„Dies ist ein neues Notizbuch. Ich weiß nicht, wohin es führen wird. Doch momentan bin ich ,stuck‘, befinde mich eventuell sogar seit Herbst 2024 in einer schweren Schreibkrise. Vielleicht ist dies der Ausweg: einfach wieder von Hand in ein Heft schreiben. Gedanken sortieren, Routinen etablieren. Mir das zu Herzen nehmen, was ich anderen so lange gepredigt habe.“
Diesen kleinen Auszug aus meinem Schreibjournal stelle ich heute an den Anfang meines Posts, um dir zu zeigen: Es kann alle treffen. Egal wie lange sie schon dabei sind und wie viel Erfahrung sie im Schreiben haben mögen – eine Schreibkrise kann hinter jeder Ecke lauern, sogar die von der schwersten Sorte.
Ich kann den Zeitpunkt ziemlich genau benennen, an dem ich reingerutscht bin: in den Herbstferien 2024. Damals lag ich krank auf dem Sofa und habe mir zu viele Videos über den Einfluss von KI auf die Kreativbranche reingezogen. Dazu die Krisen dieser Welt und – zack! – war ich ein heulendes Häuflein Elend. Ich fühlte mich plötzlich überflüssig – als Lektorin, als Autorin, als Mensch. (Dass ich zu dem Zeitpunkt überarbeitet war und wir auch privat viel zu durchstehen hatten, tat natürlich sein Übriges …)
Meine Projekte stellte ich damals zwar nach und nach ein, jedoch – und das ist mir wirklich, wirklich wichtig als Hinweis an dich – schmiss ich nichts weg. Ich deaktivierte. Es blieb alles im Hintergrund da. Gerade beim Reupload meiner Podcastepisoden ist mir bewusst geworden, was ich mir im Laufe der Jahre an Wissen erarbeitet habe. Auch das ist noch da.
Und noch etwas tat ich nach dem Breakdown im Herbst 2024 nicht: aufgeben. Stattdessen ging ich raus und suchte mir eine positive Beschäftigung, die mich forderte und aufbaute. Die mir das Gefühl gab, einen sinnvollen Beitrag in dieser technisierten Welt zu leisten, zuerst in einer heilpädagogischen Einrichtung, nach unserem Umzug bei einem sozialen Hilfsdienst und nun in der Kinder- und Jugendhilfe, außerdem im Rahmen von Lernförderung. Diese gesellschaftlich relevanten Aufgaben, die mich täglich lernen lassen, sind nicht durch Technik zu ersetzen. Was ich tue, kann kein Roboter, kann keine KI leisten, niemals.
Und nach und nach wuchs, ganz nebenbei, auch wieder das Zutrauen, dass der Buchmarkt vielleicht in der Form, wie wir ihn viele Jahre kannten, zusammenbrechen wird – in Teilen ist er das längst -, es aber weiterhin handgemachte Bücher geben wird, genauso wie Leser:innen, die genau das suchen. Die nicht mit Avataren interagieren wollen, sondern mich echten Autor:innen aus Fleisch und Blut.
Die Frage, wie ich zukünftig veröffentlichen möchte, habe ich für mich noch nicht abschließend geklärt. Dass ich wieder veröffentlichen werde, ist safe. Zuerst mit meinem Schreibjournal, nun mit dem Blog docke ich nach dem Ende meiner Schreib-/Veröffentlichungs-/Buchmarkt-/KI-Krise (oder wie auch immer) an das an, was funktioniert hat; was gut für andere und für mich lief; grounded, ehrlich und mit guter Laune – so wie du mich kennst.
Holl die munter,
deine Kerstin

