurden:

    • Perspektive
    • Schauplatz
    • Tropes
    • Aufstellung der Figuren, ggf. mit Details mit Haar- oder Augenfarbe
    • kurze Vita
    • Foto
    • ggf. Werkverzeichnis

    Da ein Exposé maximal drei Seiten umfassen sollte – eventuell weniger, wenn angegeben – erschließt es sich von selbst, dass hier in der Kürze die Würze liegt. Wähle klug aus, was relevant ist und was nicht. Und fülle die Seite nicht maximal mit Text, sondern lasse etwas Luft, damit sie gerne gelesen wird. 😉

    Fazit

    Du siehst: Es kommt auf den Einzelfall an. Informiere dich genau, was gefordert wird beziehungsweise welche Informationen du im Selfpublishing zusammentragen solltest, damit du gut mit anderen am Prozess Beteiligten zusammenarbeiten kannst. Nimm dir Zeit für die Arbeit am Exposé und siehe sie in jedem Falls als Gewinn an, denn du beschäftigst dich intensiv mit deinem Projekt, weißt danach, wohin du willst und kannst dich im Schreibprozess und während des Marketings immer wieder fragen: Bin ich noch auf Kurs? Marschiere ich in die richtige Richtung? Oder sollte ich etwas ändern? Von Projekt zu Projekt wird es dir leichter fallen, den Rahmen zu schaffen, die Infos zusammenzutragen. Und vielleicht macht es dir irgendwann sogar Spaß. So wie mir. 🙂


    Kontaktiere mich jetzt, wenn du Unterstützung benötigst, eine Exposé-Beratung in Anspruch nehmen oder dein Exposé prüfen lassen möchtest. Ich kann auf mehr als vierzig Veröffentlichungen im Verlag zurückblicken, für die ich Exposés schreiben durfte, und habe als Lektorin etliche Autor:innen erfolgreich hierzu begleitet. Schreibe mir jetzt: kerstin@21ufos.de


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  • Was wir von Alice Munro lernen können

    Was wir von Alice Munro lernen können

    Nachdem wir erst kürzlich Paul Auster betrauern mussten, stehen wir erneut vor der Aufgabe, von einer großen Literatin Abschied zu nehmen: Alice Munro ist gestorben. Die kanadische Autorin und Nobelpreisträgerin verstarb am 13. Mai 2024 im Alter von 92 Jahren in Port Hope, Ontario, Kanada. Munro durfte ein langes Leben leben, das in literarischer Hinsicht viele Höhen bereithielt. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, gehört zu den renommiertesten Autorinnen der Gegenwart. Leider konnte Alice Munro die Verleihung des wichtigsten Literaturpreises der Welt nicht mehr miterleben, da sie im Alter an Demenz erkrankte.

    Sie ist eine meiner Lieblingsautor:innen und ich nehme ihren Tod zum Anlass, einmal genau hinzuschauen: Was können wir als Schreibende von ihr lernen? Was können wir uns abschauen, um selbst ein Lebenswerk aufzubauen?

    Eine kleine Welt

    Alice Munro schrieb – wie auch Paul Auster und Jane Austen – über das, was sie kannte: Ihre Erzählungen und Kurzgeschichten spielten überwiegend in Ontario. Dort kannte sie sich aus. Zwar reiste sie im Laufe der Jahrzehnte an alle möglichen Orte auf diesem Planeten, doch beim Schreiben blieb sie ihrer Heimat treu. Bei mehr als 150 veröffentlichten Kurzgeschichten finde ich das doch erstaunlich. Wenn du einmal in ihr Werk reinliest, dann wird dich vielleicht – wie mich – ein Gefühl des Da-seins überkommen: Ich sehe die flirrende Sommerhitze, tauche ein in eine vergangene Zeit, erlebe Kanada durch Alice Munros Augen.

    Tipp: Was erlebst du? Wie sieht deine Welt aus? Welche Rituale, Selbstverständlichkeiten und Brüche gibt es? Vor welchen Herausforderungen stehen die Menschen dort, wo du gerade bist? Was ist das Besondere im (scheinbar) Normalen? Schau genau hin: Dies sind die Dinge, die du gut kennst und die für andere Menschen interessant sein können. Das kann keine KI übernehmen. Nur du.

    Eine kurze Form

    Munro erhielt den Nobelpreis für eine Textform, der üblicherweise kein großer Erfolg beschieden ist. Der Roman gilt ja als die Königsdisziplin des Schreibens. Doch Munro hat es anders gemacht: Sie entschied sich für die kurze Form, und das mit Erfolg: Zwischen 1968 und 2012 veröffentlichte sie 14 Sammlungen von Kurzgeschichten und avancierte damit zur Bestsellerautorin. Sie gilt als „Meisterin der Kurzgeschichte“, revolutionierte deren Form. Ihr erstes Buch war „Tanz der seligen Geister“, das auch in meinem Bücherregal steht und 1968 erstmals aufgelegt wurde. Damals war Munro 37 Jahre alt. Ihr letztes Buch erschien 2012: „Liebes Leben“. Wir können von ihr lernen, uns an ihren Texten erfreuen und ihre Entwicklung als Schriftstellerin nachvollziehen, vor allem, wenn wir chronologisch lesen. 

    Tipp: Hier ist mal wieder zu sehen, was wir mit Beständigkeit erreichen können. Wer beständig am Ball bleibt, Seite um Seite füllt – auch in Form von Kurzgeschichten -, baut ein Lebenswerk auf.

    Aus der Not heraus

    Doch wie kam es dazu, dass sie sich auf das Schreiben von kurzen Texten fokussierte? Interessierten sie Romane nicht? Mitnichten. Sie versuchte sich sogar daran, doch als Mutter von vier Kindern in den Fünfzigern und Sechzigern schrieb sie, wann immer sich die Gelegenheit dazu bot – neben der Hausarbeit. Die fehlende Zeit mag ein Faktor gewesen sein – den ich als Mutter von drei Kindern auch kenne -, doch ich möchte sagen: Sie hatte einfach ihre Form gefunden. Sie goss das Leben, das sie umgab, in diese „Short Stories“, die sie letztlich berühmt machten.

    Tipp: Dein Alltag lässt dir wenig Zeit, um an einem großen Projekt zu arbeiten? Dann versuche, es in seine Teile zu zerlegen und besonders kleinschrittig vorzugehen, oder probiere eine andere Textform aus: Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen, aber auch kurze Theaterstücke oder Drehbücher können eine Alternative sein. Sie sind keine reinen Fingerübungen, um auf den „großen Roman“ vorzubereiten, sondern haben einen Wert in sich. Mein Drehbuch „Ertrinkende Pflanzen auf Leinwand“ ist genauso Teil meines Lebenswerks wie mein Theaterstück „Ostf_ckland“.

    Fazit

    Alice Munro hinterlässt ein Werk, in dem sie ihre Zeit, ihren Ort für die Nachwelt in unvergleichlicher Weise konserviert hat. Berühmtheit war sicherlich nicht Alice Munros Goal. Sie wollte einfach nur schreiben. So hat sie – Schritt für Schritt, Seite für Seite – ein Lebenswerk geschaffen. Wir müssen nicht den Nobelpreis oder weltweite Bestseller anstreben – auch wenn wir es dürfen 😉 -, aber wir können uns abschauen, welche Schritte sie gegangen ist, um ihr Lebenswerk zu errichten. Und dann bauen wir an unserem: Wort für Wort, Seite für Seite.

    Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir: kerstin@21ufos.de

    Tipps zum Weiterlesen:

    Artikel auf NDR.de

    Artikel auf Deutschlanfunkkultur.de

    Wikipedia

    Nachruf beim S. Fischer Verlag

    Autorenseite mit ihren Büchern – S. Fischer Verlag

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  • Hilfe! Ich muss meinen Text zusammenfassen

    Hilfe! Ich muss meinen Text zusammenfassen

    Du musst ein Exposé verfassen, möchtest deinen Roman in der Buchhandlung vorstellen oder den Klappentext für den Buchumschlag erstellen? Dann hast du eine Aufgabe vor dir, die viele Autor:innen vor Probleme stellt. In meiner täglichen Arbeit als Lektorin erlebe ich dies immer wieder. Heute möchte ich dir ein paar praxiserprobte Tipps an die Hand geben, damit dir die Zusammenfassung deines Textes leichter von der Hand geht.

    Ein Satz genügt: die Logline

    Manchmal hast du nur einen Satz, in den du den Inhalt deines Textes packen kannst. Eine ganze Story in ein bis zwei Zeilen. Schwierig? Schwierig! Dieser eine Satz – im Bereich Film auch als Logline bekannt – enthält die Quintessenz, das Herz, die Botschaft deines Textes. Du findest ihn zum Beispiel auf der zum Film gehörigen Seite eines Films bei Streamingdiensten. Der Satz soll dir den Film schmackhaft machen. (Manchmal wird der Begriff „Logline“ mit „Pitch“ gleichgesetzt, der allerdings etwas umfangreicher ausfallen darf. Daher behandle ich ihn separat.)

    Die Logline ist essentieller Bestandteil meines Schreibens. Wenn ich einen Stoff entwickle, schreibe ich die Logline zum Projekt auf eine Karteikarte und hänge sie an meine Pinnwand, damit ich sie stets im Blick habe. So kann ich zwischendurch immer prüfen, ob ich noch auf Kurs bin oder mich verlaufen habe. (Ich kann auch eine Geschichte aus einer Logline heraus entwickeln, aber das bietet genug Stoff für einen eigenen Artikel. 😉 )

    Dabei geht es zunächst einmal darum, in Worte zu fassen, worum es in deiner Geschichte geht. Einfach? Gar nicht! Manchmal sind Autor:innen so tief im Text, dass sie tatsächlich nicht benennen können, was der Kern ihrer Geschichte ist. Was ist wichtig, was nicht? Welche Informationen müssen unbedingt hinein?

    Hier ein paar Beispiele:

    Der Herr der Ringe (J. R. R. Tolkien)

    Der Hobbit Frodo muss gemeinsam mit seinen Gefährten ihre Welt Mittelerde vor dem bösen Herrscher Sauron retten.

    Harry Potter (J. K. Rowlings)

    Ein Zauberschüler und seine Freunde stellen sich ihren Ängsten und Lord Voldemort.

    Feuer und Stein (Outlander, Diana Gabaldon)

    Eine Frau landet in der Vergangenheit und muss sich zwischen der Liebe zu einem attraktiven Schotten und der Rückkehr in ihre Zeit entscheiden.

    Wie würdest du diese Bücher in einem Satz zusammenfassen? Probiere es aus!

    Hinweis: Der eine Satz darf nicht gebildet werden, indem man einfach mehrere Sätze mit Kommas verbindet. 😉 Versuche es so lange, bis du tatsächlich bei einem einzigen Satz landest. Und: Dieser Satz ist nicht in Stein gemeißelt. Probiere aus, welcher gut ankommt.

    Tipp: Wenn du bei deinem eigenen Text alleine nicht weiterkommst, frage eine:n Testleser:in oder deine:n Lektor:in um Rat. Sie haben genug Distanz zum Text, um ohne emotionale Beteiligung urteilen zu können, kennen ihn aber gleichzeitig gut und können dich beraten. Im Gespräch mit jemandem, der den Text kennt, kann der Kern dann freigelegt werden.

    Der Pitch weckt die Neugier

    Der Pitch – manchmal mit Logline gleichgesetzt, was es nicht einfacher macht, i know – ist etwas länger und darf durchaus bis zu drei Sätze umfassen. Es handelt sich dabei um eine kurze Vorstellung des Projekts. Der sogenannte „Elevator Pitch“ ist dir vielleicht schon einmal begegnet: Stelle dir vor, du hast den Zeitraum einer Aufzugfahrt, um einer wichtigen Person dein Projekt vorzustellen. Es erschließt sich von selbst, dass hier die Kürze entscheidend ist, in der dennoch alles Relevante vermittelt werden muss. Frage dich: Was macht mein Buch aus? Welche Figuren müssen erwähnt werden? Brauche ich unbedingt die Namen? Was ist die Botschaft, das Thema?

    Kurzinhalt – oder Kurzpitch?

    Kürzlich las ich in einer Ausschreibung den Begriff „Kurzpitch“. Das halte ich für verwirrend, denn ein Pitch ist per se kurz. Die Länge wurde mit einer halben Seite angegeben – was ich wiederum für einen Pitch recht lang finde. Ich würde dies eher als „Kurzinhalt“ bezeichnen, eine kurze Inhaltsangabe, da dieser „Kurzpitch“ auch das Ende beinhalten sollte – was ein Pitch nicht zwangsläufig tut! Im Gegenteil wird beim Pitch oft das Interesse geweckt, indem das Ende gerade nicht genannt wird.

    Beim Verfassen eines Kurzinhalts hast du schon etwas mehr Spielraum. Du kannst die Figuren mit Namen vorstellen, etwas zum Weltenbau mitteilen. Der Kurzinhalt ist maximal eine halbe Seite lang, gerne kürzer. Wichtig ist hierbei, dass das Ende enthalten ist. Dieses spielt für die Entscheidung, ob ein Projekt Interesse weckt und das ganze Manuskript angefordert wird, oft die entscheidende Rolle. Manchmal möchte der Verlag auch mitreden. Ist dir das Ende noch nicht bekannt, benenne die möglichen Optionen.

    Tipp: Wenn du auf eine Ausschreibung reagierst, dein Text angefordert wird oder du ein Exposé einreichst, lies dir die Anforderungen genau durch. Du siehst, dass Menschen unter „Pitch“ ganz unterschiedliche Dinge verstehen können: von „ein Satz“ bis „halbe Seite“, mit Ende oder ohne usw.

    Die klassische Inhaltsangabe

    Eine komplette Inhaltsangabe fasst alle Aspekte deiner Geschichte und alle Handlungsstränge zusammen. Anfang, Mittelteil und Schluss können ausführlich besprochen und die wichtigen Figuren vorgestellt werden. Die Länge dieser Inhaltsangabe richtet sich nach dem dir zur Verfügung stehenden Platz – ein Exposé ist inklusive aller Bestandteile wie Nennung des Genres, des Umfangs etc. maximal drei Seiten lang! – und den Anforderungen, die zu erfüllen sind.

    Tipp: Setze niemals allein auf eine Inhaltsangabe, sondern stelle einen Pitch oder Kurzinhalt voran, der schnell zu lesen ist und neugierig macht. Bei Bedarf kann die komplette Inhaltsangabe gelesen werden, aber so viel Zeit – und Lust – hat nicht jede:r.

    Hinweis: Manchmal wird eine separate Aufstellung der Figuren angefordert. Bei meinen Verlagstiteln war hier sogar die Augen- und Haarfarbe relevant, da aufgrund dieser Informationen das Cover gestaltet wurde. Bei einer allgemeinen Bewerbung musst du nicht so ins Detail gehen. Konzentriere dich auf die relevanten Informationen.

    Beim Klappentext wird’s tricky

    Manchmal lese ich in Exposés die Bezeichnung „Klappentext“ für eine kurze Zusammenfassung der Geschichte. Hier liegt eine Verwechslung vor: Der Klappentext ist ein Verkaufstool und befindet sich hinten auf dem Buchumschlag. Er soll die Geschichte verkaufen. Das soll natürlich auch der Pitch, mit dem man die wahnsinnig erfolgreiche Verlegerin im Aufzug beglückt ;-), jedoch ist der Adressat ein anderer: Der Leser, die Leserin hat andere Bedürfnisse, soll durch den Klappentext zum Blick ins Buch animiert werden. Die Gestaltung eines Klappentexts fällt somit in den Bereich Marketing. Dabei gibt es natürlich Überschneidungen, denn die Geschichte beziehungsweise der Sachtext ist ja derselbe. Dennoch liegt hier der Teufel im Detail: Der Klappentext kann kurz oder lang sein, hat manchmal eine Logline als Überschrift – die in diesem Zusammenhang verwirrenderweise manchmal Untertitel genannt wird – oder eine aussagekräftige Abschlusszeile, enthält aber niemals das Ende.

    Hier als Beispiel der Klappentext meines queeren Liebesromans „Tasche mit Herz“:

    Wenn eine Liebe zu lange auf die Probe gestellt wird, genügt ein Funke – und alles brennt!

    Janna liebt Stefan, kann aber nicht mehr mit ihm leben. Stefan hat den Kontakt zu seiner Familie verloren und sucht außerhalb sein Glück. Heike wünscht sich eine funktionierende Beziehung, kann aber weder Mann noch Frau lange halten.

    Als Janna zu ihrer Mutter nach Ostfriesland flüchtet und Heike nach vielen Jahren wiedertrifft, löst diese Begegnung eine Folge von Ereignissen aus, die alle Beteiligten zwingt, sich der eigenen Wahrheit zu stellen.

    Eine queere Lovestory über Neuanfänge und den unbedingten Glauben an sich selbst

    Tipp: Durchwühle einmal dein Bücherregal und schaue dir die Klappentexte an: Erkennst du Parallelen? Was spricht dich besonders an? Welche Konventionen gibt es in bestimmten Genres? Wende deine Erkenntnisse auf deinen eigenen Klappentext an.

    Hinweis: Als Verlagsautor:in hast du eventuell keinen Einfluss auf den Klappentext. Als Selfpublisher:in liegt die Erstellung bei dir, was dir aber auch die Möglichkeit gibt, über den Text zu entscheiden und gegebenenfalls einen anderen auszuprobieren.

    Der Waschzettel kommt ohne Wasser aus

    Vielleicht hast du schon einmal den Begriff Waschzettel gehört. Manchmal wird er synonym mit dem Begriff Klappentext verwendet, umfasst aber in der Regel mehr: Auf einem Blatt werden die wichtigsten Informationen zu einem Buch zusammengefasst. Rezensenten erhalten ihn beispielsweise gemeinsam mit dem Buch, er kann aber auch hilfreich im Kontakt mit Buchhandlungen sein. Auf diesem einfach oder doppelseitig bedruckten Blatt befinden sich das Cover oder eine Abbildung des Buches, der Titel, der Klappentext, das Format und der Umfang, die Bezugsinformationen, eventuell eine kurze Vita – mit oder ohne Foto – des Autors oder der Autorin, eine Textprobe und was dir sonst noch wichtig erscheint. Auch hier: Viel Platz hast du nicht. 🙂

    Hinweis: Der Waschzettel wird in der 3. Person formuliert.

    Fazit

    Mache dir klar, aus welchem Anlass du die Geschichte zusammenfasst: Bei einer Verlagsbewerbung ist dein Exposé mit Zusammenfassung Grundlage für die weitere Bearbeitung, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit einem Coverdesigner. In einer Konferenz wird vielleicht auf Grundlage deines Exposés abgewogen, ob dein Projekt angekauft werden soll. Eine Jury fasst deinen Titel eventuell bei einer Ausschreibung in die engere Wahl. Verfasse daher eine Zusammenfassung, die genau auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Eine Einheitslösung gibt es leider nicht. Das macht es jedoch auch so spannend und kann für dich immer wieder einen Lernanreiz bieten, besser zu werden. Je öfter du deinen Text zusammenfasst, desto leichter wird es dir fallen.

    Du hast Fragen oder Anregungen? Dann schreibe mir an: kerstin@21ufos.de.

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